25. Oktober - Mit Beginn der herbstlichen Regenfälle endet die offizielle Radferiensaison auf Mallorca – die in diesem Jahr besonders erfolgreich verlaufen ist. Die Radveranstalter haben durch die Bank ein hohes Plus verzeichnen können, oft im zweistelligen Bereich, die Hoteliers bestätigen diese Tendenz. Gleichzeitig scheint der Markt an seine Grenzen zu stoßen, jedenfalls haben in den beiden vergangenen Jahren die Mitbewerber die Samthandschuhe ausgezogen und machen sich in offenem Konkurrenzkampf die Gäste abspenstig. Es ist reichlich Bewegung im Markt.

Max Hürzeler Bycicle Holidays, mit Abstand Marktführer in diesem Segment, hat unter neuer Leitung seit diesem Jahr mit dem Lido Park in Peguera erstmals einen Standort in Mallorcas Südwesten in Betrieb, und im nächsten Jahr soll der Schritt in den holländischen Markt erfolgen. Neu hat Hürzeler das Hotel Viva Blue an der Playa de Muro unter Vertrag, eine Investition in weiteres Wachstum am Hauptstandort. Gleichzeitig eröffnet man im Hotel Rei del Mediterrani eine neue Station, um dem Ansturm Herr zu werden.

Immer mehr Hoteliers kommen auf den Geschmack, mit Radtouristen in der aufkommensschwachen Zeit Betten zu füllen und suchen sich fachkundige Partner. So startet das Hotel Can Picafort Palace in Can Picafort im nächsten Jahr erstmals mit Diana Sportreisen, dem Dino unter den Anbietern, eine komplette Radsaison.

Das kann funktionieren: Die Hotelkette Iberostar freut sich über ein Plus von mehr als 20 Prozent bei den Radgästen, laut Verkaufschef Xisco Martínez hauptsächlich zurückzuführen auf die Eröffnung des neuen Standortes im Hotel Jardín del Sol an der Costa de la Calma mit Philipp's Bike Team. Das hat das Hotel Antillas in Magaluf verlasssen, die Lücke versucht der britische Ex–Profi Stephen Roche zu füllen.

Bewegung auf dem Markt sorgt mitunter für angespannte Nerven: Zum ersten Mal gibt es Veranstalter, die gegenüber der Presse keine Auskunft über „interne Daten” geben wollen. Ein Grund für die sehr erfolgreiche Saison: Die Konjunktur im wichtigsten Quellmarkt Deutschland zieht wieder an, die Radferien – meist der Zweiturlaub – finden wieder häufiger Eingang ins Ferienbudget. Vor allem aber hat Mallorca in Sachen Infrastruktur in den vergangenen Jahren mächtig zugelegt und den Vorsprung gegenüber anderen Destinationen weiter ausgebaut.

Hervorzuheben sind hier die mehreren Hundert Kilometer Radwege; die meist gut asphaltierten landwirtschaftlichen Wege durchziehen die mallorquinische Hinterland mittlerweile recht engmaschig, was vor allem für solche Radler interessant ist, die weniger auf Tempo und Training, sondern auf Spaß aus sind. Auch bei einem „Radverrückten” wie Geschwindigkeitsweltrekordhalter Fred Rompelberg fahren 70 Prozent der Gäste ausschließlich des Funs wegen Rad, 20 Prozent sind mehr oder weniger ambitionierte Freizeitsportler, immerhin 10 Prozent Leistungssportler.

Es ist vor allem das Segment der Spaß– und Freizeitradler, das seit Jahren stetig wächst. Wobei hier jeder auf seinem sportlichen Niveau unterwegs ist – was für den einen eine lockere Ausfahrt im 25er-Schnitt ist, ist für den anderen eine mörderische Anstrengung. Um das zu dosieren, und um mit Gleichgesinnten zusammen zu sein, fahren nach wie vor die meisten Gäste der Radferienveranstalter in geführten Gruppen mit. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um Stammgäste handelt, die mitunter die Wege besser kennen als der Guide, oder um Neulinge im Sattel oder auf Mallorca.

Bei Rompelberg machen sich lediglich 15 Prozent der Gäste alleine auf den Weg. Das entspricht übrigens dem allgemeinen Trend, wie unter anderen die „23. Deutsche Tourismusanalyse” des BAT Freizeit-Forschungsinstituts konstatiert: „Während der klassische Strandtourismus um seine Stammurlauber kämpfen muss, ist der Urlaub mit Gesundheits–, Wellness– Sport– und Kulturangeboten zunehmend gefragt. Die Reisenden wollen in wenigen Tagen möglichst viel erleben.” 30 Prozent der Befragten interessieren sich für Fahrradurlaub.

Zwar machen Rennradler immer noch den Löwenanteil unter Mallorcas Radtouristen aus, doch sind auch immer mehr Gäste auf anderen Rädern unterwegs. Gusti Zollinger etwa wird erstmals über die gesamte Saison in Colònia de Sant Jordi ein Radwanderprogramm anbieten und „dieses vermehrt puschen”, da er hier ein „großes Potenzial” ausgemacht hat.

Mountainbike–Spezialist M–Bike aus Cala Rajada kann in seinem Segment auch von stetigem Wachstum berichten, allerdings auf niedrigerem Niveau. In diesem Jahr hat es nach Auskunft von Inhaber Markus Derjung 500 Vermietungen gegeben sowie 300 Gäste, die am Tourenprogramm teilgenommen haben. mehr...

23. Dezember - Es fällt den meisten Menschen leichter, die Schuld bei anderen als bei sich selbst zu suchen. Etwa im morgendlichen Stau auf der Vía de Cintura: Da schimpft man auf die Mietwagen, die zu Zehntausenden die Inselstraßen verstopfen und ein flüssiges Fortkommen verhindern. Das ist freilich völliger Quatsch. Was sollten Urlauber im Leihwagen morgens um 8.30 Uhr an einem normalen Wochentag im November verloren haben?

Gegen solche und andere Vorurteile will Álvaro Middelmann zu Felde ziehen. Der neu gewählte Präsident des mallorquinischen Fremdenverkehrsverbandes Fomento del Turismo findet es „besorgniserregend”, dass knapp 30 Prozent der mallorquinischen Jugendlichen dem Fremdenverkehr ablehnend oder indifferent gegenüberstehen. Dabei sei der Tourismus eine der saubersten Industrien, die man sich vorstellen könne.

Recht hat er. Mit seiner Überzeugungsarbeit könnte er bei der Balearen-Regierung anfangen. Denn die hat in dieser Woche die umstrittene Mietwagensteuer im Parlament beschlossen. Wohlgemerkt: nur beschlossen. Keineswegs aber eingeführt. Im Gesetzestext ist kein Datum festgehalten, und es steht darin, dass die Taxe nur kommt, wenn die Branche sich darauf einigt. Da das nicht zu erwarten ist, handelt es sich bei dem ganzen Beschluss um nichts anderes als parlamentarische Spiegelfechterei mit dem Ziel, die Wähler zu täuschen. Erschwerend kommt hinzu, dass der höchstwahrscheinlich folgenlose Beschluss für schlechte Presse im Ausland gesorgt hat.

