3. März - Von welchem Service wird in Palma eigentlich der Sperrmüll abgeholt? Wo kann das Auto umgemeldet werden? Wann beginnt der Schlussverkauf? Wie kann ich am städtischen Flohmarkt teilnehmen? Ist der Ostermontag hier auch ein Feiertag? Fragen über Fragen. Doch es gibt eine Anlaufstelle, die die Antworten kennt: SAT 010 – der „Servicio de atención telefónica 010“ der Stadt Palma.

Obwohl es das Callcenter für städtische Bürgerbelange bereits seit rund 20 Jahren gibt, ist es gerade unter den zugezogenen Inselresidenten häufig kein Begriff. Dabei sind die mittlerweile 25 Mitarbeiter durchaus international aufgestellt: Anrufe werden in Katalanisch, Castellano, Englisch und Deutsch entgegengenommen.

Ins Leben gerufen wurde die Stadt-Auskunft, die unter der Rufnummer 010 zu erreichen ist, einst zur Entlastung des Bürgerbüros, „so muss man nicht erst umständlich ins Zentrum fahren und einen Parkplatz suchen, nur weil man sich kurz über etwas informieren möchte“, erklärt Catalina Servera, SAT-Verantwortliche.

Obwohl es mittlerweile zehn Bürgerbüros gibt und auch online über die Homepage Informationen gezogen werden können, erfreut sich die 010-Auskunft dennoch wachsender Beliebtheit. War sie zuerst nur von 8 bis 22 Uhr erreichbar, ist sie es nun 24 Stunden an 365 Tagen im Jahr.

„Wobei wir natürlich am häufigsten tagsüber kontaktiert werden“, sagt Servera, „vor allem morgens, nachmittags flaut es wieder etwas ab, gegen Abend nehmen die Anrufe dann wieder zu.“ Rund 900 Anrufe werden täglich registriert.

„In den nächsten Tagen werden uns sicher auch wieder Hunderte wegen den Karnevals-umzügen anrufen“ – rund um kulturelle Events nähmen besonders viele Bürger den kostenlosen Infoservice in Anspruch.

Zuständig sind die Mitarbeiter des Call Centers für sämtliche Informationen über Behördengänge, städtische Kurse, Veranstaltungen, Meldebescheide, Gemeindesteuern oder etwa die Tarjeta Ciudadana, „aber wir geben selbstverständlich darüber hinaus auch zahlreiche Basisinformationen über Abläufe, die nicht direkt in unserem Aufgabenbereich liegen“, betont Servera, „oder wir geben die Telefonnummern der dafür zuständigen Behörden weiter“.

Neben der Einrichtung als Auskunft diene die 010 auch als Nummer, um alle Vorkommnisse rund um die städtische Sicherheit zu melden: „Umgefahrene Straßenschilder oder Laternen, illegal abgeladener Schutt, kaputte Pflastersteine, abgestellte oder auch angeknackste Bäume können uns über diese Nummer mitgeteilt werden.“ mehr...

24. Februar - Wer Angst vor dreckigen Händen hat, sollte von Calçots besser die Finger lassen. Das Verspeisen der traditionellen Zwiebelspezialität aus Katalonien ist nämlich nicht nur ein echtes Gedicht, sondern auch eine ziemliche Sauerei: Ohne Besteck werden die langen Knollen in die Sauce getunkt, dann mit einem Schwung und über dem Mund baumelnd in den Rachen befördert. Dazu kommen die rußschwarzen Finger, die sich – zumindest bei der ganz traditionellen Zubereitung auf offenem Feuer – beim besten Willen nicht vermeiden lassen.

Von Dezember bis Ende April haben die Zwiebeln, eine spezielle Züchtung, dicker als Frühlingszwiebeln und dünner als Lauch, Saison. In Katalonien, vor allem in der Gegend rund um Valls, werden traditionell dann die „Calçotadas“ veranstaltet: Zwiebelessen rund ums offene Feuer mit vielen Freunden.

Dafür muss man kein ausgesprochener Zwiebelfan sein: Calçots schmecken nur unmerklich nach dem normalen Zwiebel-aroma, vielmehr sind sie lieblich, fast süßlich. Hinzu kommt, dass sie nie pur verspeist werden, sondern immer in Begleitung der kräftigen rotbraunen Romanesco-Sauce, die in Katalonien auch „Salvitxada“ genannt wird. Auch auf Mallorca kann man dieses schmackhafte Duo genießen, wenngleich sehr selten. Urtypisch werden die Calçots je im Dutzend als Vorspeise serviert – und zwar ganz rustikal in der halbrunden Aushöhlung eines Dachziegels. So kommen sie auch im „Ses Coves“ in Gènova bei Joan Arboix und seiner Frau Carmen seit 20 Jahren auf den Tisch.

Bevor sie verspeist werden können, muss die verkohlte Zwiebelschicht abgezogen werden – darunter kommt dann der weiche, weiße essbare Teil zum Vorschein. „Damit sich die Gäste beim Schälen und In-die-Sauce-tunken nicht bekleckern, bindet sich jeder vorher ein Lätzchen um. Das mag für einen, der es nicht kennt, lustig aussehen, wird in Katalonien aber so gemacht“, erklärt Carmen.

Wem Traditionen nicht ganz so wichtig sind wie stilvolles Essen, der ist mit der zweiten, moderneren und eleganteren Zubereitungsart gut beraten, wie sie im „Ses Porxeres“ in Bunyola zelebriert wird. „Unsere Calçots kann man sogar mit Messer und Gabel essen“, erklärt Chechu Osinalde, der das seit 28 Jahren auf der Insel bestehende Familienunternehmen führt. Hier werden die Zwiebeln gekocht, leicht paniert, dann frittiert: Innen sind sie weich und fettig, außen leicht kross. Frittierte Calçots sind um ein vielfaches gehaltvoller als „Calçots a la brassa“. Bei Letzteren kommt das zarte Eigenaroma besser zur Geltung.

Wer es ein wenig den Katalanen gleich machen möchte, kann aber auch eine öffentliche Calçotada besuchen, wie sie desweilen schon von den Gemeinden von Porreres oder Santa Maria ausgerichtet wurden. „Es ist aber auch ein großer Spaß, die Zwiebeln zu Hause auf der Terrasse zuzubereiten“, sagt Caroline Fabian von Private Cooking. Sie hat Mallorca-Magazin-Lesern verraten, wie das geht. „Es ist etwas aufwendig und kostet Zeit, dafür aber ist eine Calçotada gesellig und lustig – von der Stimmung her ein wenig mit Fondue oder Raclette zu vergleichen.“ Wer sehr viele Zwiebeln auf einmal zubereiten und sich Arbeit ersparen wolle, könne sich dann auch eines alten Tricks aus Katalonien bedienen: Statt die Zwiebeln portionsweise zu garen, können sie auch auf eine Metallschnur aufgefädelt werden, um sie dann in einem Stück in der Glut hin- und herwenden zu können. „Wenn man die Calçots selbst auf dem Markt ersteht, sollte man aber unbedingt auf eine gewisse Dicke achten“, gibt Fabian zu bedenken, „hier ist es ähnlich wie beim Spargel: Der dickste ist der beste.“ mehr...

24. Februar - Nur eine klitzekleine Unaufmerksamkeit des Fahrers oder ein von Regen und Staub plötzlich spiegelglatter Straßenbelag – und schon ist der Unfall geschehen. Was tun? „Am besten beide Parteien füllen den Europäischen Unfallbericht aus“, erklärt Juan Cascallar von Axa-Versicherungen Anke Sevenster. „Es ist natürlich auch möglich, alle nötigen Daten nur so zu notieren, aber das Formular kann hier ein guter Leitfaden sein, um keine wichtige Information zu vergessen.“ Vordrucke des Dokuments, das mittels Durchschlag an die beteiligten Parteien ausgehändigt werden kann, werden von der jeweiligen Versicherung bereitgestellt, um sie im Fall eines Falles zur Hand zu haben. Griffbereit sollten Autofahrer auch immer Warndreieck und Warnwesten für alle Insassen haben: Trifft die Polizei einen der Insassen ohne Weste auf der Straße an, riskiert dieser eine saftige Strafe. Im Unfallbericht werden Daten wie Name, Adresse, Autotyp, Kennzeichen, Versicherungsgesellschaft oder Policenummer vermerkt. Der Unfallbericht ist kein Schuldeingeständnis, sondern eine Beschreibung des Ablaufs: Wie sich der Unfall ereignete, wird sowohl in einer Kurzbeschreibung festgehalten als auch mittels einer Zeichnung. Am Ende wird das Dokument von beiden Seiten unterzeichnet. „Wir raten unseren Kunden allerdings dazu, den Bericht nur dann zu unterschreiben, wenn die Schuldfrage klar ist“, gibt Christina Conti von Lluc & Jülich Versicherungen zu bedenken. „Es ist sonst im Nachhinein oft schwierig, die Sachlage noch einmal zu drehen.“ Auch Denise Latocha, Versicherungsmaklerin bei Iberia Versicherungen, rät dazu, den Bericht zwar unbedingt auszufüllen, aber nicht zu unterzeichnen, „etwa wenn es Verständigungsprobleme gibt bei einem Unfall zwischen einem deutschen und einem spanischen Fahrer. Denn ist der Bericht erst einmal unterzeichnet, kann nichts mehr verändert werden“. Sie empfiehlt, immer die Polizei hinzuzurufen, auch wenn es sich um einen relativ kleinen Schaden handle. „Das hat dann auch den Vorteil, dass die Polizei gleich das Ausfüllen des Berichts übernimmt.“ Zuständig ist die Lokalpolizei: Sie lässt sich mittels der kostenlosen Rufnummer 092 an den Unfallort bestellen, oder über die Notrufzentrale 112. „Die Polizei kann man in jedem Fall anrufen, unbedingt sollte man dies tun, wenn wirklich größerer Schaden entstanden ist“, sagt Victoria Keil von Axa, „oder wenn sich etwa herausstellt, dass der andere Beteiligte nicht versichert ist.“ Dann kommt das spanische sogenannte Consorcio ins Spiel, ein staatlicher Pool, aus dem in solchen Fällen die Schadensregulierung beglichen wird. „Allerdings kann das dauern. Handelt es sich zum Beispiel um Fahrerflucht, wird erst einmal abgewartet, ob der Fahrer doch noch gefunden wird. Oder es werden Zeugen gehört“, erklärt Denise Latocha. Die unversicherten Autos auf Mallorcas Straßen werden allerdings weniger: Seit einigen Monaten muss beim Passieren des ITV – dem spanischen TÜV – der Kontoauszug mit der bezahlten Versicherungssumme vorgewiesen werden.

