Der Prozess um den Megapark-Boss Bartolomé "Tolo" Cursach geht in die nächste Runde. | ALEX SEPULVEDA

Das Gerichtsverfahren gegen den Megapark-Boss Bartolomé "Tolo" Cursach ist nach der Sommerpause in der Ersten Kammer des balearischen Landgerichts in Palma seit Wochenbeginn wieder aufgenommen worden. Es handelt sich um einen der wohl größten Gerichtsprozesse in der Geschichte auf Mallorca: Rund 355 Zeugen und Sachverständige sollen bei dem Verfahren unter dem Vorsitz von Richterin Samantha Romero gehört werden, darunter auch der ehemalige Bürgermeister von Calvià, Carlos Delgado.

Die letzte Sitzung vor der Sommerpause hatte am 15. Juli 2022 stattgefunden. Die vom Gericht für den Mega-Prozess angesetzten Verhandlungstermine reichen bis April 2023.

Was bisher geschah: Ganze Teile der ursprünglichen Anklageschrift wurden gestrichen und die Anklage gegen acht Personen zurückgezogen. Ein weiterer Angeklagter ist mittlerweile verstorben.

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Bereits der erste Verfahrenstag im Juni hatte mit einem Paukenschlag begonnen: Das Gericht sprach damals sechs Angeklagte, darunter einige der bedeutendsten Köpfe in dem Fall, frei. Zuvor hatte die Staatsanwaltschaft die Anklage fallengelassen gegen Pilar Carbonell (ehemalige Generaldirektorin für Tourismus), Jaime Lladó (Ex-Chef der Diskothek "Tito's"), Arturo Segade (Ex-Mitarbeiter "Tito's") sowie einen Ex-Polizisten und zwei Verwaltungsbeamte. Auch die Nebenklage ging nicht weiter gegen die Beteiligten vor, weshalb sie vom Gericht freigesprochen wurden.

Seit Prozessbeginn haben sowohl der Hauptangeklagte Bartolomé Cursach als auch der ehemalige Direktor der Cursach-Gruppe, Bartolomé Sbert, von ihrem Schweigerecht Gebrauch gemacht. Der heute 76-jährige Diskothekenbetreiber Cursach war Ende Februar 2017 verhaftet worden. Anfangs hatten ihm wegen einer Vielzahl an Vorwürfen achteinhalb Jahre Haft gedroht. Die Staatsanwaltschaft hat jedoch mittlerweile ihren Strafantrag auf eineinhalb Jahre Haft reduziert. Ursprünglich standen in der Anklageschrift Drogenhandel, Korruption, Beamtenbestechung, Steuerhinterziehung, Totschlag und elf weitere Vorwürfe. Nach wie vor wird Cursach die Zugehörigkeit zu einer kriminellen Vereinigung sowie Täuschung vorgeworfen. Der Vorwurf der Bestechung wurden jedoch fallengelassen.

Am Montag wurde in dem Gerichtsprozess eine Polizeibeamtin, die ehemalige Inspektorin einer Polizeieinheit zur Ermittlung von Geldwäsche, vernommen. Sie soll jedoch kaum Informationen zu den Ermittlungen gegen Bartolomé Cursach bekanntgegeben haben, wie die spanischsprachige MM-Schwesterzeitung "Ultima Hora" berichtete. Vor dreieinhalb Jahren war die Frau vom Dienst suspendiert worden, nachdem man ihr Unregelmäßigkeiten bei den Untersuchungen vorgeworfen hatte.

Die Aussage der befragten Inspektorin lautete meist nur :"Ich kann mich nicht erinnern, ich weiß es nicht."

Hintergrund hierfür ist, dass vermutet wird, dass bestimmte Cursach-Betriebe in der Vergangenheit bevorzugt behandelt wurden, insbesondere in den Jahren 2015 bis 2017. Der angeklagten Beamtin wird vorgeworfen, Zeugen unter Druck gesetzt und Untersuchungen nicht objektiv durchgeführt zu haben. Vor Gericht bestritt die Polizeiinspektorin die Vorwürfe vehement.