„Du bist Mallorca” wirbt der Inselrat in Image-Anzeigen. Das ist insofern richtig, als alle, die auf der Insel leben und arbeiten, für das Image des Ferienziels verantwortlich sind. Zum Beispiel: Jedes Fitzelchen Müll, das achtlos aus dem Autofenster fliegt, könnte das Fitzelchen zu viel sein, das einen Urlauber davon abhält, wiederzukommen. Es hat ja auch jeder, mehr oder weniger direkt, etwas davon, dass die Gäste so viel Geld auf die Insel bringen.

Sie können die Bemühungen des Fomento übrigens unterstützen: Werden Sie Mitglied. Mit 50 Euro im Jahr sind Sie dabei. mehr...

23. Dezember - Der Dicke hat sich dünn gemacht auf Mallorca. Bei der traditionellen Weihnachtslotterie, die am Donnerstag ausgelost worden ist, ging lediglich ein fünfter Preis nach Alcúdia, der mit 50.000 Euro dotiert ist. Die Lottoverkaufsstelle Nummer zwei in der Küstenstadt hatte insgesamt zehn Zehntellose mit dieser Nummer verkauft, die jeweils 5000 Euro einbringen.

Das Hauptlos, das erstmals drei Millionen Euro pro Nummer einbrachte, ging komplett nach Vic (Provinz Barcelona). Die dortige Lottoverkaufsstelle Nummer drei hat sämliche 170 Serien mit der Glücksnummer 20.085 verkauft, dadurch gehen insgesamt 510 Millionen Euro an Prämien in die Katalanischen Lande. Wie der Juniorchef der Annahmestelle, Miquel Codina, erklärt, haben auch viele Bars, Restaurants, Vereine und Clubs Lose mit dieser Nummer gekauft, um sie in Anteilsscheinen weiterzugeben. Somit dürften in der Stadt viele von den insgesamt knapp 40.000 Einwohnern Hauptgewinner sein – aus 170 Serien lassen sich schließlich allein 1700 Zehntellose à 20 Euro verkaufen, die wiederum in je zehn Anteilsscheine geteilt werden können. Umso ärgerlicher für die, die nichts abbekommen haben.

Bei der traditionellen Zeremonie in Madrid haben am Vormittag die Kinder der Schule San Ildefonso, Eliana Gonzaga und Aranzazu Herrera, den Gordo gesungen. Es war schon 12.11 Uhr, so lange hatte man lange nicht mehr auf den großen Preis warten müssen. Auch der zweite Preis, die mit einer Million Euro pro Los dotierte Losnummer 28.150, fiel um 11.56 Uhr nur unwesentlich früher aus der Lostrommel. Sämtliche Tickets mit dieser Nummer sind in Valencia verkauft worden. Die Nachbarschaftsvereinigung („Falla”) Montortal-Conde de Torrefiel hat fast alle Lose in Drei-Euro-Schnipseln verkauft, 200 Zehntellose verteilte die Bar Manchego. Der dritte Preis (500.000 Euro) wurde um 11.33 Uhr ausgerufen, der erste von zwei vierten Preisen (200.000 Euro) kam um 12.21 Uhr, der zweite vierte Preis war der allerletzte überhaupt, der gezogen wurde, nach etwas mehr als drei Stunden. Da statt bislang 66.000 Nummern erstmals 85.000 im Spiel waren, dauerte die Ziehung entsprechend lange.

Lose mit der Nummer 14.431 hatte auch eine Verkaufsstelle in Elche verkauft, und zwar an Republikaner aus dieser Stadt und aus Mirande de Ebro. Lohn: Es gab insgesamt gut 8'5 Millionen Euro in Gewinnen – und die Zahl entspricht dem Datum der Ausrufung der zweiten Republik am 14. April 1931.

Es gab auch Teilnehmer, die sich richtig darüber freuten, nichts gewonnen zu haben. Der Elternverband der Schule Monti-Sion in Pollença hatte für 97 Zehntellose Abschnitte mit der Nummer 45.942 drucken lassen und verkauft. Doch die Lose lauteten auf die Nummer 45.972. Zwar hatte man den Fehler vor der Ziehung bemerkt und per Notar sämtliche Abschnitte annullieren lassen – aber im Falle eines vermeintlichen „Gewinns” wäre der Ärger vorprogrammiert gewesen.

Insgesamt hat die staatliche Lottogesellschaft Gewinne in Höhe von mehr als zwei Milliarden Euro ausgeschüttet. Die Lotterie ist damit die größte weltweit und mit 191 Jahren auch die älteste. Im Durchschnitt hat jeder Spanier 70 Euro für Lose ausgegeben – Greise und Säuglinge mitgezählt –, mehr als je zuvor.

Auf den Balearen allerdings haben die Einwohner im Schnitt nur je 41 Euro in die Weihnachtslotterie investiert – so wenig wie sonst nirgendwo in Spanien. Manch einer glaubt deswegen, dass es kein Wunder sei, dass die Glücksgöttin Fortuna einen großen Bogen um die Inselgruppe mache. Stochastiker wissen es besser: Zwar steigt die Wahrscheinlichkeit, dass man gewinnt, mit der Anzahl verschiedener Losnummern. Die Chance eines Loses auf einen Gewinn ist aber immer und überall gleich groß. mehr...

16. Dezember - Werbedeal des mallorquinischen Erstligisten mit dem deutschen Ferienflieger LTU: Ein Jet mit Schriftzug und Wappen des Real Club Deportivo ist jetzt auf vielen Routen Europas unterwegs. Mit dem Airbus A 320 fliegt das Team auch zu seinen Auswärtsspielen. mehr...

2. Dezember - Palma mausert sich immer mehr als Reiseziel. Nicht die Playa de Palma, nicht Palma de Mallorca, was oft als Bezeichnung für die ganze Insel verwendet wird, sondern die Hauptstadt der Balearen.

Einst die Wiege des Tourismus (1904 eröffnete mit dem Gran Hotel die erste Herberge, die den Namen Hotel verdiente), führte „Ciutat” in den Jahrzehnten des Pauschaltourismus-Booms ein Schattendasein. Einige Hotels machten zu, andere gaben freiwillig den fünften Stern ab, um Steuern zu sparen. In den vergangenen Jahren haben einige neue Hotels eröffnet, und es kommen weitere hinzu: Das Vier-Sterne-Haus Continental im Zentrum steht kurz vor der Eröffnung, die Bauarbeiten im Gebäude des ehemaligen Kinos Avenida haben begonnen, bis 2007 sollen hinter der denkmalgeschützten Fassade 80 Zimmer entstehen. Mit dem Fünf-Sterne-Hotel und dem Kongresspalast am Paseo Marítimo, die Stararchitekt Patxi Mangado planen wird, erhält die Stadt außerdem eine weitere Attraktion.

