Geheimhaltung im Polizeiskandal aufgehoben

Palma de Mallorca |
Das Archivfoto zeigt einen der festgenommenen Beschuldigten auf dem Weg zum Ermittlungsrichter.

Das Archivfoto zeigt einen der festgenommenen Beschuldigten auf dem Weg zum Ermittlungsrichter.

Foto: Alejandro Sepúlveda

Noch nie hat ein Ermittlungsverfahren auf Mallorca so lange der Geheimhaltung unterlegen wie jenes gegen die Polizeikorruption in Palma und Calvià. Das Amtsgericht in Palma hatte die Geheimhaltung im Dezember 2013 verhängt, um die laufenden Ermittlungen nicht zu gefährden. Immer wieder musste die Frist verlängert werden. An diesem Mittwoch läuft sie nun aus, ohne dass Bedarf auf Verlängerung besteht, berichtete die spanische Tageszeitung Ultima Hora.

In dem Verfahren werden 65 Menschen in verschiedenen Maße der Korruption, Rechtsbeugung, Nötigung, Erpressung und Bestechlichkeit beschuldigt, die meisten sind Angehörige der Lokalpolizeien von Palma und Calvià, unter ihnen hohe Polizeiführer. Derzeit befinden sich noch 6 Polizisten in Untersuchungshaft, auch weil sie Zeugen und Ermittlungsbeamte eingeschüchtert haben sollen. Dem Staatsanwalt und dem Ermittlungsrichter waren zum Selbstschutz das Mitführen von Waffen erlaubt worden. Insgesamt waren zeitweise 14 Beamte in Haft genommen worden.

Die Ermittlungen hatten im September 2013 begonnen. Damals ging es um manipulierte Stellenausschreibungen bei der Lokalpolizei in Polizei. Ein Jahr später wurde der Polizeichef von Calvià in Haft genommen. Im Januar 2015 kam es zu den ersten Festnahmen in der Hauptwache der Lokalpolizei in Palma.

Die Beschuldigten sollen an den Amüsiermeilen an der Playa de Palma, dem Paseo Marítimo sowie in Magaluf die Betreiber von Freizeitlokalen ungleich behandelt haben. Wer "Freund" der Polizei war, hatte keine Kontrollen zu befürchten. Bezahlt wurden die illegalen "Dienstleistungen" der Polizisten mit Geld, Drogen und Gratis-Sex mit Prostituierten. Die beschuldigten Beamten sollen von ihren Vorgesetzten und zum Teil von Politikern im Rathaus von Palma protegiert worden sein.

Allein der zusammenfassende Ermittlungsbericht, der die Grundlage für das anstehende Gerichtsverfahren stellen wird, füllt den Angaben zufolge 50 Aktenordner. Zum Vergleich: Bei Korruptionsprozess Nóos gegen den Ehemann der spanischen Königsschwester Cristina und weitere Politiker waren es 70 Aktenordner. (as)

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