Komplizierter werde es auch immer dann, wenn in den Unfall ein im Ausland gemeldeter Wagen verwickelt ist: „Es sind schlichtweg Sprachbarrieren, die die Schadensregulierung hinauszögern, weil sich die Versicherungen in dem Fall um mehrere Ecken verständigen müssen.“ In einigen Fällen können dann Wartezeiten von rund einem halben Jahr auftreten. Innerhalb Spaniens wird die Abwicklung durch ein Abkommen der Versicherungen beschleunigt. Es legt fest, wie in häufig auftretenden Streitfällen entschieden wird.

Anders als in Deutschland wird in Spanien immer ein Gutachter hinzugezogen, der den Wagen in der Werkstatt in Augenschein nimmt. Bei älteren spanischen Versicherungsabschlüssen – neuerdings gibt es auch Verträge ohne diesen Service – ist der Abschleppdienst in die Wunschwerkstatt (bis 100 Kilometer entfernt) in der Haftpflicht automatisch inklusive. mehr...

PALMANOVA - ACCIDENTES TRAFICO - TRES HERIDOS TRAS UN ACCIDENTE DE TRAFICO DE UN TAXI.

24. Februar - Wer in einen Unfall verwickelt ist, steht oft unter Schock - oder hat zumindest einen gehörigen Schrecken in den Gliedern sitzen. Nicht die besten Voraussetzungen für bedachtes Handeln. Gerade darauf aber kommt es an, wenn es gekracht hat. mehr...

17. Februar - Er mischt in der Gastroszene wieder kräftig mit: Der Siphon erlebt ein Revival. Und das sowohl auf dem Teller als auch im Glas. Zaubert er bei Ersterem schaumig-locker-flockige Texturen - das vor allem in der modernen, molekular inspirierten Küche -, sorgt er bei Letzterem für prickelnde Momente auf der Zunge. "Der Siphon verleiht einem Getränk einen ganz anderen Sex-Appeal" nennt es Juan Carlos Montoro, der im September in Palmas Altstadt eine "Sifoneria" eröffnete. Einst gehörten die bauchigen Flaschen - bis in die 70er Jahre aus Glas und mit einem bunten Plastikgitter zum Schutz gegen Explosionen ummantelt, dann aus Hartplastik hergestellt - auf Mallorca auf jeden Tisch. Wie es in Österreich auch heute noch Brauch ist, ein Glas Wasser zum Kaffee zu reichen, stellte man damals auf der Insel noch gratis und völlig selbstverständlich zum Kaffee ein Glas und die Siphonflasche hinzu.

Entsprechend der Nachfrage war das Angebot: 1973 waren noch 101 Siphonfabriken auf Mallorca registriert. Heute gibt es nur noch eine: "La Paduana" in Petra. Mit den Fabriken sind auch die Flaschen von den Tischen verschwunden. Nur in den typischen Dorfbars werden Siphons bislang noch wie eh und je verwendet. Darin befindet sich Sodawasser - Mineralwasser, das neben Kohlensäure auch noch mit Natriumhydrogencarbonat versetzt ist. Gezapft wird unter hohem Druck mit Kohlenstoffdioxid, das Wasser prescht aus dem Hahn an der Flasche, schäumt im Glas richtig auf. "Durch den hohen Druck ist das Sodawasser aus dem Siphon besonders zum Mischen geeignet", erklärt Juan Carlos Montoro, "es vermengt sich sehr gut mit anderen Flüssigkeiten und hat trotz des hohen Drucks im Grunde weniger Kohlensäure als ein normales Sprudelwasser." Beim Verkosten des Sodawassers aus der Siphonflasche drängt sich unweigerlich der Vergleich zu Champagner und Sekt auf: Wie im Champagner produziert der Siphon ein zartes Perlen, das für das Auge kaum sichtbar ist, auf der Zunge aber deutlich spürbar.

Traditionell mit dem Siphon verdünnt wird Palo - der mallorquinische Likör aus Enzian und Chinarinde, Wein oder die mallorquinische Cola: die braune Erfrischungsbrause Pinya Mallorquina. "Siphon und Pinya kamen 1868 gleichzeitig auf den Markt", erzählt Juan Carlos Montoro. Er hat Hunderte alte Siphons gesammelt, vertreibt sie in seinem Laden nach dem Refill-System. Wer keine alte Flasche zu Hause hat, zahlt einmal 1'50 Euro Pfand, für jede Befüllung dann 1'25 Euro. "Das Tolle ist, dass jede einzelne Flasche eine Geschichte erzählen könnte", schwärmt der 35-Jährige aus Santanyí, "wer weiß, wo diese Flaschen schon überall rumgekommen sind." Auch hübsch anzusehen sind sie: In schrillen Farben oder mit nostalgischen Aufdrucken bringen sie Retro-Feeling auf den heimischen Tisch. "Die Deutschen trinken mit ihrer Weinschorle etwas sehr Ähnliches wie Wein mit Siphon-Sodawasser verdünnt", betont er, "und sie tun gut daran: Das schraubt die Prozente herunter, man verträgt viel mehr in geselliger Runde, das Getränk hat weniger Kalorien und ist erfrischender, leichter." Der Tinto de Verano, der mit Gaseosa, der spanischen Zitronenlimonade, gemischt wird, habe den Nachteil, dadurch immer sehr süß auszufallen. "Die Mallorquiner hatten darüber die Siphons ganz vergessen, genauso wie die Cola die Pinya verdrängt hatte - erst jetzt besinnen sie sich wieder auf ihre lokalen Stärken." Die mallorquinischen Siphons zum Mixen von Getränken werden ab Werk abgefüllt und müssen leer gegen volle eingetauscht werden. Anders die Siphons, die für die Zubereitung von Speisen eingesetzt werden: Für Schäumchen und Co. werden wiederbefüllbare Metallflaschen verwendet, die mit Einweg-Gaspatronen unter Druck gesetzt werden. Allen voran war es Spitzenkoch Ferran Adrià, der die Verwendung des Siphons, der in den 70er und 80er Jahren höchstens zum Aufschäumen von Sahne benutzt wurde, wieder salonfähig machte.

Inspirieren ließ sich der nordspanische Experimentier-Papst der Küche für seine "Espumas" übrigens von den alten Getränkesiphons: Nach ihrem Muster entwickelte er leicht abgewandelte Siphons, die zum Beispiel mit einer speziellen Spritzdüse ausgestattet sind. Ob Getränk oder Speise: Bei beiden sorgt die Verwendung des Siphons nicht nur für eine leichtere und bekömmlichere Konsistenz, sondern auch für einen Zugewinn an Aroma. Durch die feine Perlung kann sich der Geschmack nämlich besonders gut im Rachenraum entfalten. mehr...

17. Februar - Reich werden können Flohmarktverkäufer auf Mallorca nicht. Das Preisniveau ist niedrig: Für Gebrauchtkleidung wird kaum mehr als zwei oder drei Euro pro Stück bezahlt, Bücher gibt es ab 0'50 Cent. Umso schöner für die Käufer, die hier mit dem ein oder anderen Schnäppchen nach Hause gehen können. mehr...

