So können Boots- und Yachtbesitzer die Posidonia auf Mallorca retten

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Das Team der Abteilung Umweltschutz des Inselrats überwacht mit kleinen Booten, dass die Bootsbesitzer richtig ankern.

Das Team der Abteilung Umweltschutz des Inselrats überwacht mit kleinen Booten, dass die Bootsbesitzer richtig ankern.

Foto: Consell
Das Team der Abteilung Umweltschutz des Inselrats überwacht mit kleinen Booten, dass die Bootsbesitzer richtig ankern.Manchmal gleicht es einem Kampf zwischen David und Goliath.Riesige Anker großer Schiffe reißen ganze Felder des Neptungrases aus dem Meeresboden und richten viel Schaden an. am Meeresboden immensen Schaden anrichten.

An Deck geht es fröhlich zu. Es ist Mittagszeit, man hat ein schönes Plätzchen zum Chillen und Baden in einer idyllischen Bucht gefunden. Zeit, den Anker auszuwerfen. Die Kette rasselt in die Tiefe. Was sich dort unten genau befindet, kann man von oben nicht immer erkennen, und nicht jedes Boot hat einen Sensor. Der Anker hakt ein. Wird schon passen, denken sich viele. Ob der Anker, wie gefordert, im Sand widerhakt – für manche nicht so wichtig. Vielleicht ist er auch in Mallorcas Unterwasserurwald gelandet – in der geschützten Posidonia, dem Neptungras.

„Das Meer ist ein emotionales Thema”, sagt Marcial Bardolet, zuständig für das Posidoniaschutzprogramm des Inselrats. „Viele denken, das Meer gehöre allen und es solle keine Verbote geben. Wir wollen den Chip in den Köpfen der Leute ändern.”

Er versucht, den Menschen begreiflich zu machen, wie wertvoll und wichtig diese Unterwasserpflanze für das gesamte Ökosystem ist. Täglich fährt sein Team, das über insgesamt 15 Boote verfügt, von 8 bis 20 Uhr hinaus und prüft, wer falsch ankert. Bußgelder dürfen sie nicht erheben. „Wir sprechen mit den Leuten, erklären kurz die ‚fünf Tugenden’ des Neptungrases und hoffen auf Einsicht.”

„Ein erster Schritt, aber insgesamt dennoch zu wenig”, findet Toni Muñoz von der Umweltschutzorganisation Gob. Wohlgemeinte Appelle reichten nicht aus. Von den vielen Booten, die im Jahr 2019 „falsch parkten”, hätte nur ein Bruchteil eine Geldstrafe erhalten. „Das kann nicht sein. Irgendetwas läuft da schief”, ist er überzeugt.

Das Neptungras ist eine typische endemische Pflanze des Mittelmeers. Alleine die Balearen sind von Seegrasteppichen von zirka 650 Quadratkilometern in Küstennähe umgeben. Die Pflanzen brauchen Licht zum Leben, sorgen für einen effektiven CO2-Austausch, beheimaten Fische und andere Meerestiere und sind der größte Sandproduzent überhaupt. „Kleine Schnecken, die im Seegras leben und sich irgendwann bröselig auflösen, werden zu dem feinen, weißen Sand, den wir so schätzen”, sagt Marcial Bardolet.

Das oft gepriesene kristallklare Wasser der Balearen gibt es nur aufgrund der Posidonia. Auch das in den Augen vieler „dreckige”, tote Seegras, das irgendwann an Mallorcas Stränden angespült wird, ist wichtig. Es schützt den Strand vor Erosion, wenn die Herbst- und Winterstürme darüber hinwegfegen.

An all das denkt ein Bootsbesitzer in dem Moment des Ankerns oft nicht. „Segelbootsbesitzer sind etwas empfänglicher als Motoryachteigner”, hat Carlos Bosch vom spanischen Verein der Yachtbesitzer (Asociación de Patrones de Yate) mit Hauptsitz in Barcelona beobachtet. Auch ein kleiner Anker kann Schaden anrichten. Bei mehrmaligem Hoch- und Runterbewegen werden die feinen Wurzeln der Pflanze herausgerissen. Auch die Kette kann das Gras verletzten. „Das ist wie eine Guillotine”, sagt Bardolet. „Die Pflanzenhalme werden regelrecht geköpft.”

