Der deutsche Unternehmer Franz Kraus betreibt seit Jahren die mallorquinische Delikatessenfirma Fet a Sóller. | L. G.

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Verlässt man Palma und fährt in Richtung Nordwesten, schaut man von weitem bereits auf die wuchtige Felswand des Tramuntana-Gebirges. Nur noch den drei Kilometer langen Tunnel passieren und schon ist man mitten drin: im Orangental von Sóller. Ringsherum liegt die gewaltige Bergkette mit Blick auf den höchsten Gipfel Mallorcas, dem Puig Major. Nach wenigen Kurven sieht man bereits die ersten Orangenbäume in der Sonne. Denn: Sóller ist unter anderem bekannt für seine Zitrusfrüchte. Ihr Anbau hat in dem Tal Tradition. Bereits seit 1000 Jahren werden dort Orangen und Zitronen angebaut.

Der deutsche Unternehmer Franz Kraus hat die kulinarische Vielfalt Sóllers schon in den 1990er Jahren erkannt und sich in dem Ort niedergelassen. 1994 gründete er die Speiseeisfabrik „Sa Fàbrica de Gelats”, zwei Jahre später den Delikatessenhandel „Fet a Sóller”. Doch seit einigen Jahren hat es ihm eine ganz besondere Frucht aus dem Tal angetan. Die Orangensorte Canoneta. „Sie ist, so gesehen, die Königin der Saftorangen. Ihr Saft ist besonders fruchtig und süß. Der Saftanteil liegt bei rund 55 Prozent. Die Canoneta eignet sich auch perfekt für die Weiterverarbeitung zu anderen Produkten, wie Marmelade oder Liköre”, schwärmt Kraus, räumt aber auch ein: „Optisch ist sie eher klein und hässlich.”

Um diese Frucht besser zu fördern, hat sich Kraus 2018 offiziell das Markenrecht auf nationaler Ebene gesichert. Unterstützt wurde er dabei auch von der Agrar-Kooperative Sant Bartomeu Sóller sowie dem Obst- und Gemüseproduzenten Agroilla.

Der Hintergrund: Immer wieder war Kraus in den vergangenen Jahren aufgefallen, wie Dritte den Namen Canoneta verwendeten, um ihre Produkt besser verkaufen zu können, obwohl diese noch nicht einmal in Sóller erzeugt worden waren.

2021 soll ein gemeinsames Projekt zur Herkunftsbezeichnung durchgeführt werden. Insgesamt 27.000 Euro kostet die Initiative, eine solche geschützte Herkunftsbezeichnung (Indicación Geográfica Protegida, IGP) umzusetzen. Das Geld fließt in eine entsprechende Studie der Balearen-Universität. Ziel ist es belegen zu können, dass das in Sóller herrschende Klima mit viel Regen, wenig Wind und ganzjährig milden Temperaturen die Eigenschaften der Canoneta geprägt hat. Dazu wurden auch kiloweise Früchte aus anderen Regionen hinzugekauft, um sie zu vergleichen.

Kraus stellte das Markenrecht dem balearischen Landwirtschaftsministerium zur Verfügung. 2019 wurde die Canoneta dann endlich in das mallorquinische Register der lokalen Obst- und Gemüsesorten aufgenommen.

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Um den Namen der Orangensorte auch europaweit gegen die unzulässige Nutzung durch Dritte zu schützen, startete Kraus die Prozedur im Anschluss europaweit. Der Deutsche legt großen Wert darauf, deutlich zu machen, dass seine Firma nicht die Absicht hat, das Markenrecht alleine zu nutzen. Vielmehr solle die Vermarktung der Canoneta insgesamt als lokales Produkt geschützt und von der Balearen-Regierung verwaltet werden.

Doch dabei stößt der Unternehmer auch auf Widerstand. So hat die „Vereinigung lokaler Vielfalt” auf den Balearen (Associació de Varietats Locals) nun Einspruch beim Amt der Europäischen Union für Geistiges Eigentum (EUIPO) eingelegt. Die Vereinigung ist demnach gegen eine europaweite Registrierung der Marke. Die Organisation befürchtet aufgrund der Namensgebung Nachteile für Landwirte, die die Sorte Canoneta anbauen.

Franz Kraus kann den Einwand nicht verstehen. Er betrachtet die Vermarktung der Orangenmarke als „Geschenk für die mallorquinische Gesellschaft”. Nach seinen Angaben sollen insbesondere die lokalen Landwirte der Insel von der Sicherung des Markennamens profitieren. Sein höchstes Ziel sei es Arbeitsplätze auf Mallorca zu sichern oder sogar neue Arbeitsplätze zu schaffen.

Die Coronakrise verschärfe die Situation auf der Insel. „Mallorca ist eine Service- und Tourismusinsel. Wir müssen jetzt umdenken und andere Sektoren wie die Landwirtschaft stärken. Was bietet sich bei diesem nahrhaften Boden auch besser an, als die lokale Landwirtschaft zu fördern?” Das Wetter spiele auf jedem Fall die meiste Zeit des Jahres mit und biete optimale Bedingungen für Obst und Gemüse.

Um die Canoneta-Zucht weiter voranzutreiben, haben Fet a Sóller, die Agrar-Kooperative Sant Bartomeu und Agroilla mit einer Samenbank aus Valencia in den vergangenen Jahren über 1800 Jungbäume heranziehen lassen und an interessierte Grundstücksbesitzer in Sóller verteilt.

Bars und Restaurants verkaufen den Saft der Canoneta-Orange vor allem im Hochsommer an durstige Touristen. Die vermeintlich hässliche Königsorange wird von April bis Juni geerntet. Ihre Optik ist übrigens auch ein Grund dafür, dass man diese Sóller-Orange in mallorquinischen Supermärkten so gut wie gar nicht findet, bedauert Kraus. „Je kleiner und schrumpeliger, desto weniger wird das Obst gekauft”, sagt Kraus. Dies sei ein Fehler. „Die schönsten und rundesten Früchte im Handel sind meistens chemisch behandelt. Zwar werden nur die Schalen gespritzt, aber das Fruchtfleisch der Zitrusfrüchte ist so sensibel, das chemische Stoffe bis in die Frucht dringen.”