Klassik in Son Bauló: Es muss nicht immer modern sein

| Kulturfinca Son Bauló |
Auch privat ein Duo: der Pianist Malte Darko und die Violinistin Teresa Alda.

Auch privat ein Duo: der Pianist Malte Darko und die Violinistin Teresa Alda.

Foto: Archiv

Der Pianist Malte Darko lässt auch dann aufhorchen, wenn er nicht Klavier spielt. Zum Beispiel, wenn er sagt: „Wir haben bewusst entschieden, eine Spielweise zu kultivieren, die heute nicht mehr gängig ist.“ Wir, das ist das Duo Soniante, das er mit der Violinistin Teresa Alda bildet und das am Sonntag, 17. Februar, in der Kulturfinca Son Bauló in Lloret de Vistalegre Werke von Komponisten wie Tartini, Bach, Beethoven, Sarasate und Mendelssohn interpretieren wird.

Um die Bedeutung von Darkos Ausspruch zu verstehen, muss man in seine Kindheit und Jugendzeit zurückgehen. Damals war er Schüler der Konzertpianistin Käthe Heinemann (1891-1975). Heinemann hatte bei dem legendären Pianisten Eugen d‘Albert und der Liszt-Schülerin Martha Remmert studiert und war vor allem von 1920 bis 1933, aber auch in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg eine prominente Konzertpianistin im deutschsprachigen Raum. Von ihr übernahm Darko die Spielphilosophie der Schule Liszt-D‘Albert. „Die Liszt-Schule ist bekannt dafür, dass sämtliche Technik sich dem Ton, dem Anschlag und der Musik unterordnet“, erklärt der Pianist.

Dass er diese Technik heute noch anwenden kann, verdankt er auch dem Umstand, dass er nach seiner klassischen Ausbildung erst einmal eine ganz andere Richtung einschlug. In Anbetracht der Bedeutung seiner Lehrerin habe er intuitiv etwas anderes gemacht, erzählt Darko. Er wandte sich dem Jazz und dem Musical zu, war in seiner Heimatstadt Berlin unter anderem am Schillertheater und bei den Berliner Kammerspielen engagiert, realisierte Projekte mit Sängern und mit eigenen Kompositionen. Rückblickend sagt er: „Wäre ich als junger Mensch ans Konservatorium gegangen, wäre dem, wie ich jetzt spiele, etwas anderes übergestülpt worden. Da hätte ich dann gar nicht mehr ausführen können, was ich so noch konserviert habe.“

Jahrzehnte fuhr Darko zweigleisig. Er verwirklichte seine musikalischen Projekte und war zugleich als Softwareingenieur tätig, immerhin hatte er vier Kinder großzuziehen. Mit Ende 50 kehrte Darko zu seinen Wurzeln zurück. Seither widmet er sich ganz der klassischen Musik. Bestärkt wurde er darin von Teresa Alda, mit der er auch privat ein Duo bildet.

Auch die Geigerin ist zu ihren Ursprüngen zurückgekehrt. Geboren in Taiwan, absolvierte sie ein Musikstudium an der Soochow Universität in Taipeh. Als sie anschließend nach Berlin reiste, um sich dort auf Wettbewerbe vorzubereiten, kamen die Zweifel: an der Musik, an sich selbst, am Beruf des Musikers. Alda sattelte um, studierte Latein und Literatur. Ein Valse von Chopin markierte den Anfang zur Umkehr. Eigentlich fand sie Chopin-Walzer langweilig. Doch als ihn Darko spielte, geschah dies: „Zum ersten Mal berührte mich ein Walzer von Chopin.“

Den nächsten Aha-Effekt brachte eine Musikkassette. Sie enthielt eine Aufnahme von Beethovens viertem Klavierkonzert, gespielt von Käthe Heinemann an ihrem 80. Geburtstag. Das Orchester sei schlecht gewesen, die pianistische Interpretation dagegen unglaublich gut, erinnert sich Alda. „Da habe ich geahnt, dass es etwas gibt, was ich in meiner professionellen Musikausbildung nicht kennengelernt und auch noch nie gehört hatte hatte.“

Den letzten Kick gab dann die Aufnahme des Violinkonzerts von Johannes Brahms mit den Berliner Philharmonikern unter Herbert von Karajan und dem 1982 aus dem Leben geschiedenen französischen Geiger Christian Ferras, seines Zeichens Schüler von Georges Enescu. „Es war das erste Mal, dass ich sagte: So muss man Geige spielen“, erzählt Alda. Auch Darko war hin und weg von der Aufnahme: „So etwas hatte ich noch nie gehört. Das war der Anstoß zu sagen: Wir machen Musik, aber wir machen das richtig.“

Mit seiner „unzeitgemäßen“ Spielphilosophie hat sich das Duo ein kleines Stammpublikum erspielt, in Berlin, auf Mallorca, wo es in Llubí seinen Stützpunkt hat, und auch in Kolumbien, wo Darko immer wieder konzertiert. „Gerade Musikliebhaber, die keine Profis sind, hören den Unterschied intuitiv und sind meistens von dieser anderen Spielweise berührt“, sagt Darko und fügt hinzu: „Und uns macht es Spaß, ihnen so eine Alternative zu bieten.“

Das Konzert am 17. Februar in Son Bauló beginnt um 18.30 Uhr. Der Eintritt kostet 18 Euro (Lunch-Büfett ab 17 Uhr: 22 Euro), Reservierungen werden unter Tel. 971-524206 entgegengenommen.

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