Seit einem halben Jahrhundert verzaubert der Cúber-Stausee die raue Bergwelt der Tramuntana. | Xesca Serra / Ultima Hora

Eigentlich ging es bei dem Termin in der Rathausbibliothek Mitte Mai um das Jubiläum eines der bedeutendsten Bauwerke in der Geschichte Mallorcas. Seit 50 Jahren sind die beiden Stauseen Gorg Blau und Cúber in Betrieb und decken seitdem einen bedeutenden Teil des Trinkwasserbedarfs der Inselhauptstadt. Zu dem Anlass gaben die Stadtwerke nun ein Jubiläumsbüchlein heraus.

Mit etwas Wehmut erinnerten die Anwesenden an den drastischen Eingriff in die Natur, die der Bau bedeutet hatte. „Aus heutiger Sicht muss man aber wohl anerkennen, dass es keine Alternative zum Bau gab”, sagte Stadtwerke-Chef Ramón Perpinyà. Andernfalls wäre die Versorgung von Bewohnern wie Touristen nicht möglich gewesen. Nach nur zwei Jahren Bauzeit waren die beiden Stauseen im Frühjahr 1972 eingeweiht worden. „Das wäre heute unmöglich”, sagte Perpinyà: „So etwas würde jetzt sicher sieben oder acht Jahre dauern.”

Zur Überraschung der etwa zwei Dutzend Zuhörer, die sich eingefunden hatten, plauderte der Stadtwerke-Chef dann aber auch noch über ein anderes Thema, das bislang noch in der Schwebe ist: die geplante Nutzung der Stauseen zur Elektrizitätsgewinnung. „Wir kehren quasi zum Ausgangspunkt zurück”, sagte Perpinyà und bezog sich damit auf die Tatsache, dass am Anfang des Stausee-Projektes Mitte des vergangenen Jahrhunderts ebenfalls die Stromproduktion gestanden hatte. „Es bleibt uns nichts anderes übrig, als unsere Selbstgenügsamkeit zu verbessern”, sagte Perpinyà. Klimawandel, Ukrainekrieg und steigende Energiepreise hätten das zuletzt mehr als deutlich gemacht.

Und so nehmen intern offenbar die Planungen eines Vorhabens Gestalt an, von dem bereits seit einigen Jahren immer wieder einmal die Rede ist. Die Planungen der Stadtwerke sehen vor, die Stauseen künftig als Pumpspeicherkraftwerk zu nutzen. Es werde bereits an den technischen Details des Projektes gearbeitet, sagte eine Stadtwerke-Sprecherin auf Nachfrage. Die Idee sei, eine Förderung durch EU-Fonds zu beantragen. Die Kosten beliefen sich auf etwa zehn Millionen Euro, hatten Medien bereits vor einiger Zeit berichtet. Eine Fertigstellung sei für spätestens 2026 geplant.

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Auf der Hochebene zu Füßen des Puig Major fließen die Gebirgsbäche zusammen, die sich dort nach Regenfällen bilden. Heute speisen sie die beiden Stauseen. Foto: jm
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Infrage kommen offenbar zwei Möglichkeiten. Einerseits könnte die Verbindung der beiden Stauseen derart umgestaltet werden, dass das Wasser aus dem tiefer gelegenen Gorg Blau tagsüber, wenn es ein Überangebot an Energie gibt, in den Cúber-Stausee gepumpt wird. Nachts könnte es dann zurückfließen und dabei eine Turbine antreiben. Die andere Möglichkeit ist, das starke Gefälle der Leitung zu nutzen, durch die das Wasser aus dem Cúber-Stausee hinunter nach Lloseta fließt. Ziel der Stadtwerke ist es, bis zum Jahr 2030 ihren gesamten Strombedarf selbstständig aus erneuerbaren Energien zu decken.

Pumpwasserkraftwerke sind die gebräuchlichste Lösung, wenn es darum geht, Energie im großen Maßstab zu speichern. Auf der Kanareninsel El Hierro etwa ist seit 2014 eine solche Anlage in Betrieb. Durch Windkraft wird dort bei Energieüberschuss Wasser von einem Staubecken in ein anderes gepumpt. Bei Flaute werden dann die Schleusen geöffnet. Auf diese Weise deckt El Hierro seinen gesamten Strombedarf aus erneuerbaren Energien, wie es heißt.

DIE STAUSEEN IN ZAHLEN:

Cúber:
Größe: 59,3 Hektar
maximale Tiefe: 17,3 Meter
Länge: 1692,3 Meter
Breite: 718 Meter
mittlere Tiefe: 7,76 Meter
Volumen: 4,64 Hektometer

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Hier spieglt sich Mallorcas höchster Berg, der Puig Major, im Cúber-Stausee. Foto: pl

Gorg Blau:
Größe: 59,9 Hektar
maximale Tiefe: 35 Meter
Länge: 1687,2 Meter
Breite: 671,8 Meter
mittlere Tiefe: 11,55 Meter
Volumen: 7,34 Hektometer

Windstille und blauer Himmel über dem Cúber- Stausee.
Windstille und blauer Himmel über dem Gorg Blau-Stausee. Foto: Patricia Lozano