Kampf gegen den Plastikmüll auf Mallorca

Was Firmen und Gemeinden unternehmen, um der Plastikplage Herr zu werden

|
Plastikmüll im Meer vor Mallorca.

Plastikmüll im Meer vor Mallorca.

Foto: Foto: Archiv Ultima Hora

Weltweit verschmutzen mehr als 100 Millionen Tonnen Plastikmüll die Meere, der zusammen eine Größe von Mitteleuropa annimmt. Das geht aus einem aktuellen Bericht des Umweltprogramms Unep der Vereinten Nationen hervor. Jedes Jahr kommen 6,4 Millionen Tonnen dazu. Was die Müllboote der balearischen Landesregierung aus den Balearengewässern fischen, mutet dagegen fast bescheiden an. Zwischen Juni und September holten die Boote etwas mehr als 13 Tonnen Plastik aus dem Meer. Der größte Teil davon kommt laut Studien vom Land.

Auf den Balearen sind im vergangenen Jahr nach Angaben von Müllentsorger Tirme insgesamt 12.173 Tonnen Plastikmüll gesammelt worden, Tendenz steigend. Ein Tirme-Sprecher geht in den nächsten Jahren von bis zu 20.000 Tonnen aus. Allerdings liegen diese Zahlen nicht nur in der Zunahme von Plastikmüll begründet, sondern auch in der effektiveren Müllsammlung.

Vor allem in Mallorcas Gemeinden tut sich einiges in Sachen Müllentsorgung. So lässt die Verwaltung des 5000-Einwohner-Dorfes Esporles die Anwohner schon seit Jahren den Müll zu Hause trennen und dort auch direkt abholen. Der Restmüll kommt in einen roten Sack, der einen Euro kostet. "Wer mehr trennt, zahlt weniger", erklärt Esporles' Umweltingenieur Viçenc Vidal.

Derzeit zahle man pro Haushalt 90 Euro Grundgebühr, vorher seien es 160 gewesen. Dennoch beklagen Umweltverbände, dass die Recycling-Quote auf den Balearen viel zu niedrig sei. Aktuell würden nur zehn Prozent wiederverwertet. Organisationen wie "Retorna" fordern ein umfassendes Recycling-System auf der Insel.

Es gibt aber auch Initiativen aus der Wirtschaft: Die Supermärkte haben bereits vor Jahren für ihre Plastiktüten Centbeträge beim Kunden erhoben. Vor dieser Maßnahme sind allein bei der Supermarktkette Eroski jährlich 75 Millionen Tüten über die Ladentheke gegangen, danach habe man allein in einem halben Jahr 12 Millionen Beutel weniger verwendet.

Weniger Plastikverbrauch muss auch mit weniger Kosten für den Kunden einhergehen, um effektiv zu sein. Das sagte sich der mallorquinische Unternehmer Andreu Pallisser und entwickelte ein Pfandsystem für Wasch- und Putzmittelbehälter. Als Test eröffnete er in Son Sardina bei Palma den Ökoladen "Sense Plástic" (Ohne Plastik). Dort kaufen Kunden einmalig ein Set verschiedener Putzmittel aus eigener Produktion, lassen diese dann nach Gebrauch nur noch nachfüllen.

"Wer ohne Flasche kommt, muss eine neue kaufen", sagt Verkäuferin Raquel Guerrero. Ohne die Plastikflaschen seien die Produkte billiger als in jedem Supermarkt. Die Kunden seien begeistert und kämen aus Manacor und Inca, sagte sie. Ein neuer Laden an der Calle General Riera in Palma steht vor der Eröffnung. Ein weiterer, wenn auch kleiner Schritt im Kampf gegen den Plastikmüll.

(aus MM 36/2014)

Kommentar

Nutzungsbedingungen

Rechtlicher Hinweis

» Der Inhalt der Kommentare spiegelt die Meinung der Nutzer wider, nicht die von mallorcamagazin.com

» Es ist nicht erlaubt, Kommentare abzuschicken, die gegen das Gesetz verstoßen oder unangebrachte, beleidigende oder ehrverletzende Inhalte haben.

» mallorcamagazin.com behält es sich vor, unangemessene Kommentare zu löschen.

* Pflichtfelder

H.F. / Vor über 5 Jahren

Daß mit dem vielen Plastiktüten die Umweltverschutzung einhergeht, ist unumstritten. Manchmal kann man sich - vor allem in kleinen Supermärkten nicht dagegen wehren. Ich habe immer im Urlaub Stoffbeutel mit und versuche "NO BOLSO" einzupacken. Die meisten Kassiererinnen ignorieren das und verpacken das Gekaufte wie eh und je in Plastiktüten.