Experte: Flugverbindungen nach Mallorca werden besser

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Das sehen die Fluglotsen: Blick vom Kontrollturm auf den Flughafen von Palma de Mallorca.

Das sehen die Fluglotsen: Blick vom Kontrollturm auf den Flughafen von Palma de Mallorca.

Foto: R.L. / Ultima Hora
Das sehen die Fluglotsen: Blick vom Kontrollturm auf den Flughafen von Palma de Mallorca.Cord Schellenberg ist Vize-Präsident des Luftfahrt-Presse-Clubs. Er tritt regelmäßig als Wirtschafts- und Luftfahrtexperte im TV

MM: Wie sind die geplanten Kooperationen in der deutschen Luftfahrt, Air Berlin und Eurowings, Air Berlin und Tuifly, einzuschätzen?

Cord Schellenberg: Man muss sich nur die Flugzeug-Großbestellungen ansehen, die Ryanair und Easyjet unlängst bei Boeing und Airbus in Auftrag gegeben haben. Die deutschen Airlines sind im Vergleich dazu sehr fragmentiert. Da ist es gut, dass sie sich zusammentun, um wenigstens ansatzweise mithalten zu können mit der Expansion von Ryanair und Easyjet.

MM: Wie sehr sind die Iren und Briten auf dem Vormarsch?

Schellenberg: Die Liberalisierung des Luftverkehrs in der Europäischen Union ist klar umgesetzt. Heute kann jede europäische Airline in jedem Land der EU Flüge anbieten. Der Markt ist, seit Jahren, in kompletter Bewegung. Die deutschen Airlines haben da zu lange nur zugesehen.

MM: Welche Auswirkungen werden die geplanten Kooperationen auf Mallorca haben?

Schellenberg: Mallorca wird das Topziel der Deutschen bleiben, auch schon wegen der politischen Verwerfungen in der Türkei. Das Problem der Insel sind zudem nicht die Flugkontingente, sondern eher die begrenzten Hotelkontingente.

MM: Von Frühjahr 2017 an werden statt Air Berlin vor allem Eurowings und Tuifly die Mallorca-Routen bedienen. Stehen diese Airlines dann untereinander im Wettbewerb? Oder werden sie sich absprechen?

Schellenberg: Sie werden in einem sehr harten Wettbewerb stehen, sowohl untereinander als auch mit all den anderen Anbietern, die es ja auch noch auf den Mallorca-Routen gibt. Das vielfältige Angebot an Verbindungen wird dadurch bestehen bleiben. Die Kunden sind mittlerweile daran gewöhnt, morgens, mittags und abends Verbindungen vorzufinden, Auswahl zu haben.

MM: Was bedeutet das für die Ticketpreise?

Schellenberg: Aus Sicht des Kunden: Er bekommt, was er sich wünscht. Es gibt viele Flugangebote und unterschiedliche Service-Konzepte, viel Wettbewerb und entsprechende Preisgestaltung. Der Gestaltungsraum ist groß, um Kunden anzulocken. Nehmen Sie Ryanair: Früher ein ausgesprochener Billigflieger ohne Zusatzservice. Jetzt haben auch die Iren Sitzplatzreservierung, Verpflegung und die Möglichkeit zur Umbuchung geschaffen, um für den Verbraucher attraktiver zu sein.

MM: Es wird zu keiner Ausdünnung der Flugverbindungen von und nach Mallorca kommen?

Schellenberg: Nein, das erwarte ich nicht. Dass Schrumpfen nicht wirtschaftlich erfolgreich funktioniert, hat bereits Air Berlin bewiesen. Wo die Airline Verbindungen aufgab, sprangen meist andere Anbieter ein, um die Strecken fortzuführen.

MM: Wie wichtig ist es dem Fluggast, mit einer bestimmten Airline zu fliegen?

Schellenberg: Der Kunde ist heute auf Europa-Strecken illoyal geworden. Er richtet sich, gerade bei Kurz- und Mittelstrecken von bis zu drei oder vier Stunden, vor allem nach Angebot, Preis und Uhrzeit. Auf diesen Strecken hat die Business-Class kaum noch Bedeutung, so sie überhaupt existiert.

MM: Besteht die Gefahr, dass angestammte Serviceangebote, etwa die Mitnahme von Hunden, Freigepäck für Golfer, Kofferfreigepäck, verloren gehen?

Schellenberg: Wenn eine Airline solche Angebote einfach nur verschenkt, läuft sie Gefahr, nicht mehr lange zu fliegen. Aber der Kunde hat nichts gegen transparente Angebote, etwa Preise speziell für Golffreunde. Er erwartet allerdings ein klares und akzeptables Preisschild.

MM: Sie sehen also die künftige Fluganbindung Mallorca-Deutschland durchaus positiv?

Schellenberg: Sie bleibt zumindest wie sie ist, oder sie wird sogar noch besser. Mallorca ist stark gefragt als attraktives und sicheres Ziel. Das wissen die Airlines. Auch 2017 werden viele Menschen lieber nach Spanien als in die Türkei fliegen.

Die Fragen stellte Alexander Sepasgosarian.

(aus MM 41/2016)

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