Sprachenstreit um Parkhausschild

Regionalpartei kritisiert Schreibfehler

Spanisch, Mallorquí, Deutsch und Englisch: Das Schild, das den Streit entfacht hat.

Spanisch, Mallorquí, Deutsch und Englisch: Das Schild, das den Streit entfacht hat.

Ein heftiger Streit ist um einige Schilder in einem Parkhaus von Palma de Mallorca entbrannt. Die Informationen sind in vier Sprachen nachzulesen: Spanisch, Englisch, Deutsch und Katalanisch – letzteres aber in einer sehr eigenwilligen Variante. Das hat nun zu Protesten geführt. 

Die Schilder, die in dem Parkhaus unter der Plaça Major mitten in Palma angebracht sind, informieren die Nutzer, dass sie an einem der Ticketautomaten bezahlen müssen, bevor sie mit dem Auto wieder wegfahren.

Per Gesetz müssen Schilder auf Mallorca auf Katalanisch geschrieben sein. Auf den Schildern ist neben der spanischen, britischen und deutschen Fahne auch die mallorquinische abgebildet. Dahinter steht geschrieben: "Pagau an es caixer automàtic abans de sortir amb so vostro vehicle".

Das entspricht nicht der offiziellen katalanischen Schriftweise. Richtig müsste es heißen: "Pagau al caixer automàtic abans de sortir amb el vostre vehicle."

Der Text auf dem Schild enthält Formen des mallorquinischen Dialekts des Katalanischen. Vergleichbar wäre ein Schild in Deutschland, auf dem steht: "Gehnse nachem Kassenautomat bevorse mittem Auto wegfahn tun."

Die linke Regionalpartei Més hat nun offiziell Beschwerde bei der Stadtverwaltung von Palma eingelegt. Offenbar hatten Nutzer des Kurznachrichtendienstes Twitter den Fall öffentlich gemacht.

Das Thema Sprache ist auf Mallorca traditionell sehr umstritten. Viele Mallorquiner fürchten angesichts des immer größeren Einflusses des Spanischen den schleichenden Verlust ihrer Sprache. Kaum ein anderes Thema wird auf der Insel so kontrovers diskutiert.

Es gibt aber auch Verfechter der Ansicht, statt des Katalanischen müsse auf Mallorca das Mallorquí gefördert werden. Ebenso wie auf Menorca das Menorquí, auf Ibiza das Eivissenc und auf Formentera das Formenterenc. Dabei handelt es sich jedoch lediglich um Dialekte des Katalanischen – eine Verschriftlichung wird von Kritikern als Verballhornung ausgefasst.

Der Sprachenstreit hat auch eine politische Dimension: Manche Verfechter des Katalanischen auf Mallorca stehen dem spanischen Staat kritisch gegenüber. Es gibt Bestrebungen, gemeinsam mit der Region Valencia sowie Katalonien eine politische Einheit zu bilden.

Die Betonung des Mallorquinischen gegenüber dem Katalanischen ist deshalb häufig auch der Versuch, sich von dieser Haltung abzugrenzen.

Laut Tageszeitung "Ultima Hora" wird die Stadtverwaltung nun prüfen, ob die Schilder in dem Parkhaus geändert werden müssen. Ob die Fehler in der deutschen Übersetzung dann beseitigt werden, ist unklar. Dort steht zu lesen: "Vor Abholen des Frahrzeuges bitte Kassenautomat bezahlen." (jm)

 

Kommentar

Nutzungsbedingungen

Rechtlicher Hinweis

» Der Inhalt der Kommentare spiegelt die Meinung der Nutzer wider, nicht die von mallorcamagazin.com

» Es ist nicht erlaubt, Kommentare abzuschicken, die gegen das Gesetz verstoßen oder unangebrachte, beleidigende oder ehrverletzende Inhalte haben.

» mallorcamagazin.com behält es sich vor, unangemessene Kommentare zu löschen.

* Pflichtfelder

Olaf Tausch / Vor über 5 Jahren

#Kerstin: Katalanisch ist aber nunmal kein Dialekt des Spanischen (castellano), sondern eine eigenständige Sprache, die von genauso vielen Menschen gesprochen wird wie Tschechisch und von mehr als beispielsweise Slowakisch, Bulgarisch, Kroatisch, Slowenisch, Litauisch, Lettisch, Estnisch, Finnisch, Schwedisch, Norwegisch, Dänisch, Isländisch ..., um nur mal andere europäische Sprachen mit weniger Sprechern zu nennen. Und niemand gibt freiwillig seine Muttersprache auf. Wir schreiben den Sorben, Dänen und Friesen in Deutschland schließlich auch nicht vor, dass sie gefälligst Deutsch als Muttersprache zu sprechen und nur in dieser Sprache zu lernen hätten.

Knöpfel / Vor über 5 Jahren

Warum lässt man nicht solche Schilder bevor man sie aufstellt von Leuten die der Sprache mächtig sind ,korrigieren ? Das abmontieren und umschreiben kostet wieder sinnlos Steuer Gelder die Spanien für Sinnvolleres gebrauchen könnte..

Kerstin / Vor über 5 Jahren

Wie kann man nur immernoch so `verbohrt` sein!Unglaublich was für eine Debatte ständig geführt wird über die (hässliche) Sprache dieser Insel!Kann man sich nicht etwas öffnern,so wie es die Welt auch tut und sagen,gut,wir einigen uns auf das Castellano?!In Deutschland wird auch nicht verlangt,dass ostfriesisch/nordfriesisch,bayrisch,sächssisch und was weiss ich,was es da noch alles an Dialekten gibt,im Vordergrund steht und gesprochen/geschrieben werden muss.Ich bin für das Castellano,denn was Anderes lernt man nicht in D,bevor man hierher kommt,(falls man vorher etwas spanisch lernt)

Olaf Tausch / Vor über 5 Jahren

Ramon Llull würde sich im Grabe umdrehen. Es ist zwar richtig, Ortsbezeichnungen auf Mallorca in der mallorquinischen Schreibweise auszuzeichnen. So etwas findet man in Deutschland auch, wo in den niederdeutschen Sprachgebieten die Endungen "-dorp" oder "-torp" für "-dorf" existieren. Aber an den Schulen der Insel wird doch wohl neben Spanisch (castellano) Katalanisch (català) gelehrt. Das sollte man für solche Hinweisschilder bedenken. Ein Auseinanderdividieren der katalanischen Dialekte aus irgendwelchen politischen Gründen wäre wohl kaum im Sinne des Begründers der katalanischen Literatur, des Mallorquiners Ramon Llull.