17. Februar - Wie Motten vom Licht werden die alten Männer von der Sonne angezogen. Sie haben ihre Sessel mit den abgewetzten und aufgesprungenen braunen Kunststoffbezügen, zwischen denen der Schaumgummi hervorblitzt, in den gleißenden Lichtfleck gezogen, den die Strahlen im vorderen Teil des dunklen Raumes am Fenster bilden. Genüsslich halten sie das Gesicht in die Wärme, lassen sich davon die spärlichen Bartstoppeln kitzeln oder in die aufgeschlagene Zeitung auf den Knien leuchten.

Der Stuhlkreis der Männer gehöre zu jedem guten Morgen in Calvià, erklärt Rosa. Dass sie dabei mehr diskutieren als konsumieren, sei ihr einerlei – „es ist immer eine nette Runde“. Rosa und Miguel Rosselló sind die Wirtsleute im „Can Garrit“, der ältesten Bar im Dorf. 106 Jahre hat das Haus mit der auffallend spitzen Ecke schon auf dem Buckel. 23 davon steht das Ehepaar hier als Pächter hinterm Tresen.

Davor wurde sie von Francisco Bauzà Cabrer geführt, dem Besitzer des „Can Garrit“, davor von seinen Eltern: „Ich bin sogar in der Bar geboren worden“, sagt der 88-jährige Francisco und lacht schelmisch. In seinem Alter steht ihm aber nicht mehr so der Sinn nach dem Barbetrieb – viel lieber genießt er es, von einem Stuhl aus das Treiben im Lädchen seiner Tochter zuzusehen, die drei Häuser weiter vom „Can Garrit“ einen Geschenkeshop betreibt.

„In Calvià sind die Leute eh keine eingefleischten Bargänger mehr“, sagt er und winkt ab, „heutzutage sparen sich viele das Geld und verkriechen sich zu Hause. Früher war das noch eine Sache“, erinnert er sich, „da mussten die meisten ja schon um 4 Uhr aufstehen, um zur Arbeit oder aufs Feld zu gehen, meistens trank man einen Kaffee vor dem Schlafengehen und einen gleich danach. Meine Eltern hatten oft so viel zu tun, dass es sich für sie nicht lohnte, ins Bett zu gehen – sie streckten dann nur kurz mal ihre Glieder auf dem Billardtisch aus.“

Von solchen Zeiten können Gastronomen in Calvià nur noch träumen. Acht Bars buhlen um die Gunst von knapp 2000 Einwohnern. Denn nur so viele Seelen zählt das beschauliche Örtchen in der gleichnamigen Gemarkung, die wiederum zu einer der größten der Insel und zu einer der reichsten Spaniens gehört. Im Dorf selbst aber hat die Krise stark gewütet. „Viele hier haben ursprünglich in der Hotellerie und im Baugewerbe gearbeitet“, sagt der 73-jährige Antonio, einer der Wortführer im „Corillo“, dem Stuhlkreis der Rentner, „aber jetzt sieht es da natürlich ganz mau aus.“

Calvià und der Tourismus – zwei Dinge, die unweigerlich miteinander verbunden sind. Und um die sich so einige Gespräche der Herren drehen, wenn sie nicht gerade die neu asphaltierte Straße oder die kunstvollen neuen Straßenschilder und Straßenlaternen diskutieren oder über Fußballergebnisse philosophieren. „Es Racó des Dois“ (Blödsinn-Ecke) lautet die Aufschrift eines ausgedruckten Zettels an der Säule neben der Herrenrunde. Dabei täte so mancher Lokalpolitiker womöglich gut daran, der ein oder anderen Herrenrunde eine Stippvisite abzustatten: Denn es kommt nicht selten vor, dass hier bei einem Milchkaffee oder einem Carajillo neue Hotelkonzepte für die Region geschmiedet werden. „Fast alle von uns haben in Hotels gearbeitet“, sagt Antonio und zeigt in die Runde – auch die 46-jährige Rosa und der 55-jährige Miguel waren einst in einer der Bettenburgen Palmanovas tätig, bevor sie ins „Can Garrit“ wechselten. „Wir fragen uns hier manchmal“, sagt der 66-jährige Toni, „ob die 48 Kilometer Küste der Gemeinde damals, als der Boom anfing, nicht anstatt bebaut in Wahrheit vielleicht nur verbaut wurde.“ Ernst blickt aus den Augen des Grauhaarigen. Über 34.000 Hotelbetten gibt es in Calvià.

Allerdings sind viele Häuser in Palmanova, Magaluf und Santa Ponça mittlerweile genau so renovierungsbedürftig wie Hotels der Playa de Palma. „Es ist in Ordnung, wenn die Hotelketten international investieren. Aber uns ganz vergessen – so kann es auch nicht gehen!“, sagt Toni bestimmt und zieht energisch die Bündchen an seinem roten Blouson zurecht. Vor allem darum nicht, weil der Aufschwung der Zone nicht nur Geld ins Säckel des monstruösen Rathauses anspülte, sondern auch einen wilden Mix der Kulturen.

„111 Nationalitäten haben wir in Calvià“, erzählt Toni, nicht unaufgebracht, „ein Melting-Pot, wie die Engländer sagen würden.“ Von denen gibt es etwa 5000, Deutsche leben 4000 in der Gemeinde. „Und Kulturen sind invasiv. Wir haben Angst, dass wir eines Tages noch ganz unsere kleine Dorfkultur verlieren werden!“ Antonio pflichtet ihm bei: „Unser ‚Corillo‘ ist eigentlich ein Kampf. Wir kämpfen für unsere eigene Kultur!“ ruft er laut und Miguel kann sich hinter dem Tresen ein Lachen nicht verkneifen über solche Entschlossenheit.

Bei diesen Diskussionen halten er und seine Frau sich lieber raus. „Ein Wirt muss neutral sein“, meint er knapp – erst recht in einer Gemeinde, die von einem so stark polarisierenden Politiker regiert wird, wie Carlos Delgado. Nur bei einer Sache hält Miguel ganz klar die Flagge hoch: bei Autos. Deswegen ist das einzige große Bild an der Wand – von einem Dekoteller mit Porzellanhummer einmal abgesehen, die Abbildung eines alten Minis. Zusammengesetzt aus vier Einzelfotos, „das hat uns ein Stammgast mal geschenkt“, erzählt Rosa stolz. Wie eine scharfe Grenze verläuft links neben der Aufnahme ein weißer Rand auf der vom vielen Rauch der letzten Jahre vergilbten Wand. Vor ein paar Tagen haben die Wirtsleute angefangen zu streichen, „nach dem neuen Gesetz lohnt es sich ja endlich!“, sagt Rosa lachend.

Im Moment aber hat die Bar noch viel von ihrem ursprünglichen Charme: eine Zisterne in der Ecke, alte Stromabzähler, kleine Marmortische, eine antike Vitrine mit sämtlichen Pokalen der Jäger, die hier regelmäßig ihre Vereinstreffen abhalten. Besondere Schmuckstücke sind die Fliesen, deren Ornamentreigen sich in einem dunklen Ocker über den Fußboden zieht. Aber auch das bunte Fensterglas in der Tür zum Patio. Oder der eingeschliffene Schriftzug im Kristall über der Eingangstür.

„Café las Delicias“ steht dort in geschwungenen Lettern – der einstige Name der Bar. Den Einwohnern hier ist er alles andere als geläufig, „Can Garrit“ dagegen ist jedem ein Begriff. „Garrit“ war einst der Spitzname von Franciscos Patenonkel aus Puigpunyent, der die Bar vor ihm einige Jahre führte. Wohl ein sehr schöner Mann: Als „Garrit“ wird auf Mallorquín ein besonders gut aussehender Herr bezeichnet. „Hübsch sind wir doch hier alle!“, flachst Antonio. „Das stimmt genauso, wie wir hier auch wenig Alkohol trinken! Das Bier schmeckt uns nämlich lang nicht so gut wie den Deutschen – und der Hierbas, den wir trinken, das ist ja kein Alkohol, das ist Medizin!“ mehr...

10. Februar - Heute geht es mit selbst ausgedruckter Bordkarte oder E-Barcode direkt zum Gate: Schneller, bequemer, entspannter – immer mehr Reisende wählen den Check-in am Automaten, per Internet, Handy oder iPhone-App. Die Airlines haben in den letzten Jahren zahlreiche neue Möglichkeiten entwickelt, um diesen Vorgang so flexibel wie möglich zu gestalten. mehr...

27. Januar - Wenn ihr früher ein Hund auf der Straße begegnete, musste Amparo Garrido umdrehen. "Ich konnte keinen Schritt weiterlaufen, so eine große Panik hatte ich. Angst davor, dass mich der Hund gleich anfallen und beißen würde." Woher die Angst kam, weiß Amparo nicht. Nur, dass sie da war. Und dass sie spürte, dass in dieser Schwäche ein verborgenes Potenzial schlummerte, und es an ihr lag, es wachzukitzeln. Sich der vermeintlichen Gefahr zu stellen. mehr...

20. Januar - Die Äste tragen schwer unter ihrer hellgelben, sauersüßen Pracht: Zitronen in Hülle und Fülle. Manch einer, der gleich einen ganzen Hain im Garten hat, weiß derzeit kaum, wohin mit so vielen Früchten, spricht gar von einer "Zitronenschwemme".

