Mallorca-Märchen von Gabriele Kunze

Bucherscheinung mit Illustrationen von Rudy Schwizgebel

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Gabriele Kunze und Rudy Schwizgebel mit dem Mallorca-Buch.

Gabriele Kunze und Rudy Schwizgebel mit dem Mallorca-Buch.

Foto: Foto: P. Lozano

Lange bevor es auf Mallorca schneite – so fangen auf der Insel traditionell alle Märchen an – lebte hoch oben in den Bergen, zwischen uralten Eichen- und Olivenbäumen, eine Eule. Sie war nicht umsonst das Symbol der Weisheit und das Wappentier der Göttin Athene, der Hüterin von Kunst und Kultur.

Dieser Vogel hatte von seinem Hochsitz aus schon viele Sommer und Winter über die Insel ziehen sehen. Die Eule war reich an Erfahrungen und lebensklug durch all die Ereignisse, die sie mit ihrem gestochen scharfen Blick erfasst hatte. Die anderen Tiere schätzen die Eule ob ihres Wissens und suchten häufig ihren Rat. Niemand kannte die Insel so gut wie jener gefiederte Geselle im Wald.

Gabriele Kunze ist keine Eule, und schon gar keine Nachteule. Aber in Sachen Lebensweisheit und Mallorca-Kompetenz reicht sicherlich kaum jemand an sie heran. Die langjährigste Mitarbeiterin des Mallorca Magazins, Kulturredakteurin und Europäerin des Jahres (auf Mallorca im Jahre 2004) lebt seit 1980 auf der Insel. Sie ist Buchautorin, Kolumnistin und Expertin für Kunst, Küche, Kultur, Kirchen, Kräuter, Kreuzzüge, Kakteen, Klöster, Kulinarisches. Es gibt keinen Kollegen, der sie nicht schon wiederholt um Tipps und Infos gebeten hat. Und immer wusste sie zu helfen.

Jetzt hat "G.K.", so ihr Kürzel in Versalien - die einzige Kollegin, der dieses journalistische Privileg gewährt wird - ein neues Buch veröffentlicht. "Mallorca, Geschichten und Märchen" ist jedoch viel mehr, als es der Titel auf dem Buchumschlag (167 Seiten) vermuten lässt.

Es handelt sich um eine Sammlung von Lebensweisheiten und Lebensrätseln, ganz so, wie sie sich im Laufe eines Daseins ansammeln, wenn der Blick für diese Dinge gegeben ist. Die Erzählungen sind eingebettet in die Erzählform der Insel, in ihre bäuerlichen, teils derben Legenden, wie man sie sich in vergangenen Zeiten am Herdfeuer, in kalten Winternächten oder während der Arbeitspausen auf dem Feld erzählte. Es sind bauernschlaue Fabeln von guten Menschen und bösen Wichten, von Drachen und Unholden, Prinzessinnen und Knechten, voller geheimer Sehnsüchte, Ängste, Lebenshunger und den unterschwelligen Triebkräften des Daseins.

Auch an Tieren wimmelt es in den literarischen Kurztexten, an Pflanzen und Zauberwesen. Die Insel ist immer präsent in den Texten, die Kinder und Erwachsene gleichermaßen ansprechen, auch wenn die hintersinnigen Bedeutungen für die Jüngsten nicht immer zu erfassen sind.

Mallorca als Märchenfabel wird auch in jedem vorangestellten Einführungsabsatz beschrieben, erklärt, nahegebracht. Der Wandel der Insel, von der einstigen Agrar- über die Tourismus- zur Infogesellschaft, wird anschaulich in Worte gefasst - und zwar etwa aus der Sicht von scheinbar so unbedeutenden Geschöpfen wie jenen Holzwürmern.

Nicht alle der 20 Geschichten stammen aus der Feder Gabriele Kunzes. Bei einigen handelt es sich um neue, von ihr in eigenen Worten nacherzählten Mallorca-Märchen, wie sie in ihrer volkstümlichen Überlieferung bereits vom Erzherzog Ludwig Salvator und später vom Pfarrer Antoni Maria Alcover, Mallorcas "Bruder Grimm", gesammelt, aufgeschrieben und veröffentlicht wurden. G.K. steht damit in einer bedeutenden, einer bedeutungsvollen Tradition. Und dies in Zeiten, die von digitalen Kurzformen der Kommunikation, von SMS, Tweets und Posts beherrscht werden, wo das Erzählerische, das Märchenhafte scheinbar vollständig auf der Strecke bleibt.

In dem Schweizer Rudy Schwizgebel, wie Kunze Jahrgang 1949, hat die Autorin einen ebenbürtigen Illustrator gefunden, einen Künstler, der mit fast kindlichem Zeichenstift eine geradezu ungehörige Frische, Farb- und Lebensfreude in das Buch transportiert.

Anders als in deutschen Märchen gibt es im Werk von Gabriele Kunze am Schluss kein "und die Moral von der Geschicht …". Es sind teils heitere, teils traurige, mitunter verstörende Märchen. Wurden die Holzwürmer am Ende nun ausgetrickst, belogen und betrogen? Oder verstanden sie es letztlich, sich den modernen Zeiten anzupassen und dem neuen Zeitgeist unterzuordnen? Happy End oder Tragödie? Die Frage bleibt offen, und jeder Leser muss für sich selbst entscheiden, wie die Dinge liegen. Es ist, ein bisschen, wie im wahren Leben …

"Mallorca, Geschichten und Märchen" von Gabriele Kunze, Zeichnungen Rudy Schwizgebel, ISBN 978-3-98-119291-9,20 Euro. Das Buch ist zu bekommen in der Buchhandlung Dialog, Palma, Carrer Carme 14. Oder unter gkunze(at)gkunze.es, Tel. 971-614101.

Lesung mit der Autorin:

Freitag, 2. August, 18 Uhr, Museo Can Morey de Santmartí, Palma, Carrer de la Portella 9. Anmeldung unter Tel. 971-724741 oder www.museo-santmarti.es.

Aktualisert, 12.07., 11.03 Uhr.

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D.LEDERLE / Vor über 5 Jahren

Sehr geehrte Frau Kunze, ich suche einen Namensvetter von Ihnen, der nach dem Tod seiner Mutter nach Mallorca verzogen sein soll. Die Eltern von ihm oder ihr waren Vera Kunze und Heinz Kunze( geb. 1913 und gest. 1965 in Berlin). Ich hoffe auf einen Zufall, Angehörige von Vera und Heinz Kunze ausfindig zu machen. Über eine Nachricht von Ihnen würde ich mich sehr freuen. Mit freundlichen Grüßen D. Lederle

Margot Heckner / Vor über 6 Jahren

Gibt es das Buch auch in Deutschland zu kaufen??

hermann / Vor über 6 Jahren

Frau Kunze, sollte mal Schluss machen mit diesen ständigen Auftritten und versuchter Schriftstellerei, das war schon beim MM qualvoll genug, diese Stümperei.

Christa Ortel / Vor über 6 Jahren

Hallo Frau Kunze, es war einmal vor langer, langer Zeit, da habe ich schon einige Mallorca Märchen gelesen. Kann nicht mehr so gut sehen, deshalb auf E-Book erforderlich. Ist es möglich eine Nachricht zu bekommen, falls irgendwann so möglich. Muchas gracias, saludos cordiales, Christa Ortel