Zu den geplanten Modernisierungsmaßnahmen gehört unter anderem die komplette Erneuerung des Sitzmobiliars. | Archiv

Wer glaubt, ein Flughafen sei nichts anderes als eine überdachte Haltestelle für ankommende und abfliegende Passagiere, irrt gewaltig. Airports sind vor allem Wirtschaftsunternehmen, deren natürliches Ziel es ist, möglichst hohe Gewinne zu generieren.

Die spanische Betreibergesellschaft Aena gehört zu den biggest Playern im weltweiten Flughafenbusiness. Das mehrheitlich im Staatsbesitz befindliche Unternehmen verwaltet in Spanien insgesamt 47 Airports, darunter auch Son Sant Joan in Palma. Außerdem besitzt es Anteile an Flughäfen in Mexiko, den USA, Kuba, Kolumbien, Bolivien, Schweden und Großbritannien. Gemessen an der Zahl der abgefertigten Passagiere ist Aena der größte Flughafenbetreiber auf der Welt.

Und einer der rentabelsten. Nach der Corona-Rezession und den damit verbundenen Einnahmeverlusten in Höhe von mehr als 345 Millionen Euro im Jahr 2021 erwirtschaftete Aena bereits in den ersten sechs Monaten dieses Jahres einen Nettogewinn von knapp 163 Millionen Euro.

Dem gegenüber stehen allerdings die vom Unternehmen in diesem Jahr veranschlagten Investitionskosten, größtenteils zum Ausbau und der Verbesserung bestehender Infrastruktureinrichtungen. Sie belaufen sich auf eine Höhe von knapp 535 Millionen Euro. Sieben davon sollen in Modernisierungsmaßnahmen auf Mallorcas Airport fließen. Geplant ist unter anderem die Kompletterneuerung der Sitzplatzgelegenheiten im gesamten Abflug- und Ankunftsbereich sowie den Terminals A, C und D.

Eine Image-Politur sollen aber auch die zahlreichen Sanitäranlagen wie Toiletten und Waschräume verpasst bekommen. Ebenfalls neu gestaltet und ersetzt werden alle Check-In-Schalter im Abflugterminal. Dazu kommen weitere Schönheitsmaßnahmen wie die Installation weiterer USB-Aufladestationen für Handys und Tablets, die Begrünung von Außen- und Innenbereichen sowie die Modernisierung verschiedener Kofferlaufbänder. Die dafür notwendigen Arbeiten sollen nach der Hochsaison im Herbst beginnen und innerhalb von etwa 40 Monaten abgeschlossen sein.

Unter den am Airport ansässigen Geschäftsbetreibern stieß die Ankündigung von Aena, Son Sant Joan einer Schönheitskur zu unterziehen, erwartungsgemäß auf großen Anklang. Doch nicht nur dort. Auch die am Flughafen operierenden Airlines und Reiseveranstalter wie Tui und Alltours äußerten sich nach Medienberichten durchweg positiv. „Die geplanten Modernisierungsmaßnahmen von Aena werden das Image von Palmas Flughafen sowohl auf nationaler als auch internationaler Ebene deutlich verbessern”, erklärte auch Rafael Roig, Präsident des regionalen Transport- und Reiseverbandes FEBT.

Für Aena hat das Make-up von Son Sant Joan vor allem wirtschaftliche Gründe. Denn umso höher die Beliebtheit eines Flughafens unter den Passagieren, desto größer auch sein Vermarktungswert für Unternehmen, die dort mit eigenen Lokalen oder Service-Angeboten Geschäfte machen wollen ...

... und dafür im Gegenzug von Aena zur Kasse gebeten werden. Diese für Ladenbesitzer in den verschiedenen Airportbereichen fälligen „Mieten” werden nach einem vom staatlichen Aena-Aufsichtsrat jährlich festgelegten „Passagierwert-Jahresindex” berechnet. Er liegt in diesem Jahr bei 9,95 Euro pro abgefertigten Passagier. Im kommenden Jahr soll er auf über zehn Euro angehoben werden. Aber das ist in der Modewelt nicht anders. Umso hübscher das Model, desto teurer ist ihre Laufsteg-Gage.