Mareike L. aus Niedersachsen. | privat

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Für die meisten Insel-Fans ist es wohl unvorstellbar, dass jemand mit knapp 40 Jahren zum ersten Mal fliegt und seine freie Zeit zum ersten Mal auf Mallorca verbringt. Doch das Leben von Mareike L. lief anders als bei vielen anderen. Mit 18 Jahren wurde sie ungeplant schwanger. Im 6. Monat verlor sie ihre eigene Mutter. Als alleinerziehende Teenie-Mutter schloss sie trotz aller Umstände ihre Friseurausbildung ab und sorgte für ihren Sohn. Viel früher als andere musste sie Verantwortung übernehmen und ihre eigenen Bedürfnisse zurückstecken. Aus ihrer kleinen Heimatstadt kam die heute 39-Jährige selten heraus, bereiste nie die Welt.

"Ich habe Angst davor", gab sie eines Tages gegenüber der MM-Autorin zu. Seit 33 Jahren sind die beiden Frauen befreundet. Nach wochenlangem Bitten und Drängen überwindet sich Mareike L. und tritt Ende Juni ihren allerersten Urlaub an: Das erste Mal Fliegen, das erste Mal aus Deutschland heraus, das erste Mal ohne ihre Familie. Der Tapetenwechsel kommt gerade recht: Nach zehn Jahren hat sich Mareike kürzlich von ihrem Verlobten getrennt. "Und manchmal bedeutet eine Reise nicht nur Urlaub, sondern Neuanfang ...", schreibt sie am Morgen der Abreise bei Facebook.

Ausgerüstet mit einem sechsseitigen Pamphlet, das haargenau jeden noch so kleinen Schritt für die erste Flugreise beschreibt, geht Mareike L. drei Stunden zu früh mit pochendem Herz durch die Sicherheitsschleuse am Flughafen in Paderborn. Als der Flieger in Richtung Insel über die Startbahn rast und dann schwankend und vibrierend in die Luft abhebt, bereut sie ihre Entscheidung kurz: "Ich dachte nur: 'Oh Gott, was hast du getan? Bleibt das jetzt die ganze Zeit so?'" Doch ihre Sitznachbarin, eine erfahrene Flugreisende, beruhigt sie und erklärt ihr alles. Zwei Stunden und zehn Minuten vergehen dann, viel schneller als gedacht, regelrecht im Flug.

"Ich habe es geschafft!", ruft Mareike L., als sie am Flughafen von Palma ankommt und aus dem Gebäude tritt. Sie fällt ihrer Freundin um den Hals und staunt über die vielen Eindrücke. "Wow, eine Palme! Warte, die MUSS ich fotografieren", sagt Mareike auf dem Weg zum Parkhaus. Dass ihre Freundin sogar eine Palme im hauseigenen Garten hat, kann sie kaum fassen. Langsam fällt die erste Aufregung von ihr ab, neugierig schaut sich Mareike um. "Was für ein Verkehr! Wie schaffst du es bloß, hier Auto zu fahren?", fragt sie erstaunt. Als die MM-Autorin in den engen Straßen des El Terreno-Viertels ihren Wagen geschickt in eine kleine Parklücke manövriert, erntet sie die ehrfürchtigen Blicke der 39-Jährigen.

In den nächsten Tagen kommt die Niedersächsin aus dem Staunen nicht mehr heraus. So viel gibt es zu erkunden in ihrem ersten Mallorca-Urlaub: die Altstadt von Palma mit ihrer prächtigen Kathedrale und ihren gemütlichen Gassen, das türkise Meer am Strand von Illetes, die wuseligen Busse in der Inselhauptstadt und die starken Cafés con Leche. Ein Foto nach dem anderen schießt die Niedersächsin, in Restaurants, beim Einkaufen, am Strand.

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Als Mareike L. das erste Mal am Strand den Sand zwischen ihren Zehen spürt und in die Wellen des Mittelmeers eintaucht, realisiert sie: "Unfassbar, ich schwimme wirklich im Meer!" Beim Frühstück am Chiringuito fühlt sich die junge Frau endlich in ihrem Urlaub angekommen. Sie trinkt ihren Kaffee und zieht zufrieden an einer Zigarette, während sie verträumt aufs Meer schaut. "In diesem Moment fühle ich ich mich wirklich frei", fasst sie ihre Empfindungen spontan in Worte.

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Mareike L. am Strand.

Immer wieder lacht die Deutsche losgelöst, ihre Wangen sind von der Sonne gerötet, ihre Augen leuchten wie selten. Eines Morgens stellt sie erstaunt fest: "Seit ich hier bin, habe ich nicht ein einziges Mal an meinen Ex gedacht."

Wie gut es doch war, denkt sich ihre Freundin im Stillen, Mareike L. zur Reise geraten zu haben. Denn manchmal ist eine Reise doch viel mehr als nur ein Urlaub – und in Mareikes Fall ist sie wirklich ein Neuanfang.

Nach vier Tagen von Mallorca Abschied zu nehmen, fällt der Urlauberin dennoch nicht schwer. "Ich freue mich auf das Läuten der Kirchglocken bei mir zu Hause, auf meine kleine Fellnase und meine Familie", erklärt sie zufrieden. Vorher aber muss sie sich alleine an dem vollen Flughafen von Palma zurechtfinden und noch einmal ihre Flugangst überwinden. Die Heimreise nach Paderborn wird zur Nervenprobe: Wegen Unwettern in Deutschland kann der Flieger erst mit knapp drei Stunden Verspätung starten.

"Auch wenn mich der Rückflug etwas gestresst hat, komme ich sicher wieder", schreibt die junge Frau ihrer Freundin per Whatsapp. "Ich danke dir auch für all die Erfahrungen und Momente. Es war wunderschön!"