Palma und seine Terrassen sind ein ewiger Zankapfel

| Palma, Mallorca |
Touristen auf einer Restaurant-Terrasse im Zentrum von Palma.

Touristen auf einer Restaurant-Terrasse im Zentrum von Palma.

Foto: Ultima Hora

Wer kennt das nicht ... Man sitzt in einer lauen Sommernacht vor der ehrwürdigen Seehandelsbörse Lonja in Palma auf einer Restaurant-Terrasse, nippt an einem Prosecco und fixiert den Himmel. Dieses Vergnügen ist seit Kurzem nur noch bis 23 Uhr statt bis Mitternacht (an Wochenenden bisher bis 0.30 Uhr) möglich. Die von einem Linksbündnis regierte Stadt Palma hatte das für den Beginn der wärmeren Jahreszeit im April so dekretiert, doch die Wirte bekamen das nach eigenen Angaben erst mit, als Polizisten sie darauf aufmerksam machten. „Wir haben gehandelt, weil die Anwohner sich über den Lärm beschwerten”, so ein Stadtsprecher zu MM.

Palma und seine Restaurant-Terrassen! Schon seit Jahren sieht sich die Kommune mit diesem Problem konfrontiert. Immer wieder sind es Anwohner, die ihre Nachtruhe einfordern.

Da wäre etwa das Viertel Sa Gerreria mit seiner Tapas-Route „Ruta martiana”. Der Lärm an späten Dienstagabenden ärgerte und ärgert weiterhin viele Menschen. In anderen „Barrios” geht es ruhiger zu. Und dennoch muss sich die Stadt auch dort mit dem Problem herumschlagen: Denn das Oberste spanische Gericht urteilte unlängst, dass Restaurant- oder Barterrassen mit Tischen und Stühlen direkt an Wänden streng verboten seien, weil sich dann Behinderte nicht problemlos an den Etablissements vorbeibewegen könnten. „Wir sind dabei, dieses Urteil zu studieren”, so der Stadtsprecher zu MM. Der Gerichts-Spruch bezieht sich auf eine Klage von Hauseigentümern in Elche auf dem spanischen Festland.

Damit nicht genug des Ärgers für Bürgermeister Antoni Noguera: Auch im Trendviertel Santa Catalina gab es Zoff, was die Restaurant-Terrassen anbelangt. Denn viele von diesen waren dort so klein, dass die in der Terrassenverordnung von Anfang 2018 kolportierte Mindestbreite für Fußwege von 2,50 Meter und in Ausnahmefällen zwei Metern nicht garantiert werden konnte. Und so sollten dort inzwischen 40 Prozent der Terrassen verschwunden sein. Was den Stadtkern anbetrifft, so waren dort neun Prozent betroffen.

Um der Verordnung Nachdruck zu verleihen, wurden Terrassensünder in Palma auch auf den beliebten Ess-Meilen Blanquerna und Fábrica im Jahr 2018 von Polizisten gehörig mit Bußgeldern belegt: Zwischen Januar und September bekamen sie 416 Knöllchen. Und das schürte gehörig Unmut unter den Gastwirten.

Vielleicht liegt es daran, dass die Stadt am Ende ungeachtet der hohen Bußgelder doch nicht so eisenhart durchgriff wie am Anfang der Legislaturperiode angekündigt: Auch die 2012 erlaubten Terrassen auf dem Borne-Boulevard sollten verschwinden. Doch bekanntermaßen stehen dort zur Freude der Gäste weiter Tische und Stühle unter den lauschigen Bäumen.

(aus MM 17/2019)

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