Christian Ziege hofft auf den Aufstieg

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Christian Ziege auf dem Gelände von Atlético Baleares im MM-Interview.

Christian Ziege auf dem Gelände von Atlético Baleares im MM-Interview.

Foto: Patricia Lozano
Christian Ziege auf dem Gelände von Atlético Baleares im MM-Interview.Im Stadion Son Malferit tragen die Kicker von Christian Ziege ihre Heimspiele aus.

Mallorca Magazin: Die bisherige Saison von Atlético Baleares kann man als durchwachsen bezeichnen. Wie sicher sind Sie sich, dass Ihr Team am Ende um den Aufstieg in die zweite Liga mitspielt?

Christian Ziege: Das ist ganz schwer zu sagen. Die Liga ist unheimlich ausgeglichen. Da lässt sich nicht so einfach ein Spiel nach dem anderen gewinnen. Wir müssen jedes Wochenende das Maximum geben. Ob wir am Ende oben mit dabei sind? Ich hoffe es.

MM: Ihr Vertrag läuft noch bis Ende der Saison. Gab es bereits Gespräche über eine Verlängerung?

Ziege: Nein, die gab es noch nicht. Das ist aber auch nicht nötig. Wenn mein Eindruck stimmt, dann sind momentan beide Seiten zufrieden damit, wie sich die Dinge entwickeln.

MM: Würden Sie denn gerne noch über den Sommer hinaus auf Mallorca arbeiten?

Ziege: Grundsätzlich gefällt es mir hier gut und mir macht der Job riesig Spaß. Wir haben auch gemeinsam schon viel vorangetrieben. Aber wenn man mit solch einem Projekt startet, dann braucht man auch Geduld. Die Zuschauer, die zu den Spielen kommen, haben das meistens nicht, die wollen Siege sehen. Aber man muss das Gesamte betrachten. Das macht mir unheimlich Spaß. Ich kann mir auf jeden Fall vorstellen, das auch weiterhin zu machen. Ich fühl' mich wohl.

MM: Was unterscheidet eigentlich die Arbeit hier in Spanien von der bei einem Drittligaverein in Deutschland?

Ziege: Ich weiß nicht, ob es große Unterschiede gibt. Anders ist auf jeden Fall, dass man an jedem Spieltag unterschiedliche Bedingungen hat. Wir haben hier unseren Kunstrasenplatz. Mal spielst du auf einem Kunstrasenplatz, der unserem ähnelt, wo das Drumherum aber wenig mit einem Fußballplatz in der dritten Liga zu tun hat. Die nächste Woche findet man vielleicht einen kleinen, alten, schlechten Platz vor. Und dann gibt es Stadien und Naturrasen wie zum Beispiel in Villarreal, Barcelona oder Valencia. Du musst dich ständig umstellen, das ist nicht einfach.

MM: Und die Arbeit hier bei Atlético?

Ziege: Es ist ein bisschen vergleichbar mit Deutschland. Wenn es läuft, dann sind alle zufrieden. Wenn es nicht läuft, dann meckern alle, sind schnell sauer.

MM: Stimmen die Rahmenbedingungen?

Ziege: Wir arbeiten daran. Jetzt bekommen wir zum Beispiel ein Trainerbüro, das fehlt bisher. Wir müssen immer ein Stück weit improvisieren.

MM: Sie haben im Team Spieler aus Deutschland und Österreich, und der Mallorquiner Guillermo Vallori hat lange in München gespielt. Was bedeutet das für die Arbeit?

Ziege: Die Nationalität ist mir egal. Natürlich unterhältst du dich dadurch auch mal auf Deutsch. Und Vallori ist manchmal eine gute Hilfe. Ich kann ihm etwas auf Deutsch sagen und er gibt das eins zu eins an die Mannschaft weiter. Aber ansonsten zählt für mich nur, was welcher Spieler kann und nicht die Nationalität.

MM: Für Sie war der Gang nach Spanien ja ein Sprung ins kalte Wasser. Fühlen Sie sich nach fast einem Jahr etwas heimisch, sind Sie angekommen?

Ziege: Wir fühlen uns auf jeden Fall sehr wohl auf der Insel, haben auch schon viele Leute kennengelernt. Heimisch ist aber etwas anderes. Das war für uns immer dort, wo die ganze Familie ist. Wenn man seit dem 18. Lebensjahr wegen des Fußballs immer wieder woanders wohnt, dann hat man im Kopf, dass ein Aufenthalt nur für eine gewisse Zeit ist. Möglicherweise bleiben wir zehn Jahre auf Mallorca, aber wenn du weißt, du wirst vielleicht irgendwann mal wechseln, dann entwickelst du ein anderes Verhältnis zu einem Ort.

