Teufels-Feierlichkeiten auf Mallorca finden diesmal nicht statt

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Auch das Dimoni-Kollektiv aus Felanitix „Espiadimonis” feiert 2021 nicht.

Auch das Dimoni-Kollektiv aus Felanitix „Espiadimonis” feiert 2021 nicht.

Foto: Espiadimonis Felanitx

Normalerweise tanzen die Teufel, auch „Dimonis” genannt, im Januar über die Insel und vertreiben mit legendären Feuertänzen, den sogenannten „Correfocs”, böse Geister.

Die „Festa popular de Sant Antoni” ist ein Volksfest zu Ehren des Heiligen Antonius. Er gilt als Schutzpatron der Tiere. Auf den Balearen wird das Fest jährlich am 17. Januar gefeiert. Am Vorabend des Tages werden traditionell große Feuer „Foguerons” in den Städten und Dörfern entzündet. Maskierte Menschen tanzen über die Plätze der Stadt und verbrennen Teufelspuppen. Begleitet von Trommeln und Gesang werden um Feuerstellen mallorquinische Lieder des Heiligen Antoni angestimmt. Bis in die frühen Morgenstunden sollen so Geister und Dämonen vertrieben werden. Dabei versuchen die verkleideten Dämonen den Schutzheiligen Sant Antoni immer wieder zu verführen.

Die Nacht wird auch Hexennacht, „Nit de bruixa” genannt. Auf den Straßen wird traditionell in großen Gruppen gegrillt und dabei verzehrt man mallorquinische Wurstspezialität, wie die Sobrassada.

Am darauffolgenden Morgen des 17. Januar werden dann die Vorbereitungen für das typische Festmahl getroffen: Das Fischgericht „Espinagada”. Dabei handelt es sich um einen Blechkuchen mit Gemüse und Süßwasseraal. Da Sant Antoni Schutzpatron der Tiere ist, finden in vielen Orten Messen und Tiersegnungen, die sogenannten „Beneïdes” statt.

Hunderte von Menschen erscheinen mit ihren Haustieren und lassen sich auf den Marktplätzen der Ortschaften segnen. Die Gemeinden Felanitx, Manacor, Artà, Capdepera und Sa Pobla gehören zu den Hochburgen.

Doch in diesem Jahr ist alles anders: Die Corona-Krise macht die Festlichkeiten unmöglich. Aufgrund der Pandemie und der daraus resultierenden Restriktionen, wurden alle offiziellen Festlichkeiten zu Sant Antoni abgesagt. Die Stimmung bei den Initiatoren der Spektakel und Dimoni-Kollektiven ist daher betrübt. Das bestätigt auch Xesc Guasp, Mitgründer des Dimoni-Kollektivs „Esclatabutzes” aus Sóller. Die Vereinigung im Nordwesten der Insel wurde 1996 gegründet und ist eines der bekanntesten Kollektive des Tramuntana-Gebirges.

„Dieses Jahr wurden alle offiziellen Feste zu Sant Antoni und Sant Sebastià abgesagt. Das ist auf jeden Fall enttäuschend für uns. In die Vorbereitungen der Feuerspektakel stecken wir viel Arbeit. Im Moment können wir uns innerhalb der Gruppe noch nicht mal treffen, um das Jahr vorzubereiten.“

Die Idee zur Gründung der Gruppe hatte Xesc aufgrund verschiedener Dämonen-Theateraufführungen in Katalonien und Valencia. Neben den Festlichkeiten des Schutzheiligen Sant Antoni, organisiert die Vereinigung auch spezielle Pyrotechnik für andere Feste in Sóller.

„Das Fest und vor allem die Feuerspektakel und die Tänze leben vom Publikum”, so Xesc. „Ohne tanzende Menschen ist Sant Antoni nicht authentisch.”

Das sieht Aleix Rande ähnlich. Der Katalane ist Mitglied des Dimonis-Kollektivs „Espiadimonis” aus Felanitx. Für die Gruppe sind die Festlichkeiten des Schutzpatrons der Tiere die Wichtigsten des Jahres.

Aleix ist auch in der Landwirtschaftskooperative in Sóller aktiv. „Jährlich nehmen wir an den Vorbereitungen der Feuer und Grillplätze teil. Dieses Jahr fällt allerdings alles aus.” Nicht nur in Sóller, sondern auch in fast allen Ortschaften der Insel beteiligen sich landwirtschaftliche Vereinigungen an den Festlichkeiten von Sant Antoni. Die Ursprünge gehen nämlich auf einen alten heidnischen Brauch zurück. Aleix erklärt: „Damals war vor allem das Nutzvieh das ein und alles in der Familie. Daher segnete man die Tiere in der Zeremonie, um Seuchen und Krankheiten von ihnen abzuwenden und Fruchtbarkeit zu bringen.” Mittlerweile haben sich auch christliche Bräuche in die Festlichkeiten integriert. Am 17. Januar ziehen festlich geschmückte Wagen über Mallorcas Straßen und stellen landwirtschaftliche Szenarien dar.

Dieses Jahr muss man allerdings auf alte Traditionen verzichten. Aleix wünscht sich, dass wenigstens 2022 wieder Normalität einkehrt. „Wir hoffen, dass wir dann nächstes Jahr umso mehr feiern und die Teufel und Dämonen tanzen lassen können.”

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