Beim Dreh der Dokumentation „Un Ballet lleno de Tango” wurde auch Palmas Plaça Major zur Filmkulisse. | Casa-Film

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Das hypnotische Leuchten ihrer blauen Augen springt hin und her, wenn Nathalie Kraft von den unzähligen Ideen erzählt, die ihr im Kopf herumschwirren. Jeder Einfall scheint dabei nur darauf zu warten, sich durch eine Note, einen Schnappschuss oder bewegte Bilder in der Welt zu manifestieren. Egal ob mit ihrer Band, mit ihren Fotografien oder ihren Filmproduktionen, die 31-Jährige liebt das Herumwerkeln an kreativem Gedankengut und den daraus entstehenden schöpferischen Prozess.

„Ich bin diplomierte Filmherstellerin, könnte man sagen.” Im Fachjargon spricht man auch gerne mal vom „Producer”, der allerdings nicht unbedingt etwas mit dem Produzenten, also dem Geldgeber für ein Filmprojekt, zu tun hat. Mit ihrer Firma „Casa-Film” ist Kraft im Prinzip die Chef-Dompteurin in Mallorcas Film-Zirkus. „Ich koordiniere die verschiedenen Abteilungen am Set, kümmere mich um Drehorte, Genehmigungen, Catering, Unterkunft und werde im Prinzip für das Lösen von Problemen bezahlt.”

Die Würzburgerin kam für ein Praktikum bei einer Video-Produktionsfirma 2010 das erste Mal nach Mallorca. „Ich habe hier damals schon superviele spannende Menschen getroffen, und auch wenn es sich wie ein Klischee anhört, mich damals in Mallorca verliebt.” Heute, elf Jahre, unzählige Reisen in verschiedene Länder und ein Studium an der Film-akademie Baden-Württemberg später, lebt sie seit 2016 wieder in Palma. „Hier biete ich mein Know-how als Dienstleistung für Kino- und Fernsehproduktionen an.” Zu den Kunden, die Kraft schon bei Dreharbeiten auf Mallorca unterstützt hat, gehören Firmen wie Mercedes-Benz und Puma, Künstler wie Lou Bega oder der Rapper Farid Bang. Auch für das ZDF hat sie bereits gearbeitet.

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Neben einem Organisations- und Kommunikationstalent braucht ein Producer die Fähigkeit zu netzwerken, selbst Ideen zu entwickeln und umzusetzen. Durch ihre ingeniöse Begabung entwickelt sie neben den Service-Produktionen schon seit ihrem Studium immer wieder auch eigene Filmideen. „Ich war damals schon eine begeisterte Couch-Surferin.” Seit 2004 kann man mit der Couch-Surfing-App auf Reisen einfach und unkompliziert Einheimische kennenlernen und bei anderen Mitgliedern auf der Couch übernachtet. Zusammen mit einer Kommilitonin, die heute als erfolgreiche Regisseurin arbeitet, entstand der Film „Couchmovie”. Eine Komödie über vier verschiedene Sofas in vier verschiedenen Ländern mit vier verschiedenen zwischenmenschlichen Begegnungen. „Das Projekt hat damals so viel Spaß gemacht. Obwohl auch jede Menge Probleme damit verbunden waren. Wenn ich mich allerdings erst einmal einer Sache versprochen habe, dann gebe ich alles, bis sie verwirklicht ist.”

Besonders bemerkenswert war die Premiere des Films 2013 in einem kleinen Kino in Deutschland. Nathalie Kraft hatte über die Couch-Surfer-App mit ihrem privaten Profil in einem Forum auf die Premiere hingewiesen. „Ich hab wirklich nur geschrieben, dass es eben einen Film über das ,Couch-Surfen’ gibt und heute Abend die Premiere davon ist.” Am Abend kommt die Produzentin zusammen mit ihrem Cast zu dem Premieren-Kino und es stehen Hunderte Menschen davor. „Ich hab mir nichts dabei gedacht und gehe an die Kasse, um dem Mitarbeiter zu sagen, dass ich Nathalie heiße und mit meinen Schauspielern wegen der Premiere hier bin.” Im selben Moment verengen sich die Augen des Kinomitarbeiters zu kleinen Schlitzen und er schreit: „Du bist also diese Nathalie. Was denkst du dir eigentlich? Die Leute sagen, du hast sie alle eingeladen.” Als Kraft das erzählt, muss sie schmunzeln. „Innerhalb der App muss sich die Nachricht wohl sehr verbreitet haben. Tja, und dann standen da eben mal schnell ein paar Hundert Leute vor dem Eingang.

In diesem Jahr hat der Filmprofi ebenfalls Premiere mit einem eigenen Projekt gefeiert. Auf dem Evolution-Filmfestival 2021 in Palma konnte sie ihre Dokumentation „Un Ballet lleno de Tango” vorstellen. Darin geht es um den Versuch einer mallorquinischen Tanzschule, Tango und Ballett zu vereinen und damit eine Show auf die Beine zu stellen, welche die Menschen auf einer Welttournee begeistern soll. „Die Dokumentation ist ein reines Herzensprojekt. Wir hatten dafür nur zwei Mini-Sponsoren. Meine Freunde Melina Castaldi und Ariel Lucero haben genau wie ich viele Hundert Stunden Arbeit reingesteckt. Jetzt überlegen wir, wie wir den fertigen Film vermarkten können.”

Nathalie Kraft kann nicht nichts tun. Aktuell denkt sie über branchenbezogene Netzwerkpartys nach, die man hier veranstalten könnte. „Ich war während meines Studiums bei den Filmfestspielen in Cannes eingeladen und erinnere mich, wie viel entspannter und lustiger es dort war als beispielsweise bei der Berlinale.” Es seien die Sonne und das Meer, die kühlen Drinks und die luftige Kleidung, die Cannes so viel besser machen würden. Die kreativen Köpfe gebe es schließlich auf beiden Veranstaltungen und dennoch unterscheide sich ‚der Vibe’ grundlegend. „Alles, was Cannes hat, hat Mallorca auch. Deswegen macht Leben, Arbeiten und Netzwerken hier auch so viel mehr Spaß als in Deutschland.”