Rau, aber mit Respekt

Der Rugby Club "El Toro" aus Calvià gehört zu den erfolgreichsten auf Mallorca

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Für Außenstehende ist es gar nicht so einfach, den Spielverlauf beim Rugby zu verstehen.

Für Außenstehende ist es gar nicht so einfach, den Spielverlauf beim Rugby zu verstehen.

Foto: Foto: privat
Für Außenstehende ist es gar nicht so einfach, den Spielverlauf beim Rugby zu verstehen.Drücken, schieben, teckeln. Beim Rugby-Club El Toro in Calvià geht es ordentlich zur Sache.

Der große Holzkohlegrill qualmt. Es riecht nach Würstchen und Fleisch. Das moderne Kunstrasenfeld in Son Caliu wird von grellem Flutlicht ausgeleuchtet. An den langen Biertischen sitzen Jung und Alt beisammen. Es ist laut. So geht es jedes zweite Wochenende bei den Heimspielen des Rugby Club "El Toro" aus Calvià zu.

Der Verein gehört zu den erfolgreichsten auf Mallorca. 1990 gegründet, feierte der Club bereits mehrere Meisterschaften, die letzte erst in der vergangenen Saison, und brachte dabei auch schon viele Talente hervor. "Einige von uns spielen in der Balearenauswahl, einer hat es sogar in den VRAC geschafft. Der Valladolid Rugby Asociación Club ist einer der erfolgreichsten Rugby-Vereine Spaniens", erklärt Alex Pagues. Der Deutsch-Mallorquiner spielt seit sechs Jahren bei El Toro und schaffte im Sommer den Sprung von der Jugendmannschaft zu den Herren. "Rugby ist zwar noch ein Randsport, aber gerade auf den Balearen erlebt er einen Aufschwung", so Pages.

Um 17.30 Uhr ist Anpfiff. Dann geht es los, das Spiel gegen Corsaris Alcúdia. Und wie es los geht. 15 Spieler auf beiden Seiten stürmen, teckeln, werfen, kicken und brüllen. Für den Laien entwickelt sich eine Folge undurchsichtiger Spielzüge. Ständig wird unterbrochen. Es gibt Freistöße und "Gedränge". "Beim Gedränge müssen wir versuchen, den Gegner wegzuschieben, um an den Ball zu kommen", erklärt Alex später, der sich beim Spiel neben mehreren Muskelrissen auch schon eine Gehirnerschütterung zugezogen hat. "Solche Verletzungen passieren meistens im Training, da wir dort keine Schutzkappe tragen", sagt sein Teamkollege Paul Lorenz, der auf der Tribüne sitzt.

Der 17-Jährige spielt seine letzte Saison in der Jugend und freut sich darauf, nächstes Jahr bei den "Großen" mitzumischen. Über englische Freunde waren beide zum Rugby gekommen. Nach einem Probetraining waren sie so fasziniert von dem Sport, dass sie dabeiblieben.

Doch auch im Spiel tragen längst nicht alle Spieler eine schützende Schaumstoffkappe. Unter ihnen ist der Ton rau. Es kommt zu Wortgefechten und es wird geschubst.

Zwischendurch formieren sich die Mannschaften, ein Spieler wird von seinen Mitspielern hochgehoben und muss versuchen, einen Einwurf zu fangen. Niemand außer dem Kapitän darf mit dem Schiedsrichter sprechen. Anders als im Fußball werden seine Entscheidungen wortlos akzeptiert. Kein Meckern, kein Schimpfen. Eine Anzeigetafel, die den Spielstand anzeigt, gibt es nicht. Nach eineinhalb Stunden ertönt aus der Trillerpfeife der Schlusspfiff. "50:5, wir haben ein super Spiel abgeliefert", sagt Alex.

Der Sieg gegen Corsaris ist der dritte dieser Saison. Im dritten Spiel. El Toro ist damit souveräner Tabellenführer der Liga Balear . Sie ist die höchste Spielklasse auf regionaler Ebene. Acht Vereine kämpfen um die Meisterschaft. Die weiteste Reise führt die Schwarz-Weißen von El Toro zu den Auswärtsspielen beim RC Ibiza.

"Bei den Spielen geht es schon ganz ordentlich zur Sache", sagt Paul. Besonders brisant sind die Duelle gegen den Rugby Club Ponent B aus Palma. El Toro und "Los Verdes", wie Ponent auch genannt wird, sind nicht nur Gründungsmitglieder der Balearenliga, sondern auch Erzrivalen.

"Die Rivalität hindert uns aber nicht daran, nach dem Spiel wieder zusammenzusitzen", erklären Alex und Paul. "Es ist eine Tradition, dass der Gastgeber die Gastmannschaft bekocht und mit Getränken versorgt."

Diese freundschaftliche Stimmung ist greifbar. Nicht auf dem Spielfeld, aber daneben. Wenn die Teams frisch geduscht aus der Kabine kommen, wird der Grill wieder angeworfen und es entsteht ein Beisammensein, das mehr einem Abend unter Freunden als einem Rugbyspiel unter Rivalen gleicht. "Das ist das Schöne an diesem Sport", meint Paul, "man lernt den respektvollen Umgang miteinander, auch wenn es auf dem Feld manchmal knallt."

 

RUGBY IN SPANIEN

División de honor
In der höchsten spanischen Liga trifft sich die Rugby-Elite des Landes. Der amtierende Meister VRAC aus Valladolid und weitere elf  Teams kämpfen um die nationale Rugby-Krone.

División de honor B
Die zweite Rugby-Liga besteht aus 27 Mannschaften, die in drei Gruppen um den Aufstieg spielen.

Primera Nacional
ist die dritte landesweite Liga. Auch sie ist in drei Gruppen aufgeteilt. In der Gruppe „Ost” spielt die erste Mannschaft des RCPonent aus Palma. Ponent ist damit der einzige Vertreter der Balearen, der auf nationaler Ebene antritt.

Regionalligen
Die übrigen Teams tragen regionale Meisterschaften aus. Auf Mallorca, Ibiza und Menorca geht es um den Titel in der Liga Balear.

 

SO LÄUFT EIN RUGBY-SPIEL


Versuch
Um Punkte zu erzielen, kann die angreifende Mannschaft (15 Spieler) den Ball in die gegnerische Hälfte tragen und dort ablegen (Versuch). Pässe dürfen nur nach hinten gespielt werden, gekickt werden darf auch nach vorne. Gelingt der Versuch, bekommt man fünf Punkte und zudem die Chance auf zwei Extrapunkte durch einen Kick zwischen die Stangen.

Foul
Auch bei einem schweren Regelverstoß des Gegners bekommt man einen Strafkick (drei Punkte).

Gedränge und Gasse
Nach einer Unterbrechung gibt es ein Gedränge (Die Mannschaften stehen sich gebeugt und verhakt gegenüber und versuchen den Ball durch gegenseitiges Wegschieben zu erobern) oder eine Gasse (Ein Spieler wird hochgehoben und versucht, den eingeworfenen Ball zu fangen)

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