Deutsche Mallorca-Hoteliers: „Faktisch sind wir pleite“

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Urlaubsorte wie Peguera haben es schwer.

Urlaubsorte wie Peguera haben es schwer.

Foto: Archiv
Urlaubsorte wie Peguera haben es schwer.Harald Strombeck ist einer der zahlreichen deutschen Mallorca-Hoteliers.Seit 2011 ist Yannick Erhart auf der Insel im Hotel-Business tätig.Christophorus Heufken will die Krise als Chance sehen.

„Die Saison verlängern wird nicht möglich sein“, sagt Harald Strombeck überzeugt. „Alleine wegen des Flugplans und der zu vergebenden Slots.“ Eigentlich wären die Türen seiner drei Hotels im Norden der Insel Mitte April geöffnet worden. Diese Hoffnung wurde dem 61-Jährigen allerdings genommen. Für diesen Monat seien alle Buchungen storniert worden. Die 260 Mitarbeiter, zu 95 Prozent Spanier, sind von der Kurzarbeiterregelung ERTE betroffen.

Und auch für die nahe Zukunft gibt sich der Hotelier nicht zuversichtlich: „Es wird niemand so schnell wieder reisen.“ Für Strombeck sprechen einige Faktoren dafür. Er habe Bedenken, Menschen würden Flugzeuge für eine ganze Weile meiden. Zudem werde es Wochen dauern, die am Boden gebliebenen Flugzeuge für einen neuen Einsatz zu warten. Auch Reisen ins Ausland seien vielen Deutschen wohl zu unsicher.

Erst recht, solange es kein Medikament gegen Covid-19 gebe. Er selbst sei mit seinen drei Hotels Trend und El Lago in Alcúdia und Can Picafort Palace in Can Picafort auf Familien mit Kindern spezialisiert. „Kurzarbeit trifft in Deutschland gerade so viele Familien, da wird das Geld für den Urlaub wegfallen“, sagt Strombeck. „Ich denke auch, die Büfett-Mentalität ist damit kaputt.“

Strombecks Einschätzung beruht unter anderem auf seiner Erfahrung: Seit 39 Jahren ist er auf Mallorca im Geschäft, er kennt die Menschen, die hier Urlaub machen. Er habe viel erlebt, nichts sei vergleichbar mit dem, was gerade passiere. „Das ist viel schlimmer als eine Wirtschaftskrise“, sagt er und wolle dabei nur realistisch sein. Für den Sommer will er abwarten, wie sich die Auslastung entwickelt: „Wenn wir weniger als 30 Prozent haben, ist es wirtschaftlicher, die Hotels gar nicht erst zu öffnen.“

Christophorus Heufken sieht hingehen eine Chance für sein kleines Boutique-Hotel in Artà. Denn kleine private Häuser, in denen kein Massenandrang herrscht, könnten nach der Krise profitieren. Seit dem 15. März habe das „Sant Salvador“ geschlossen, die acht Mitarbeiter sind von Kurzarbeitsmaßnahmen betroffen. Das Hotel ist üblicherweise eines der wenigen im Norden der Insel, das den Winter über geöffnet ist. „Leider hatten wir bereits einen grauenhaften März“, sagt der 61-Jährige.

„Wegen der Unsicherheit durch das Coronavirus kamen auch keine kurzfristigen Reservierungen mehr rein, womit wir sonst immer fest planen können.“ Dabei habe 2020 für das Hotel nach den Boomjahren 2017 und 2018 ein vielversprechendes Jahr werden können. „Viele unserer Gäste sind selbstständig – wer weiß, ob da im Juni überhaupt noch das Geld für Urlaub da ist“, sagt Heufken. Die Stornierungsoptionen habe er bereits angepasst und geht offen auf seine Gäste zu. Allerdings wünsche er sich natürlich, der Aufenthalt werde eher auf ein späteres Datum verschoben anstatt komplett storniert.

Bis zu 90 Prozent der Gäste seien Ausländer, zum Großteil Deutsche und Engländer. Heufken glaubt, die Unsicherheit beim Thema Reisen werde noch lange bestehen. Einen Monat nur Kosten und keine Einnahmen gehabt zu haben, bedeutet für den Hotelier aus dem Ruhrgebiet bereits jetzt: „Faktisch sind wir pleite!“.

Neben der Unterstützung durch die Regierung will er nun günstige Kredite seiner Bank in Anspruch nehmen, die ihm unter anderem erlauben, erst in zwölf Monaten mit einer Rückzahlung zu beginnen. Für diesen Frühling hatte Heufken die Eröffnung eines Restaurants mit Musikveranstaltungen geplant. Daraus wird vor-erst nichts, aber diese anderen Projekte sollen ihm dennoch bald helfen, auf den Beinen zu bleiben.

Nicht ganz so pessimistisch sieht Yannick Erhart in die Zukunft. Der 38-Jährige entstammt einer Schweizer Hoteliersfamilie und führt in dritter Generation die Hotels der Universal-Gruppe. Vor zwei Jahren noch waren acht Millionen Euro in die Sanierung von drei Hotels auf der Insel investiert worden.

