Die Vize-Miss ist 30

1984 wurde Fornalutx zum zweitschönsten Dorf Spaniens gekürt

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Es gibt nur eine asphaltierte Straße in Fornalutx: Die Hauptverkehrsader führt durch das Bergdorf.

Es gibt nur eine asphaltierte Straße in Fornalutx: Die Hauptverkehrsader führt durch das Bergdorf. Begegnen sich zwei Kleinlaster, haben sie Probleme, aneinander vorbeizukommen.

Foto: Foto: Patricia Lozano
Es gibt nur eine asphaltierte Straße in Fornalutx: Die Hauptverkehrsader führt durch das Bergdorf.Wer das Dorf erkunden möchte, muss vor allem Treppen steigen.Joan Albertí Sastre ist der Alkalde von Fornalutx.In Amtszimmer des Bürgermeister hängt hinter Glas die Auszeichnungsurkunde von 1984.Der Platz vor der Kirche ist zentraler Treffpunkt. Fornalutx zählt rund 800 Einwohner.Wer hungrig nach Fornalutx kommt, hat die Wahl zwischen sechs Restaurants und einer Pizzeria.
Beim Schlendern durch den Ort fallen einem viele kunstvolle Details auf, wie etwa schmiedeeiserne Gitter.

Die große Auszeichnung wird hinter Glas gehütet wie ein Schatz. Sie hängt direkt im Rücken des Bürgermeisters von Fornalutx. Im Juli vor 30 Jahren war der Ort im mallorquinischen Tramuntana-Gebirge zum zweitschönsten Dorf in ganz Spanien (des Jahres 1983) gekürt worden.

Wer die Nummer eins war, daran kann sich heute niemand mehr erinnern, aber auch mit dem zweiten Platz sieht man sich in Fornalutx seit 30 Jahren im Bestreben bestätigt, den Ort so natürlich, authentisch und gepflegt wie möglich zu präsentieren. "Denn wir leben schließlich", sagt Bürgermeister Joan Albertí Sastre, "vom Tourismus".

Der Lokalpolitiker war schon Gemeinderat, als Fornalutx die ehrenwerte Auszeichnung erhielt. Der Wettbewerb war damals vom spanischen Tourismusministerium organisiert worden, um "verschönerte und gepflegte Dörfer" zu würdigen und bekannt zu machen. Was als jährliche Veranstaltung konzipiert war, erlebte nur eine oder einige wenige Auflagen. Initiator war der damalige Staatssekretär Guillermo Porta in Madrid gewesen. Das war ein Mann, der sich bei seinen Mallorca-Aufenthalten zu einem wahren Fornalutx-Enthusiasten gewandelt hatte, erinnert sich Bürgermeister Albertí.

Und tatsächlich ist das Bergdorf ein wahrlich schmuckes Örtchen in privilegierter Umgebung. Die traditionellen Steinhäuser schmiegen sich in Halbhöhenlage an die 1358 Meter hohe Felswand Penyal de Migdia, die ihrerseits zum Massiv des Puigmajor, Mallorcas höchstem Berg, zählt. Die Häuser und die Gassen des Ortes sind mit Natursteinen verkleidet, nach den Vorgaben des Rathauses muss jedes Bauprojekt einen Sonderausschuss passieren, der darauf achtet, ob Neuerungen mit dem Ortsbild harmonieren. Neubauten sind ohnehin nicht mehr möglich, da das Dorf in einem Landschaftsschutzgebiet liegt und Bauland nicht mehr vorhanden ist. "Da nicht gebaut werden durfte, haben insbesondere Ausländer verfallene Häuser und Ruinen gekauft und liebevoll wiederhergerichtet."

Wer durch die verwinkelten Gassen schlendert, in denen früher Maultiere die Lasten beförderten, entdeckt immer wieder Ausblicke auf die terrassierten Parzellen, auf denen Oliven- und Orangenhaine gedeihen. In den Gärten ranken Bougainvilleen und Prunkwinden, zwischen Blattgrün schimmert das Blau von Pools.

Vier Landhotels mit knapp 100 Betten beherbergen Urlauber, die vor allem Ruhe, Natur, Schönheit und Gediegenheit suchen, und dafür entsprechend zu zahlen bereit sind. "Unsere Besucher verfügten über eine mittlere bis hohe Kaufkraft, sie sind an unserer Kultur, unseren Traditionen interessiert und legen Wert auf saubere Umwelt und gesunde Lebensweisen samt Sportarten wie Wandern oder Radfahren", sagt Albertí.

Es ist, wenn man so will, das absolute Kontrastprogramm zu Magaluf mit seinen Alkohol-Exzessen in der schmuddeligen Partyzone "Punta Ballena". Wenn der Lokalpolizist in Fornalutx aktiv werden muss, dann höchstens gegen Falschparker. "Der Ort ist etwas Besonderes, eine kleine Welt für sich", sagt der Ordnungshüter, der die Gemütlichkeit des Dorfes nach drei Jahren Dienst auf der Jetset-Insel Ibiza zu schätzen gelernt hat.

Bürgermeister Albertí setzt auch in Zukunft auf die Bewahrung des Dorfes - so, wie es ist. "Bei einem Jahresetat von 1,1 Millionen Euro sind große Projekte nicht drin. Darum investieren wir das Geld gerne in die Pflege des Ortsbildes."

(aus MM 29/2014)

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