Deutscher will Loryc-Oldtimer revolutionieren

Historische Inselmarke als Elektro-Fahrzeug

|
Charly Bosch mit seinem 90 Jahre alten Loryc, den er eigenhändig auf Elektromotor umgerüstet hat.

Charly Bosch mit seinem 90 Jahre alten Loryc, den er eigenhändig auf Elektromotor umgerüstet hat.

Foto: Foto: Alexander Sepasgosarian
Charly Bosch mit seinem 90 Jahre alten Loryc, den er eigenhändig auf Elektromotor umgerüstet hat.Details des Oldtimers: Das Fahrzeug wird seit Jahrzehnten liebevoll gepflegt.Details des Oldtimers: Das Fahrzeug wird seit Jahrzehnten liebevoll gepflegt.Details des Oldtimers: Das Fahrzeug wird seit Jahrzehnten liebevoll gepflegt.

Karl-Heinz "Charly" Bosch ist unüberhörbar Schwabe, und als solcher ebenfalls unverkennbar: Der Mann stammt nicht nur aus der Urheimat aller Bastler und Tüftler, er führt sogar das Wort "Erfinder" auf der Visitenkarte. Jetzt hat sich der Süddeutsche, der seit zwei Jahren auf Mallorca lebt, ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: Er will die historische Automarke "Loryc", die einst auf der Insel produziert wurde (siehe unten) , zu neuem Leben erwecken. Und das ganz innovativ und trendy: Nicht als schnöder Benziner, sondern als Elektrofahrzeug.

Ein solches Unternehmen ist dem Querdenker Charly Bosch durchaus zuzutrauen. Der technikbegeisterte Freak meldete mit 25 eine erste Erfindungen im Maschinenbau an. Fachleute waren damals bass erstaunt, wie ein Neuling durch eine gänzlich unorthodoxe Vorgehensweise studierte Ingenieure alt aussehen ließ. Es folgten weitere technische Erfindungen, Patente und Unternehmen im Maschinenbau, die Bosch ein sorgenfreies Leben ermöglichen, mit genügend Freiraum zum weiteren Tüfteln.

Vor zehn Jahren wanderte der Kaufmann - der Krawatten hasst und am liebsten Flipflops trägt - mit seinem Unternehmen auf die Kanaren aus, 2012 verlagerte er seinen Standort nach Mallorca. "Ich muss sehr viel fliegen, und hier ist die Anbindung viel besser."

Auf Mallorca war es auch, dass Bosch auf die Automarke Loryc stieß. Bei der Suche nach einem Oldtimer erblickte er eine Anzeige in einem Blättchen. ",Was ist das?', dachte ich, davon hatte ich ja noch nie etwas gehört?!"

Die mallorquinische Familie stimmte nach langen Verhandlungen zu, den Wagen des Großvaters zu verkaufen, gegen das Versprechen, der Loryc bleibe auf Mallorca. Bosch war begeistert von dem 90 Jahre alten Auto. Auch der zweimalige Totalausfall des antiken Motors tat Boschs Euphorie keinen Abbruch. Der Bastler ersetzte den Antrieb durch einen Elektromotor und fuhr gleich beim ersten Test aus lauter Spaß 84 Kilometer über die Insel. Noch heute ist der Schwabe in dem offenen Gefährt nahezu täglich unterwegs. "Damit hole ich jeden Morgen Brötchen beim Bäcker."

Eine Fahrt in dem Zweisitzer ist durchaus ein Erlebnis: Der Motor surrt, der Fahrtwind weht, der Wagen ruckelt erstaunlich flink über die Unebenheiten der Straßen. Fußgänger, die das Auto vorbeifahren sehen, bleiben unwillkürlich stehen und winken fröhlich. Bosch kann über die unglaublichsten Begebenheiten mit Mallorquinern berichten, seit er mit dem Wagen unterwegs ist. Hält er irgendwo an, sprudeln aus den Leuten Loryc-Anekdoten aus vergangenen Familienchroniken hervor.

