Das Zeug zum Silicon Valley

Was unterscheidet US-Unternehmer von ihren Kollegen auf Mallorca?

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Der US-Amerikaner Sean Morrison arbeitet seit 15 Jahren als Unternehmens- und Projektberater im Silicon Valley, unter anderem fü

Der US-Amerikaner Sean Morrison arbeitet seit 15 Jahren als Unternehmens- und Projektberater im Silicon Valley, unter anderem für Google und Lockheed. Foto: Asima

Der US-Amerikaner Sean Morrison arbeitet seit 15 Jahren als Unternehmens- und Projektberater im Silicon Valley, unter anderem füEIn bisschen wie Mallorca: Das Silicon Valley mit der Bucht von San Francisco im Hintergrund.Der mallorquinische Betriebswirt Vicenç Ferrer arbeitet in New York. Er vermittelt spanischen Firmen mit US-Interessen Kunden un

Die Straße mit dem unscheinbaren Namen Sandhill Road ist zirka fünf Kilometer lang, etwa so wie der Sandstrand an der Playa de Palma. An einem Ende befindet sich ein Naturpark mit Hotels, am anderen Ende die Stanford University. Für viele Wirtschaftsexperten ist die Asphalttrasse mit die wichtigste Straße auf der Welt, ja gleichhin eine zweite "Wall Street".

Kein Wunder, durchläuft die Sandhügel-Road doch als zentrale Hauptachse das Silicon Valley und damit das bedeutende Forschungs-, Innovations- und Wirtschaftszentrum der USA. Neben erfolgreichen Giganten wie Google, Ebay, Facebook oder Apple gibt es kaum ein Unternehmen oder Start-up in Sachen Computertechnologie und Telekommunikation, das nicht dort seinen Sitz hat.

Was unterscheidet eigentlich einen Unternehmer auf Mallorca von jenen Kollegen, die ihren Geschäften im Silicon Valley nachgehen, oder in New York, der anderen finanz- und innovationsstarken Wirtschaftszone der USA? Mit dieser Frage beschäftigten sich Ende Juni eine Reihe von Inselunternehmern, die zumeist in den beiden Gewerbegebieten von Palma - Son Castelló und Can Valero - angesiedelt sind. Unter dem Motto "Erspüre den Unternehmergeist im Silicon Valley und in New York" hatte der Verband der Industriegebiete auf Mallorca, Asima, zu einer Fachtagung eingeladen, auf der US-Insider aus dem Nähkästchen plauderten.

Die Antwort vorab: In dem Impetus, ihre Firmen voranzubringen, stehen sich mallorquinische wie amerikanische Unternehmer in nichts nach. "Der Unterschied besteht nicht in der Einstellung der Unternehmer, sondern in dem Umfeld, in dem sie ihren Geschäften nachgehen müssen", sagte Vicenç Ferrer, der seit fünf Jahren an der US-Ostküste spanische Unternehmen betreut, die in den USA Fuß fassen möchten, unter ihnen auch ein namhaftes Immobilienunternehmen auf Mallorca.

Ganz ähnlich sieht es Sean Morrison, der im Silicon Valley Existenzgründer berät und begleitet. Das "Mindset", sprich das geistige Unternehmertum, sei durchaus identisch. Amerikanische Unternehmer, insbesondere Existenzgründer mit innovativen Ideen, haben es jedoch deutlich leichter als ihre spanischen Kollegen. Der Grund: Es ist in den USA einfacher, an Risikokapital heranzukommen. Denn an der besagten Sandhill Road sind neben den Unternehmen auch sämtliche namhaften Private-Equity-Gesellschaften ansässig, die mit Risikokapital junge Firmengründer unterstützen, sobald sie von den Visionen der angehenden Unternehmer überzeugt sind.

Im Klartext sieht es so aus, dass Existenzgründer bei Bedarf 20 bis 40 Kapitalgeber abklappern können, die nahezu Tür an Tür firmieren und in Konkurrenz zueinander stehen. Darum haben sie sich spezialisert auf die unterschiedliche Materie, kennen sich je nach Nische bestens mit dem Geschäft aus. Der Vorteil: Hat der Existenzgründer den Kapitalgeber auf seiner Seite, kann er sich ganz dem Kerngeschäft widmen. In Spanien hingegen müssten Jungunternehmer sehr viel Energie aufwenden, um die meist generalistischen und skeptischen Banker von einer Geschäftsidee zu überzeugen. Anschließend müssen sie viel Zeit und Kraft aufwenden, um Kredite abzustottern.

Auch das Förderklima ist im experimentierfreudigen Kalifornien ausgeprägter als in Spanien, so Morrison. Risikokapitalgeber servieren Newcomer nicht mit einem schlichten "Nein" ab, sondern geben meist Tipps, wie das Projekt verbessert werden könnte. "Selbst wenn man 40-mal Nein hört, lernt man jedesmal etwas dazu, das das Projekt verbessern könnte", sagt Morrison.

Auch in New York, das ein höheres Entwicklungstempo aufweist als das sonnige Kalifornien, sind die Voraussetzungen für findige Existenzgründer günstiger als in Spanien. "Noch vor fünf Jahren gab es in New York nur ein einziges Existenzgründerzentrum. Heute sind es 35." Auch diese Zentren stehen untereinder im Wettbewerb und buhlen um junge Wirtschaftsgründer mit erfolgversprechenden Geschäftsideen.

Noch ein Vorteil der USA gegenüber Spanien: Das Scheitern einer Geschäftsidee wird nicht automatisch als Makel im Lebenslauf eines Unternehmers verbucht. Im Gegenteil: "Wer keinen Fehlschlag erleidet, lernt auch nicht dazu", sagt Morrison. Und ohne Lernerfolge keine Verbesserung der Performance.

Aber auch so ist ein Unternehmensstart in den USA kein Zuckerschlecken, versichern beide. Gute Ideen gibt es viele, die Konkurrenz ist hart, und wenn der Geschäftserfolg sich nicht so einstellt, wie es die Risikokapitalgeber erwarten, versiegt der Geldstrom rasch. Andererseits: Läuft das Geschäft gut, boomt die Unternehmensgründung, dann wird das Verwalten der Geldzuflüsse wiederum in die Hände von Fachleuten gelegt, damit der eigentliche Unternehmer sich weiterhin voll auf sein Kerngeschäft konzentrieren kann.

Noch ein Unterschied: In Spanien sind Jungunternehmer gezwungen, vorab eine Geschäftsidee perfekt zu präsentieren. In den USA hingegen muss die erste Generation eines innovativen Produkts nicht bereits voll ausgereift sein. Das ermögliche Spielraum, um am Produkt und seinem Image zu arbeiten und es zu verbessern: "Siehe etwa die vielen Neuauflagen von Smartphones oder für Software-Anwendungen", sagt Morrison.

Ihren Zuhörern gaben die Experten den Rat, beständig am Kern ihrer Geschäftsidee zu arbeiten und ein großes Netzwerk an Kontakten aufzubauen. Auch in den USA seien persönliche Bekanntschaften unabdingbar, etwa mit Geldgebern. Darum sei es immer wichtig, über gemeinsame Bekannte empfohlen zu werden. "Networking ist unabdingbar."

(aus MM 26/2014)

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