"Dieses Jahr gibt es sehr viele Früchte", bestätigt auch Franz Kraus, der mit "Fet a Sóller" seit sieben Jahren biologische Zitrusfrüchte aus dem Sóllertal nach Nordeuropa exportiert. Das hänge vor allem damit zusammen, dass es in der Blütezeit geregnet habe. Allerdings trage ein Baum auch zwei- oder gar dreimal im Jahr. Derzeit überschneiden sich gerade die Erntezeiten der zwei Hauptsorten, die auf der Insel zu finden sind: Die "Primarenca", auch "Fina" genannt, trägt von Oktober bis Februar Früchte, die "Verna" von Februar bis September. Allerdings gäbe es neben diesen Sorten noch zahlreiche Veredelungen, "fünf bis sechs Bäume auf einem ist bei Zitrus gar kein Problem", erklärt Kraus. Normalerweise trage ein Baum um die 150 Kilogramm.

"Ich liebe meine Zitronenbäume im Garten, den starken Duft, der einem entgegenströmt, wenn man eine Frucht frisch gepflückt hat und am Butzen riecht", schwärmt Caroline Fabian. Es sei immer wieder faszinierend, erzählt die Inhaberin von "Private Cooking", wie oft sie Menschen schon zum Staunen gebracht habe, wenn sie sie an einer soeben frisch gepflückten Frucht schnuppern ließe. "Viele wissen nämlich gar nicht mehr, wie eine Zitrone wirklich riecht, weil sie nur noch die aus dem Supermarkt kennen!"

Doch die hätten mit dem natürlichen Schatz, der uns hier auf der Insel förmlich in den Schoß falle, nur noch wenig gemeinsam, betont Kraus, der bewusst nur unbehandeltes Obst anbietet. "Die Zitronen im Supermarkt riechen nicht, weil sie mit Wachsen und Fungiziden mumifiziert und konserviert werden." Damit wird das Verschimmeln und Verschrumpeln der Frucht verhindert, weil keine Flüssigkeit durch die Poren nach außen dringen kann. Aber: Fungizide und Wachs dringen dafür auch nach innen. "Viele, die meinen, sie hätten eine Zitrusallergie, haben in Wahrheit nur eine Allergie gegen einen solchen Konservierungsstoff."

Die Zitrone, die zur Familie der Rautengewächse gehört, sei allen voran nämlich nicht nur ein kulinarischer mediterraner Genuss, sondern eine Heilpflanze: Sie sorgt dafür, dass freie Radikale gebunden werden, vermindert die Ausschüttung von Histaminen, puscht unser Immunsystem, ist ein kostengünstiges Hautpflegemittel: "Ideal gegen Falten: Morgens frischer Zitronensaft und dann die ausgepresste Frucht einfach übers Gesicht reiben. Die Haut freut sich über die ätherischen Öle, Citral, Flavonoide, Vitamin C, B, K und die vielen Mineralstoffe." Weil Zitronensaft leicht das Blut verdünne, empfehle sich der Saft einer Frucht auch als natürlicher Aspirin-Ersatz bei Kopfschmerzen.

Aber auch im Haushalt sind die gelben Vitaminbömbchen Alleskönner: "Schneidebretter, auf denen Fisch oder Artischocken verarbeitet wurden, reibe ich vor dem Spülen mit Zitronenhälften ab - das ist ein natürliches Desinfektionsmittel und nimmt den Geruch", rät Caroline Fabian. Raffinierte Akzente in der Küche ließen sich mit Zitronen-Zucker setzen. "Einfach mit einer Microplane-Reibe die Schale abhobeln und dann je nach Gusto mit Zucker vermengen. Damit kann man wunderbar Desserts ansüßen, schmeckt aber auch herrlich in einer Tasse Tee." Während sich der Zucker in Marmeladengläsern gut aufbewahren lasse, solle man Zitronensalz (grobes Meersalz mit Zitronenschale und Kräutern angereichert) lieber nur für den sofortigen Verbrauch ansetzen.

Die 30-Jährige schwört auch auf heiße Zitrone mit Whisky und Honig als Erkältungsmittel: "Abends vor dem Schlafengehen trinken und morgens ist sämtliches Unwohlsein verschwunden." Die Angst davor, seinem Magen zu viel Säure zuzumuten, sei unbegründet, betont Kraus: "Magen- und Zitronensäure sind nämlich fast identisch."

ZITRONENCREME
Zutaten:
4 Blätter weiße Gelatine; 300 g Vollmilchjoghurt; abgeriebene Schale einer unbehandelten Zitrone; 2 El Zucker; Saft einer Zitrone
300 ml Schlagsahne
Zubereitung:
Gelatine in kaltem Wasser einweichen. Joghurt mit der Zitronenschale und dem Zucker verrühren. Den Zitronensaft in einem Topf erhitzen, dann vom Feuer nehmen und die ausgedrückte Gelatine darin auflösen. Den Joghurt in kleinen Portionen unterrühren. Die Sahne schlagen und darunterheben. Eine Stunde kalt stellen. mehr...

20. Januar - Früher wurden sie in jedem Inselhaushalt hergestellt: Konserven. Sie sicherten, dass von der reichen Ernte das ganze Jahr über gezehrt werden konnte. Heutzutage wird nur noch in wenigen Familien Obst oder Gemüse eingekocht oder in Salzlake konserviert. Dafür gibt es eine Vielzahl Inselspezialitäten in Gläsern und Dosen zu kaufen – allen voran die „encurtidos“, das Essiggemüse.

Die salzig-sauren Konserven haben im gesamten Mittelmeerraum eine lange Tradition. Auf Mallorca vor allem in Llubí: Das Dorf galt lange Zeit als Metropole der Encurtido-Produktion. Ausschlag dafür waren die hier angelegten Kapern-Felder. „Kapern wurden nur bei uns in Llubí, in Campos und auf dem Festland in Murcia kultiviert“, erklärt Juan Ramis, seit 30 Jahren Geschäftsführer der Firma „Rosselló“ mit Sitz in Llubí – einer der größten Öl- und Konservenproduzenten der Insel.

Noch bis vor 20 Jahren seien die mallorquinischen Konserven von Llubí aus in alle Welt exportiert worden. „In Dänemark, Venezuela, Deutschland, Puerto Rico und England haben sie die sauer eingelegten Kapern von Mallorca gegessen.“ Auch heute produziert das Unternehmen noch Konserven dieser grünen Delikatesse – doch seitdem vor rund 20 Jahren Konkurrenzprodukte aus Nordafrika und der Türkei die Preise verdorben hätten, kommen die Kapern nicht mehr von der Insel. Hinzu kommt, dass „Rosselló“ die Encurtido-Produktion vor einigen Jahren aus organisatorischen Gründen nach Sevilla auslagerte: Oliven, Kapern, kleine Gürkchen, grüne Paprika, Silberzwiebeln, Meeresfenchel...

Konserviert wird mittels einer Salzlake, die je nach Produkt stärker oder schwächer gesättigt sein muss: „Kapern brauchen zum Beispiel eine 17-prozentige Lösung, Oliven etwas weniger Salz“, erklärt Ramis. Rund einen Monat lägen die Produkte in der Lauge, „dann werden sie gewaschen und kommen in eine mildere Salzlauge, die in der Fachsprache ‚Regierungsflüssigkeit‘ genannt wird, die mitverzehrt werden kann und zusätzlich mit Essig angereichert ist“. Das Eingelegte halte sich so dann rund drei Jahre. Allerdings werde dem Produkt auch noch Vitamin C als Konservierungsmittel beigefügt und es werde pasteurisiert, erklärt Ramis.

Dies war bei der traditionellen Konservierung in Salzlake nicht nötig, die einen rein natürlichen Prozess darstellte. Encurtidos werden auf der Insel neben „Rosselló“ unter anderem auch von „Conserves Es Pinaret“ in Marratxí, „Sa Llubinera“ in Llubí, „Oli Caimari“ und den Benediktinerinnen von Manacor hergestellt. Letztere verwenden für die Encurtidos nur die reine Salzlake, ohne zusätzliche Fermentations-Hemmer. Und sie stellen für die Marke „Fet a Sóller“ auch eine weitere schmackhafte Insel-Konserve her: Marmelade. Auch „Mallorca Bio“ in Marratxí und „Eco Sa Teulera“ in Petra sind für ihre Konfitüren bekannt.

Ebenso gibt es lokale Fleisch-Konserven – und zwar in Form von Patés. Hier spielt vor allem das Schwein, allen voran die einheimische Rasse „Porc Negre”, eine Rolle. Die deftigen Brotaufstriche aus der Dose werden etwa von „La Luna“ und „Can Matarino“ in Sóller, „Can Balaguer“ in Artà, „Embutits Munar“ in Porreres und „Can Manxa“ und „Embutits Veny“ in Felanitx hergestellt. mehr...