Der Hotelverband der Stadt will den Trend zur City weiter verstärken, dazu hat er gemeinsam mit dem balearischen Fremdenverkehrsamt Ibatur eine Werbe-CD-Rom herausgegeben. Bei der Präsentation am Montag im Hotel Convent de la Missió kam alles, was in der mallorquinischen Tourismusbranche Rang und Namen hat. Auch wenn die Möglichkeiten, die eine CD-Rom bietet, weitgehend ungenutzt bleiben, ist immerhin der gute Wille zu loben, dass überhaupt für Palma geworben wird.

Joan Flaquer, balearischer Tourismusminister, weiß, dass es ohne die attraktive Stadt sehr schwer wäre, die weithin geforderte Entzerrung der starren Saisonzeiten voranzutreiben. Doch angesichts der Tatsache, dass außerhalb der Hochsaison die Gäste überproportional viele Wochenendreisen unternehmen, gibt es ein massives Problem: Sonntags ist die Stadt so tot wie die Sommer-Ferienorte Calas de Mallorcas im Winter.

Bürgermeisterin Catalina Cirer weiß um die Herkulesaufgabe: „Wir müssen alle Beteiligten, Unternehmer, vor allem aber Gastronomen davon überzeugen, ihre althergebrachten Gewohnheiten zu ändern und am Sonntag zu öffnen.” Und schränkt gleich ein: „Das ist eine ausgesprochen schwierige Aufgabe.” Aber obwohl sie mit dieser Aufgabe noch gar nicht angefangen hat, sorgen sich die Mitglieder des städtischen Hotelverbandes schon über die neue Konkurrenz: „Man muss verhindern, dass zu viele Hotels eröffnen”, so Präsidentin Marilen Pol, „sonst kommt es zu einem Überangebot wie in Barcelona oder Sevilla mit den damit verbundenen negativen Folgen für die Erträge aller.” mehr...

25. November - Auf Regen folgt Sonnenschein. Unter diesem Motto scheint die Nominierung von Álvaro Middelmann zum neuen Präsidenten des mallorquinischen Fremdenverkehrsverbandes Fomento del Turismo zu stehen. Der scheidende Vorsitzende Miquel Vicens hat es sich in seiner fast zehnjährigen Amtszeit mit so vielen Leuten und Gruppierungen verscherzt, dass jetzt die Sehnsucht nach Konsens groß ist.

Dabei hatte Vicens in der Sache meistens Recht. Nur: Durch seine forsche Art hat er der Meinung Vorschub geleistet, das Fomento sei nur ein Sprachrohr der Hoteliers. In seinem eigenen Programm hatte er mit seinem Präsidium unter Punkt 3.1 das Ziel formuliert, das Bewusstsein der Gesellschaft für die Wichtigkeit des Tourismus zu schärfen. Damit ist er grandios gescheitert – eben auch, weil er oft im Ton daneben lag.

Middelmann hat gegenüber Vicens einige Vorteile: Er ist kein Hotelier, er legt mehr Wert auf Umgangsformen als auf Schlagzeilen, die wichtigsten Diskussionen sind bereits angestoßen. Dennoch ist es eine echte Herausforderung, die Themen All-inclusive, Residenten-Tourismus, Umweltschutz und Jobsicherheit so zu behandeln, dass das Ergebnis wirklich im Sinne des Tourismus ist, und nicht nur zum Vorteil einer Interessengruppe – und zwar ohne sich dabei ständig nur Feinde zu machen. Er muss das Fomento zum Kitt machen, der die Gesellschaft zum Wohle des Tourismus zusammenhält, damit der zum Wohle der Gesellschaft funktionieren kann.

Einen ersten Beweis seiner diplomatischen Fähigkeiten kann Middelmann noch vor seiner offiziellen Wahl am 15. Dezember abgeben: Wie sieht das Präsidium aus, das er sich selber aussuchen kann? Die Vertreter der wichtigen Verbände und der Politik sind gesetzt. Hat er den Mut, wirklich junge Leute mit frischen Ideen in sein Gefolge zu berufen? Oder fürchtet er, dass sie sich mit den alten Großkopferten anlegen könnten?

Selbst wenn Middelmann gut arbeitet, droht ihm Misserfolg. Denn nicht wenige Mallorquiner haben ein gespaltenes Verhältnis zum Tourismus und sägen in Ignoranz und Borniertheit an dem Ast, auf dem sie sitzen. mehr...

4. November - Eigentlich könnte man über den hanebüchenen Versuch der Balearen-Regierung, Mietwagen mit einer Steuer zu belegen, herzhaft lachen. Schließlich hatten die Konservativen bis dato noch keine Gelegenheit geboten, sich über sie zu mokieren – alles, was sie tun, hatten sie vor der Wahl angekündigt, auch den nicht unumstrittenen massiven Ausbau der Autobahnen.

Doch was in der Innensicht eine Provinzposse um einen verwirrten Politiker sein könnte, gewinnt beim Blick auf das internationale große Ganze eine sehr ernsthafte Bedeutung. Da wird für eine Steuer, die ganze 12'5 Millionen Euro pro Jahr einbringen soll, die PR-Arbeit von zwei Jahren sinnlos zerdeppert. Entsprechend verzweifelt sind die Verantwortlichen in dieser Abteilung.

Die Steuer wird es nicht geben, darauf kann man wetten. Den Image-Schaden kann man mit Arbeit und Geld auch wieder beheben. Bedenklich ist allerdings die Erkenntnis, dass nicht einmal in der Regierung an den Tourismus gedacht wird, die ausdrücklich mit dem Anspruch angetreten ist, sich um die Förderung des Reisesektors zu kümmern. Da wird eine Mietauto-Steuer ausgeheckt, ohne auch nur auf die Idee zu kommen, den Tourismusminister vorher nach seiner Meinung zu fragen.

Die Mallorquiner werden so bestärkt zu glauben, Urlauber seien nur dazu da, Geld auf die Insel zu bringen. Freilich: Wir leben von den Touristen. Wir machen unser Geschäft nicht aus reiner Menschenfreude. Doch ohne die, ohne Lust am Service, ohne Spaß an Dienstleistung, ohne eine positive Grundhaltung zum Urlaubsgeschäft lässt sich der Schein nur sehr mühsam aufrecht erhalten, eine gastfreundliche Insel zu sein.

Rein theoretisch, wenn wirklich immer alle am selben Strang ziehen und immer nur das Wohl der Urlauber im Blick haben, aber wirklich nur rein theoretisch, könnte man dann von den Touristen eine Sondersteuer erheben, um die Finanzierung zu sichern. Wenn die Gegenleistung stimmt, wären sie auch gerne bereit, sie zu zahlen. Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg. mehr...

