Werner (l.) und Jens Platzhoff (r.) sind nach fast 2000 Kilometern auf dem Rad in Palma angekommen. | Patricia Lozano

Nach 20 Jahren haben es Jens und Werner Platzhoff noch einmal gewagt: Die strapaziöse Fahrt auf dem Drahtesel von Deutschland nach Mallorca. 2002 benötigten sie für die 1800 Kilometer lange Strecke von Wülfrath in Westfalen bis auf die Baleareninsel zwölf Tage. 2022 brauchten der mittlerweile 56-jährige Jens Platzhoff und sein 81-jähriger Vater 21 Tage – eine immer noch respektable Leistung! "Wir haben nur drei- oder viermal im Hotel und ansonsten stets im Zelt übernachtet", beteuerte Werner Platzhoff. Die größte Herausforderung bei der jetzigen Tour sei das Wetter gewesen, erklärte sein Sohn. „Die Hitze war unser größter Gegner, besonders bei Temperaturen über 30 Grad ist es anstrengend.” Und Werner Platzhoff fügte dem hinzu: "Die schwierigste Etappe war in Frankreich in Nîmes bei 38 Grad."

Langweilig wurde es Vater und Sohn bei der langen Tour nicht. Jens Platzhoff sagte: "Unterwegs lernt man eine unterschiedliche Landschaft von Fahrradwegen kennen. Von Schlagloch-Pisten bis zu einspurigen asphaltierten Radwegen ist alles dabei." Und Mallorca kommt ihnen zufolge bei Fahrradtouristen besonders gut an. Werner Platzhoff schwärmte: "Die Insel ist ein Paradies für Fahrradfahrer. Die Straßen sind sehr gut, und von Flachland bis Bergen ist hier alles dabei."

Werner Platzhoff hatte 22 Kilo Gepäck dabei, sein Sohnemann hingegen 25 Kilo, darunter Schlafsäcke, Luftmatratzen und etwas Werkzeug. Nur zwei Pannen mussten sie unterwegs bewältigen und neue Schläuche auf ihre Räder ziehen. In Mainz tauschen sie eine Speiche aus, die an einem Stahlross gerissen war, eine weitere wurde von einem Fahrradhändler auf Mallorca ausgewechselt. Jens Platzhoff zufolge war das Schönste auf der Reise die Begegnungen mit anderen Menschen. "Die Kontakte sind viel intensiver als wenn man alleine mit dem Flugzeug oder mit dem Auto unterwegs ist."

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Doch was hat Platzhoff senior besonders motiviert, mit 81 diese Strapazen auf sich zu nehmen? "Mit 73 hatte ich Darmkrebs und einen künstlichen Ausgang bekommen." Um auf der Strecke medizinisch bestens versorgt zu sein, hatte er daher 60 Stomabeutel dabei. Trotz dieses (scheinbar) gesundheitlichen Handicaps hat er sich auf den (Fahrrad-) Weg gemacht, und es bislang nicht bereut. "Ich möchte anderen Menschen damit Mut machen, auch nach so einer Operation ein normales Leben zu führen."

Peter Becker fährt mit seinem Zwergspitz nach Mallorca. (Foto: privat)

Ebenfalls in Deutschland schwingt sich Mitte August Peter Becker auf das Bike. Der Journalist und Filmemacher verfolgt mit seiner Reise eine besondere Mission. Von Weißenfels soll es innerhalb von sieben Tagen mit seinem Hund, dem Zwergspitz Teddy, auf die Mallorca-Farm des Dschinghis- Khan-Sängers Stefan Track gehen. Mit seinem sportlichen Einsatz möchte Becker vor allem auf das Elend und die Misshandlung vieler Tiere aufmerksam machen, und auch ein Film soll auf der Tierfarm des Musikers Track gedreht werden. Hierfür hat er eigens über seine Facebook-Seite (facebook.com/peterfilmemacher) zu einer Spendenaktion aufgerufen. Nach seinem Aufenthalt auf der Baleareninsel plant der 64-Jährige, nach Berlin zu radeln, um Agrarminister Cem Özdemir einen Forderungskatalog für mehr Tierschutz zu überreichen.

Julien Yenilmez engagiert sich karitativ bei seiner Tour.
Julien Yenilmez engagiert sich karitativ bei seiner Tour. (Foto: privat)

In England wiederum hat sich der 28-jährige Julien Yenilmez das Ziel gesetzt, die 1800 Kilometer lange Fahrradstrecke nach Palma in 20 Tagen zu meistern. Yenilmez ist zwar in Hamburg geboren, doch auf Mallorca aufgewachsen. Seit seinem 18. Lebensjahr wohnt er in London, wo er nun als Cyber-Security-Spezialist arbeitet. Jetzt hat er sich eine Auszeit von zwölf Monaten genommen, in denen er sich selbst erdachten Herausforderungen stellen will. Neben der Besteigung des Kilimandscharo in Tansania zählt dazu die Fahrradtour von London zu seiner Familie nach Santa Ponça.

Mit seiner Fahrt möchte er mittels Crowdfunding einem Kind, dem krebskranken Ian Chaves aus Calvià helfen. Der Körper des Neunjährigen hat desmoplastische Weichgewebesarkome entwickelt, und die Behandlung in einem Kinderkrankenhaus in London erweist sich als sehr kompliziert. Daher soll der Junge nun in ein Krankenhaus nach Madrid verlegt werden. Eine weitere Therapie in Köln in Höhe von 83.000 Euro könnte dem Kind im Kampf gegen den Krebs helfen. Über den Instagram-Account von Yenilmez (@julien_y) ist der Link zum Spendenaufruf für Ian zu finden.