Der Winter wird "russisch"

Gewerkschafter erwartet neue Rekorde bei der Arbeitslosigkeit

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Schnee an der Playa de Palma, wie hier im vergangenen Januar, ist zwar selten, doch auch ohne die weiße Pracht fällt die Tourism

Schnee an der Playa de Palma, wie hier im vergangenen Januar, ist zwar selten, doch auch ohne die weiße Pracht fällt die Tourismusmeile jedes Jahr in die Winterstarre.

Foto: Foto: Teresa Ayuga

Francisco Marín, Präsident des Hotelverbandes an der Playa de Palma, ist ein Mann, der kein Blatt vor den Mund nimmt. Befragt nach den Aussichten zur kommenden Wintersaison, schimpft er gleich los: "Der kommende Winter? Das wird der Horror, ein Desaster!"

Nach Maríns Einschätzung werden selbst an der touristischen Hochburg Playa de Palma in den kalten Monaten die allermeisten Hotels geschlossen haben. Es werden zwar nicht noch mehr verrammelte Unterkünfte sein als im Vorjahr, "aber da war ja auch schon sehr viel geschlossen".

Für diese negative Entwicklung macht Marín mehrere Gründe aus: Da ist zum einen ohnehin die Wirtschaftskrise in Spanien. Zum anderen streichen nach seinen Worten viel zu viele Airlines im Winter ihre Verbindungen nach Mallorca. "Das gilt zwar nicht unbedingt für den deutschen Markt, aber die britischen Fluggesellschaften fliegen so gut wie gar nicht."

Umso begehrter seien demnach die deutschen Wintergäste als zahlende Kunden. Sie sind es sogar so sehr, dass Hoteliers, die traditionell mit dem britischen Markt kooperierten, nun ebenfalls über Reiseveranstalter deutsche Gäste in ihre Häuser locken möchten. Dadurch entstehe ein harter Konkurrenzkampf unter den Inselhoteliers selbst, "der letztlich uns allen schadet".

Ebenfalls schädlich für den Wintertourismus sind die Kürzungen der staatlichen Fördermittel für Seniorenreisen wie etwa das spanische Imserso-Programm. "Imserso wird wohl gänzlich von der Bildfläche verschwinden."

Angesichts dieser Prognosen wird es positiv gewertet, dass die Fluggesellschaft Air Berlin, immerhin Marktführer an Palmas Flughafen, im kommenden Winter - anders als die angelsächsischen Mitbewerber - ihre Inselverbindungen nicht reduzieren wird. "Wir streichen keine Strecken nach Mallorca", sagte Pressereferent Mathias Radowski auf MM-Anfrage. Der kommende Winterflugplan bewege sich weitestgehend auf Vorjahresniveau.

Konkret bedeutet das, so Air-Berlin-Sprecherin Alexandra Bakir, dass es im kommenden Winter wieder mehr als 300 Direktverbindungen pro Woche von Palma aus geben wird; und zwar nach Deutschland, Österreich, in die Schweiz sowie zu 17 Zielen auf der iberischen Halbinsel, so wie im vergangenen Winter. Details wird Air Berlin auf einer Pressekonferenz am 18. September in Palma bekannt geben.

Das generelle Problem reduzierter Fluganbindungen in der kalten Jahreszeit ist Palmas Tourismusdezernenten Álvaro Gijón durchaus bewusst. "Es ist notwendig, dass wir uns mit den Reiseveranstaltern und Airlines an einen Tisch setzen und touristische Produkte schaffen, damit nicht wieder passiert, was uns diesen Winter bevorsteht", so Gijón zu MM. Ausrichten könne man dieses Jahr nicht mehr viel, aber mit dem Wandel, der für die Playa de Palma absehbar sei, werde die touristische Entwicklung in den kommenden zwei, drei Jahren steil nach oben gehen.

Vorerst steht jedoch, ungeachtet der derzeitigen Augusthitze, der kommende Winter ins Haus. Nach den Worten des Sprechers der Gewerkschaft UGT, Manuel Pelarda, wird er noch härter ausfallen als bisher, mit neuen Rekorden an Arbeitslosigkeit, und das bei gestrichenen Sozialhilfen. "Der nächste Winter wird russisch", so Pelarda. Und damit meint er keineswegs einen Tourismusboom mit russischen Urlaubern.

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Klaus Rohloff / Vor über 8 Jahren

Die Hoteliers sollen die Leistung noch mehr mindern und die Preise für Privatbucher noch mehr erhöhen, dann können sie nächstes Jahr das Buch lesen "der Sommer der ein Winter war". Beispiel: 3*Hotel im Juli 2012 gegenüber 2009 plus 43%. 4*Hotel im März 2013 gegenüber 2010 plus 66%. 4* Hotel im März 2013 gegenüber 2011 plus 46%. Quelle: Buchungsunterlagen und Hotelportal HRS.

Joe / Vor über 8 Jahren

Ich wundere mich immer wieder dass man auf Mallorca der meinung ist man sei zu jeder Jahreszeit der touristische Nabel der Welt... Tatsache ist dass sich andere touristische Ziele deutlich besser auf die Wintergäste gerüstet hat, selbst wenn die klimatischen Bedingungen nicht optimal ist. bestes Beispiel ist die türkische Riviera...Erstklassige Wellness und Freizeitangebote zu unschlagbaren Preis-Leistungsverhältnissen (400 € 5* all inkl)...oder die Gäste verreisen halt dort hin wo dei Sonne scheint...wozu brauchen sie im Winter Mallorca ? Die Entwickluung hat man nun mal verschlafen und jetzt wird auf die Fluggesellschaften draufgehauen die verständlicherweise der Nachfrage ihrer Kunden nachkommt und somit wie jedes Unternehmen ihre eigenen wirtschaftlichen Interessen vertreten...

desperado / Vor über 8 Jahren

was,400 Euro Oneway?Da flieg ich doch für den Preis gleich nach Cancun!

Udo Winnen / Vor über 8 Jahren

Schön das Air Berlin die Kürzung der Flüge beschränken will. Aber wenn ich die größten teils sehr hohen Flugpreise,oft 400 Euro Oneway, sehe überlegt man es sich doch einen kurztrip im Winter zu machen. So wie ich denke geht es vielen meiner Bekannten. Anmerkung: Ich bin im Sommer ca. 4 Monate auf Malle. Ich glaube hier müßte der Hebel angesetzt werden. Fazit :Die Flugpreise sind in der letzten Zeit zu viel gestiegen