Leben in die Stadt bringen

Die Balearen-Regierung will die Ladenöffnungszeiten liberalisieren

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Einkäufer in den Straßen von Palma.

Foto: Foto: S. Amengual

Palma am Sonntag, das ist ein trostloses Bild. In sonst belebten Einkaufsstraßen wie der Vía Sindicato oder dem Carrer Miquel ist kaum eine Menschenseele zu sehen, und unkundige Gäste, die sich ins Zentrum verirren - etwa „gestrandete" Kreuzfahrt-Touristen -, können noch nicht einmal einen Schaufensterbummel unternehmen, denn in der Regel verhindern die Sicherheits-Rollos den Blick auf die Auslagen. Auch zu essen gibt es kaum etwas - sonntags sind in Palma die meisten Restaurants dicht.

Seit vielen Jahren wird über eine Flexibilisierung der Ladenöffnungszeiten und damit eine Belebung der City diskutiert. Denn abweisend präsentieren sich die Shoppingmeilen nicht nur am Sonntag, sondern eigentlich jeden Abend. Brauchbare Ergebnisse brachten die Debatten nicht. Nur ein zaghafter Versuch wurde gestartet: Das sommerliche „Thursday night fever", zuletzt mallorquinisch umbenannt in „Palma Dijous Nit", sollte die Innenstadt wenigstens am Donnerstagabend beleben. Gelungen ist das nicht, die Mehrzahl der Läden ließ die Rollläden zu den üblichen Zeiten runter.

Doch jetzt kommt Bewegung in das Thema. Die Balearen-Regierung hat zur Belebung der Wirtschaft eine Erweiterung der Ladenöffnungszeiten angekündigt, und der Handel zeigt sich kooperationsbereit. Was Appelle nicht schafften, schafft die Krise: Der Einzelhandel klagt über weiterhin sinkende Umsätze, und 40 Prozent der Ladeninhaber glauben, dass sich der negative Trend selbst 2012 fortsetzen wird. Nach Angaben von Regierungssprecher Rafael Bosch soll ein neues Gesetz dazu dienen, den Menschen auf der Insel mehr Möglichkeiten einzuräumen, ihre Einkäufe zu erledigen.

Angeheizt wurde die Debatte auch durch einen Beschluss der Region Madrid, die Ladenöffnungszeiten komplett frei zu geben. Einem Gesetzentwurf der Regierung Esperanza Aguirres zufolge dürfen die Geschäfte der Hauptstadt rund um die Uhr und 365 Tage im Jahr öffnen.

Auf den Balearen scheint Konsens zu herrschen, dass man so weit nicht gehen will. „Die balearische Gesellschaft ist nicht die gleiche wie die in Madrid, und unsere Unternehmensstruktur auch nicht", wird Rafael Bosch zitiert. Und der Präsident des Einzelhandelsverbandes Afedeco, in dem viele kleine Geschäfte zusammengeschlossen sind, sekundiert:„Wir unterstützen alles, nur nicht den ultraliberalen Wahnsinn von Madrid."

Andere Unternehmenssprecher wollen erst einmal die konkreten Vorstellungen der Balearen-Regierung hören, bevor sie sich positionieren. Denn noch sind keine konkreten Vorschläge bekannt geworden. Die Regierung Bauzá hat allerdings versprochen, eng mit den Wirtschaftsverbänden zusammenzuarbeiten.

Kritik an einer Liberalisierung wird nicht ausbleiben: Die großen Gewerkschaften drohen bereits mit Streiks, sollte die Ausweitung der Öffnungszeiten nicht mit den Arbeitnehmern ausgehandelt werden.

Aber auch unter den Händlern selbst gibt es viele Skeptiker. Viele vermuten, dass die großen Supermärkte und Handelsketten die einzigen Gewinner sein werden, da die kleinen, Unternehmer-geführten Läden nicht so ohne Weiteres ihre Öffnungszeiten ausdehnen könnten. Insgesamt hat die Balearen-Regierung mit ihrem Vorstoß aber keinen Sturm der Entrüstung entfacht. Die Notwendigkeit, auf die Krise zu reagieren, wird offenbar in allen Sektoren erkannt.

Wie es in Palma nach einer Liberalisierung der Öffnungszeiten aussehen könnte, war am vergangenen Sonntag zu sehen. Der 18. Dezember war einer von insgesamt acht ausgehandelten verkaufsoffenen Sonn- und Feiertagen dieses Jahres. Es herrschte Leben in der Stadt ...

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