Feuerrot: Die Bimmelbahn an der Playa de Palma.

TW
0

"Super, jetzt machen wir heute auch noch Sightseeing", sagt der Urlauber, der ohne Zweifel aus Sachsen stammt, das hört man. Und er lacht. So ganz ernst nimmt er sich in diesem Moment offenbar selber nicht. Der Sachse sitzt mit seiner Liebsten im "Tren turístico", der zwischen Can Pastilla und Arenal verkehrt. Einmal die Playa de Palma entlang. Hin und zurück an der Strandpromenade. Sightseeing? Eher "Side-Seeing", weil der Blick die Seiten wechselt zwischen Blick aufs Mittelmeer und auf Hotels und Restaurants auf der anderen Seite.

Für den MM-Reporter ist es eine Premiere. Fast 30 Jahre kennt er die Playa de Palma. Mit der Bimmelbahn ist er bisher noch nie gefahren. MM wollte aber mal wissen, was den Urlaubern in dem "Zug" geboten wird.

Start in Can Pastilla, vor dem Burger King. 44 Stopps verspricht der Flyer. "Der hält dann ja alle 50 Meter", meinte ein Kollege im Vorfeld. Das ist übertrieben. Aber nur ein wenig ...

Die "Bahn" ist natürlich keine Bahn. Die Schienen fehlen. Eine Zugmaschine zieht zwei Waggons. Fünf dieser Züge sind im Laufe des Tages unterwegs und sollen dafür sorgen, dass man an den Haltestellen alle 20 Minuten in eine Bahn einsteigen kann. Wie bei allen modernen Stadtrundfahrten in der Welt ist das Motto "Hop on, hopp off". Allerdings kann man nicht beliebig oft, sondern nur einmal raus und wieder rein. Das Ticket wird dann eingerissen. Nach einem zweiten Stopp müsste man eine neue Reise bezahlen, die 4,50 Euro kostet. Offiziell wird der Trip als "Hin- und Rückfahrt" deklariert.

Es bimmelt, wie man das von einer Bimmelbahn erwartet und das Gefährt setzt sich in Bewegung. Von Can Pastilla via Ballermann nach Arenal. Es ist 17.45 Uhr, viele Fahrgäste sind nicht an Bord. Rechts der lange Strand, links die Hotels und Restaurants. Nach ein paar Minuten fällt dem Reporter auf: An der Playa hat sich tatsächlich einiges in Sachen Qualität getan. Gestylte Bars, moderne Hotelterrassen von Herbergen, die in den vergangenen Jahren praktisch neu gebaut wurden. Als Spaziergänger nimmt man das nicht so wahr wie jetzt aus der Bimmelbahn.

Um 18.08 Uhr hat der Zug den Ballermann 6 erreicht. Hier laufen auch die ersten grölenden Gruppen herum, die der normale Playa-de-Palma-Besucher wohl bei diesem Sightseeing erwartet. Der Zug wird auch gerne genutzt von Mallorca-Urlaubern, die in anderen Zonen der Insel wohnen und wenigstens einmal im Schnelldurchlauf das sehen wollen, was man in Deutschland als Ballermann bezeichnet.

Ähnliche Nachrichten

In Sightseeing-Bussen in aller Welt bekommt man heutzutage einen Kopfhörer überreicht. Der wird eingestöpselt und der Tourist erfährt viel über die Strecke auf der er fährt. Das ist an der Playa nicht so. Worüber sollte der Sprecher auch informieren? Rechts Strand, links Urlauber-Infrastruktur.

Trotzdem: Man könnte dem Bahn-Fahrer einiges über die Playa de Palma vermitteln. Nicht alle Mallorca-Urlauber sind über die Zone zwischen Can Pastilla und Arenal so gut informiert wie langjährige MM-Stammleser. Die Stimme im Kopfhörer könnte über die Entwicklung des Tourismus an der Playa berichten. Das Palma-Aquarium, sowieso Werbepartner des "Tren turístico", wäre ein paar Sätze wert. Ebenso das 1953 eröffnete Hotel Riu San Francisco als eine Keimzelle des Tourismus an der Playa. Es ließe sich über die Geschichte der Balnearios und im Speziellen über den Mythos des Ballermann 6 berichten und erzählen, wie Bierstraße und Schinkenstraße entstanden sind. Dass die Playa de Palma nicht nur zu Palma gehört, sondern der Bereich Arenal ein Teil der Gemeinde Llucmajor ist, wäre natürlich ebenso erwähnenswert wie Mega-Park und Bierkönig oder die Bevölkerungsstruktur in der Zone sowie Daten und Fakten über den Tourismus.

Aber der Zug hat kein Audio-System. Schade.

Nach ziemlich genau einer halben Stunde hat die Bimmelbahn den Weg von Can Pastilla nach Arenal zurückgelegt. Eigentlich ist jetzt alles vorbei. Denn in die andere Richtung fährt man nicht etwa kreuz und quer durch die zweite und dritte Linie, sondern exakt dieselbe Strecke. Mancher nutzt die Bahn, offiziell auch als Linie 52 der städtischen Verkehrsbetriebe von Palma geführt, nicht touristisch, sondern um von A nach B zu kommen, was schon mal der eine oder andere Taxifahrer als Konkurrenz betrachtet. Dass aber jemand mit der Bahn fährt, nur um von Can Pastilla nach Arenal zu kommen, ist dann doch eher die Ausnahme. Denn die Buslinien 15 und 25 fahren praktisch parallel. Hin und Rückfahrt kosten jeweils 1,50 Euro, man zahlt also nur drei Euro anstatt der 4,50 Euro im Zug. Residenten mit der "Targeta Ciutadana" berappen im Bus sogar nur 80 Cent pro Einzelfahrt. Der Bus ist schneller. Allerdings gibt es weniger Meerblick und keinen kühlenden Fahrtwind.

Der MM-Reporter begibt sich etwas lustlos auf die Rückreise. Eine Fahrt ohne Highlights. Man hat ja alles schon auf dem Hinweg gesehen. Doch es kommt noch etwas. Wer die Tour bis zum letzten Meter auskostet und wieder am Burger King aussteigt, der kurvt am Ende noch zehn Minuten lang durch Can Pastilla. Unter anderem entlang der Cala Estància, vorbei am Puro Beach. Wenig später ist Schluss.

Kennt man nach der Bimmelbahn-Reise die Playa de Palma? Nein. Aber wer noch niemals dort war und nur die Ballermann-Bilder aus dem Fernsehen vor Augen hat, der macht mit der Tour für ein erstes Kennenlernen nichts verkehrt.