Wie schön das Leben doch sein kann! Die Geislers sind mit Mallorca wie Pech und Schwefel verbunden. | Patricia Lozano

Als Herbert und Gilda Geisler im fernen Jahr 1972 zum ersten Mal Urlaub auf Mallorca machten, wussten sie immer mal wieder nicht, wie ihnen geschah: Nach dem ersten Flug in ihrem Leben in einer damals hochmodernen Boeing 727 der schon existierenden Airline Condor wurde jeder einzelne Ankömmling am mehr als überschaubaren Airport Son Sant Joan einzeln fotografiert. Zuvor hatten die damals frisch verheirateten Urlauber aus der niedersächsischen Stadt Oldenburg im Flieger tellergroße Augen gemacht, als sie warmes Essen und Getränke nebst Metallbesteck in Empfang nahmen.

Als die Geislers damals 25-jährig fast ohne Geld im einfachen Hostel Snovit an der Cala Major abstiegen und in den Läden die Peseten-Preise in D-Mark umrechneten, erlitten sie dann auch noch einen veritablen Kulturschock, der bis heute nachhallt: „Damals war in Spanien Sekt billiger als Mineralwasser, sodass wir uns damit die Zähne putzten”, so Herbert Geisler, der damals gerade eine Beamten-Laufbahn bei der deutschen Bundespost startete.

Er und seine Frau sitzen während des MM-Besuchs am Pool des Mariant-Park-Hotels in Sa Coma und blicken zurück. Knapp bei Kasse, wie die beiden 1972 waren, buchten sie Sitzplätze bei günstigen Werbefahrten in Bussen, die damals auf der Insel üblich waren. „Wir nahmen an den Verkaufsveranstaltungen teil, erwarben aber nichts”, so Gilda Geisler. Nebenbei lernte man dann die Schönheiten der Insel kennen.

Die Geislers verguckten sich 1972 durchaus in das Eiland, blieben ihm aber erst einmal mehr als ein Jahrzehnt fern – bis zum Jahr 1986. Erst dann wurden die beiden von der Mallorca-Magie voll und ganz übermannt, und das, obwohl die Hotel-Infrastruktur damals mit heute kaum zu vergleichen war. „Einmal übernachteten wir in einem Gebäude, aßen in einem anderen, und ein Pool war noch nicht selbstverständlich.”

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Doch egal! Die Geislers waren damals so eingenommen von Mallorca, dass sie im selben Jahr 1986 gleich noch einmal hinflogen. Und dann ging es bis heute jedes Jahr mehrfach auf die Insel, und das vorwiegend im Frühjahr und im Herbst. Dutzende Ferienaufenthalte sind inzwischen so zusammengekommen. Geändert hat sich selbstredend einiges: Essen muss man bei fast allen Airlines inzwischen gesondert bezahlen, schon lange warten keine Fotografen mehr am Flughafen, und Gegenden, die früher brachlagen, sind jetzt mit Hotels bebaut.

„Bis jetzt haben wir in 13 verschiedenen Orten auf Mallorca unsere Ferien verbracht, und das in 24 Hotels”, blickt Herbert Geisler auf die vergangenen Jahrzehnte zurück. Und nach Aufenthalten in Can Pastilla, am früher noch gutbürgerlich-friedlichen Ballermann im Riu Concordia, Riu Playa Park oder in einer anderen Herberge dort, an der Cala Major und sonstwo sei man dann im Osten der Insel gelandet. „Jetzt kommen wir nur noch nach Sa Coma”, sagen die Geislers unisono.

Der riesengroße Vorteil sei, dass man hier jetzt – die Ehepartner sind bereits 75 Jahre alt – bestens ebenerdig laufen könne – von Hotel zu Hotel nach S’Illot, Cala Millor oder sogar nach Cala Bona. Das sei im Südwesten mit seinen Hügeln nicht möglich, weshalb man den Osten seit Jahren vorziehe. Die Geislers haben ein Fotoalbum von früher mitgebracht. Man sieht sie am Pool, am Strand, in Palma, die Kathedrale im Hintergrund. Die Zeiten, als man Bilder noch klebte, scheinen Ewigkeiten zurückzuliegen.

Beim Blick auf den ausnehmend großen Swimmingpool des Mariant-Park-Hotels, an welchem zahlreiche Urlauber angesichts des nahenden Winters besonders hingebungsvoll auf Liegen die Herbstsonne genießen, blitzt die Sehnsucht nach dem nächsten Jahr auf. „Natürlich kommen wir im Frühling wieder”, lächelt Herbert Geisler.

(aus MM 41/2022)