13. Januar - Bei den öligen Fettkringeln wird manch erwachsener Mann wieder zum Kind: „Lecker!“ – verzückt tunkt der 29-Jährige das krosse Gebäck in die dickflüssige heiße Schokolade vor sich in der Tasse, beißt dann genussvoll ab, leckt sich die zuckrigen Finger. „Churros con chocolate gehören für mich einfach dazu, wenn ich auf Mallorca bin“, erzählt Patrick Diener, „das hat so etwas Gemütliches, wenn man sie in geselliger Runde isst.“ Aber nicht nur dem jungen Mallorcafan aus Herten schmeckt diese Süßigkeit: Im Dezember und Januar rund um die Festtage ist der Run auf sie besonders groß. Seinen Höhepunkt hat dieser Ansturm am Heiligabend kurz vor der Mitternachtsmesse. Die Nachfrage nach der heißen Schokolade mit Gebäck geht sogar so weit, dass viele sich ohne Murren eine halbe Stunde und länger in die Warteschlange einreihen, um in einer der „Xurrerías“ oder „Xocolaterías“, die sich auf diese Köstlichkeiten spezialisiert haben, einen Platz ergattern zu können. Eine davon ist die „Xurrería Rosaleda“ in Palma, die bereits in dritter Generation geführt wird. Seit 1966 werden hier die in Stücke geschnittenen Brandteigkringel gereicht – allerdings verkaufen sich Ensaimadas, „Coca de Patata“ und „Cuarto“ zum Eintunken in die Schokolade mindestens ebenso gut, berichtet Inhaber Juan Ferrer. Obwohl diese Schlemmereien keine Jahreszeiten kennen würden, sei die Nachfrage in den Wintermonaten besonders groß: „Deswegen machen wir bis Ende Januar zusätzlich auch jeden Sonntag ab 17 Uhr auf.“ Anders als auf dem Festland, wo Churros gerne zum Frühstück verspeist würden, werden sie auf der Insel eher als süßer Imbiss am späten Nachmittag oder den frühen Abendstunden verzehrt.

Am meisten verbreitet ist diese Süßspeise in Madrid, wo sie Anfang des vergangenen Jahrhunderts in Mode kam. Von hier aus begann die köstliche Kombination ihren Siegeszug: Immer mehr mobile Verkaufsstände vertrieben sie bei den Messen und Märkten, machten sie populär – und das weit über die Landesgrenzen hinaus: Auch in Lateinamerika sind Churros beliebt. Hier gibt es sie auch in einer Variante mit Füllungen aus Buttercreme oder „Dulce de leche“.

Auch heutzutage sind die mobilen Churros-Stände auf vielen Märkten zu finden, zur Winterzeit schlagen sie auch in den Stadtzentren ihr Lager auf. Allerdings, warnt Ferrer, solle man sich an solchen Ständen auf keinen Fall schon fertige Churros andrehen lassen: „Es gibt zwar einige, die Churros gerne kalt essen, aber im Grunde sind sie nur dann am besten und ganz frisch, wenn sie eben erst aus dem heißen Fett geschöpft wurden und nicht schon eine Weile herumlagen – dann sind sie nämlich nicht mehr so knusprig.“ Die Trinkschokolade ist übrigens in keiner Weise mit Kakao zu vergleichen: Chocolate ist dickflüssig und im Geschmack wesentlich weniger süß, dafür umso schokoladiger. Aufgrund ihrer Beliebtheit werden in den Supermärkten mittlerweile Produkte zum einfachen Anrühren für zu Hause angeboten – neuerdings auch mit weißer Schokolade. Obwohl sie so dickflüssig ist und vor allem zum Eindippen genutzt wird, wird sie als Getränk eingestuft: „Als ich das erste Mal Churros con chocolate und einen Milchkaffee bestellt habe, hat mich die Bedienung ganz verdutzt angesehen und gefragt, ob das denn alles für mich sei“, erzählt Patrick Diener lachend.

Genießen lassen sich Churros auf der Insel etwa in der „Churrería artesana“ in der Calle Arzobispo Aspargo in Palma, der „Xurrería Rosaleda“ in der Calle Costa de la Pols in Palma, oder der Cafeteria „La Venta“ im La Ribera-Center an der Playa de Palma. Eine heiße Chocolate mit Ensaimada oder Cuarto genießen kann man in den Schokoladenstuben von Sant Joan de S‘Aigo in der Calle Sans und der Calle Barón Santa María del Sepulcro in Palma. mehr...

13. Januar - Es war ein Ansturm der Massen: Die ersten Tage des Winterschlussverkaufes, für den der Startschuss am Freitag, 7. Januar, gefallen war, lockten die Menschen in Scharen in die Stadt und die Geschäfte. Palmas Innenstadt war restlos überfüllt: Fiel doch in diesem Jahr der WSV-Auftakt mit einem der acht im Jahr möglichen verkaufsoffenen Sonntage zusammen.

Überall kam es zu langen Warteschlangen - vor den Parkhäusern, den Umkleidekabinen, den Kassen. In beliebten Modefilialen zog sich die Endloskette wartender Kunden teilweise durch den ganzen Raum.

Gleichzeitig tat die gute Witterung ein Übriges: In den Straßencafés waren schwerlich noch freie Plätze zu finden. Wer nicht gezielt zum Einkaufen in die Stadt gekommen war, ließ sich von lauen 18 Grad Celsius zu einem Bummel in der Sonne verleiten.

Dabei lohnt sich in diesem Jahr der Winterschlussverkauf wie sonst kaum: Die Geschäfte warten mit Rekordrabatten von bis zu 70 Prozent für Saisonware auf, selbst Elektroartikel werden mit Abschlägen von 30 bis 40 Prozent angeboten. Preisnachlässe in dieser Höhe gab es zwar auch bereits in den Vorjahren - allerdings wurden die Produkte, von denen längst nicht alle von Anfang an rabattiert waren, bislang immer schrittweise reduziert. Das präsentierte sich in diesem Jahr vollkommen anders: Rund 80 Prozent der Winterware kostet nun bereits von Anfang an nur noch die Hälfte oder weniger - die "segundas" und "terceras" Rebajas scheinen Geschichte.

Neu in diesem Jahr ist auch der Bruch mit einem Tabu: Bislang schickte es sich für die meisten Mallorquiner nicht, Weihnachtsgeschenke erst nach dem 6. Januar rabattiert einzukaufen. Doch mit diesen Bedenken scheint die Krise in vielen Haushalten aufgeräumt zu haben: An den ersten - noch schulfreien - Verkaufstagen konnte man viele Familien beim Geschenke-Shopping beobachten.

Man sei mit dem Auftakt sehr zufrieden, wurde seitens des Einzelhandelsverbandes Afedeco betont. Der zweite Verband Pimeco dagegen äußerte sich nicht so optimistisch: Rund 60 Prozent der Händler hätten beim WSV-Start weniger verkauft als im Vorjahr.

Die Kunden jedenfalls schienen von den Angeboten begeistert: "Ich habe mir einen Mantel für 49 Euro statt 112 Euro und eine Jacke für 39 statt für 79 Euro gekauft", freute sich eine junge Dame, "regulär hätte ich mir nur ein Teil leisten können." Der Verbraucherschutzverband Facua warnte jedoch davor, dass in dieser Saison einige Preise künstlich aufgebläht worden seien, um sie nun als Schnäppchen anbieten zu können. Vom Kauf abhalten ließen sich die Kunden dadurch nicht: Bereits am Montagabend, erst dem vierten Tag im Rebajas-Marathon, der noch bis Ende Februar anhalten wird, präsentierten sich die Auslagen mit Winterware je nach Beliebtheitsgrad des Geschäftes schon schwer verlesen.

Allerdings war auch von einem Ansturm nichts mehr zu spüren: Kein Schlangestehen und keine Verkäuferinnen am Rande ihrer Kräfte - vielmehr ging es gemächlich zu. Die Einzelhandelsverbände erwarten, dass sich die Kernzeit des Winterschlussverkaufes nur mehr in den ersten beiden Wochen abspielen wird - schon jetzt haben viele Geschäfte die Hälfte ihres Auslagenbereiches für Frühlingsware reserviert. mehr...

6. Januar - Auf den ersten Blick wirken sie wie eine seimige, hautfarbene, undefinierbare Masse. Doch diese besteht aus Hunderten aneinanderklebenden Minifischchen: Jonquillo. Mit einer Schöpfkelle füllt Juan Antonio Calafat in Palmas Markthalle Olivar die Fischmasse in Plastikschalen ab – Glasgrundeln sind auf den Balearen eine begehrte Delikatesse. mehr...

30. Dezember - Beim Schaumwein scheiden sich die Geister: Für die einen muss es teurer Champagner sein, anderen schmeckt es erst, wenn es sich um einen lieblichen halbtrockenen Sekt handelt, der so leicht die Kehle hinabrinnt, als wäre es Sangria.

Grundlegender Unterschied zwischen Champagner und Sekt: Ersteres darf nur dann die Bezeichnung tragen, wenn das Produkt aus der französischen Champagne stammt. Wein, der unter Zusatz von Zucker und Hefe zweimal vergoren wird und aus Deutschland stammt, nennt sich Sekt, im Elsass Cremant, in Italien Spumante, in England Sparkling Wine und in Katalonien Cava.

