Erst am 29. Juni feierte "Daddy Cool" in Palma Premiere. | Foto: Teresa Ayuga

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Nur zwei Wochen nach der Premiere kam das Aus: Eigentlich sollte das Musical „Daddy Cool" bis zum 23. September im Trui Teatre in Palma aufgeführt werden. Doch schon am vergangenen Donnerstag fiel der letzte Vorhang. Keine weiteren Vorstellungen, das Ensemble, das zum großen Teil aus Niederländern besteht, ist zurück in der Heimat.

Ein juristisches Nachspiel wird folgen. Der Veranstalter, die deutsche Firma „Sunny Music Entertainment", hat am Freitag einen Insolvenzantrag gestellt. Noch am selben Tag wurde vom Amtsgericht Offenbach der Rechtsanwalt Timm Hartwich (Kanzlei KRIEGER in Frankfurt/Main) zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt.

„Im Interesse aller Gläubiger tun wir alles, um möglichst viel an Masse zu realisieren", so Hartwich am Mittwochnachmittag im Gespräch mit MM. Es sieht so aus, als würden diejenigen, die sich bereits ein Ticket im Vorverkauf besorgt haben, zumindest erstmal auf der Karte sitzen bleiben.

Hartwich zufolge dürfe man die Ticketkäufer gegenüber anderen Gläubigern nicht bevorzugen. „Alle tun aber gut daran, wenn sie sich bei uns melden." Das gehe am besten mit einer E-Mail an service@daddy-cool-musical.com.

Obwohl das Ensemble abgereist war, sprach Hans-Thomas Bender, einer von zwei Geschäftsführern der „Sunny Music Entertainment" am Montag noch von einer vorübergehenden Pause. „Wir haben personelle Schwierigkeiten und suchen zurzeit nach Lösungen", erklärte er. Wie erwähnt war da der Insolvenzantrag bereits gestellt.

Hauptdarsteller Ruben Heerenveen hat am Sonntag auf seiner Facebook-Seite eine Nachricht gepostet, in der er mitteilte, dass das Musical abgesetzt sei („Daddy Cool Mallorca got cancelled!"). „Unglaublich! Es ist schrecklich!", so Heerenveen weiter.

Am Dienstag wurde das Aus für die Show bestätigt. „Leider sind wir als Veranstalter des Musicals aus wirtschaftlichen Gründen gezwungen, das Gastspiel auf Mallorca vorzeitig zu beenden", hieß es auf der Homepage.

Die ersten beiden Wochen der Spielzeit hätten gezeigt, dass man nicht die Besucherzahlen habe erreichen können, „die für die laufenden Kosten der Show und ihre hochwertige Besetzung notwendig gewesen wären".

„Daddy Cool" werde bald in England und anderen Ländern zu erleben sein. Angesichts des Insolvenzverfahrens ist diese Aussage sicher mit Vorsicht zu genießen.

Sicher ist, dass die Veranstalter sich total verkalkuliert haben, was das Zuschauerinteresse am Musical mit den Hits von Erfolgskomponist Frank Farian anbelangt. Bei den zehn Vorstellungen, die stattgefunden haben, sollen im Schnitt weniger als 100 Gäste gewesen sein. Bei Platz für 1300.

Die Zahl der Eintrittskarten, die schon für nun nicht stattfindende Aufführungen gekauft wurden, liege im dreistelligen Bereich.

Im Raum steht nun die Frage, warum „DaddyCool" gescheitert ist. Zumal der Event in einer Reihe weiterer Flops der vergangenen Jahre zu sehen ist, organisiert vor allem von Firmen, die ihren Ursprung nicht auf der Insel hatten.

Es gab in den 90ern mal ein Mallorca MusikFestival mit fünf Events in der Stierkampfarena, unter anderem Schlager und Oldies. Das wurde nicht angenommen. Ebenso wenig ein Beachvolleyballturnier, ein ATP-Tennisturnier, ein Westernfestival oder „Kölle goes Palma" an selber Stelle oder der Unicef-Event „Friends 2000" zur gleichen Zeit.

Es gab auch mal Zeiten, in denen der Zirkus „Flic Flac" nach Mallorca übersiedeln wollte. Noch gar nicht so lange ist es her, da sollte eine Elvis-Show die Massen in das Showrestaurant „Es Fogueró" locken. Das Hamburger Ohnsorg-Theater hatte sich mehr Publikum im Auditorium gewünscht und auch das deutsche Comedy-Festival im letzten Jahr lief nicht.