4. November - Wie viele „Grüne Karten” verkauft worden sind, will Pau Collado nicht verraten. Der Vorsitzende der Stiftung für nachhaltige Entwicklung auf den Balearen ist sich gleichwohl sicher, dass es Kritik hageln wird, wenn die erste Bilanz – wohl zur Madrider Reisemesse Fitur im Januar – veröffentlicht wird. Schließlich handelt es sich bei der Umweltkarte um den Nachfolger der kontroversen Ökosteuer für Touristen und damit um eines der Vorzeigeprojekte der konservativen Regionalregierung.

Er selbst zeigt sich mit den Verkaufszahlen zufrieden, „wenn man bedenkt, dass es sich um ein ganz neues Produkt handelt, das einen großen Erklärungsbedarf hat”. Die Karte, die es seit April für Urlauber und seit Juni für Insel–Residenten gibt, kostet 10 Euro und ist zwei Wochen beziehungsweise ein Jahr gültig. Denn Touristen nutzen sie während ihres Aufenthaltes intensiv, Einwohner sporadisch, und für beide soll sie sich lohnen.

Gegenwärtig ist Collados Team dabei, Schwächen zu analysieren und auszumerzen. In erster Linie sollen die Rabattangebote ausgeweitet werden, „denn das ist entscheidend für den Erfolg”. Immerhin: Die Zahl der Stellen, wo es Vergünstigungen gibt – Rabatte oder Geschenke – ist von anfangs 74 auf aktuell 185 gestiegen (die aktuelle Liste gibt es im Internet unter www.targeta verda.com).

Der Verkauf der Karte, anfangs ein großes Problem, funktioniert mittlerweile leidlich gut. „Wir sind zufrieden, wenn man bedenkt, dass es sich um ein ganz neues Produkt handelt, das einen großen Erklärungsbedarf hat”, wiederholt sich der Chef. Nach und nach, so habe man aber feststellen können, wissen sowohl Urlauber und Residenten auf der einen sowie Anbieter auf der anderen Seite immer besser Bescheid. „Das merken wir in unseren eigenen Informationszentren”, berichtet Collado, „zu Beginn mussten wir noch sehr ausführlich alles erläutern, jetzt kommen die Besucher schon mit viel Wissen zu uns.” Gegenwärtig verhandelt die Stiftung auch mit deutschen Reiseunternehmen, um den Vertrieb zu verbessern. So soll neben der LTU bald auch Marktführer Air Berlin die Karte im Bordverkauf anbieten, neben der TUI sollen auch weitere Reiseveranstalter ins grüne Boot geholt werden.

Apropos Boot: Das solargetriebene Ausflugsboot „Solemar” gehört zu den Projekten, die aus den Einnahmen der Karte finanziert worden sind. Außerdem sind im Naturpark Albufera bei Alcúdia Erhaltungsmaßnahmen durchgeführt und ein Informationszentrum eröffnet worden; das Castillo San Nicolau auf Menorca wurde von 9000 Menschen besucht; auf der von der Vorgängerregierung gekauften Finca Son Real in Mallorcas Inselosten haben die Arbeiten zur Gestaltung eines Naturparks begonnen; in den Naturparks Albufera und Es Grau auf Menorca können Besucher mit Tarjeta Verde kostenlos ein Leihfahrrad nutzen.

Pau Collado betont, dass die Grüne Karte nicht in erster Linie dazu dient, Geld einzunehmen, sondern ein Instrument ist, Einheimische und Besucher aufzuklären und das Umweltbewusstsein zu stärken. Deshalb hebt er auch die Workshops hervor, die die Stiftung während der Sommermonate auf den balearischen Stränden durchgeführt hat: „Hier haben wir viele Menschen erreicht, die mit Spaß und Interesse bei der Sache waren.” Auf diesem Wege wolle man weitermachen: informieren und sensibilisieren.

Da ihm bewusst ist, dass die Grüne Karte auch ein politisches Projekt ist, wird er selbst allerdings gar nicht sensibel reagieren, wenn es die erwartete Kritik an den Zahlen geben wird. mehr...

30. September - ... aber nur im mallorquinischen Städtchen Sa Pobla und nur symbolisch. Im Rahmen eines ambitionierten Projekts des deutschen Künstlers Nils Burwitz sollen auf einem Platz vier Stahlskulpturen mit Mauer- Höhe aufgestellt werden, die „den Fall, besser gesagt das Niederreißen der Berliner Mauer” (Burwitz) symbolisieren sollen. Die Bauarbeiten haben begonnen. mehr...

30. September - 8Mallorca hat eine lange Tradition in Sachen Multi-Kulti. Schon lange vor der Eroberung durch die Araber war die Insel eine Brücke im Mittelmeer zwischen Afrika und Europa, Ost und West, und sie ist es bis heute geblieben. Diese Funktion hebt auch Jürgen Gramke hervor, der Vorsitzende des Instituts for European Affairs, das noch bis diesen Freitag, 30. September, eine internationale Konferenz mit Top-Besetzung in Palma durchführt.

So sieht das auch Matthias Kühn, der sich beim Traditionsclub Atlético Baleares engagieren will. Sein Ziel: Fußball soll die auf der Insel lebenden Menschen zusammenbringen. Die Hälfte der Spieler aus dem Ausland, die Hälfte Mallorquiner. Und ganz viele aus aller Herren Länder als Fans auf der Tribüne.

Dabei sind sich alle darüber im klaren, dass Integration nicht immer ein Zuckerschlecken ist. Vor allem, wenn in kurzer Zeit sehr viele Menschen zuziehen, wie das auf Mallorca in den vergangenen 50 Jahren der Fall war, sind Reibungen unvermeidlich. Das gilt für die vom Tourismusboom angelockten Festlandsspanier, die Zigtausende von Mallorca-Deutschen oder die aktuell in größeren Zahlen ankommenden Menschen aus Afrika, aber auch Südamerika.

Der in Valldemossa lebende deutsche Künstler Nils Burwitz weiß um die Mühen, die es mitunter kostet, sich gut zu verstehen. Das soll ein Platz in Sa Pobla symbolisieren, der gerade umgestaltet wird. Mauern stehen zwischen den Menschen, manchmal sichtbare, von Unterdrücker-Regimes aufgebaut, meist aber handelt es sich um unsichtbare Barrieren, die die Menschen selber errichten.

Doch Burwitz wäre nicht Burwitz, wenn nicht die Hoffnung überwöge, alle Grenzen überwinden zu könnnen. Schließlich ist es den Menschen auch gelungen, die Berliner Mauer einzureißen.

Er selbst ist als weitgereister Polyglotte mit einer mehrnationalen Familie sozusagen das personifizierte Mallorca. Auch ansonsten gibt es genügend Vorbilder auf Mallorca. Nur: Aktiv werden muss jeder für sich selbst. mehr...

