Der Blick vom Haus der Familie Oehm auf einen Teil ihres Grundstückes, welches direkt an die Bucht Caló des Moro angrenzt. Fotos: privat

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Es war die Zeit, in der es auf Mallorca noch so etwas wie „Geheim-Tipps” gab. Maren und Hans-Peter Oehm zog es Mitte der 1990er Jahre, auf die Insel. Die beiden Deutschen wollten sich hier ein Heim für sich und ihre beiden Töchter schaffen. „Ein Bekannter von uns meinte: ‚Soll ich euch mal meine Badewanne zeigen?’ So haben wir die Bucht Caló des Moro kennengelernt”, erinnert sich Maren Oehm.

Als die beiden das erste Mal an der Klippe stehen und diesen landschaftlichen Kunstgriff im Südosten der Insel sehen, wissen sie: „Hier lassen wir uns nieder und kaufen uns etwas.” Zuerst ist das eine kleine Finca in der Nähe. Irgendwann macht das Gerücht die Runde, der Besitzer des Grundstücks direkt angrenzend an die Bucht möchte verkaufen. Es gibt sogar Ambitionen einiger Investoren, auf das 40.000 Quadratmeter große Grundstück ein Hotel mit Minigolf und Tennisanlage zu bauen. Familie Oehm will damals ungern dabei zuschauen, wie dieses unberührte Stück Natur Teil eines Hotel-Komplexes wird. „Wir haben alle Nachbarn zusammen getrommelt und wollten sie davon überzeugen, das Land mit uns gemeinsam zu kaufen.” Das Interesse an diesem Vorhaben fiel jedoch bescheiden aus und so beschlossen die Oehms 1998, das Grundstück kurzerhand selbst zu kaufen und ein Haus für die Familie darauf zu bauen.

„Das war zu einer Zeit, als sich das Rathaus von Santanyí regelmäßig darüber beschwerte, dass wieder jemand die Wegweiser zu der Bucht abmontiert hatte.” Angeblich war der Übeltäter ein Nachbar, der dieses Stück Natur vor zu viel Popularität schützen wollte.

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Zur Jahrtausendwende waren der Caló des Moro und das Land drumherum ein Zufluchtsort für Wildcamper, Einheimische und Hippies. Das Müllproblem, das es heute gibt, existierte allerdings auch damals schon. „Wir haben nach dem Kauf wochenlang alte Autobatterien, Bauschutt, Matratzen und Haushaltsmüll gefunden und entsorgt. Heute, ist es noch mehr Müll geworden, der durch die vielen Besucher schamlos entsorgt wird.” So richtig begonnen hat der „Sturm auf den Caló des Moro” um das Jahr 2008. Mehrere Berichte internationaler Fernsehsender und Zeitschriften haben in den vergangenen 10 Jahren dafür gesorgt, dass die Bucht ein Urlaubs-Hotspot auf Mallorca wurde. „Es werden jedes Jahr mehr Menschen, die hierherkommen.” Die traumhafte Bucht ist sozusagen „viral gegangen”, und auf dem Weg zum perfekten Instagram-Selfie verläuft sich der eine oder andere schon mal zu den Oehms. „Wir hatten schon öfter Menschen im Garten stehen. Einmal sogar in der Küche. Außerdem erinnere ich mich an zwei Pferde mitsamt Reiter im Vorgarten. Heute kreisen ständig irgendwelche Drohen über unser Haus und schauen in unser Schlafzimmer. Das ist wirklich unschön.”

Um das Grundstück trotzdem für alle schöner zu machen, die es auf dem Weg zu Bucht durchqueren, hat die Familie mehr als 5000 Jungbäume und Sträucher auf dem wilden Land gepflanzt. Allerdings werden diese immer wieder zertrampelt oder gar gestohlen. Hilfe von den Behörden gebe es kaum. „Als Privatgrundstück und weil es kein Naturschutzgebiet ist, fühlt sich keiner zuständig. Allerdings ist jetzt im Herbst ein Treffen im Rathaus in Santanyì angesetzt. Vielleicht kommt dabei ja etwas heraus.”

Damit die viele Arbeit auch ohne behördliche Hilfe zu bewältigen ist, haben die Oehms 2014 die Stiftung „Fundació Amics d’Es Caló des Moro – S’Almonia” gegründet. (www. moro-salmonia.com) Durch Spenden konnten sie so, je nach Jahreszeit, einen oder mehrere Helfer anstellen, die die Familie beim Bewältigen der Menschen- und Müllmassen unterstützen. „In 20 Jahren gab es keinen Tag, an dem es kein Problem irgendeiner Art gab. Das ist echt anstrengend und ermüdend. Aber unser Herz hängt nun mal hier wie wahnsinnig an der Bucht und an dem Grundstück. Das ist unser Zuhause und egal was noch kommt, wir bleiben hier.”

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