Unterwegs auf dem höchsten Berg Mallorcas

| Mallorca |

Wanderführer Andreu Guardiola Sáchez fühlt sich in Höhenlagen am wohlsten.

Nur vereinzelt tropfen Andreu Guardiola Sánchez Schweißperlen von der Stirn und das, obwohl die Mai-Sonne mit voller Wucht vom Himmel knallt. Geschickt springt er von einem Felsbrocken zum nächsten und wirkt dabei fast so trittsicher wie die einheimischen Bergziegen, die ihn von weiter oben aus beobachten.

Andreu Guardiola Sánchez ist waschechter Mallorquiner und stammt aus Sóller. Er hat sein Hobby zum Beruf gemacht und arbeitet als Wanderführer für „Mallorca Muntanaya” in Port de Sóller. Dabei unternimmt er vor allem Ausflüge mit ausländischen Touristen. Außerdem spricht er fließend Deutsch, Englisch, Französisch und Spanisch. „Besonders gerne mache ich die Touren, bei denen es hoch hinausgeht”, lacht der 34-Jährige. Von seinen Arbeitskollegen wird er deshalb auch liebevoll „der Gipfelstürmer” genannt.

MM hat mit Guardiola deshalb den höchsten Gipfel Mallorcas gestürmt: In einer sechsstündigen Tour ging es hoch hinaus auf den Puig Major. Einmal auf dem höchsten Berg Mallorcas stehen und sich einen Überblick über die ganze Insel verschaffen. Doch das muss man sich erst einmal hart erarbeiten.

Los geht die Tour am Monnàber-Tunnel. Nach wenigen Metern an der Tramuntana-Transversale entlang, führt der Weg in den Wald, vorbei an abgelegenen Fincas und Grundstücken. Dabei wird man neugierig von frei laufenden Schafen und wildlebenden Eseln beobachtet. Über einen schmalen Trampelpfad geht es dann hoch zum Bergrücken des Puig Major: Nichts für Ungeübte, denn bereits am Anfang kommt man schon gut ins Schwitzen. Stellenweise sind nämlich auch Kletterkünste gefragt. Schwindelfreiheit und Trittsicherheit sind hier ebenfalls notwendig. Doch es gibt auch viel zu entdecken. Auf dem Weg zum Gipfel weist Andreu Guardiola immer wieder auf die vielfältige Vegetation hin: Wilder Wacholder und Rosmarin wächst auf den Felsvorsprüngen des Berges. Das bekommt längst nicht jeder Wanderer zu Gesicht. „Als einheimischer Wanderführer verfüge ich über spezielle Wegerechte”, erklärt Guardiola. Somit gibt es Streckenabschnitte, die nur für wenige Personen zugänglich sind. Nach zirka 1,5 Stunden erreicht man schließlich den oberen Bergrücken des Puig Major. Dieser liegt auf rund 1000 Meter Höhe. Die weiße Kuppel der Radaranlage auf dem Puig Major, die dem spanischen Militär gehört, sieht nun nicht mehr weit entfernt aus – doch der Schein trügt. „Noch 40 mallorquinische Minuten und wir sind oben am Penyal de Migdía”, verspricht Guardiola grinsend. Als „Penyal de Migdía” wird die Bergkette neben des Puig Major bezeichnet. Während der Wanderung berichtet Andreu Guardiola stolz über seine Heimat: „Das Tramuntana-Gebirge erstreckt sich über rund 90 Kilometer. Insgesamt besteht es aus über zehn Gipfeln mit über 1000 Meter Höhe”, erklärt der 34-Jährige.

Die Aussicht auf einem der höchsten Gipfel gleicht einer Panorama-Postkarte. Nordwestlich erstreckt sich die Bucht von Port de Sóller und die Strände von Sa Calobra und Cala Tuent. Im Norden liegt der nördlichste Punkt der Insel, das Cap Formentor. Daneben befinden sich die Strände von Alcúdia und Pollença. Im Südwesten blickt man bis auf die Bucht von Palma, die in der Mittagssonne türkisfarben schimmert. Östlich reicht der Blick bis nach Artà. Am Horizont lassen sich in der Ferne die Nachbarinseln Ibiza und Menorca erahnen.

Nach einer kurzen Verschnaufpause geht es weiter. „Nur nicht schwächeln”, feuert Guardiola an. Am höchsten Punkt des „Penyal de Migdía” angekommen ist wieder Schwindelfreiheit und Trittsicherheit gefragt. „Immer vorsichtig, die Geier warten schon”, scherzt Guardiola und streckt seinen Zeigefinger in die Höhe. Nur wenige Meter höher zieht ein Möchsgeier seine Kreise. Ein mulmiges Gefühl, das aber schnell von dem Freiheitsempfinden auf dem Gipfel abgelöst wird. Doch wer denkt, das er oben angekommen das Schwierigste gemeistert hat, der täuscht sich. Denn: Der Abstieg erweist sich als deutlich anstrengender und komplizierter. Kleine Steine und Geröll fordern noch einmal die volle Aufmerksamkeit.

Die Beine zittern – schließlich ist man ja auch schon drei Stunden unterwegs. Doch nach rund 50 Minuten voller Konzentration ist auch der Abstieg geschafft. Für die körperliche Stärkung hat Andreu Guardiola bereits vorgesorgt und zaubert eine echte mallorquinische Brotzeit aus seinem Rucksack: Würzige Butifarrón-Wurst, Käse, Oliven, landestypisches Brot, Tischwein und frisches Olivenöl. „Das ist ein absolutes Highlight auf jeder Wandertour”, meint Guardiola. Nach der ergiebigen Pause geht es auf die letzte Etappe. Über einen alten Eselpfad wandert man an Schneespeichern aus Trockensteinmauern vorbei. Schließlich geht es nach sechs Stunden purer Sonneneinstrahlung zurück in den schattigen Wald. Und dann ist es doch ein schönes Gefühl wieder flachen Boden unter den Füßen zu haben.

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