2. September - Das Wirtschaftswachstum in Deutschland ist schwach; das Wirtschaftswachstum in Spanien ist solide. Die Arbeitslosigkeit in Deutschland erreicht Rekordhöhen; in Spanien sinkt sie seit Jahren. Die Maastricht-Stabilitätskriterien wird Deutschland im vierten Jahr hintereinander brechen; Spanien steht als Musterschüler da.

Diese Fakten sind weithin bekannt. Dazu kommt eine „gefühlte” Tatsache: Die Stimmung in Deutschland ist schlecht; die Stimmung in Spanien ist gut. Lässt sich das eine mit dem anderen erklären? Und was ergibt ein Vergleich der deutschen und spanischen Wirtschaft, wenn man tiefer schürft? Steckt Deutschland wirklich in einer Krise, und ist die spanische Wirtschaft wirklich so robust, wie es auf den ersten Blick scheint? Ein Blick auf einige wichtige Statistiken und Zahlen bringt dabei einige überraschende Ergebnisse.

Die spanische Wirtschaft wächst deutlich stärker als die deutsche: Seit 1995 hat die Steigerungsrate des Bruttoinlandsproduktes (BIP) hierzulande immer deutlich über der deutschen gelegen; das Plus von 2'4 Prozent im Jahr 1996 war noch die schwächste Steigerung – und hätte sämtliche Zahlen aus Deutschland im selben Zeitraum geschlagen, lediglich 2000 gab es dort mit plus 3'2 Prozent so etwas wie Dynamik.

Bricht man das BIP herunter auf jeden einzelnen Bürger, liegt Deutschland jedoch immer noch deutlich vor Spanien. Liegt der Durchschnitt der 25 EU-Mitgliedsstaaten gemessen an der Standard-Kaufkraft bei 100, kommt Deutschland 2004 auf 109'4, Spanien dagegen nur auf 98'3. Mit anderen Worten: Die Wirtschaftskraft pro Einwohner liegt in Deutschland über dem Durchschnitt, in Spanien leicht unter dem Durchschnitt. Doch der Abstand schmilzt: Deutschland kam bei diesem Indikator im Jahr 1995 noch auf 121'8, Spanien lag bei 87'0.

Die dynamische Wirtschaftsentwicklung in Spanien hat positive Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt, das schlappe Wachstum in Deutschland auch. Die Arbeitslosenquote in Spanien betrug in der Mitte der 90er Jahr knapp 20 Prozent, seitdem ist sie ständig gesunken, bis auf offiziell noch 9'4 Prozent im Juli 2005. In Deutschland geht die Veränderung in die andere Richtung: Offiziell waren im Mai 1992 lediglich 5'9 Prozent arbeitslos gemeldet, im Juni 2005 lagen Spanien und Deutschland mit einer Erwerbslosenquote von 9'5 Prozent erstmals gleichauf.

Nicht nur die Arbeitslosenquote ist in Spanien gesunken, gleichzeitig ist die Zahl der Beschäftigten kontinuierlich gestiegen, zuletzt 2004 um 2'6 Prozent. Im zweiten Quartal waren knapp 18'9 Millionen Menschen in Spanien versicherungspflichtig beschäftigt, ein neuer Rekord. Im Juli 2005 lag die Zahl der Erwerbstätigen in Deutschland bei 38'76 Millionen.

Die Erwerbsquote, also der Anteil der Menschen von 15 bis 64 Jahren bezogen auf die Bevölkerung gleichen Alters, liegt in Deutschland mit 65'0 Prozent gleichwohl noch höher als in Spanien mit 61'1 Prozent. Während Deutschland seit 1993 die Quote weitgehend stabil halten konnte, hat sie in Spanien jedoch einen riesigen Sprung gemacht: 1993 lag sie noch bei 46'6 Prozent, der mit Abstand niedrigsten Zahl der EU. Jetzt liegt der europäische Durchschnitt übrigens bei 63, 3 Prozent.

In der Diskussion um die Wettbewerbsfähigkeit eines Landes wird meist die Produktivität als Messlatte herangezogen. Die durchschnittlichen Gesamtkosten pro Arbeitsstunde eines Vollzeit-Beschäftigten belaufen sich in Deutschland auf 27'93 Euro, in Spanien nur auf 14'21 Euro (Zahlen von 2003). Hohe Arbeitskosten können aber auch bedeuten, dass die Beschäftigten besonders gut qualifiziert sind und damit die Produktivität besonders hoch, dass also wenige Beschäftigte viel erwirtschaften und dafür verhältnismäßig viel verdienen.

Das belegt die Statistik für das Bruttoinlandsprodukt pro abhängig Beschäftigtem. Auf Basis des Index 100 der 15 Mitglieder der alten EU erreicht Deutschland 2004 den Wert 97'2, Spanien mit 96'0 unwesentlich weniger. Ein deutlicher Unterschied tritt jedoch zutage, wenn man das BIP pro Arbeitsstunde betrachtet. Hier liegt Deutschland 2003 mit 103'3 über dem Durchschnitt, Spanien fällt mit 87'1 zurück. Mit anderen Worten: In Deutschland werden im Schnitt pro Stunde mehr Werte geschaffen als in Spanien.

Wem diese Zahlen zu abstrakt sind: Ein Beschäftigter in den Bereichen Industrie und Dienstleistungen wird in Deutschland mit durchschnittlich 40.375 Euro brutto pro Jahr entlohnt, in Spanien lediglich mit 19.220. Worüber die offiziellen Statistiken freilich keine Auskunft geben, ist der Umfang des inoffiziellen Marktes, also der Schwarzarbeit. Das Phänomen ist Expertenschätzungen zufolge in Spanien weiter verbreitet als in Deutschland, allerdings scheint Deutschland zumindest auf diesem Gebiet schnell aufzuholen im internationalen Vergleich.

Offiziell messbar ist jedoch der Wert der Im– und Exporte. Hier besteht zwischen Deutschland und Spanien ein sehr großer Unterschied - und er wird immer größer. Die Handelsbilanz in Deutschland ist nicht nur nach wie vor positiv, sie wird zudem von Jahr zu Jahr besser. 1995 exportierte Deutschland Waren und Dienstleistungen im Gesamtwert von 383'232 Milliarden Euro, bei Importen im Wert von 339'617 Milliarden Euro kam ein positiver Saldo in Höhe von 43'615 Milliarden Euro heraus. Im Jahr 2004 hat sich das vervielfacht: Der Überschuss ist auf die Rekordsumme von 156'081 Milliarden Euro angewachsen, wobei die Ausfuhren einen nie dagewesenen Wert von 733'456 Milliarden Euro erreichten (Angaben des Statistischen Bundesamtes).

Ganz anders sieht es hingegen in Spanien aus. Seit 1995 ist das Außenhandelsdefizit von 16'63 im Jahre 1995 auf 44'451 Milliarden im Jahr 2004 gestiegen. Tendenz 2005: weiter steil nach oben. (Angaben des Instituto Nacional de Estadística.) Das bedeutet, dass die Spanier die Einfuhren mit steigenden Kreditsummen finanzieren müssen.

