Kein Platz mehr frei auf der Caló des Moro

| Santanyí, Mallorca |
Viele Menschen...

Viele Menschen...

Viele Menschen...Zeit für Selfies gibt es immerDas Gedränge ist groß.Jeder Quadratzentimeter wird umkämpft.

Der Anblick ist atemberaubend schön. Zwischen den Klippen der Bucht schlagen die Wellen des türkisfarbenen Meeres sanft gegen Land. Caló des Moro gehört mittlerweile zu den meistfotografierten Motiven der Insel. Sie wird als Paradies und Geheimtipp beschrieben.

Ein Geheimtipp ist die Bucht inzwischen nicht mehr. Die Fotoplattform Instagram und verschiedene internationale Publikationen wie die New York Times sowie Medien in Dubai haben in den vergangenen Jahren die Beliebtheit der mallorquinischen Bucht unter Touristen aus allen Herren Länder befördert. Urlauber aus Deutschland, Skandinavien, Frankreich, Brasilien und Japan machen sich an jenem Freitagvormittag auf den beschwerlichen Weg in die Caló des Moro. Mittlerweile besuchen an Sommertagen 3500 Badegäste die kleine Cala.

„Das hat ja hier keinen Wert”, schimpft André Becker aus Düsseldorf. Er ist mit seiner Familie extra von Alcúdia aus in die Gemeinde Santanyí gefahren, in deren Gemarkung sich die Bucht befindet. Vater, Mutter und die beiden Kinder stehen am oberen Zugang zur Bucht und blicken auf das Gewusel am Felsstrand hinunter. „Wir machen noch schnell ein Foto und fahren dann weiter”, beschließt die Familie. Den letzten Meter Abstieg zum Wasser spart sie sich, denn wie an einer Perlenkette aufgereiht warten die Besucher, den Felsweg hinabsteigen zu können.

Doch selbst um einen Urlaubsschnappsschuss machen zu können, braucht Familie Becker Geduld. Denn die Plätze mit der besten Aussicht auf die Bucht sind beliebt. Andere Urlauber lichten sich ab, unter ihnen auffällig viele Besucher um die 20, die mit ihren Smartphones Bilder machen, um diese später im Netzwerk Instagram hochzuladen.

Ein Besuch der Bucht im Südosten von Mallorca gestaltet sich aufwendig. Seit zwei Jahren dürfen Auswärtige nicht mehr in dem Wohngebiet parken, das an die Caló des Moro sowie die benachbarte Cala S’Almunia angrenzt. Grund ist, dass die engen Straßen so zugeparkt waren, dass Anwohner nicht mehr zu ihren Häusern kamen. Bei einem Brand im Jahr 2009 gab es selbst für die Feuerwehr kein Durchkommen – ein Löschhubschrauber musste anrücken.

Seit zwei Sommern verbindet ein Shuttlebus die Buchten mit dem nahegelegenen Santanyí. Vor einem Jahr richtete die Gemeinde einen Parkplatz am Camí de Cala Llombards ein. Anderthalb Kilometer Fußmarsch sind es von dort bis zum Strand. Die letzten 500 Meter gehen durch unebenes, abfallendes Waldgebiet beziehungsweise über eine Treppe hinab zur Nachbarbucht S’Almunia. Den Abschluss bietet ein kurzer, aber steiler Abstieg über die Felsen hinunter zum Wasser.

Bereits an dem großzügigen und kostenfreien Parkplatz weisen Schilder auf den schwierigen Zugang zur Bucht hin. Dennoch machen sich in den Sommermonaten tagtäglich wahre Besucherströme – teilweise mit Sonnenschirmen, Kühltaschen, Kinderwagen und für Fotoshootings herausgeputzt – auf den Weg in die Caló des Moro. Nur um vor Ort zu merken, dass es keinen Weg für Kinderwagen, keinen Platz für Handtücher und Sonnenschirme gibt. Das Meer hat den Sand geschluckt, geblieben ist der nackte Fels, auf dem bereits zahlreiche andere Besucher sitzen. Es gibt keine Toiletten und keine Strandbar.

„Eigentlich ist es schade, den weiten Weg hierher zu kommen”, sagt Hans-Peter Oehm, denn Platz für die derzeitigen Besuchermassen biete die Caló des Moro nicht. Er und seine Frau kauften vor 20 Jahren das 40.000 Quadratmeter große Grundstück rund um die Bucht. Sie verhinderten in dieser Zeit den Bau eines Hotels, säuberten die Bucht und bepflanzten die Umgebung neu.

„Vor 20 Jahren kamen 50 Badegäste am Tag in die Bucht”, erinnert sich Maren Oehm. Das Architektenpaar gründete im Mai 2014 die Stiftung „Amics d’Es Caló des Moro”. Denn Abfall und auch Zerstörung, die Tausende Besucher verursachen, war für die Familie allein nicht mehr zu bewältigen. Es werden Pflanzen herausgerissen, Hygieneartikel in die Natur geworfen, Absperrungen umgeworfen und auch die Spendenbox der Stiftung wurde schon aufgebrochen. Mittlerweile beschäftigt die Stiftung einen Gärtner und nachts einen Sicherheitsmann, um für Ordnung an der Bucht zu sorgen. Mit Hilfe der Stiftung sorgen die Oehms dafür, dass der Müll, den die Besucher hinterlassen, weggeräumt wird.

Am Anfang der Wochen kamen die Eigentümerfamilie und die Bürgermeisterin von Santanyí zu einem Gespräch zusammen. „Wir wollen im September gemeinsam bei der Küstenbehörde vorsprechen, um für die Problematik der Caló des Moro eine Lösung zu finden”, erzählen die Oehms. Während sich das Grundstück um die Bucht in Privateigentum befindet, ist die Caló des Moro wie alle Küstenabschnitte Spaniens in öffentlicher Hand. Einen Zugang zum Strand für jedermann muss es geben. „Die paradiesische Bucht soll weiterhin für die Öffentlichkeit zugänglich sein. Doch die Leute müssen endlich anfangen, sich zu benehmen”, sagt das Ehepaar Oehm.

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