„Momentan können wir so gut wie gar nicht planen“, sagt auch er. Mit genauen Zahlen hält er sich aber zurück. Seit dem 19. März sind die Hotels wie das „Lido“ in Peguera oder das „Don León“ und das „Marqués“ in Colònia de Sant Jordi nun geschlossen. Rund 150 Gäste seien abgereist. „Manche wollten gar nicht gehen“, sagt Erhart ein bisschen wehmütig. „Wir hatten eine Chorgruppe, die immer noch den ganzen Tag in der Lobby gesungen hat.“ Für aktuell bestehende Buchungen bis Ende April oder Ende Mai bietet der Hotelier eine kostenlose Stornierungsmöglichkeit. Die rund 200 Mitarbeiter der Hotels würden teils in Kurzarbeit aktiv im Home Office arbeiten. Mit den Hotelverbänden sei man in regem Kontakt, von dort kämen täglich neue Informationen aus der Politik. Zwar biete man in den Hotels der Gruppe auch viel für Fahrradfahrer und Wanderer, die unabhängig von der Hochsaison auf die Insel kämen. Das reiche allerdings nicht, um die anderen Einbußen auszugleichen. „Wir probieren nun zu retten, was zu retten ist“, sagt der 38-Jährige.

Seit 2011 ist Yannick Erhart auf der Insel im Geschäft der Gruppe tätig. „Seitdem ging es immer bergauf“, sagt der aus Basel stammende Geschäftsführer. Was jetzt passiert, sei für alle ein Albtraum. Seine Gruppe will mit einem sehr persönlichen Video den Mallorca-Fans Mut machen. Darin zeigen sich Angestellte und Chefs mit ihren Familien im eigenen Zuhause und werben dafür, gestärkt aus der Krise zurückzukommen und bald wieder Gäste auf Mallorca empfangen zu wollen.

(aus MM 14/2020)

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Metti / Vor 4 Monaten

Majorcus: wir können uns gern zusammensetzen und dieses ausarbeiten. Dann wirst du sehen, das wir, vom Grundsatz der CO2 Einsparung, soweit gar nicht auseinander liegen. Allerdings die Zielfindung dann doch zwei getrennte Wege wären..

Majorcus / Vor 4 Monaten

@Metti: Als Vorsitzender delegiere ich die Zusammenfassung aller meiner Ideen und Vorschläge doch an Sie als Assitenten ;-) P.S.: Vergessen Sie bitte nicht, CO2 über den Preis drastisch zu reduzieren. @Sabine: Haben Sie den Goldkurs mal für Ihre Behauptung ausgerechnet und mit 1929 verglichen?

Tom Taylor / Vor 4 Monaten

Eigentlich wäre es sinnvoll wenn bis zu 30% der Hotels von der Insel verschwinden würden. Der Tourismus ist in den letzten Jahren doch vollkommen aus den Ruder gelaufen, überfordert die Einwohner und die Umwelt. Nutznießer sind nur ganz wenige gewesen....und das ganze Partyvolk was nur für ein Wochenende auf die Insel kommt braucht und will doch eigentlich niemand.

Metti / Vor 4 Monaten

Sabine, DIE Finanzexpertin....gähn..

Sabine / Vor 4 Monaten

"Was hilft ein Pfand, dass nur noch 50 % der Kreditsumme wert ist?"

Wie schon gesagt Majorcus. Die Kreditsumme besteht aus wertlosem Buchgeld, welches die Banken über ein kriminelles Schneeballsystem auf Knopfdruck generieren. Was meinen Sie, warum die bei der EZB im Vorstand, vor Amtsantritt alle Immunität vor Strafverfolgung zugesichert bekommen haben. Das "Pfand" stellt einen realen nutzbaren Wert dar, dass per Knopfdruck erzeugte Buchgeld ist dagegen real wertlos. Sie werden hier in 2 Jahren Wohnungen für 5 Unzen Gold kaufen können, welche heute eine Million Euro kosten. Werden jetzt einige für absurd halten, aber warten wir ab. Die Überbestände an Mietwagen und Yachten werden schon einen Vorgeschmack auf die kommende "Schnäppchensaison" bieten. Das wird alles fürn Apfel und ein Ei zu haben sein, weil die es sonst auf den Müll werfen und teuer entsorgen müssen.

Metti / Vor 4 Monaten

Der Expertenrat Virologie und Finanzwesen tagt auch in diesem Treat: Majorcus und Sabine. Ihr solltet euch mal überlegen eine eigene Plattform aufzumachen, wo ihr mit fachlichem Rat den Leuten zur Seite steht. Sabine ist ja neu in dem Fachgremium. Majorcus, der Vorsitzende, schon lange im Geschäft. Er sollte nun mal einen Plan vorlegen, wie Mallorca das überleben kann. Durchstruckturiert und Punkt für Punkt, wie der Wandel von Statten gehen sollte, so das niemand auf der Strecke bleibt, auch finanziell...

Majorcus / Vor 4 Monaten

@Sabine: "wird die Bank das Hotel dann pfänden." 1. Wenn es die Bank dann noch gibt. 2. Was hilft ein Pfand, dass nur noch 50 % der Kreditsumme wert ist? Chinesische & US-Schnäppchenjäger sind schon unterwegs, um günstig aufzukaufen. Spanien wird es sich nicht leisten können, dies zu unterbinden.

Thomas Berthold / Vor 4 Monaten

All die vielen Leute die immer geschrien haben sie wollen keinen oder nur Qualitäts Tourismus müssen doch jetzt bemerken das es nicht ohne Tourismus geht. Doch ich denke die sind unbelehrbar.

Hans B / Vor 4 Monaten

Wenn gleich selber Unternehmer sollten die Hoteliers vorsichtig sein mit dem Gejammer. Sie haben jahrelang die Kuh gemolken und hätten eigentlich für Rücklagen sorgen müssen. Wirklich betroffen sind nur die Angestellten.

Sabine / Vor 4 Monaten

"Neben der Unterstützung durch die Regierung will er nun günstige Kredite seiner Bank in Anspruch nehmen, die ihm unter anderem erlauben, erst in zwölf Monaten mit einer Rückzahlung zu beginnen." Zitat Ende

Das ist der Punkt. Denn sollte das Virus sich nicht nach Plan verhalten, wird die Bank das Hotel dann pfänden.