Beim Betrachten des Spar– und Kreditverhaltens der Bevölkerung sticht ein weiterer Unterschied zwischen Deutschland und Spanien ins Auge. Die Nettosparquote misst den Teil des verfügbaren Nettoeinkommens, der nicht für den Konsum verbraucht wird und damit (theoretisch) für Investitionen zur Verfügung steht. In Deutschland sind das 7'1 Prozent des Bruttoinlandproduktes, in Spanien lediglich 6'1 Prozent. Da das BIP pro Kopf in Deutschland höher ist (siehe oben), erhält diese Zahl zusätzliches Gewicht.

Zum Abschluss noch eine Zahl. Im internationalen Vergleich messen Statistiker die Wettbewerbsfähigkeit eines Landes, indem sie die relativen Preise und Kostenfaktoren mit denen der wichtigsten internationalen Konkurrenten vergleichen. Steigt der Index, sinkt die Wettbewerbsfähigkeit, sinkt der Index, steigt die Wettbewerbsfähigkeit. In Deutschland erreichte die „Real effective exchange rate” 1995 einen Höchstwert von 117'28, Spanien lag im selben Jahr bei immerhin 102'63. Vergangenes Jahr lag der deutsche Wert bei nur noch 96'58, mittlerweile nicht mehr „Spitze”, Spaniens Wert ist auf 110'55 gestiegen.

Fazit: Die Statistik gibt sowohl für Spaniens als auch Deutschlands Wirtschaftskraft und Zukunfsfähigkeit ein uneinheitliches Bild. Trotz des in den vergangenen Jahren dynamischen Wachstums hat Spanien noch einiges aufzuholen. Allerdings geht hierzulande die Entwicklung des Parameters, der die Menschen am meisten betrifft, kontinuierlich nach oben: Beschäftigung. Auch der Staatshaushalt ist in viel besserem Zustand als in Deutschland. Inwieweit aber die Wirtschaft des Landes in den vergangenen 20 Jahren ausreichend Substanz aufgebaut hat, um gegen die neue internationale Konkurrenz zu bestehen, darüber streiten die Experten. Hier sind die Voraussetzungen in Deutschland immer noch besser. mehr...

2. September - Deutschland, einig Jammertal. Es scheint, als sei es ganz egal, wer die Wahl am 18. September gewinnt, es ist sowieso nichts mehr zu retten.

Ganz anders Spanien: Die Menschen sind fröhlich, schuften pfeifend und produzieren beneidenswerte Wachstumsraten.

Also geht es den Spaniern besser als den Deutschen? Typischer Fall von denkste! Denn die Daten der jeweiligen statistischen Institute zeigen ganz klar: In (fast) jeder Hinsicht haben die Deutschen immer noch einen Vorsprung. Sie haben mehr Geld, bessere Sozialleistungen, höhere Bildungsausgaben, mehr Arbeit (siehe Thema der Woche).

Dazu kommen Strukturdaten, die darauf schließen lassen, dass das angebliche Hochlohnland Deutschland auf den Wettbewerb mit Billigproduzenten besser vorbereitet ist als Spanien. Denn in Deutschland wird produktiver gearbeitet, vor allem aber wird etwas produziert, was die Welt haben will. Der Exportweltmeister steht in der Ausfuhrstatistik besser da als je zuvor.

Die Spanier hingegen produzieren Rekorde auch beim Außenhandelsdefizit. Einen großen Teil ihres Wohlstands finanzieren sie mit Krediten. Waren sie vor 20 Jahren noch billige Arbeitskräfte, sind heute andere noch viel billiger. Gleichzeitig fehlt es dem Land an Unternehmen, die hochqualifizierte Jobs bieten, solche, die nicht so leicht zu exportieren sind.

Man hat es irgendwie schon länger gewusst: Die Deutschen jammern auf einem sehr hohen Niveau. Ein bisschen wie die mallorquinischen Hoteliers, die mit einem dicken Auto zur Pressekonferenz fahren, sich über rückläufige Renditen auf der Insel beklagen, ihr Kapital im Ausland investieren und dort noch größere Gewinne einstreichen.

Deutschland braucht neben dem ein oder anderen Wirtschaftsexperten, der den Steuerdschungel rodet, vor allem einen Seelenklempner. Am besten einen spanischen. Denn wären die Spanier so drauf wie die Deutschen jetzt, wären sie so weit nie gekommen.

Auch die Deutschen haben das schon mal geschafft. Aber nach dem Zweiten Weltkrieg trieb sie wohl nur das schlechte Gewissen und der Wunsch nach Verdrängung. mehr...

2. September - Gerade unter den ausländischen Immobilienbesitzern auf Mallorca gibt es viele, die ihr Eigentum nicht das ganze Jahr über nutzen. Und sie vermieten es als Ferienunterkunft. Ein Angebot, für das die Nachfrage von Jahr zu Jahr steigt.

Je nachdem, wie diese Vermietung erfolgt, gerät man damit allerdings in Konflikt mit dem balearischen Gesetzgeber. Das ist nicht neu, neu ist jedoch, dass das Tourismusministerium des Archipels einen neuen Anlauf unternimmt, das wildwuchernde Angebot zu regulieren.

Dazu haben Minister Joan Flaquer und sein Staatssekretär Josep Aloy am Mittwoch in Palma eine Pressekonferenz gegeben, um über den Stand des Verfahrens zu informieren. Eigner, die jetzt hoffen, dass das Ministerium die Grauzone beseitigt, in der gegenwärtig die meisten agieren, freuen sich allerdings zu früh. Denn so ganz klar ist nicht, was die Politiker mit der Regulierung überhaupt erreichen wollen.

Flaquer widerspricht der Schätzung nicht, dass etwa 40 Prozent aller Mallorca-Besucher in Ferienunterkünften absteigen, die nicht von seinem Ministerium kontrolliert werden. Ob er mit Regulierung meint, dieses Angebot zu reduzieren, zu verbieten oder in der Summe so zu belassen, wie es heute existiert, will oder kann er nicht sagen. Josep Aloy präzisiert immerhin, dass ein Urlauber keinerlei Garantien hinsichtlich Qualität und Sicherheit solcher Unterkünfte habe, diese Lücke wolle man mit der jetzigen Initiative schließen.

Doch die Lücke ist so groß wie ein Scheunentor. Die Gesetzeslage ist eigentlich eindeutig: Jeder Immobilienbesitzer darf sein Eigentum vermieten; unbefristet, für ein Jahr, für eine Woche, sogar für einen Tag. So steht es im spanischen Gesetz für Vermietungen in Wohngebieten (Ley de arrendamiento urbano, LAU). Was er nicht darf: Diese reine Vermietung mit weiteren Service-Leistungen zu verknüpfen. Sobald er nämlich die Reinigung, Verpflegung, den Transfer vom Flughafen oder ähnliches einschließt, handelt es sich per Definition der Balearen-Regierung um eine touristische Vermietung. Eine touristische Vermietung ist es auch dann, wenn die Wohnung oder das Haus über einen Ferienwohnungsvermittler angeboten wird (etwa im Internet) oder gar über einen Reiseveranstalter oder Reisebüro vertrieben wird.

