Mallorcas Evangelische Gemeinde hat neues Pfarrerduo

Mallorca, Balearen |
Das neue Pfarrehepaar Martje Mechels (51) und Holmfried Braun (52) hat sich zusammen mit Tochter Mia (16) und Hund Trudi schon gut im neuen Zuhause in Palma eingelebt.

Das neue Pfarrehepaar Martje Mechels (51) und Holmfried Braun (52) hat sich zusammen mit Tochter Mia (16) und Hund Trudi schon gut im neuen Zuhause in Palma eingelebt.

Foto: mais

Im Juli endete die sechsjährige Amtszeit von Pfarrerin Heike Stijohann, seit Ende August hat das Pfarrhaus in Arenal neue Bewohner. Mit Martje Mechels, Holmfried Braun und ihrer jüngsten Tochter Mia übernimmt nun eine ganze Pfarrfamilie aus Moers das Gemeindezepter und muss dabei auch mit der Coronakrise umgehen.

Mallorca Magazin: Was hat Sie vom Niederrhein nach Mallorca geführt?

Martje Mechels: Wir haben uns wegen unserer fünf Kinder zunächst sieben Jahre eine Pfarrstelle in Moers geteilt, danach hat mein Mann die Stelle allein übernommen, ich war fünf Jahre im Gemeindedienst für Ökumene tätig. Ein Wechsel schien uns aber immer als etwas Positives; wir betrachten uns als Hirten, die ihre Schäfchen eine Weile begleiten. Mit anderen Menschen zu arbeiten hat etwas Erfrischendes und Belebendes.

Holmfried Braun: Eine andere Pfarrstelle in Deutschland wäre nur innerhalb des Rheinlandes möglich gewesen, unser Wunsch war daher das Ausland. Die Ausschreibung in Mallorca erschien uns optimal, weil wir den Kontakt zu unseren Kindern und Enkeln halten können und uns die Mittelmeerregion wegen des Klimas gereizt hat. Wir lieben außerdem die spanische Sprache und haben sie schon an der Universität gelernt.

MM: Wie haben Sie sich auf Ihre neue Stelle vorbereitet?

Braun: Wir haben uns schon vor einem Jahr die Gemeinde, die Gottesdienste und das Pfarrhaus angeschaut und wurden freundlichst empfangen. Die Chemie hat gepasst.

Mechels: Die evangelische Kirche hat uns gut vorbereitet, es gab einen Ausreisekurs für alle Auslandspfarrer und einen Sprachkurs für die ganze Familie. Den haben wir wegen Corona per Zoom mit einem Lehrer aus Madrid gemacht.

MM: Was hat Sie am Job als Inselpfarrer gereizt?

Mechels: Die Offenheit der Menschen hat uns gefallen, nach den Gottesdiensten kamen wir bei unserem ersten Besuch ganz leicht mit den Menschen ins Gespräch. Auch dass sich die Pfarrstelle jeweils zur Hälfte aus einer Gemeinde- und Tourismusstelle zusammensetzt, fanden wir positiv.

Braun: Das bedeutet, dass wir das ganze Jahr über aktiv sein können, für Touristen Trauungen anbieten, und Ostern und Weihnachten mit den Residenten feiern können.

MM: Wissen Sie schon, wie Sie sich Ihre Aufgaben aufteilen wollen?

Mechels: Wir passen mit unseren unterschiedlichen Gaben gut hierher. Gottesdienste werden wir beide abhalten. Mein Mann kümmert sich um Öffentlichkeitsarbeit und den Ende September beginnenden Konfirmandenunterricht. Ich werde Krankenhausbesuchsdienste übernehmen und mich um die Gemeinde auf Ibiza kümmern.

MM: Wie haben Sie Ihre ersten Wochen auf Mallorca erlebt?

Braun: Die bürokratischen Hürden wie NIE und Residencia haben wir so gut wie erledigt. In der vergangenen Woche haben wir bereits mit Konsulin Karin Köller über unsere Zusammenarbeit etwa bei Rückflügen in Notfällen gesprochen. Auch die ersten Gottesdienste haben wir in Peguera, Cala Rajada und Cala Murada absolviert. Das war ein tolles Erlebnis, trotz Maske und Abstand. Anschließend sind wir mit den Teilnehmern essen gegangen, das war wunderschön und ist so in Deutschland nicht üblich.

Mechels: Kirche ist hier stärker ein Punkt, wo Gemeinschaft und Zusammengehörigkeit gepflegt wird. Wir sind sehr freundlich begrüßt worden, haben Blumen, Oliven, Zitronen und Feigen geschenkt bekommen.

MM: Wie wirkt sich die Corona-Pandemie auf Ihren Start aus?

Braun: Hochzeiten wurden komplett abgesagt oder aufs nächste Jahr verschoben. Auch die Kollekten gingen zurück. Die Gemeinde erhält kein Geld vom Staat, sondern finanziert sich allein durch Spenden auf Hochzeiten und Taufen sowie Beiträge der Gemeindemitglieder. Daher hat sie zurzeit deutlich weniger Einnahmen. Aber wir haben viel Gottvertrauen. Es kam oft die Frage: Kommt ihr denn? Das stand für uns nie infrage. Wir hoffen nun, bald Es Castellot besuchen zu können, die Leute hungern nach Kommunikation. Die gute Nachricht: Solidarität in der Krise ist da, Junge sind für Ältere einkaufen gegangen, das fand ich beeindruckend. Wir fühlen uns berufen, diese Kräfte zu aktivieren.

Mechels: Gemeinschaft untereinander und mit Gott ist wichtig. Kontakte sind derzeit erschwert, man muss jetzt kreative Wege finden. In Deutschland haben wir auch Online-Gottesdienste abgehalten. Und natürlich müssen wir schauen, wie Weihnachten in diesem Jahr in der Kathedrale möglich ist. Fest steht, wir werden dort predigen, um die Organisation kümmern sich in diesem Jahr die Katholiken.

MM: Haben Sie schon Ideen für die Zukunft?

Mechels: Wir wollen uns erst einmal einfinden, die Gemeinde nicht überrollen. Es gibt viele Aktivitäten, die wir sehr schätzen und weiterführen wollen. Dazu zählen Krankenhaus- und Gefangenenbesuche, wir haben uns bereits mit der Stiftung Herztat getroffen. Als Christin sehe ich mich auch für die Bewahrung der Schöpfung zuständig. Mir ist aufgefallen, dass hier sehr viel Plastik verwendet wird, ich kann mir vorstellen, mich in entsprechenden Initiativen einzusetzen.

Braun: Wir sind in eine intakte Gemeinde gekommen, hatten mit Heike Stijohann eine tolle Vorgängerin, die uns den Start erleichtert hat. Das sind trotz Corona sehr gute Voraussetzungen für den Start. Wir sind voller Vorfreude auf die Insel gekommen und fühlen uns hier richtig wohl.

(Die Fragen stellte MM-Redakteurin Maike Schulte)

(aus MM 36/2020)

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