Hier ist die Wiege der spanischen Schampusproduktion zu suchen – dort fing man Anfang des 20. Jahrhunderts an, die Technik der Franzosen an den heimischen Traubensorten auszuprobieren. „Für die Cavaproduktion werden vor allem die Sorten Macabeo, Xarello und Parellada verwendet“, erklärt Igor Visser, Sommelier im Sternerestaurant „Tristán“ in Puerto Portals. Dabei bilde Macabeo die Basis, Xarello verleihe Tiefe, Parellada mache den Cava süffig und blumig.

„Es handelt sich dabei alles um weiße Trauben – anders als beim Champagner, der aus Pinot Noire, Chardonnay und Pinot Meunier hergestellt wird, wovon zwei rote Sorten sind.“

Während im „Tristán“ von den Gästen nur sehr selten Sekt und überwiegend Champagner geordert werde („auch von den Spaniern“), was nicht nur durch den guten Geschmack, sondern auch durch die große Auswahl an „offenen Champagnern“, die glasweise bestellt werden können, bedingt sein dürfte, hat spanienweit Cava im Vergleich zum französischen Pendant weit die Nase vorn.

Allerdings: „Was in Privathaushalten gerne als eine ‚botella de champán‘ betitelt wird, ist in 98 Prozent der Fälle ein einfacher Sekt“, erklärt Barmann Rafael Martín, „genauso wie fast alle von einem Cognac sprechen, wenn es sich eigentlich um einen Brandy handelt.“

Die Auswahl an Schaumwein derweil steigt – viele der Bodegas haben mittlerweile ihren eigenen Cava. Schampus aus mallorquinischer Produktion ist als „Vi escumos“ gekennzeichnet.

„Es gibt 16 große Champagnerproduzenten, aber mittlerweile auch sehr viele kleine Anbieter, die exzellente Produkte vertreiben“, weiß Igor Visser. Begonnen habe dieser Boom in den 80er Jahren als der Preis der Weintrauben dermaßen anstieg, dass viele Winzer begannen, selbst Champagner zu produzieren.

Entscheidend beim Kauf eines Champagners, so rät Visser, sei darauf zu achten, ob es sich um einen Jahrgangs-Champagner handle – der einen ganz besonderen Genuss bereite. Im Gegensatz zum Non-Vintage, der aus verschiedenen Jahrgängen komponiert wird, um einen gleichbleibenden Stil zu garantieren, reflektiert der Vintage die besonderen Charakteristika des Jahrganges.

Erkennbar wird ein Non-Vintage durch die Buchstaben N.V. auf dem Etikett. Diese Champagnervariante sollte nicht gelagert, sondern möglichst zügig konsumiert werden. Preislich hören teure Sektmarken dort auf, wo günstige Champagner anfangen – bei ihnen gibt es nach oben kaum eine Grenze.

Der wohl teuerste Champagner, schätzt Visser, ist der „Clos d'Ambonnay“ aus dem Hause Krug – für rund 2000 Euro aufwärts die Flasche. Vissers persönliche Lieblingschampagner: Louis Roederer und Pol Roger. mehr...

23. Dezember - Die Suppe ist dünn. Verloren dümpeln ein paar Wurststücke darin, Kichererbsen und dicke Bohnen. Aber sie wärmt. Verkrampft umklammert ein alter Mann beim Löffeln die dunkelblaue Plastikschale, presst noch das letzte bisschen abgegebene Wärme in die schrundigen Handflächen. Den abgewetzten Parka und die tief ins Gesicht gezogene Wollmütze hat er zum Essen erst gar nicht ausgezogen. Wie eigentlich niemand in dem kleinen stickigen Raum. mehr...

23. Dezember - Sie sind das Aushängeschild des Hotels: die Suiten. Hier vereinen sich die Superlative: Es sind die schönsten, die größten, die am luxuriösesten ausgestatteten Zimmer - und die mit der besten Aussicht. "An der Suite wird das Niveau gemessen, auf welcher Skala des Luxussegments ein Hotel eingeordnet werden kann", erklärt Miquel Suau, Besitzer des Hotels Son Brull. mehr...

16. Dezember - Die Morgendämmerung bringt den Tod. Während sich glutrot die ersten Sonnenstrahlen über den Stoppelfeldern ausbreiten, ergießt sich ein dicker Schwall frischen Blutes auf den Fincavorhof. Ein letztes Zucken, dann erschlafft das Bein des Ebers. Es riecht nach Feuer, nach Kot, nach dampfenden Eingeweiden. Und nach frischem Kaffee. mehr...

9. Dezember - Wehe, das Häufchen bleibt liegen. Dann kann Gassigehen auf Mallorca richtig teuer werden. Vor allem Calviàs Gemeindeverwaltung scheinen die Exkremente der Vierbeiner kräftig zu stinken, hier hob man die Strafen für tierische Tretminen beim Promenadenspaziergang kräftig an. Aber nicht über jedes Kothäufchen rümpfen die Spanier die Nase. Auf eines sind sie sogar stolz. Und es zaubert ihnen mindestens ein ebenso breites Grinsen ins Gesicht, als handle es sich dabei um den Erguss des jüngsten Sprosses bei der ersten Sitzung auf dem Töpfchen. Sogar die spanische katholische Kirche hat dem Häufchen seinen Segen gegeben – schließlich dampft es meist nur unweit vom Jesukind in der Krippe im Stroh. Es entspringt den blanken Pobacken des „Caganer“, der wohl sonderbarsten Krippenfigur überhaupt.

Den „Scheißer“ in der biblischen Stallszene kennt man ursprünglich nur in Katalonien und auf den Balearen. Nicht genug, dass das Jesuskind zwischen Exkrementen von Ochs‘ und Esel das Licht der Welt erblicken musste – etwas abseits aufgestellt von der Heiligen Familie erleichtert sich hier auch diese in das typische Gewand katalanischer Bauern gekleidete Krippenfigur.

Die sich mittlerweile so viel Beliebtheit erfreut, dass sich ein Unternehmen in Barcelona auf die Produktion kleiner „Scheißer“ spezialisiert hat. Jetzt lassen auch Politiker, Fußballspieler und andere Prominente die Hosen runter und werden zu Weihnachten auf den Topf gesetzt.

Eine bekannte Shoppingmall in Barcelona hat in diesem Jahr gar einen sechs Meter hohen „Caganer“ aufgestellt – den heiligen Nikolaus persönlich. Gleichermaßen cleverer Werbegag wie hüllenlose Entzauberung des letzten Hauchs von Weihnachtsromantik: Nicht genug, dass der märchenhafte Santa Claus gar nicht die Geschenke bringt. Nein – er hat auch noch Stuhlgang! Aber auch in Sachen Marketingstrategien gilt eben: Wichtig ist, was hinten rauskommt. Der Ursprung des „Scheißers“ derweil wird wohl ewig ein Rätsel bleiben. Böse Zungen munkeln, es sei eine heimliche Protestfigur. Mit der sprichwörtlich zum Ausdruck gebracht werden könne, wie man sämtliches Festbrimborium im Geheimen eigentlich finde: nämlich „kacke“.

Oder ist es nur ein lustiger zaghafter Versuch, so viel geballter Göttlichkeit wenigstens ein paar Gramm Allzumenschliches entgegenzusetzen? Am weitesten verbreitet ist die Erklärung, der „Caganer“ sei ein Sinnbild für den Kreislauf der Natur – und der Kotkringel einst Symbol für segenbringenden Dünger, der im neuen Jahr eine gute Ernte garantieren sollte. Heute ist der „Scheißer“ in Katalonien und auf den Balearen vor allem ein Weihnachtsmaskottchen. Der nicht aufgestellt wird, um reichen Ackerertrag zu garantieren. Oder eine gute Verdauung. Aber sicher einen großen Haufen Glück. mehr...

