Touristiker: "Wir haben eine Renaissance ausgelöst"

Mallorca |
Der Mallorca-Urlaub geht 2016 weiter.

Der Mallorca-Urlaub geht 2016 weiter.

Foto: Foto: Pilar Pellicer
Der Mallorca-Urlaub geht 2016 weiter.Hans Müller ist "Mister Thomas Cook" auf Mallorca. Er kennt fast jedes hochwertige Urlaubshotel in Spanien.

Thomas Cook zieht für Mallorca eine positive Saison-Bilanz und rechnet auch im kommenden Jahr mit steigenden Besucherzahlen. Zweifel bestehen am Sinn der geplanten  Urlaubssteuer . MM sprach mit dem Leiter des  Hoteleinkaufs  für Spanien und Portugal, Hans Müller.

MM: Wie bewerten Sie das zu Ende gehende Jahr 2015 für Mallorca und Ihr Unternehmen aus touristischer Sicht?

Hans Müller: Thomas Cook darf als börsennotiertes Unternehmen vorab keine Zahlen bekannt geben, aber so viel lässt sich sagen: Die Insel und auch wir blicken auf ein sehr gutes Jahr 2015 zurück. Die Besucherzahlen und auch die Ausgaben der Urlauber auf Mallorca haben sich gut nach oben entwickelt.

MM: Was sind die Gründe für diese positive Entwicklung?

Müller: Mehre Faktoren kommen da zusammen: Die vielen Verbesserungen in der Hotellerie und in der Gastronomie zeigen Erfolg. Auch die Fluganbindung hat sich gebessert. Hinzu kam die politisch unruhige Lage in Nordafrika und im Nahen Osten. Viele Urlauber buchten Mallorca als sichere Destination.

MM: Wie blicken Sie dem kommenden Jahr entgegen?

Müller: Ich bin der festen Überzeugung, dass der Markt Mallorca wiederentdeckt hat. Wir haben eine Renaissance des Zielgebietes ausgelöst, durch die vielen kleinen Schritte in Sachen Modernisierung der Infrastruktur. 2011 kamen elf Millionen Urlauber auf die Balearen, 2015 werden es knapp 14 Millionen gewesen sein.

MM: Wie wird die geplante Einführung einer neuen Urlaubersteuer auf Mallorca diese Entwicklung beeinflussen?

Müller: Sie wird ein Dorn sein im Auge vieler Menschen, wenn sie sich im Katalog oder im Internet über die Mallorca-Angebote informieren und dann lesen, dass geplant ist, seitens der Balearen-Regierung noch einmal zusätzlich ein Eintrittsgeld oder eine Steuer zu kassieren.

MM: Werden dadurch weniger Menschen Urlaub machen auf Mallorca?

Müller: Ob das die gleichen verheerenden Folgen haben wird wie dies bei der ersten "Ecotasa" der Fall war, bleibt abzuwarten. Vielleicht ist der Druck, der momentan in die spanischen Zielgebiete herrscht, so groß, dass der Schaden kleiner bleibt, als es damals der Fall war. Doch Tatsache ist: Die Steuer ist ein zusätzlicher Kostenfaktor, wobei derzeit noch nicht definitiv feststeht, ob die Steuer kommt, wann sie kommt, und wie hoch sie genau ausfällt.

MM: Aber ist eine solche Steuer für nachhaltigen Tourismus nicht sinnvoll für Mallorca?

Müller: Die Frage ist, wofür das eingenommene Geld verwendet wird. Das steht noch nicht fest. Nochmal: Es ist absolut sinnvoll, Geld in Infrastrukturen und Umweltschutz zu investieren, in Maßnahmen zur Gebäudedämmung und Energieeinsparungen. Die Frage ist nur: Muss das der Besucher eines Hotels - zusätzlich zu den bereits von ihm gezahlten Ausgaben - noch einmal extra bezahlen?

MM: Also ist die Steuer Unsinn?

Müller: Wenn definitiv feststeht, wofür die Einnahmen aus der Steuer verwendet werden sollen, kann jeder für sich selbst entscheiden, ob er beim Bezahlen Freude hat oder nicht.

MM: Was hat sich in den vergangenen Jahren in der Hotellerie getan?

Müller: Thomas Cook hat gemeinsam mit seinen Hotelpartnern zahlreiche Konzepthotels auf Mallorca eingeführt und weiterentwickelt. Wir waren auch einer der Vorreiter bei den Hotelrenovierungen. Inselweit lässt sich sagen, dass in den vergangenen vier Jahren über 300 Hotels modernisiert wurden, bei 250 kam es auch zu einer Erhöhung der Sterne-Kategorie.

MM: Führen renovierte Hotels zu einem Gästeplus?