MM: Ihre drei Kinder sind in Deutschland geblieben, Ihre Frau Pia ist mit Ihnen nach Mallorca gekommen ...

Ziege: Ja, die Kinder sind jetzt aus dem Haus. Das kannten wir bisher nicht. Das ist für Pia und mich eine ganz neue Situation, bei uns findet sozusagen gerade ein Wechsel statt.

MM: Was machen inzwischen Ihre Spanischkentnisse?

Ziege: Es wird besser. Ich haue alles raus, was in meinem Kopf ist. Und dabei ist mir egal, ob ich Fehler mache. Ich möchte mich mit den Spielern in ihrer Sprache unterhalten und die Anweisungen geben. Wenn es mal nicht geht, dann muss ich auf Englisch zurückgreifen.

MM: In Deutschland wissen Fußballfans, dass Christian Ziege ein langjähriger Nationalspieler ist, dass er Europameister und Vizeweltmeister wurde. Hier in Spanien kennt man Sie dagegen kaum. Ergibt sich dadurch ein Unterschied bei der Arbeit und im Alltag?

Ziege: Für meine Arbeit hier macht das keinen Unterschied. Die Spieler wissen, was ich gemacht habe. Sie wissen, dass ich etwas zu erzählen habe, wenn ich etwas erzähle. Ansonsten ist das für mich sogar angenehm.

MM: Sie meinen, dass Sie nicht so oft erkannt werden?

Ziege: Ja. Aber ich bin auf einer Insel mit vielen Deutschen. So groß ist in dieser Hinsicht der Unterschied zu Deutschland nicht. Und mittlerweile spricht man mich manchmal auch schon als Trainer von Atlético an.

MM: Was macht eigentlich Ihre Frau den lieben, langen Tag?

Ziege: Sie treibt sehr viel Sport, ist aber nicht immer hier, sondern auch mal bei den Kindern. Meine Frau hat es sich verdient, dass die Kinder aus dem Haus sind. Ich habe unglaublichen Respekt davor, was sie in den letzten 20 Jahren leisten musste. Mit drei Kindern im Ausland, Schule, Sport, Essen machen, Wäsche waschen, ich oft nicht da, wenig Zeit für sich selber. Meine Frau hat es verdient, sich mal um sich selber kümmern zu können.

MM: Sie haben zunächst in Illetes gewohnt, dann in Maioris und inzwischen in Port d'Andratx. Warum gerade dort?

Ziege: Das war Zufall. Der Ort ist sehr schön und für mich ist die Fahrerei ganz gut. Im Auto kann ich abschalten und über bestimmte Dinge nachdenken.

MM: Bevor Sie den Job bei Atlético annahmen, kannten Sie Mallorca nur von einem kurzen Urlaub und vom Trainingslager der Nationalmannschaft im Jahr 2000. Was haben Sie in den vergangenen Monaten auf der Insel entdeckt, wo sind Sie gerne?

Ziege: Zum Beispiel in Portitxol, auch in Santa Catalina, in der Markthalle, oder Puerto Portals. Und in Camp de Mar, dort sind wir Mitglied im Golfclub geworden. Es gibt viele schöne Ecken auf Mallorca. Wir waren in Cala Rajada, Portopetro, Valldemossa, Formentor. Wir nehmen uns schon die Zeit, hier neue Dinge zu entdecken.

MM: Wie würden Sie jemandem, der noch nie von Mallorca gehört hat, in wenigen Worten Mallorca beschreiben?

Ziege: Eine Insel mit viel Sonne und einer unglaublichen Leichtigkeit, auf der es immer etwas zu entdecken und zu sehen gibt. Viele schöne Orte und nie langweilig.

MM: Haben Sie auch schon die Zone Ballermann, Bierkönig, Mega-Park erkundet?

Ziege: Als wir die kurze Zeit in Maioris gewohnt haben, bin ich mit dem Fahrrad zum Training gefahren, an der Playa entlang. Und wenn wir Besuch haben, dann fahren wir mit den Gästen im Auto dort herum, um ihnen das zu zeigen.

MM: Zum Feiern oder auf einen Drink waren Sie noch nie dort?

Ziege: Nein, ich meide große Menschenmengen.

MM: Wer auf Mallorca arbeitet, erlebt es immer wieder: Von Freunden und Bekannten in der deutschen Heimat kommen oft Sprüche, man würde doch auf der Insel nur faulenzen oder am Ballermann feiern. Kennen Sie so etwas auch?

Ziege: Es ist fast immer derselbe Satz. Das geht so in die Richtung, ich würde hier Urlaub machen und ein bisschen trainieren. Ist jedoch nie ernst gemeint. Aber Mallorca ist ja auch wirklich kein schlechter Ort zum Arbeiten.

Mit Christian Ziege sprach MM-Redakteur Nils Müller

(aus MM 45/2016)

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