Große Fotoausstellung in Palma zeigt städtisches Leben

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Die Elektrizität der Natur taucht den Eiffelturm, das Wahrzeichen von Paris, in ein gespenstisches Licht.

Die Elektrizität der Natur taucht den Eiffelturm, das Wahrzeichen von Paris, in ein gespenstisches Licht: André Kertész hielt das abendliche Gewitter über Paris im Sommer 1925 fest.

Foto: Centre Pompidou, Paris, Musee national d’art moderne – Centre de creation industrielle
Die Elektrizität der Natur taucht den Eiffelturm, das Wahrzeichen von Paris, in ein gespenstisches Licht.Blumen für die Gewehrläufe: Dieses Foto schoss 1967 Marc Riboud.Sammeln für Faschismus-Opfer, fotografiert 1936 von Pérez de Rosas.Paul Strand porträtierte 1916 diese Blinde.

"Stillhalten/Fortfahren“ lautete die Formel des 2019 verstorbenen Fotografen Robert Frank. Der gebürtige Schweizer war eine bedeutende Figur der Fotografie und des Films in den USA. Wie wenige andere Vertreter seiner Zunft wusste er mit seiner Kamera Stadtlandschaften widerzuspiegeln.

Mit seiner Formel bezog sich Frank auf den Rhythmus, der sich zwischen Stille und Bewegung, zwischen dem fotografischen und dem kinematografischen Blick entfaltet. Just diesen Rhythmus will die Ausstellung „Cámara y ciudad. La vida urbana en la fotografía y en el cine“ (Kamera und Stadt. Urbanes Leben in der Fotografie und im Film) im Caixa Forum in Palma zeigen: durch die intensive Beziehung von Fotografen und Filmemachern zu Städten und ihren Einwohnern.

Tatsächlich entwickelten sich Fotografie und Film parallel zur modernen Stadt. Sie fungierten als Zeugen der Transformation der Stadt, aber auch der Momente ihrer sozialen, politischen und wirtschaftlichen Geschichte sowie der Stadtplanung und der Architektur. Mit festen und bewegten Bildern schufen Fotografen und Filmemacher eine ganze visuelle Vorstellungswelt der modernen Stadt, die für mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung zum Lebensraum geworden ist.

Die Schau, die zuvor in Madrid präsentiert wurde, ist das Ergebnis einer Kooperationsvereinbarung zwischen „La Caixa“ und dem Centre Pompidou in Paris. Sie umfasst 244 Werke von 80 Schöpfern, darunter Fotos, Filme, Videos und gedrucktes Material aus den Archiven des Centre Pompidou und den bedeutendsten Fotosammlungen Spaniens. Unter den Exponaten befinden sich Arbeiten von internationalen Meistern wie Henri Cartier-Bresson, Paul Strand, Man Ray, László Moholy-Nagy, William Klein, Diane Arbus, Brassaï oder Robert Doisneau, ebenso von spanischen Künstlern wie Joan Colom, Manel Armengol, Pilar Aymerich, Francesc Català-Roca, Leopoldo Pomés oder Carlos Pérez de Rozas.

Eingeteilt ist die Ausstellung in elf Bereiche: Am Anfang steht „Die vertikale Stadt: Euphorie für die Moderne der 20er-Jahre“, die sich in Stahl- und Eisenkonstruktionen wie dem Eiffelturm und der Schwebefähre von Marseille widerspiegelt. „Die neuen Akteure der Stadt“ zeigt eine Entwicklung nach dem Ersten Weltkrieg, bei der nicht mehr das pittoreske Idyll der Boulevards im Fokus steht, sondern das Proletariat und der Klassenkampf. „Die kämpferische Stadt: Spanien in den 30er-Jahren“ wendet sich einer Zeit zu, in der viele europäische Künstler und Intellektuelle auf die Iberische Halbinsel reisen, um über den Wahlsieg der linken Volksfront und den anschließenden Spanischen Bürgerkrieg zu berichten.

„Die humanistische und existenzialistische Stadt: Die Versöhnung nach dem Krieg“ rückt nach den Leiden und Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs das Individuum als Teil der menschlichen Familie in den Mittelpunkt. Die 1960er-Jahre finden Berücksichtigung im Ausstellungsbereich „Die kritische Stadt: Studien über die gesellschaftliche Situation“. Im Vergleich zu den Nachkriegsjahren hat sich nicht das Sujet, sondern die Perspektive der Fotografen und Cineasten geändert. Im Mittelpunkt steht nicht mehr die malerische Persönlichkeit in verlassenen Straßen, sondern der Mensch am Rande der Gesellschaft.

Weiter führt der Rundgang über die „Rebellische Stadt“ der 68er-Bewegung zur „Stadt als Bühne“ und zur „Horizontalen Stadt“. Letztere ist geprägt vom Interesse an den Außenbereichen mit ihren Immigranten und den „Nicht-Orten“ der Stadt, in der nach dem Scheitern der Utopien der 60er- und 70er-Jahre ganze Viertel abgerissen wurden. „Die reflexive Stadt“ zeigt die Auseinandersetzung mit einer Entwicklung, die in den 1970er Jahren begann und die Verwandlung der Straße in einen modernen öffentlichen Raum mit sich brachte.

„Die globale und virtuelle Stadt“ schließlich thematisiert die heutige Welt, in der die physischen und virtuellen Räume nebeneinander existieren. Damit sollte die Schau eigentlich enden. Doch dann kam die Aktualität dazwischen. Deshalb wurde sie um einen Bereich erweitert, in dem einige Fotografen die derzeitige Covid-19-Pandemie visuell reflektieren.

Die Ausstellung dauert bis Sonntag, 7. März 2021. Der Eintritt beträgt 6 Euro, für Kunden der CaixaBank und Besucher unter 16 Jahre ist er frei.

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