Wie winterlich kann es auf der Insel noch werden?

| Mallorca |
Schnee in Bunyola.

Schnee am Dienstag in Bunyola.

Foto: Cañellas

Frostige Nächte und klimatisch unangenehme Bedingungen: Seit Anfang Januar bibbert Mallorca fast ununterbrochen – auch, weil viele Wohnungen nicht gerade für die Kälte gemacht sind. Im Vergleich zu Mitteleuropa mit derzeit teilweise zweistelligen Minusgraden sind Werte um den Gefrierpunkt zwar nicht besonders auffällig, doch wie kalt kann es auf der Insel wirklich werden?

„Sehr”, glaubt zumindest Joan Barceló, der beim Balearen-TV IB3 lange Zeit für den täglichen Wetterbericht zuständig war. „Durch die Insellage und die dadurch bedingte hohe Luftfeuchtigkeit ist die gefühlte Kälte hier intensiver als in südlichen Festlandsregionen wie Alicante, Murcia oder Andalusien”, meint der Wetterfrosch. Besonders in ebenen Gegenden wie am Flughafen oder zwischen Campos und dem Strand von Es Trenc habe die Kälte leichtes Spiel, denn sie sammle sich stets in den Niederungen an, so Barceló.

Das unterstreicht in der Tat auch die historische Wetterstatistik. Am Flughafen Son Sant Joan weist sie für den 12. Februar 1956 einen nächtlichen Kälterekord von -10 Grad aus. In der Inselhauptstadt wurden einen Tag zuvor hingegen nur -3,5 Grad verzeichnet. Kaum einmal sanken die Temperaturen in Palma seit Beginn der Aufzeichnungen im 19. Jahrhundert einmal auf weniger als zwei bis drei Grad unter null. Gleiches gilt für die milde Region um Pollença, wo der bisherige Kälterekord mit -2 Grad am 17. Januar 1986 verzeichnet wurde.

Kälter ist es aufgrund der Höhenlage naturgemäß im Tramuntana-Gebirge. In kühlen Wintern sind an der Wetterstation Son Torrella bei Escorca (850 Meter Seehöhe) Werte deutlich unter null durchaus an der Tagesordnung. Am 10. Februar 2015 wurden dort zum Beispiel -5,5 Grad gemessen. Noch einmal deutlich kälter ist der Puig Major (1445 Meter), wo das Militär eine Messstelle betreibt, seine Daten in der Vergangenheit jedoch nicht immer so sorgfältig dokumentierte wie der staatliche Wetterdienst Aemet.

Im eisigen Februar 2012 wurde dort einmal ein Tageshöchstwert von -7,8 Grad registriert. Es war der vierte Tag des Monats mit einer durchschnittlichen Tagestemperatur von -8,7 Grad, nachts wurden -10 erreicht. Erstmals war dabei auf dem Puig Major auch ein monatlicher Mittelwert knapp unter dem Gefrierpunkt zu verzeichnen. 16 Tage lang stieg das Thermometer auf dem Berg überhaupt nicht mehr in den positiven Bereich.

So schlimm wird es diesen Winter wohl nicht kommen, doch bereits das erste Januardrittel  war im Schnitt so kalt wie seit zehn Jahren nicht mehr, teilte das staatliche Wetteramt Aemet mit. In den ersten zehn Tagen Monats hat die durchschnittliche Temperatur auf Mallorca 8,6 Grad betragen. Das ist so kalt, wie es seit 2005 nicht mehr der Fall war. Und aktuell in der dritten Januarwoche wurde mit Schneefällen bis in die Niederungen sogar noch eine Schippe draufgelegt.

Durchgehend sibirisch werden die Temperaturen aber voraussichtlich nicht bleiben: „Die Frostnächte auf Mallorca lassen sich normalerweise an einer Hand abzählen”, weiß Joan Barceló. Dafür sorge allein schon die dämpfende Wirkung des Meeres im Unterschied zu kontinentalen Bedingungen, wie sie etwa auf der kastilischen Hochebene zu finden seien. Wochenlanger Nacht- oder sogar Dauerfrost ist dort ein häufiges Phänomen.

Typisch für die ersten Januarwochen auf Mallorca seien unterdessen ruhige und freundliche Tage um die 18 Grad, die auch als „calmes de gener” bekannt sind, was auf Deutsch in etwa so viel bedeutet wie „Ruhe des Januars”. Warum sie diesen Monat bisher ausbleiben, und somit wohl auch die Statistik für den Jahresbeginn nach unten absackt, weiß auch Barceló nicht recht zu sagen. Mittelfristig macht er jedenfalls etwas Hoffnung: „Wenn der Januar ausnahmsweise einmal schlecht ausfällt, werden die ,calmes’ spätestens im Februar nachgeholt”, bringt er seine Erfahrung auf den Punkt.

In der Zwischenzeit macht es sich der Wetterfrosch eben vor dem Kamin in seinem Haus in Porreres gemütlich: „Es geht nichts über die Wärme vom offenen Feuer.”

(teilweise aus MM 02/2017)

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