9. Dezember - Die ersten Prototypen hatten noch einen Nachteil: Sie stanken ziemlich nach Schwein“, sagt Tomeu Horrach und amüsiert sich selbst köstlich darüber, „das ist natürlich unpraktisch bei einem Produkt, das man zum Duschen verwenden soll.“ Mittlerweile haftet den runden Seifenstücken aus seiner Werkstatt ein starkes Aroma nach dem ätherischen Öl von Lavendel und Rosmarin an, das den Körper gleichermaßen desodoriert, angenehm parfümiert und sowohl antiseptisch als auch durchblutungsfördernd wirkt. Das Besondere an den Seifen des 32-Jährigen aus Inca: Sie sind zu großen Teilen aus Schmalz („manteca“) des Schwarzen Schweines gefertigt. „Das Schmalz ist stark rückfettend, nährt die Haut und bewahrt ihre Feuchtigkeit“, erklärt Horrach die Vorzüge der ungewöhnlichen Waschstücke – die vor allem auf die vielen ungesättigten Fettsäuren zurückzuführen seien, die die „manteca” des Schwarzen Schweins deutlich von normalem Schweineschmalz unterscheide. Eine Eigenschaft, die das Schmalz nie richtig hart werden lässt – und Horrach so manches Mal vor eine Geduldsprobe stellte: Drei Jahre lang bastelte er in seiner kleinen Werkstatt in einer Finca bei Felanitx an seiner kalt angerührten Rezeptur. Heute fertigt er die handgearbeiteten Seifen aus Schmalz (31 Prozent), Olivenöl (25 Prozent), Kokosnussöl (18 Prozent), Palmöl (14 Prozent), Sonnenblumenöl (zwölf Prozent) und einer Prise Bienenwachs: „Diese Mischung hat die pflegende Wirkung des Schmalzes, schäumt aber gleichzeitig auch angenehm wie eine herkömmliche Seife.“ Das Herstellen von Seifen aus dem Schmalz des Schwarzen Schweins war noch bis vor 50, 60 Jahren ein auf der Insel weit verbreiteter Brauch. „Aus den Schmalzresten im Topf stellten die Frauen nach jedem Schlachtfest Seife her – allerdings nicht zur Körperpflege, sondern zum Wäschewaschen oder der Reinigung im Haushalt.“ Schmalz des Schwarzen Schweines – die weiße Rasse gab es damals auf der Insel überhaupt nicht – war auch sonst eine wichtige Ressource im mallorquinischen Alltag: Zugriff auf Olivenöl hatten damals nur die Bauern der Tramuntana. Alle anderen benutzten Schmalz statt Öl: Zum Braten, Frittieren, zur Herstellung von Sobrassadas und Ensaimadas. Bei Letzteren steckt „Saïm“, das mallorquinische Wort für Schmalz, sogar bereits im Namen – bis heute wird das Gebäck in Schmalz ausgebacken. Allerdings stammt dieses mittlerweile immer vom weißen Schwein. Doch auch hier gibt es Bestrebungen, wie die von Tomeu Horrach, der einstigen Bedeutung der „manteca” des Schwarzen Schweines wieder mehr Nachdruck auf der Insel zu verleihen: Vor Kurzem wurde bei einer Ensaimada-Verkostung durch deren örtlichen Regulierungsrat auch eine Variante gereicht, die in „manteca de cerdo negro“ ausgebacken wurde. „Die Textur ist dadurch ganz anders. Das gibt dem Ganzen einen vollen, satten Geschmack, nicht nach Fett, sondern es unterstreicht das Eigenaroma“, erklärt Jaime Jaume, Techniker am Institut für Tierbiologie der Balearen, der sowohl die Schmalzexperimente bei der Ensaimadaherstellung als auch bei der Seifenproduktion unterstützte. „Es ist wichtig, dass wir diese hochwertige natürliche Ressource, die wir so viele Jahrhunderte auf der Insel geschätzt haben, wieder neu entdecken können“, betont Tomeu Horrach sein Anliegen, mit den Seifen das Schweineschmalz wieder populärer zu machen. Seine Seifen vertreibt er über die „Herbolari d‘es Pla“ in Sineu – das Stück kostet zwischen vier und fünf Euro. mehr...

25. November - Zum Frühstück einen Kaffee gekippt, um elf Uhr hungrig und unterwegs schnell in der Chipstüte gekramt, gegen zwei Uhr in einer Bar den Magen mit einer Hamburguesa und einer Cola besänftigt, kurz vor Feierabend dann nur noch einen Schokoriegel - schließlich will man abends ja noch ein Steak in die Pfanne werfen: Ernährung in Spanien, wie sie heutzutage häufig aussieht. mehr...

25. November - Eigentlich weiß es schon jedes Kind: Gemüse ist gesund. Aber nur jeder elfte Deutsche isst es täglich, und nur jeder Zweite isst es mehrmals in der Woche – in Spanien schafft das sogar nur jeder Dritte. Seit über 50 Jahren wird die Mittelmeer-Diät, die vorwiegend auf Gemüse basiert, propagiert. Doch irgendwie scheinen wir beratungsresistent. Leider vor allem dort, wo diese Ernährungs- und Lebensform ihren Ursprung hat. Im Mittelmeerraum.

Wundern müssen wir uns nicht, es ist ein bekanntes Phänomen: Man schätzt etwas erst dann, wenn es verloren ist. Auf Mallorca ist es fast so weit. Das Essen aus Hof und Garten, das hier jahrhundertelang die Menschen nährte – ein Privileg.

Aber leider ein völlig verkanntes. Mit dem wirtschaftlichen Aufschwung und der Globalisierung ist in wenigen Jahrzehnten verloren gegangen, was nun mühsam wieder rekonstruiert werden muss – wenn es sich rekonstruieren lässt. Und wenn man es rekonstruieren will. Wo bleiben die Großkampagnen, mit Hilfe derer autochthone alte Gemüse- und Obstsorten, die ganz von der Bild- und Ackerfläche verschwunden sind, wieder neu Wurzeln schlagen können? Wer lehrt uns noch das Wissen, wie man sie schmackhaft zubereiten könnte? Stattdessen wundert sich heute doch niemand mehr, wenn eine Hausfrau nichts mehr mit einer Aubergine anzufangen weiß.

Es scheint weit gekommen, wenn etwas so Essentielles wie eine gesunde Ernährung zum Weltkulturerbe erklärt werden muss. Ob die Unesco-Entscheidung die Menschen wachrüttelt? Wenn, dann sicherlich nicht durch Erkenntnis – denn die wäre alt.

Vielmehr der neue Schick gibt der Mittelmeer-Diät eine weitere Chance: Das Arme-Leute-Essen bekommt ein trendiges Flair. Hat die mediterrane Kost in Nordeuropa doch vor allem genau deswegen Einzug gehalten: Weil sie in gewisser Weise „Exotik“ vermittelt, Urlaubserinnerungen in uns hochkommen, wenn wir Salat mit mallorquinischem Olivenöl und Flor de Sal verfeinern. Auf der Insel ist in Sachen Ernährung mehr Patriotismus angesagt – würde die Mittelmeer-Diät ab sofort nur ein klein wenig so heiß diskutiert wie die Sprachenpolitik, es wäre schon viel gewonnen. mehr...

25. November - Irgendwann ist eben mal die Grenze erreicht“, sagt Siegfried Reile. Der rüstige 88-Jährige, der zwischen Berlin und Cala Millor pendelt und sich mit Radfahren fit hält, überlegt, in Zukunft auf eines mit Elektromotor umzusteigen. „So bleibe ich mobil und hätte doch beim Treten Unterstützung, wenn ich es dann irgendwann mal brauchen sollte“, sagt der Rentner lachend. Räder mit Motor sind derzeit auf dem Vormarsch.

„Eigentlich gibt es sie schon ein paar Jahre, aber jetzt erst werden sie so richtig entdeckt – vor allem, weil seit Anfang letzten Jahres alle möglichen Hersteller plötzlich auch Modelle mit Motor in ihr Programm aufgenommen haben“, erklärt Nando Olffers, Mitarbeiter bei Alpha Elektro Bike in Santa Ponça, das Anfang des Jahres eröffnete.

Unterscheiden müsse man zwischen Fahrrädern mit Motor, die nicht schneller sind als 25 Stundenkilometer – sogenannte Pedilecs –, und E-Bikes mit einer höheren Geschwindigkeit. Neben dem Spaßfaktor und der Möglichkeit, mit den Rädern sogar das Auto zu ersetzen, gibt es aber noch ganz andere Gründe, zur motorbetriebenen Variante zu greifen: die Finca am unbezwingbaren Hügel zum Beispiel.

„Ältere Menschen wollen oft noch Sport machen, aber würden ohne den Motor nicht mehr lange Strecken überwinden“, gibt Olffers zu bedenken. Auch bei Krankheitsbildern oder Behinderungen kann hier Abhilfe geschaffen werden: Wenn etwa die Kniegelenke nicht mehr so recht mitmachen und dementsprechend die Kraft fehle, kräftig aufs Pedal zu drücken. Ist der Gleichgewichtssinn gestört – zum Beispiel durch einen starken Hörsturz – ist die Dreiradvariante des Elektro Bikes zu empfehlen, die zusätzlich Stabilität gibt. „Die kann übrigens auch jemand fahren, der gar kein Fahrrad fahren kann – er braucht einfach nur draufzusitzen und mit ein wenig Gefühl zu lenken.“

Je nach Bedarf und Modell kann der Nutzer das Rad ganz ohne Motorunterstützung fahren, sie dazuschalten oder sich ganz darauf ausruhen, „dann allerdings wird natürlich auch die Batterie schneller leer“. Diese hält je nach Modell, Fahrer und Fahrweise zwischen 25 und 200 Kilometer und kann an der Steckdose aufgeladen werden, bestimmte Varianten lassen sich auch mittels Solarpaneel wieder einsatzbereit machen.

„Gerade was die Batteriekapazität anbelangt, wird derzeit immer wieder sehr viel verbessert. In Sachen Pedilecs wird derzeit noch sehr viel geforscht“, betont Olffers, „in den kommenden Monaten wird sicher noch sehr viel Neues auf den Markt kommen.“ mehr...

