Historischer VW-Bulli: Jaumes feuerrotes Spielmobil

| Palma, Mallorca |

Mit dem Gefährt bewegt sich Jaume Lladó mitunter zu VW-Events auf die spanische Halbinsel, wo es für Ahs und Ohs sorgt.

Schlafgelegenheit inklusive.Die speziellen Accessoires machen den Charakter des historisch wertvollen Spaßgefährts aus.Unverzichtbar im Sommer: Ein Ventilator.Gestatten, Jaume Lladó.Das Interieur beweist Sinn für Geschmack.

Wenn der eigentlich eher schweigsame Jaume Lladó auf seinen roten VW-Bus vom Typ T1 blickt, leuchten seine Augen, und er wird mit einem Mal fast über Gebühr gesprächig: „Den habe ich mit einem Kilometerstand von 40.000 vor sieben Jahren einem Briten auf Menorca abgekauft”, perlt es aus dem Munde des erfahrenen Palmesaner Automechanikers. „Vorher war dieser Bus als Feuerwehrauto in Deutschland im Dienst.” Jaume Lladó steht vor seiner einst von seinem Vater übernommenen Werkstatt an der schnurgeraden baumbestandenen und schmalen Arxiduc-Straße. Hier bringt er in erster Linie alte VWs, die es durchaus noch auf der Insel gibt, auf Vordermann.

Auf seinen Bus kann Lladó stolz sein, denn es handelt sich – er wurde 1956 gebaut – um den ältesten auf Mallorca. „Ich weiß das, weil ich hier fast jeden alten VW persönlich kenne”, sagt der Mechaniker, der auch tragendes Mitglied des Käfer-Clubs der Insel ist, und fixiert mit festem Blick das filigrane Lenkrad des Gefährts. Jaume Lladó, der seit fast 30 Jahren alte VWs wie andere Münzen sammelt, gilt dank seiner flinken Finger als Virtuose seiner Zunft und lässt als solcher fast jede Rost-Gurke wieder in neuem Glanz erstrahlen und mit neuem Motorsound ertönen.

Mittlerweile gibt es die klobig-sympathischen VW-Busse bereits 70 Jahre, der Wolfsburger Konzern begeht das Jubiläum auf würdige Weise mit einem kurkumagelben Sondermodell, das neudeutsch „Multivan” heißt. Die lange Geschichte begann mehr als kurios: Nachdem der umtriebige holländische Geschäftsmann Ben Pon 1947 in einem Notizheft aus dem Handgelenk heraus eine erste Skizze angefertigt hatte und sie dem Konzern zukommen ließ, gab der damalige VW-Chef Heinz Heinrich Nordhoff (1899-1969) im November 1948 grünes Licht für den Bau des Transporters. Nach der Konstruktion einiger Prototypen ging das praktische Gefährt 1950 als T1-Modell in die Serienproduktion. Es verkaufte sich im zerstörten Nachkriegsdeutschland blendend. Nach Jahrzehnten avancierte es auch weit jenseits des Landes wie etwa in Argentinien oder Brasilien unter anderem als Camping-Bus in moderneren Ausführungen (T2 und T3) zu einem veritablen Kult-Mobil, das heutzutage sogar manch rotziger Teenager als „cool” würdigt. Bei der Popularisierung taten sich unter anderem deutsche Auslandslehrer hervor. Auf Mallorca gibt es nach Schätzungen von Jaume Lladó momentan noch etwa 15 T-1-Modelle, von denen er selbst noch ein zweites gelb-weißes aus dem Jahr 1965 besitzt.

Was den ältesten VW- Bus angeht, so investierte Jaume Lladó ein erkleckliches Sümmchen: Er baute in den 30 PS schwachen Bulli des Menorca-Briten einen neuen stärkeren Motor ein und legte ihn – ein bisschen Testosteron-Spaß muss sein – deutlich tiefer. Zudem verpasste er ihm eine neue feuerrote Lackierung und versah die Scheinwerfer mit Gittern, damit sie auf Schlaglochpisten nicht gleich von Steinen zerdeppert werden. Über der Stoßstange platzierte er eine Art Rammbock. „Die ursprünglich festen zwei Frontscheiben tauschte ich durch zwei andere, die man halb aufklappen kann”, so Lladó. Während er erzählt, berühren seine Finger geradezu zärtlich die Fensterrahmen. Mit viel Liebe zum Detail und einem sehr eigenen Sinn für Humor klebte Lladó eine bikinibewehrte weibliche Plastik-Pin-Up-Puppe über das Handschuhfach. Links daneben sticht – über eine Klimaanlage verfügt der Alt-Bus nicht – ein fast etwas zu groß geratener Ventilator ins geneigte Auge. Um sich nach Schauen auch auf dem spanischen Festland, wo Lladó den Bus gern zum Gaudium von VW-Narren präsentiert, aufs Ohr legen zu können, baute er hinten ein breites Bett ein.

„Ich habe nicht vor, ihn zu verkaufen”, entfährt es auf einmal dem Werkstatt-Besitzer. Dann stellt er sich etwas abseits hin, und erneut verfällt er in eine gewisse Schweigsamkeit.

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