Bosch selbst kam auf die Idee, Lorycs im Originalaussehen nachzubauen, wenn auch mit Elektromotor. Er erwarb die Namensrechte, gründete eine Firma und arbeitet seitdem mit namhaften Autozulieferern aus ganz Europa zusammen. Im Februar sollen in Hotels der Insel acht Fahrzeuge zum Testen bereit stehen, im März ist eine Teilnahme bei der Oldtimer-Rallye Clásico Mallorca geplant. Der Kaufpreis beträgt 45.000 bis 48.000 Euro. Während Loryc-Fans auf Mallorca tatsächlich noch von einem Museum für die antiken Fahrzeuge träumen, setzt Bosch ganz auf Zukunft: "Das ist ein so tolles Auto. Es gehört einfach wieder auf die Straße!"

AUTOS MADE IN MALLORCA

Heute kaum vorstellbar, aber auf der Insel wurden von 1922 bis 1923 Autos produziert. Es handelte sich um insgesamt 84 Wagen, die wie in einer Manufaktur per Hand gefertigt wurden, auch wenn der Motor aus Frankreich und die Speichenräder aus Barcelona stammten.

Die Vorgeschichte: Im Jahre 1919 taten sich drei Inselunternehmer zusammen, mit dem Ziel, Autos auf Mallorca zu fertigen. Es waren dies Fernando Alzamora, ein Kaufmann und Elektrowaren- Händler, Rafael de Lacy, ein Militär und Vertreter der belgischen Autofirma Minerva, sowie Antonio Ribas, Stiefel- und Decken-Fabrikant, Reeder im Südamerika-Handel. Um die Autofirma zu gründen, benötigte das Trio einen Ingenieur. Sie fanden ihn im Franzosen Lorenzo Ovrard.

Der Name „Loryc“ entstand als Kunstwort, das sich aus Lacy, Ovrard, Ribas y Compañía zusammensetzte. Die Fabrikhalle stand in Palma. Doch die Firma der schnittigen Wagen, die erfolgreich an Autorennen teilnahmen und im Volksmund „Sardinen“ genannt wurden, musste 1923 Konkurs anmelden. Die Fertigung auf der Insel und neue Einfuhrzölle waren zu teuer.

„Loryc Mallorca“ heißt nun die neue Firma von Charly Bosch. Sein Modell „Loryc Electric Standard“ kommt 2015 auf den Markt. Es bietet neben dem Original Speedster-Design 20 elektrische PS, die das zulässige Höchsttempo von 80 Stundenkilometer gewähren, bei 140 Kilometer Reichweite. Infos zu technischen Details sind auf www.lorycmallorca.com zu finden. Die Produktion in Handarbeit ist auf eine monatliche Stückzahl zwischen zehn und 30 Fahrzeuge ausgelegt.

(aus MM 34/2014)

Kommentar

Nutzungsbedingungen

Rechtlicher Hinweis

» Der Inhalt der Kommentare spiegelt die Meinung der Nutzer wider, nicht die von mallorcamagazin.com

» Es ist nicht erlaubt, Kommentare abzuschicken, die gegen das Gesetz verstoßen oder unangebrachte, beleidigende oder ehrverletzende Inhalte haben.

» mallorcamagazin.com behält es sich vor, unangemessene Kommentare zu löschen.

* Pflichtfelder

Brügger / Vor über 6 Jahren

Wir haben heute im "BUND", der Zeitung für die Stadt Bern, den Artikel über Ihr Projekt gelesen. Wir finden das soo genial! Da wir vom 2. - 9. März in Palmanova (Hotel Sol Cala Blanca) Ferien verbringen, hätten wir Ihnen gerne einen Besuch abgestattet, um das herzige moderne Auto mal aus der Nähe zu sehen. Ist das möglich? Freundliche Grüsse Edi und Christine Brügger aus der Schweiz