Seit 2018 gibt es ein balearisches Dekret, das das Ankern auf Posidonia strikt verbietet, für jedes Boot, und sei es noch so klein. Aber der Kampf der Umweltschützer für diese sensible Pflanze dauert schon lange. „Seit den 1980er Jahren raten wir, sie zu schützen”, sagt der Meeresbiologe Ricardo Aguilar der Organisation Oceana. Den Rückgang des Bestandes um jährlich drei Prozent beobachtet er mit Sorge. Seine Organisation filmt mit Tauchern die Bestände im Meer. Ihre Arbeit bedeute aber vor allem viel Kommunikation mit offiziellen Stellen und Politikern. Auch wenn sich vieles tue, „wir kommen wie immer zu spät”, moniert er.

Nicht nur Bootsanker machen dem Unterwasserdschungel das Leben schwer. Abwässer trüben die Wasserqualität und verringern die Fähigkeit der Fotosynthese, intensive Bebauung und eine starke Tourismusindustrie, die lieber saubere, leer geräumte Strände für ihre Hotelgäste sieht, seien ebenfalls „Feinde” für das natürliche Gleichgewicht.

Ricardo Aguilar möchte mehr als die bestehenden Flächen erhalten. „Wir müssen den Fortbestand und die Ausbreitung sichern. Das gelingt nur, wenn es bestimmte Schutzzonen neben Posidoniafeldern mit strengem Ankerverbot gibt.”

Viele Initiativen kämpfen für den Erhalt der Pflanze. Private und staatliche. Auf Formentera gibt es eine regelrechte „Pro-Posidonia-Bewegung” mit effektivem Marketing. Beim Gob auf Mallorca können Bootsbesitzer ein Banner anfordern, das sie als Neptungrasschützer ausweist. Bardolet verteilt Flyer an Yachtcharterer, die aufklären. Es gibt mehrere Apps, die genau die Seegrasteppiche kennzeichnen und beim Ankern diese vermeiden helfen. Wer Probleme hat, den richtigen Ankerspot zu finden, kann über den Funkkanal 68 Hilfe anfordern.

Viele verschiedene Aktionen tragen zum Erfolg bei. „Es muss aber einen Plan geben, der alles integriert”, ist der Meeresbiologe Aguilar überzeugt. „Fischzucht, Boote, Tourismus.” Sie sollten am selben Strang ziehen, denn am Ende wollen alle das gleiche: Klares Wasser, gesunde Fische und zufriedene Touristen. Und das geht nur mit einem intakten Unterwasserdschungel aus Neptungras.

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Hajo Hajo / Vor 1 Monat

Jetzt mal langsam. Die wirkliche Bedrohung ist die "invasive Killeralge Caulerpa taxifolia". Sie überwuchert schon siet Jahren die noch vorhandenen Regionen im Mittelmeer. Sie wurde von der Schifffahrt eingescheppt.

Auszugsweises Zitat = "Die australische Grünalge Caulerpa taxifolia zum Beispiel hatte 15 Jahre nach ihrer ersten Entdeckung bei Monaco bereits 97 Prozent aller geeigneten Böden zwischen Toulon und Genua überwachsen und sich bis in die nördliche Adria und nach Sizilien ausgebreitet." Quelle Reverso Context.

""Zehn verschiedene Techniken zur Bekämpfung wurden bereits getestet: heißes Wasser, Trockeneis, Ultraschall, Kupferelektroden oder gar Flammenwerfer – keines der Mittel eignet sich für einen großflächigen Einsatz."" Quelle Focus 11/ 2013.

C.Käser / Vor 1 Monat

Sicher gut und richtig, aber: Liebe Umweltschützer, kümmert Euch doch bitte erst einmal darum dass endlich keine Abfälle tonnenweise und keine Fäkalien in Rauen Mengen mehr das Meer an Mallorcas Küsten geleitet werden und dann lasse auch ich mir als sehr umweltbewusster Segler sogar gerne noch einmal sagen dass man nur auf Sand Ankern darf. Vorher wirkt es ein bisschen lächerlich im Vergleich zu dem was das alles rumschwimmt und uns alle wirklich sorgen muss.