Wenn die schnellen Pferde in Manacor unterwegs sind

| Manacor, Mallorca |
Studentin Aina auf ihrem Sulky.

Studentin Aina auf ihrem Sulky.

Foto: Ingo Thor

Es wird Zeit für Faisán, endlich aufzutrumpfen. Sechs Rennen hat das dreijährige Traberpferd schon hinter sich, und seine Jockette Aina María Costa Prieto will jetzt endlich hier in Manacor groß rauskommen. Es ist ein spätsommerlich warmer Herbstnachmittag heute am Samstag, 20. 10., auf der Rennbahn in Mallorcas zweitgrößter Stadt. Es ist die einzige auf der Insel neben der in Palmas Vorort Son Pardo. Mild scheint die Sonne vom blauen Himmel, dickere Kleidung ist unnötig.

Aina nimmt ihr speziell für diesen Sport gezüchtetes braunes und mit einem Chip versehenes Pferd, das vom Hof ihrer Eltern bei Llucmajor stammt, fest und etwas nervös in Augenschein. Sie wird als „aprenent” (Lehrling) geführt und muss wie andere 16- bis 24-Jährige den anderen Jockeys zeigen, was sie drauf hat. Wird Faisán schnell und pfiffig genug sein, um sich um 16 Uhr beim ersten von heute zehn Rennen gegen elf Konkurrenzpferde gut zu schlagen?

Konzentriert zieht sich die zierliche Studentin der englischen Philologie, die leicht genug für den Sulky ist, ins Auge stechende grün-rote Kleidungsstücke über und einen Helm auf. „Wir, die wir auf Mallorca Trabsport machen, schneidern uns die Rennkleidung immer selbst”, sagt Maribel Costa Nadal, die Mutter von Aina. Sie steht wie alle anderen Pferdebesitzer vor einem kleinen Stall, Hufschmied Tony legt gerade bei Faisán Hand an.

Es ist 15 Uhr, und für ein paar Übungsrunden lässt sich Aina von Faisán auf die gerade von einem Spezialfahrzeug feinsäuberlich aufgeraute Bahn ziehen. 600 Meter misst eine Runde, heute ist jedes Rennen 2375 Meter lang, an anderen Tagen sind es 2050 oder 1700 Meter. Die am Nordrand von Manacor inmitten einer Mixtur aus Industriegebiet und lieblicher Landschaft liegende Anlage wird vom Inselrat betrieben und laut einem aktuellen Beschluss bis 2023 so proper finanziert, dass sogar das momentan geschlossene Restaurant endlich wieder aufmachen kann.

Dies befindet sich in einem modernen Bau, in welchem es auch einen Wettschalter gibt. Je näher der Traber-Event rückt, desto mehr Familien, Rentner und Jugendliche finden sich ein. Sie setzen sich mit hellblauen Wettzetteln auf Stühle oder Steine. Was nicht überrascht, denn in Manacor, wo es neben einem Kinokomplex und dem Tenniszentrum des Lokalgottes „Rafa” Nadal nicht allzu viele Freizeitvergnügungen gibt, gehören die samstäglichen Trabrennen kulturell gesehen zum Eingemachten. „Hier im Osten ist dieser Sport viel verwurzelter als etwa in Palma”, weiß Ainas Mutter Maribel, während sie ihre übende Tochter ganz genau fixiert und bei jedem Fehler leicht zusammenzuckt. Um Vorurteilen über diesen Sport entgegenzukommen, sagt sie: „Die Reiter haben zwar eine Peitsche, aber damit traktieren wir Faisán nicht.” Diejenigen, die ihre Tiere unanständig behandeln, seien in der Szene wohlbekannt.

Während Aina wieder von den Übungsrunden zurückkommt, beginnen andere Pferde im Stallbereich der Rennbahn mit den Hufen zu scharren. „Sie wissen, dass es gleich ernst wird”, sagt Maribel. „Bei einem solchen Rennen hängt der Erfolg zu 80 Prozent vom Pferd ab, zu zehn Prozent vom Jockey, und weitere zehn Prozent sind pures Glück.”

Um 15.50 Uhr ertönt eine fast feierlich klingende Lautsprecherstimme: Die beim ersten Rennen startenden Gespanne werden aufgefordert, sich auf die Rennbahn erst zum Wiegen und dann hinter ein Spezialauto mit zwei mehrere Meter langen und an den Seiten ausfahrbaren Eisen-Barrieren zu begeben.

Vor dem Hauptgebäude kommt derweil Bewegung in den Pulk von Besuchern, einige Rentner mit Wettscheinen in den Händen schnalzen aufgeregt ganze Satztiraden auf Mallorquinisch in die Runde. Aina Maria Costa Prieto bewegt sich samt Faisán mit anderen Teilnehmern auf die Bahn zum entscheidenden Einsatz. Nachdem das vorausfahrende Auto verschwunden ist, nehmen die Trabrenn-Gespanne gehörig Fahrt auf, und das wie üblich auf Mallorca gegen den Uhrzeigersinn.

Und Ainas Mutter Maribel springt vor Aufregung fast in die Höhe. 600 Meter geht alles gut, eine weitere Runde auch. Doch dann galoppiert Faisán. Und prompt kommt die Disqualifikation, die auch noch ins Rund getönt wird. Ainas Mutter verstummt. Sie begibt sich in den Stall, Aina gesellt sich später dazu. Man schweigt.

Nach einiger Zeit sind Maribel und Aina aber wieder guter Dinge. „Ach wissen Sie, warum Faisán hier dabei war?” Dem MM-Reporter fehlen die Worte: „Weil den dreijährigen Pferden der Buchstabe F zugeordnet ist.” Wäre das ein Rennen für Fünfjährige gewesen, hätte man halt ein Pferd mit dem Anfangsbuchstaben D aufbieten müssen.

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