Eine touristische Vermietung (im Gegensatz zu einer Vermietung laut LAU) ist allerdings nur statthaft, wenn die Unterkunft im Register für Ferienhäuser steht. Die Betonung liegt auf Ferienhaus: Es muss ein alleinstehendes Einfamilienhaus mit einer ganzen Reihe von Ausstattungsmerkmalen sein. Diese Voraussetzungen erfüllen auf Mallorca nicht allzu viele Immobilien, laut Aloy erfasst das Register gegenwärtig gerade 900 Häuser.

Wer eine Wohnung oder ein Reihenhaus an Urlauber vermieten will (und zwar mit Hilfe eines Mittlers), hat also gegenwärtig keine Chance, das legal zu tun. Ohne Mittler, aber mit Zusatz-Leistungen, kann man sich immerhin noch mit dem Trick behelfen, keine Gesamt-Rechnung für Unterkunft und Putzen, Transfer und den vollen Kühlschrank zu schreiben, sondern jeden Posten einzeln abzurechnen.

Ob die Chancen nach Verabschiedung der neuen Verordnung steigen werden, ist ungewiss. Denn Flaquer und Aloy reden von Voraussetzungen in Sachen Sicherheit und Qualität, die Wohnungen erfüllen sollen, ohne so richtig konkret zu werden. Warum soll sich ein „normaler” Mieter künftig mit weniger Rechten begnügen als ein Urlauber? Weil ein Urlauber Anspruch auf bestimmte Voraussetzungen in puncto Qualität und Sicherheit haben müsse, so wie es auch in Hotels der Fall sei.

Flaquer erklärt, dass man auf die „traditionelle” Form der touristischen Unterkünfte auf Mallorca setze, also die Hotels. In dieser Branche seien 80.000 Menschen beschäftigt, sagt er zur Begründung. Hier kommt man langsam zum Kern der Sache. Schon die bisherigen Vorschriften tragen die Handschrift der mallorquinischen Herbergsväter, die sich unliebsame Konkurrenz vom Leib halten wollen. Zu dumm nur, dass die Nachfrage nach einem Alternativprodukt ständig wächst – und das diese Nachfrage zunehmend auch befriedigt wird.

Man könnte über diese spanische Spitzfindigkeit vielleicht lächeln. Aber tatsächlich sie hat drastische wirtschaftliche Folgen. Zum einen für die Allgemeinheit: Ein Eigentümer, der seine Immobilie nicht legal als Urlauberunterkunft vermieten kann, tut es meist illegal. Dann zahlt er der Einfachheit halber aber auch keine Steuern – wozu schlafende Hunde bei den Behörden wecken? Doch ab und zu wird eben doch mal einer erwischt. Je nach Schwere des Verstoßes sind dann schnell einige zehntausend Euro an Buße fällig.

Bis auf weiteres wird sich an dieser Situation nichts ändern. Bis Oktober hofft Flaquer zunächst darauf, in den Tourismuskommissionen der balearischen Inselräte eine neue Regel für die Vermarktung der „legalen” Ferienhäuser festlegen zu können.

Außerdem lässt er zur Zeit von einem Jura-Professor prüfen, inwieweit eine autonome Region überhaupt irgendwelche Kompetenzen hat, die touristische Vermietung von Privateigentum zu regulieren, um auch in den Bereich der tage– und wochenweisen Überlassung von Wohnraum eingreifen zu können. mehr...

26. August - Mallorca, ohnehin schon einer der besten Standorte für Golftouristen, wird für Freunde des grünen Sports noch attraktiver. Jetzt hat die Umweltkommission der Balearen-Regierung grünes Licht für zwei neue Projekte gegeben: den Neubau der Anlage Son Bosc in Muro und die Erweiterung des Platzes Son Servera (Costa de los Pinos) von neun auf 18 Löcher. Außerdem ist die abgeänderte Planung für den Platz Son Muntaner II genehmigt worden.

Zurzeit im Bau befindlich sind die Golfplätze Puntiró und Son Gual in Palma sowie Sa Vinyola in Campos. Mit den jetzt genehmigten wird sich unter dem Strich die Zahl der mallorquinischen Golfplätze von 19 auf 24 erhöhen, davon nur noch zwei mit neun Löchern.

Damit nicht genug des Wachstums: Weitere 10 Projekte sind in der Pipeline, würden alle verwirklicht, käme Mallorca auf sage und schreibe 34 Plätze. Das finden Golfer gut, die Besitzer der bisherigen Anlagen mit Einschränkungen, und Umweltschützer schlagen bereits Alarm. José Jiménez, Präsident des Golfplatzverbandes, erklärt immer wieder, dass es angesichts des starken Wachstums auch großer Anstrengungen in Sachen Vermarktung bedürfe, um die vielen Anlagen auch rentabel betreiben zu können.

Mit scharfer Kritik reagierten einmal mehr die Umweltschützer. Nach Angaben des balearischen Naturschutzbundes GOB werden die neuen Plätze 130 Hektar „landwirtschaftlichen Schutzgebietes” verschlingen. Ein Standard-Platz mit 18 Löchern verbrauche zwischen 1500 und 2000 Kubikmeter Wasser pro Tag; damit könne auch eine Siedlung mit 6000 Einwohnern versorgt werden. Gesetzlich vorgeschrieben ist die Verwendung von geklärtem Brauchwasser auf allen Plätzen Mallorcas, laut GOB mischen viele der Betreiber jedoch mehr oder weniger Frischwasser darunter.

Das Projekt der Erweiterung von Son Muntaner, das in der lokalen, spanischsprachigen Presse als „neu” klassifiziert wurde, ist indes ein relativ alter Hut. Es handelt sich dabei um nichts anderes als den geplanten Platz mit Namen Son Muntaner II, der ursprünglich mal Son Quint hieß (MM hatte mehrfach berichtet). Der hatte bereits alle Genehmigungen, dann wurde dem Promotor Vibelba, der zur Schörghuber-Gruppe gehört, klar, dass der Platz von der Trasse einer zweiten Umgehungsautobahn durchschnitten würde, wenn diese je gebaut wird. „Zwei Löcher auf der anderen Seite der Schnellstraße zu haben, wäre Unsinn”, erklärt Peter P. Tschirky, geschäftsführender Vorstand der Arabella Hoteles e Inversiones. Deswegen habe man für diese beiden Bahnen ein neues Genehmigungsverfahren eingeleitet, das ein Jahr gedauert habe und jetzt abgeschlossen ist.

