Die Lehrerin Ana Eva Guasch verschwand mit 27 Jahren. | Ultima Hora

Vor exakt 21 Jahren, am 21. Oktober 2001, verschwand auf Mallorca die Lehrerin Ana Eva Guasch spurlos. Die damals 27-Jährige Palmesanerin war zuvor von einer Partynacht am Paseo Marítimo in ihre Wohnung an der Avenida Aragón zurückgekommen. Dann öffnete sie am frühen Morgen einem Besucher die Tür. Seitdem ward sie nicht wieder gesehen.

Ihr damaliger Freund stand unter dringendem Tatverdacht, kam aber nie ins Gefängnis, weil keine Leiche gefunden wurde. Aus Anlass des Jahrestages blickte der Polizeireporter der MM-Schwesterzeitung "Ultima Hora", Javier Jiménez, auf den Fall zurück und sprach auch mit dem damals zuständigen Untersuchungsrichter sowie Ermittlern. Der mittlerweile pensionierte Richter José Castro, der – nebenbei erwähnt – auch für diverse Korruptionsprozesse unter anderem gegen Iñaki Urdangarin, den Ehemann der Königsschwester Cristina, zuständig war, äußert sein Bedauern über das "Versagen" der Ermittler. Man habe dem Freund der Verschwundenen die Tat nie nachweisen können.

Der Kriminalitätsexperte Javier Jiménez veröffentliche am Sonntag in "Ultima Hora" einen Nachruf auf die verschwundene junge Frau und eine Rückschau auf die Ereignisse von damals. MM gibt hier den vollständigen Text in deutscher Übersetzung wieder:

Heute wäre sie 48 Jahre alt, aber am 21. Oktober 2001, als die Zeit für sie stehen blieb, war sie erst 27 Jahre alt. Ana Eva Guasch Melis war Lehrerin an der Schule Santa Monica in Palma und ihr Verschwinden löste auf Mallorca die größte polizeiliche und soziale Mobilisierung seit Menschengedenken aus. Ihr Freund, ein kalter und berechnender Argentinier, wurde viermal verhaftet, aber immer wieder freigelassen, weil die Leiche nie gefunden wurde. Richter José Castro, der den Fall untersuchte, fasste es jetzt so zusammen: "Wir waren zuversichtlich, dass er schwach werden und uns sagen könnte, wo die Leiche ist, aber er tat es nicht. Ich nutze Ihren Anruf, um der Familie von Ana Eva noch einmal unsere Entschuldigung auszusprechen. Es ist mir nicht klar, wo wir versagt haben, aber wir haben versagt, das ist offensichtlich", räumte der Richter ein, der inzwischen im Ruhestand ist.

Am Vorabend des Festes der Jungfrau Maria ging die Philologin mit ihren Freundinnen auf eine Party und beendete dann die Nacht auf dem Paseo Marítimo. Nachdem sie ihre Freundinnen im Auto nach Hause begleitet hatte, kam sie um halb sechs Uhr morgens in ihrer Mietwohnung in der Calle Aragón 79 an. Heute steht dort ein neues Gebäude, aber damals befand sich in der Stelle ein Altbau ohne Aufzug und mit engen Treppen. Kurz nach der Ankunft klopfte jemand an die Tür und die Lehrerin öffnete. Das war ein sicheres Zeichen dafür, dass sie demjenigen, der Einlass begeherte, kannte und ihm vertraute. Von da an wurde sie nie wieder gesehen. Ein Deckbett, eine Lampe vom Nachttisch und ein Laptop fehlten in der Wohnung.

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Die Kameras eines benachbarten Videoclubs und die Verkehrskameras wurden nicht rechtzeitig überprüft, sodass die Bänder bereits gelöscht worden waren. Obwohl alles auf ihren Freund hindeutete, konnten die Ermittler keinen Weg finden, ihm die Verwicklung in den Fall nachzuweisen. Der junge Mann selbst heuerte einen Detektiv an und begleitete den Prozess, sodass er über die Entwicklungen auf dem Laufenden war. Seine erste Festnahme erfolgte, als entdeckt wurde, dass er seine Koffer gepackt hatte, um von Mallorca zu flüchten.

Später stellte sich heraus, dass er vor seinem Verhör einen Psychologen aufgesucht hatte, um Medikamente einzunehmen, was die Alarmglocken erneut schrillen ließ, und er wurde erneut in Polizeigewahrsam genommen. "Welcher unschuldige Mensch muss Drogen nehmen, um mit der Polizei und dem Richter zu sprechen?", fragte José Castro jetzt.

Bei einer anderen Gelegenheit versuchte der Freund, die Mordkommission zu täuschen, was ihm jedoch misslang. Er soll eine zerbrochene Plastikkarte unter die Wohnungstür der Lehrerin gelegt und behauptet haben, dass der Einbrecher mit dieser Karte ins Haus gelangt sei, ohne das Schloss aufzubrechen. Bei der Analyse des Plastikmaterials stellte sich heraus, dass die Karte von einem Videoclub in Argentinien stammte, aus der Zeit, als der Verdächtige dort lebte. Der Angeklagte wurde Tag und Nacht unauffällig observiert. Bei einer anderen Gelegenheit, als er nach Sineu fahren wollte, machte er einen Umweg und gelangte mit seinem Lieferwagen auf eine Straße in Santanyí, wo es eine illegale Müllkippe gab. Jeden Tag wurden dort Tonnen von Müll in eine Grube gekippt, und der Mann wusste davon.

Die Polizei ging am nächsten Tag mit Spürhunden dorthin und fand in einer Zisterne einige Knochen, die jedoch von einem Tier stammten. Es wurde sogar die Möglichkeit in Betracht gezogen, die Mutter des Tatverdächtigen zu kontaktieren, "um sie eindringlich zu bitten, uns aus Menschlichkeit dabei zu helfen, an den Ort zu gelangen, an dem Ana Eva war", sagte jetzt ein anderer an dem Fall beteiligter Ermittler.

Der Argentinier reiste in sein Land und kehrte später nach Spanien zurück. Das Letzte, was über ihn bekannt wurde, ist, dass er in einem Hotel an der Costa del Sol arbeitete. Als ein Polizeibeamter in Palma davon erfuhr, rief er seine Kollegen dort an und schärfte ihnen ein: "Behaltet ihn im Auge!"