Angst um Konkurrenzfähigkeit der Balearen

| Mallorca |
Die Balearen-Regierung versucht schon lange, die Saison auf Mallorca und den Nachbarinseln zu entzerren.

Die Balearen-Regierung versucht schon lange, die Saison auf Mallorca und den Nachbarinseln zu entzerren.

Foto: Ultima Hora

Hoteliers auf den Balearen sehen wegen der Regierungskrise in Madrid und der derzeitigen politischen Unsicherheit angesichts der im Mai anstehenden Regionalwahl die Konkurrenzfähigkeit des Archipels in Gefahr. Grund ist ein schwelender Streit um die sogenannten „Fijos-Discontinuos”-Verträge, Arbeitsverträge, bei denen die Arbeitnehmer zwar fest angestellt sind, die allerdings im Winter „ruhen”. Auf Mallorca und den Nachbarinseln bestanden diesen Winter im Vergleich zu 2008 doppelt so viele solcher Arbeitsverträge für fest angestellte Saisonkräfte. Konkret bedeutet das: 122.203 Arbeitnehmer waren zwischen Oktober und Dezember 2018 allein auf Mallorca mit dieser Vertragsart angestellt. Das belegen Zahlen der Seguridad Social.

Das Problem: Wegen des Scheiterns der sozialistischen Regierung in Madrid – am 28. April stehen Neuwahlen an – konnte bisher noch kein Haushalt verabschiedet werden. Unklar ist deshalb, was mit den„Bonificaciones” passiert, den Zuschüssen der Zentralregierung für Hotels und gastronomische Betriebe, die in den Wintermonaten „Fijos Discontinuos” aktivieren. Die Sozialisten wollen den Unternehmern in den touristisch besonders schwachen Monaten November, Februar und März auch weiterhin finanziell unter die Arme greifen und selbst die Hälfte der anfallenden Sozialabgaben für die Saisonkräfte übernehmen. Auf diese Weise sollen die Wirtschaft angekurbelt und im Winter Arbeitsplätze geschaffen werden.

Die konservative Opposition will das eigentlich auch, hat es sich nun aber zum Ziel gemacht, die derzeit nur noch per Dekret regierenden Sozialisten an sämtlichen Vorhaben zu hindern. So sei man zwar selbst für eine solche Förderung der Nebensaison, allerdings hätte sich das Ministerpräsident Sánchez vorher überlegen sollen. Das nun geplante Not-Dekret wolle man nicht unterstützen, so die Meinung der Konservativen. „Wir hängen jetzt total in der Luft”, so eine Sprecherin des mallorquinischen Hotelverbandes Fehm gegenüber MM. „Der Ministerrat hat das Dekret zwar abgesegnet, allerdings weiß niemand, ob die Opposition am Ende zustimmt, oder nicht.” Sicher ist: Noch vor den Wahlen am 28. April soll das entsprechende Gremium darüber abstimmen.

Für die Insel-Vertreter gelten die staatlichen Zuschüsse als extrem wichtig für die „Verlängerung” der Saison. Bereits auf der Reisemesse ITB in Berlin waren mehrere Balearen-Vertreter Sturm gegen die Pläne der PP gelaufen, das Regierungsdekret zu torpedieren. Schließlich hatten auch die „Bonificaciones” aus Madrid dafür gesorgt, dass es in den vergangenen Jahren in der Nebensaison auf Mallorca so richtig gut lief.

Inselregierung und Tourismusverbände arbeiten schon seit Jahren daran, den Sektor zu „entsaisonalisieren”. Dazu beigetragen haben neben den Subventionen bis zu 100 zusätzliche Flugverbindungen im Winter, die Eröffnung zahlreicher neuer hochpreisiger Hotels sowie die Fertigstellung des Kongresspalastes in Palma, der auch Tagungsgäste auf die Insel bringt.

Unklar ist indes, wie es nach den Wahlen im April weitergeht. In den derzeitigen Umfragen haben die Sozialisten weiterhin die Nase vorn, wären aber auf mindestens zwei Koalitionspartner angewiesen.

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Majorcus / Vor 1 Monat

Was würden Sie, liebe Leser, davon halten: keine Fäkalien mehr im Badgewässer, ernsthafter Polizeieinsatz gegen Taschendiebe und wettbewerbsfähiges Angebot (d.h. Hotels mit Gegenwarts- statt Franco-Standard zu international wettbewerbsfähigen Preisen ggf. senken?)?