18. November - Zuerst sind die Blicke der Autofahrer verwirrt, dann werden die Gesichter lang. Dort, wo sie rechts ranfahren und auf anreisende Fluggäste warten wollten, versperren Plastikbarrieren den Weg. Der Seitenstreifen parallel zum Ankunftsbereich des Flughafengebäudes Son Sant Joan ist seit Montag für Autos gesperrt. Bislang war dort das Halten von bis zu fünf Minuten Dauer gestattet. mehr...

11. November - Wer Menschenmengen scheut, sollte am Donnerstag, 18. November, einen großen Bogen um Inca machen. Denn dann begibt sich rund jeder dritte Inselbewohner dorthin, um dem „Dijous Bo“ zu frönen – dem Markt der Märkte auf Mallorca. Schon bei der „Revetla” am Vorabend steht Inca kopf. mehr...

4. November - Wirbelnde, vor Kraft strotzende Körper – mal leichtfüßig fliegend, dann wieder stampfend und behäbig, die sich ineinander winden, miteinander verschmelzen, Raum einnehmen: Der Auftritt des Balletts Deutsche Oper am Rhein am Samstag, 20. November, im Auditorium in Palma, der einzige des Ensembles in Spanien, ist ein Paukenschlag zum Ausklang des 15. Ballettfestivals der Insel. Das neoklassizistische Ensemble, das an der Oper Düsseldorf und dem Theater Duisburg zu Hause ist, begeisterte schon vor zwei Jahren mit ihrer Interpretation der „Carmina Burana“ das Inselpublikum.

Auch dieses Mal werden die Tänzer wieder vom Sinfonieorchester der Balearen begleitet, das Werke von Strauss und Mendelssohn spielen wird. In der Inszenierung von Choreograph Martin Schläpfer, der nach Youri Vamos 2009 die Leitung übernommen hat, stehen Körper und Ausdruck der Tänzer stark im Mittelpunkt, was durch dessoushafte Kostüme in Form von knappen Höschen und Hemden mit viel nackter Haut unterstrichen wird. Der Schweizer kombiniert klassische Ballettstrukturen mit pantomimischen Elementen, anmutig fließende Bewegungen vermischen sich mit sperrigen Gebärden. „Anna Polka“, „An der schönen blauen Donau“ und der „Radetzky Marsch“ zeigen sich von einer beschwingten, amüsant anderen Note, verspielt und erotisch zugleich die 5. Sinfonie von Mendelssohn.

Ballett der Düsseldorfer Oper, 20. November, Auditorium Palma, 21 Uhr. Karten 45/60 Euro, Infos: Tel. 971-734735. mehr...

4. November - Beim Anblick der Blutreitzker (Castellano: Rebollón/Catalán: Esglatasang) in der Auslage des Olivar-Marktes kommt Felix Eschrich ins Schwärmen: "Dieser Pilz braucht gar nicht viel, um zu wirken. Ordentlich Knoblauch, frische Petersilie... Auch in Kombination mit einem Wachtelei und gebratener Sobrassada ist er hervorragend." Prüfend lässt der Küchenchef des Hotel Read's in Santa Maria, der ab Jahresende das "Es Patí" in Sant Llorenç übernehmen wird, seinen Blick über die orangefarbenen Pilze gleiten.

Dass viele an einigen Stellen grün-bräunliche Flecken aufweisen, habe nichts mit ihrer Qualität oder Frische zu tun: Es seien Druck- und Quetschstellen, an denen das zarte Gewächs beim Sammeln etwas zu hart angefasst wurde, oxidierte.

Auf Mallorca hat die Pilzsaison begonnen - wenn auch noch etwas verhalten. "Es war noch zu warm dafür, hat zu wenig geregnet. Aber in den nächsten zwei, drei Wochen geht es richtig los", erklärt der 32-Jährige. Ist in Deutschland das ganze Jahr über Pilzsaison, konzentriert sie sich auf der Insel auf die Monate Oktober bis Dezember sowie März und April.

Viele der derzeit auf den Märkten angebotenenen Blutreizker stammen aus der Gegend rund um Ávila - mit 19 Euro das Kilo sind sie deutlich günstiger als die mallorquinischen, die gleich dreimal so viel kosten. "Aber dafür schmecken die auch viel besser, weil sie hier auf der Insel mit der Bodenbeschaffenheit und Luftfeuchtigkeit nunmal beste Bedingungen haben." Rund 1300 Pilzarten wachsen auf den Balearen, davo

n über 950 auf Mallorca. Die meisten davon sind Speisepilze, nur etwa 200 sind giftig. Gute Gebiete, um selbst sammeln zu gehen, sind zwischen Andratx und Banyalbufar, Bunyola und Orient und rund um Esporles, Puigpunyent und Santa Maria. Die Mallorquiner verraten die Sammelplätze nicht gerne. "Fragt man nach guten Stellen, kommen Antworten wie: 'Geh´ bei Alaró in den Wald'. Oder 'bei mir auf der Finca wachsen viele.'" Wer auf Nummer sicher gehen will, streift mit dem Körbchen darum lieber durch die Markthalle als durch die Wälder. Allerdings ist auch hier Kennerblick gefragt: "Diesen Steinpilz hier kann man komplett vergessen, der daneben dagegen ist knackfrisch", sagt Felix Eschrich und hält zwei Pilze aus ein und derselben Auslage zum Vergleich hoch.

Der Schwamm des alten Pilzes weist eine bräunliche Färbung auf, beim frischen ist er von einem hellen Beige. Steinpilze seien auch anfällig für Würmer. "Es ist ein wenig wie beim Hummer. Es ist ein Qualitätsprodukt, aber man weiß oft von außen nicht genau, wie das Fleisch innen ist." Dennoch könne man sich viel Ärger ersparen, wenn man beim Kauf ganz genau hinschaue und darauf achte, wie sich die Pilze in der Hand anfühlten.

"Pfifferlinge zum Beispiel bekommen dunkle Stellen, je länger sie liegen, fangen an trocken auszusehen und verlieren die strahlende goldgelbe Farbe. Austernpilze wellen sich an den Seiten, ziehen sich zusammen." Und wonach riecht ein frischer Pilz? "Nach nichts. Da ist es ähnlich wie mit einem frischen Fisch. Ist irgendein muffiges, erdiges Aroma zu erkennen, ist das eher kein gutes Zeichen."

Dagegen habe es nichts zu sagen, wenn ein Pilz dreckig sei. "Im Gegenteil: Das ist ja der beste Beweis dafür, dass es ein Naturprodukt ist." Allerdings seien die Pilze beim Reinigen unterschiedlich arbeitsintensiv. "Bei den Trompetenpilzen sollte man wissen, dass der Schmutz sich oft in ihrem kleinen Röhrchen versteckt. Allerdings lohnt sich die Arbeit: Lange aufgekocht mit Schalotten und Salz lässt sich daraus zum Beispiel eine herrliche Consomé machen." Weil der schwarze Pilz allerdings viel Farbe abgebe, empfehle es sich, ihn zum Beispiel bei einem Ragout erst zum Schluss hinzuzugeben.

Eine fusselige Putzarbeit kostet der Hahnenkamm, auch Bärentatze genannt (Peu de Rata). "Aus ihm kann man einen wunderbaren Fond mit Sahne und Speck zubereiten." Und der Semmelstoppelpilz, den die Spanier auch "behaarten Pifferling" nennen (Picornell Pelut). "Er ist nicht so feinporig, aber etwas würziger als der Pfifferling."

Reicht das zarte Abschaben der Pilze mit einem kleinen Küchenmesser ("auch zwischen den Lamellen ist wichtig") oder das Abreiben mit einem Tuch nicht aus, könne man die Pilze auch ruhig kurz waschen. "Das ist oft einfacher und schneller." Eschrich verwendet dazu mit ein paar Esslöffeln Mehl versetztes Wasser oder Milch. So werde ein Teil des Schmutzes schon automatisch nach unten gezogen. "Natürlich saugen Pilze schnell Flüssigkeit auf, aber wenn sie nur kurz abgeduscht werden, passiert überhaupt nichts."

Eine "Allzweckwaffe", die - angebraten - vielen Gerichten Pepp verleihe, sei der Austernpilz. "Allerdings sollte man immer den Stil abbrechen, denn der ist etwas zäh." Kräuterseitlinge böten sich an, wenn der Pilz nicht zerfallen soll, sie haben viel Struktur und sind, da in der Regel aus der Zucht, auch angenehm im Preis.

Shitakepilze verfeinern asiatische Gerichte ("aber Achtung, in der Pfanne verbrennen sie schnell"), und wem der normale Champignon zu langweilig ist, könne man zum rosafarbenen greifen. "Der ist intensiver im Geschmack." Noch ein Trick, wie sich das Pilzaroma besonders kräftig herauskitzeln lässt: "Ein Schluck Brandy dazu. Vor allem bei den Blutreizkern und den Pfifferlingen ist das eine herrliche Sache." mehr...