Bluttat von Canyamel: Die Version der Tochter

Michaela P. glaubt nicht, dass der inhaftierte Lebensfährte der alleinige Täter ist

|
Der Beschuldigte Axel H. wird in Handschellen aus dem Haus geführt.

Der Beschuldigte Axel H. wird in Handschellen aus dem Haus geführt, in dessen Garten er den Beamten die Stelle im Garten zeigte, wo er seine Lebensgefährtin vergraben hatte.

Foto: Foto: Alejandro Sepúlveda
Der Beschuldigte Axel H. wird in Handschellen aus dem Haus geführt. Das Haus des Opfers liegt direkt am Meer. Gisela von Stein war unter den Kiefern veregraben worden.Gisela von Stein wurde 66 Jahre alt.

Ein Kapitalverbrechen an einer Deutschen, Mallorca, ein Adelstitel, Glamour und eine Verschwörungstheorie - die "perfekten" Ingredienzien für einen explosiven Nachrichtencocktail: Der gewaltsame Tod der deutschen Residentin Gisela Freifrau von Stein im beschaulichen Canyamel hat in den vergangenen Tagen ein erhebliches Echo in den deutschen Medien gefunden. Auch gut eine Woche nach dem Auffinden der Leiche der 66-Jährigen sind noch deutsche Reporter-Teams auf der Insel, um Licht ins Dunkel dieses Falls zu bringen.

Wie berichtet, hatte Axel H., der Lebensfährte der seit August vermissten Gisela von Stein, der Polizei am 10. Oktober die Stelle im Garten der gemeinsamen Villa aufgezeigt, in der er die Leiche vergraben hatte. Kurz zuvor war der 62-Jährige im Rahmen einer groß angelegten Suchaktion in der Urbanisation in Canyamel entdeckt und festgenommen worden.

Inzwischen ist gegen Axel H. Haftbefehl wegen des Verdachts auf Totschlag erlassen worden. Die Ermittler schenken seiner Version keinen Glauben, wonach er seine Lebensgefährtin tot aufgefunden und dann beerdigt habe, weil er befürchtete, zu Unrecht beschuldigt zu werden.

Die Obduktion der Leiche hat ergeben, dass Gisela von Stein an den Folgen eines heftigen Schlags auf den Kopf gestorben ist. Nach Informationen von "Ultima Hora" schließen die Forensiker aus, dass auch ein Unfall zu diesen Verletzungen geführt haben könnte. Anderen Medienberichten zufolge sind die Ermittler davon überzeugt, dass Gisela von Stein im Bett liegend mit einer Nachttischlampe erschlagen wurde, die anschließend im Müll landete. Auch andere Spuren des Verbrechens, etwa Blutspritzer an der Wand, sollen beseitigt worden sein. Eine Wand wurde gestrichen.

Die Leiche von Gisela von Stein war in eine Decke gewickelt und in zirka anderthalb Meter Tiefe vergraben. Axel H. musste kaum befürchten, beim Ausheben des Grabes beobachtet zu werden. Das Grundstück in der Via de la Costa 107 ist dicht mit Pinien bewachsen und deshalb uneinsehbar.

Ob Axel H. seine Lebensgefährtin nicht nur vergraben, sondern zuvor auch umgebracht hat, ist möglicherweise nur durch eine Indizienkette nachzuweisen. Denn der Beschuldigte verweigert die Aussage. Sein Anwalt hat außerdem darauf hingewiesen, dass fundamentale Rechte seines Mandanten verletzt worden seien, als er ohne anwaltlichen Beistand verhört worden sei.

Für die Ermittler steht fest, dass sich Axel H. durch widersprüchliche Aussagen und Lügen verdächtig gemacht hat - abgesehen von seinem ganzen ungewöhnlichen Verhalten, zu dem auch eine Reise nach Singapur und das Plündern von gemeinsamen Konten und Schließfächern gehört haben sollen.

Aber wo ist das mögliche Motiv für Totschlag oder Mord? Zum einen wurde inzwischen bekannt, dass die Beziehung zwischen den beiden, die vor zwei Jahren von Frankreich nach Mallorca gezogen waren, nicht mehr so perfekt war, wie die Nachbarn glaubten ("Ein Herz und eine Seele"). "Bild" verweist auf Informationen aus Ermittlerkreisen, wonach Axel H. schon seit Längerem eine Affäre hatte.

