Wie Hündin „Lola” auf Mallorca ins Glück rannte

| Mallorca |

Ein Herz und eine Seele: "Lola" und Besitzerin Kinga Eva Kujat.

Foto: P. Lozano
Kinga Eva Kujat und „Lola” haben sich gefunden und inzwischen gut aneinander gewöhnt.

Podenco-Hündin „Lola” reckt in der milden Novembersonne die Schnauze. Der kleine Mops, der ebenfalls im Park in Palma unterwegs ist, interessiert sie nur am Rande. Sie findet vielmehr spannend, was alles am Weg schnuppernd entdeckt werden kann. Die zehnjährige Hündin hat seit Oktober bei Kinga Eva Kujat in Campanet ein neues Zuhause gefunden. Das Tier wirkt ausgeglichen und zufrieden.

Das war nicht immer so. Das Weibchen hatte bis vor kurzem einen Zwinger als Schlafstätte und wurde nur zur Jagd herausgelassen. Als ihr Besitzer, der am Rande von Barcelona lebte, starb, mussten „Lola” und vier andere Hunde, baldmöglichst irgendwo unterkommen. Die gemeinnützige Organisation Proyecto Abuelos Mallorca und die Partnerorganisation ACUNR (Animales con un nuevo rumbo; Tiere auf einem neuen Kurs) vom spanischen Festland nahmen sich ihrer an und vermittelten sie in Pflegefamilien. „Lola” fand für zehn Tage eine liebevolle Gastfamilie bei Barcelona. Das war sicherlich nicht ihrem flauschigen Fells zu verdanken, denn das Weibchen sah zu jenem Zeitpunkt mitgenommen aus. Ein Parasit hatte die rot-braune Behaarung komplett ausfallen lassen, der schmale Körper war von Entzündungen übersät. Die Organisation übernahm die Kosten für die Medikamente, die der Hund regelmäßig erhielt. Normalerweise sind die Hunde gechipt, sterilisiert und geimpft, wenn sie adoptiert werden. Im Fall der Podenco-Hündin musste das bis zu ihrer vollständigen Genesung warten. Auch bei den Reisekosten kam die Organisation den Adoptionswilligen entgegen.

Während sich „Lola” langsam erholte, ploppte ein Bild des kleinen Jagdhundes bei Kinga Kujat auf der Facebookseite auf. Sie hatte dort kurz vorher die Hundesuche gestartet. „Ich wollte gerne einen Begleiter, Gesellschaft beim Spazierengehen. Mir war klar, dass ich ein Weibchen wollte“, sagt die deutsch-polnische Designerin. Erfahrung mit Hunden hatte sie bereits mit einem belgischen Schäferhund sammeln können, der jetzt bei ihrem ehemaligen Partner lebt. „Und ich wollte gerne einen alten Hund haben, da diese ruhiger und pflegeleichter sind. Kujat räumt auch ein, dass sie sich nicht auf bis zu 14 kommende Jahre festlegen wollte, denn so alt können Hunde werden. „Die jahrelange Verantwortung für ein junges Tier erschien mir zu viel“, sagt die Frau.

Maria Valencia Sola leitet seit 2015 Proyecto Abuelos Mallorca. Sie vermittelt um die 50 Hunde jährlich, alle Vierbeiner kommen aus Tierheimen. Das Ganze finanziert sich über private Spenden. Sola ist von der Haltung der zukünftigen Hundebesitzer begeistert: „Die Menschen, die sich für einen ,abuelo’, also einen tierischen ,Opa’ entscheiden, sind oft sehr sensibel und empfänglich für die Bedürfnisse des Hundes”, sagt sie. Die Fell-Senioren dankten es ihnen.

Die Verbindung zwischen Kinga Kujat und „Lola” muss augenscheinlich sehr stark gewesen sein, denn die schmale Seniorin auf vier Beinen ähnelte zu jenem Zeitpunkt auf den Fotos eher einem Nackthund. „Das störte mich in dem Moment nicht“, sagt Kujat, während sie „Lola” über das inzwischen gut nachgewachsene Fell streichelt.

Damit sich bereits über die Entfernung eine emotionale Bindung aufbauen konnte, schickte die Gastfamilie regelmäßig Fotos und Videos. Kujat wurde von Anfang an in „Lolas” Entwicklung mit eingebunden. „Die Kommentare zu den Fotos lauteten: ,Lola’ bei der Impfung, tapfere ,Lola’ beim Waschen“, erzählt Kujat amüsiert. Auch heute seien sie noch per WhatsApp-Gruppe miteinander in Kontakt und freuten sich über die Fortschritte der Hündin.

Da „Lola” nicht auf Mallorca war, bot Kujat sich an, den Hund per Fähre abzuholen. „Ich hatte Lust auf die Aktion. Mittags um ein Uhr hin und nachts direkt zurück“, sagt sie. Hündin und Neubesitzerin ließen es sich auf der Rückfahrt in einer der seit kurzem bei der Reederei Baleària angebotenen Kabinen für Hundebesitzer gutgehen. Ein gemütlicher Schlafplatz samt Behälter für die Bedürfnisse des Tieres gehörten zum Service. Das Futter steuern die Halter selbst bei. Wer die kostengünstigere Käfigvariante wählt, kann den Hund zu festen Zeiten während der Überfahrt besuchen, über eine App kann man per Kamera ständig mit dem Vierbeiner verbunden sein.

„Lola” hat sich in ihrem neuen Zuhause gut eingewöhnt. Als Jagdhund ist sie in der Wohnung ruhig, draußen darf sie nur an der Leine laufen, sonst würde sie ihrem Instinkt folgen und fortrennen. Ob ihre Wohnung hundegerecht ist, hatte Tiervermittlerin Maria Valencia Sola bereits vorher begutachtet. „Sie kam zu mir und schaute sich die steile Treppe an“, erzählt die frischgebackene Hundemutter Kujat. „Lola” meistert die Stufen mehrmals täglich ohne Probleme. Sie liegt gerne auf ihrem Kissen in der Sonne, schlafen ist eine ihrer Lieblingsbeschäftigungen.

Bei anderen Hundebesitzern in Campanet ist das Tier inzwischen bekannt. „Hunde sind wahre Kontaktvermittler. Ich werde oft angesprochen.“ Frauchen und Hündin tun sich offenkundig gegenseitig gut. „Seit ich ,Lola’ habe, fühle ich mich nicht mehr alleine“, erzählt Kujat. Und „Lola” hat mit ihrer Besitzerin einen Sechser im Lotto gelandet. Dass sie darüber zufrieden zu sein scheint, merkt man ihr an, während sie ihre feuchte Schnauze in die Luft hält und dabei aussieht, als würde sie lächeln.

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