Müller: Das kann man sehr wohl so sagen. Mallorca hatte als "gereifte" Region das Problem, dass viele der Hotels in den 1960er und 70er Jahre errichten worden waren. In anderen Zielgebieten entstanden viel jüngere Hotels, mit fünf Sternen. Doch die Hoteliers auf Mallorca sind erfahrene Profis: Sie haben über den Tellerrand geblickt und so wie in der Karibik auch hier ihre Hotels sehr schön renoviert. Denken Sie an das Iberostar Royal Cristina, das Iberostar Royal Cúpido, das Garonda, das jetzt wieder fünf Sterne hat, das Negresco, das Sentido Punta del Mar, das Balanguera Beach, früher Ambos Mundos, jetzt ein Design-Hotel, das Smartline Lancaster, das Gran Fiesta.

MM: Wie wirken sich die Modernisierungen auf den Zimmerpreis aus?

Müller: Die Preise verteuern sich um zehn bis 15 Prozent, wenn die Qualität von drei auf vier Sterne angehoben wird. Für einen Vier-Sterne-Service benötigt ein Hotel zirka 15 Prozent mehr Arbeitskräfte. Der Vorteil: die Gäste bleiben länger, auch im Winter, weil die renovierten Hotels bessere Heizsysteme haben, aber auch moderne Installationen bieten, etwa für Radsportler, in Form von geeigneten Wartungs- und Abstellräume für ihre Räder.

MM: Sie haben den Besucherzuwachs der vergangenen Jahren angesprochen. Kann Mallorca weiter wie bisher von einem Besucherrekord zum nächsten fliegen?

Müller: Ich habe in vielen Zielgebieten gearbeitet, die auf weniger Grundfläche deutlich mehr Hotelbetten oder Bebauung hatten als dies bei Mallorca der Fall ist. Ich bin sicher: Die Insel bietet noch viel Potenzial für gesundes Wachstum - wenn die entsprechende Infrastruktur zur Beherbergung und Beförderung von Gästen geschaffen wird.

MM: So mancher Politiker in Spanien hat bereits laut über eine Deckelung der Besucherströme in der Hochsaison nachgedacht ....

Müller: Eine solche Deckelung ist allein schon durch die Anzahl der Betten bedingt. Wenn ein Hotel voll ist, ist es voll. Ich könnte mir auch kein Kontrollinstrument vorstellen, bei dem es dann heißt: Jetzt lassen wir keinen mehr rein.

MM: Kommt Ihnen Palma nicht überlaufen vor, wenn, wie im Sommer geschehen, fünf bis sieben Kreuzfahrtschiffe gleichzeitig anlegen und deren Passagiere die Innenstadt fluten?

Müller: Nein, ich habe die fünf Schiffe gesehen, aber das nicht so wahrgenommen. Palma ist so groß, die Passagiere verlaufen sich in der Stadt, weil Palma viele unterschiedliche Stadtkerne und attraktive Zonen hat.

MM: Sind die städtischen Benimm-Regeln an der Playa de Palma berechtigt?

Müller: Sie sind absolut sinnvoll. Es gab dort punktuelle Exzesse, die es jetzt so nicht mehr gibt. Es existiert kein Grund, der dafür spricht, die Regeln wieder abzuschaffen.

MM: Wird es eine Ausweitung von All-inclusive geben?

Müller: Mallorca ist, was das All-inclusive-Angebot betrifft, gesättigt. Der Kunde, der diese Verpflegungsart buchen will, findet reichlich hochwertige All-inclusive-Anlagen speziell für Familienurlaube, vor. Sie befinden sich in bestimmten Zonen auf Mallorca, aber nicht überall.

MM: All-inclusive und Palma?

Müller: Da gibt es kaum Angebote. Gerade in Palma sind viele schöne Boutique-Hotels entstanden, die gar keine Verpflegung oder nur Frühstück anbieten. Denn: Der Kunde bucht ein schönes Designer-Hotel und hat vor der Tür Tapasbars, renovierte Restaurants und herrliche Straßencafé-Terrassen wie auf dem Borne, wo er alle kulinarischen Bedürfnisse befriedigen kann.

MM: Wie stark wird sich der Mallorca-Urlaub 2016 verteuern?

Müller: Die Preise steigen inselweit, in Bezug auf die Quellmärkte und über die Saison im Schnitt um vier bis fünf Prozent. Der Grund: Große Nachfrage verteuert ein knapper werdendes Gut. Und es ist zudem sehr viel Geld in moderne Hotels und Unternehmen investiert worden.

MM: Vor welchen Herausforderungen steht Mallorca, um auch in Zukunft attraktiv zu bleiben?

Müller: Die Infrastruktur der Insel ist weiter zu verbessern, um mehr Gäste insbesondere in der Nebensaison und im Winter gewinnen zu können. Das Umweltbewusstsein muss gefördert und gelebt werden, um einen umweltfreundlichen Tourismus propagieren zu können. Die Hoteliers und Unternehmer müssen davon überzeugt werden, ihr Geld weiterhin auf Mallorca, und nicht in der Karibik, zu investieren.

MM: Was ist mit der Fluganbindung?

Müller: Die folgt automatisch der Nachfrage. Wenn eine Airline merkt, dass die Nachfrage anspringt, dann erhöht sie die Frequenzen ins Zielgebiet.

Mit Hans Müller sprach Alexander Sepasgosarian.

(aus MM 51/2015)

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