Zum anderen werden finanzielle Hintergründe vermutet. Der wohlhabendere Part in der rund zehn Jahre währenden Beziehung war offenbar Gisela von Stein, die auch das "gemeinsame" Immobilien-Unternehmen Son Mas de la Marina finanzierte. Gisela von Stein hatte unter anderem eine Karriere als Model hinter sich, Axel H. soll als IT-Unternehmer Schiffbruch erlitten haben.

Der komplizierte Fall hat in den vergangenen Tagen noch eine ungeahnte neue Komponente erhalten: Die in Kanada lebende Tochter des Opfers, Michaela P., ist nämlich der Überzeugung, dass noch nicht alle Personen gefasst sind, die für den Tod ihrer Mutter verantwortlich sind: "Wenn Axel H. etwas gemacht hat, dann hat er es nicht auf eigene Initiative getan", erklärte Michaela P. in einem Internet-Telefonat gegenüber MM. Als möglichen Drahtzieher vermutet die 41-Jährige einen Mann aus Deutschland, der sie misshandelt habe. Kurz vor ihrem Verschwinden habe ihre Mutter diesem Mann aus sogenannten "guten Kreisen" gedroht, ihn öffentlich zu brandmarken.

Schon am Tag, an dem die Leiche Gisela von Steins gefunden wurde, schrieb Michaela P. in Facebook: "Bitte helft mir! Es ist noch nicht vorbei, es hat gerade erst begonnen. (...) Ich bin in Gefahr, bis die richtigen Personen gefasst werden. (...) Manche wollen nicht, dass ich den Mord an meiner Mutter weiterverfolge. Bitte teilt meine Angst jedem mit, den ihr kennt, besonders in Deutschland und Spanien!"

Seither versuchen zahlreiche Reporter, mit Michaela P. Kontakt aufzunehmen. Als einzige Vertrauensperson akzeptiert sie jedoch die auf Mallorca lebende freie Journalistin Alexandra Pilz, über die auch das Mallorca Magazin Gelegenheit hatte, mit der Zeugin zu telefonieren.

MM liegt inzwischen eine Mail vor, die Gisela von Stein am 4. August, also wenige Tage vor ihrem Verschwinden, an den mutmaßlichen Peiniger ihrer Tochter geschrieben hatte. Darin droht sie: "Du bist doch der übelste Sadist, der mir je begegnet ist. (...) Ich werde an alle Zeitungen schreiben, Du wirst deine skrupellose Visage auf allen Titelseiten sehen. Alle Deine Freunde und Bekannten werde ich unterrichten." (In der MM vorliegenden Version dieser Mail ist der Name des Mannes entfernt worden.)

Michaela P. will nicht locker lassen. "Es geht darum, Öffentlichkeit zu schaffen, damit diesem Aspekt des Falls mehr Aufmerksamkeit gewidmet wird." Von der spanischen Polizei erwartet sie sich nicht allzu viel. Michaela P. ist überzeugt davon, dass ihre Mutter viel früher gefunden worden wäre, wenn die Polizei ihre Hinweise von Beginn an ernst genommen hätte. Jetzt habe sie über das Konsulat in ihrer Wahlheimat das BKA und die Kripo in Deutschland eingeschaltet.

Wie aus Journalistenkreisen verlautet, konzentrieren sich die mallorquinischen Ermittler tatsächlich nach wie vor ganz auf Axel H. als mutmaßlichen Täter.

Kommentar

Nutzungsbedingungen

Rechtlicher Hinweis

» Der Inhalt der Kommentare spiegelt die Meinung der Nutzer wider, nicht die von mallorcamagazin.com

» Es ist nicht erlaubt, Kommentare abzuschicken, die gegen das Gesetz verstoßen oder unangebrachte, beleidigende oder ehrverletzende Inhalte haben.

» mallorcamagazin.com behält es sich vor, unangemessene Kommentare zu löschen.

* Pflichtfelder

Noch kein Kommentar vorhanden.