Zackenbarsche können 1,5 Meter lang und bis zu 60 Jahre alt werden, wenn die Lebensbedingungen stimmen. | Josep Alós

Exakt 20 braune Zackenbarsche schwimmen seit kurzem im Auftrag der Wissenschaft vor Mallorca. Sie tragen Miniatur-Sensoren, die Geräte erfassen Daten über die Umweltbedingungen und das Verhalten der Fische. Die Informationen werden wiederum an Empfängerstationen im Meer gefunkt und von Mitarbeitern des Forschungsinstituts Imedea in Esporles gesammelt. „Damit untersuchen wir die Auswirkungen der globalen Erwärmung und anderer Faktoren wie der Verschmutzung des Meeres auf die marine Artenvielfalt”, erklärt der Meeresökologe Josep Alós, der das Projekt zusammen mit dem Biologen Eneko Aspillaga leitet.

Der Biologe Eneko Aspillaga (l.) und der Meeresökologe Josep Alós leiten das Projekt. In den Händen halten sie Rezeptoren, die am Meeresgrund Daten der Zackenbarsche sammeln.

Ungewöhnlich ist die Dauer: Das Projekt wurde auf zehn Jahre angelegt. Solange sollen die Sender in der Fischhaut stecken bleiben. Das können sie, denn der braune Zackenbarsch, auf Spanisch Mero, wird bis zu 60 Jahre alt. Aber nicht nur deshalb haben die Forscher ihn als schwimmenden Wächter des BalearenMeeres ausgewählt. „Meros sind Alpha-Raubfische, die in ihrem Ökosystem an der Spitze der Nahrungspyramide stehen”, erläutert Aspillaga. „Sie jagen ihre Beute auf den verschiedenen niedrigeren Trophieebenen der Lebensgemeinschaften im Meer und tragen somit zum Gleichgewicht des Ökosystems bei.” Das mache Zackenbarsche zu einem Indikator für Umweltqualität: Je mehr Exemplare dieser Tierart anzutreffen seien, desto reichhaltiger ist die Nahrung unter Wasser.

In den Meeresschutzgebieten von El Toro und den Malgrat-Inseln sind die ersten Zackenbarsche markiert worden. Dazu haben die Wissenschaftler sie gefangen und schonend einen Sensor unter die Haut implantiert. „Die Chips sind absolut harmlos für die Fische”, betont der Biologe Aspillaga. Gleichzeitig wurden zwölf Empfangsstationen am Meeresgrund befestigt, die jetzt alle drei Minuten Daten von den Sensoren empfangen. Registriert werden etwa Temperatur, Standort und Strömungen, aber auch die Bewegungen der Fische, wohin sie schwimmen, wie schnell, in welcher Höhe, ob ruhig oder hektisch. „So können wir sehen, wie sich unterschiedliche Faktoren, wie etwa Abwässer, Schiffslärm oder höhere Temperaturen auf die Artenvielfalt im Meer auswirken.”

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Als Nächstes werden die Forscher die Schutzzonen der Insel Dragonera und der Bucht von Palma mit Empfangsstationen und Sensoren versehen. Sukzessive sollen alle elf Meeresschutzgebiete der Balearen ausgestattet und weitere Arten in die Studie einbezogen werden, wie etwa Gold- und Zahnbrassen. Gleichzeitig soll das balearische Netzwerk mit ähnlichen Tracking-Systemen international vernetzt werden.

Normalerweise forderten Regierungen schnelle Ergebnisse von Studien, sagt der Meeresökologe Josep Alós. Aber Kurzzeit-Projekte seien weniger aussagekräftig. „Darum ist es eine mutige Strategie, langfristig Forschung zu betreiben.” Das Projekt reihe sich in das Jahrzehnt der Ozeane ein, das die Vereinten Nationen ausgerufen haben mit dem Auftrag, bis 2030 detailliert zu ergründen, wie sich die Meere nachhaltiger nutzen lassen. Genau dies sei auch das Ziel des Projekts. „Wir gewinnen solide wissenschaftliche Erkenntnisse, wie wir eine nachhaltige Fischerei fördern und die Artenvielfalt erhalten können.”

Oft bekommen Wissenschaftler häufig zu hören, dass für langfristige Projekte keine Zeit mehr sei, weil der Klimawandel so schnell voranschreite, sagt Eneko Aspillaga. „Bei den Katastrophenmeldungen weltweit bekommt man diesen Eindruck.” Aber die jungen Forscher sind optimistisch. „Wir haben Zeit.” Mit seinen ausgedehnten Meeresschutzgebieten sei das Balearen-Meer weltweit einzigartig und in einer guten Position, sich an den Klimawandel anzupassen.