Bislang habe man auf dem Gelände am nördlichen Stadtrand von Palma lediglich Mutterboden bewegt und die bereits angelieferten Bäume „gerettet”; die eigentlichen Bauarbeiten mit der Modellierung der Landschaft sollen im September beginnen und etwa im April 2006 abgeschlossen werden. Danach kann eingesät werden, nach weiteren acht bis neun Monaten der erste Spieler auf den Platz. Das Besondere an Son Muntaner II: Es wird Mallorcas erster Golfplatz, auf dem jedermann spielen kann, ohne Mitglied zu sein.

Konkurrenz der Golfplätze hin, Kritik der Umweltschützer her: die Tourismuswerber freuen sich über das wachsende Angebot. „Mallorca wird so von Mal zu Mal attraktiver für eine besonders interessante Zielgruppe”, so Raimundo Alabern, Chef des balearischen Fremdenverkehrsamtes Ibatur, „zumal diese Urlauber meist in der aufkommensschwächeren Neben– und Nachsaison kommen.” mehr...

19. August - Man hört sie immer wieder, die Horrorstorys von der spanischen Polizei. Besonders Ausländer fühlen sich oft ungerecht behandelt und körperlich misshandelt. Jetzt geht gerade der Fall von TV-Moderatorin Arabella Kiesbauer, die sogar eine Nacht im Kittchen verbringen musste, durch die Medien (MM hatte am Donnerstag eine Vorabmeldung veröffentlicht).

Wer die Schuld daran trägt, dass die Diskussion um einen Knollen in Höhe von läppischen 42 Euro so ausgeartet ist, soll hier nicht beurteilt werden. Tatsache aber ist, dass die Uniformierten erstmal am längeren Hebel sitzen. Auch wenn die Österreicherin recht gehabt haben sollte, die spanische Nacht hinter schwedischen Gardinen gibt ihr niemand mehr zurück.

Wer mit einer der drei spanischen Polizeieinheiten zu tun hat, sollte sich also an einige Regeln halten, um unliebsame Folgen zu vermeiden. Unliebsame Überraschungen sind es nur für Ausländer, Einheimische wissen das:
Egal, welchen Unsinn ein Beamter Ihrer Meinung nach auch erzählen mag – bleiben Sie immer ruhig, immer sachlich.

Schnell fällt ein falsches Wort, das einen spanischen Beamten beleidigen könnte, auch wenn es gar nicht so gemeint war. Wer des Spanischen nicht absolut mächtig ist, sollte seine Zunge um so mehr hüten.

Auf keinen Fall sollten Sie erklären, wie ein solcher Fall von der Polizei in Deutschland (Österreich, der Schweiz ...) gelöst würde. Damit fordert man Spanier sicher heraus.

Fassen Sie die Uniformierten auf gar keinen Fall an! Das wird meist als Angriff aufgefasst.

Machen Sie einfach das, was Ihnen gesagt wird. Falls Sie das nicht verstehen, bedenken Sie, dass Sie sich in Spanien aufhalten. Ein Polizist muss weder Deutsch noch Englisch können. Zumal viele der Beamten nur für relativ kurze Zeit in der Touristenhochburg Mallorca stationiert sind.

Die Sensibilität der Polizei ist von Truppe zu Truppe unterschiedlich. Als besonders streng gilt die Guardia Civil, gefolgt von der Nationalpolizei (Policía Nacional). Mit einem Lokal-Polizisten kann man schon mal reden – wenn man's kann. mehr...

12. August - VW-Bossen wird der Plan vorgeworfen, sich an Angola-Exporten illegal bereichern zu wollen. Die Idee für den mutmaßlichen Betrug ist auf Mallorca ausgebrütet worden: von einem per Haftbefehl gesuchten Deutschen und einem ehemaligen Mitarbeiter. Eine in den USA angesiedelte Tarnfirma wurde von Palma aus geführt; auf einer Finca ließen es sich die Beteiligten bei Wein, Weib und mehr gutgehen. Alles über die Mallorca-Connection des VW-Skandals. mehr...

12. August - Die Bemerkung, er sei der verrückteste Österreicher auf Mallorca, macht Peter Nemec sichtlich Freude. Der TV-Moderator und Journalist („3satbörse”) fegt durch das Clubhaus von Golf Son Vida und erklärt, wie er das neue Restaurant gestalten will. Er hat sich in den Wiener Dickschädel gesetzt, ausgerechnet im mallorquinischen August das ambitionierte Projekt durchzuziehen. Während sonst die Hitze das Arbeitstempo drosselt, werkeln auf Nemec' Baustelle 30 Handwerker gleichzeitig. Am Sonntag, 21. August, soll Eröffnung sein. „Ich schaffe das, da können Sie sicher sein”, bescheidet er dem Zweifler.

Der studierte Volkswirt wird allerdings nicht Wirt, sondern ist der Investor. „Betreiber ist Cyrus Populo”, erklärt Nemec, „er ist der Gastgeber”, der sich um das Tagesgeschäft kümmert. Die Linie indes gibt Nemec vor. Den Namen hat einer seiner Freunde „erfunden”: La Vida. „Das klingt in allen auf Mallorca wichtigen Sprachen gut, und jeder weiß sofort, wo es liegt.” Und was gibt es zu essen? „Modernes Cross-Over zwischen Hummer und Bauernfrühstück”, lässt Nemec einen Blick in den Kochtopf zu. Er will nämlich sowohl Anwohner als auch Touristen und Golfer locken, und das mit dem ganz Besonderen neben etwas Leckerem zu gemäßigten Preisen für jeden Tag. Auf der Karte wird es in jeder Abteilung nur etwa fünf Gerichte geben, denn alles soll frisch zubereitet werden. „Alles andere wäre unehrlich”, so Nemec.

Noch liegt seine ganze Konzentration auf der Umgebung, in der diese Speisen serviert werden. Von der Terrasse aus werden die Gäste Blick auf den bis Mitternacht beleuchteten Golfplatz haben; im Patio ist ein großer Wasserfall der Blickfang. „Meerblick gibt es schließlich oft auf Mallorca”, so sein Kalkül, „ein romantisches Dinner für zwei direkt am Wasserfall gibt es nur bei uns.” Design und Gestaltung besorgt der Macher höchstpersönlich: „Daran habe ich einen riesigen Spaß; ich wäre auch gerne Architekt geworden”, beschreibt er die offensichtliche Freude, mit der er jedes Detail an der Baustelle erklärt („hier kommt noch Marés-Stein hin, die Pergola aus modernem Edelstahl konstrastiert mit dem mediterranen Ambiente; in die Toiletten kommen die neuesten Elemente von Philipp Starck, am Waschbecken gibt es keinen Wasserhahn mit Wasserstrahl, sondern eine Öffnung mit einem Wasserschwall”; und so weiter)

In der Halle soll ein Bistro tagsüber die Gäste verköstigen, Terrasse und Patio sind ab 20 Uhr geöffnet. Damit die Gäste diese nicht durch einen „toten” Raum erreichen, hat Nemec einen „Kunst-Tunnel” kreiert, auf den er besonders stolz ist. mehr...

12. August - Mallorca ist ein ideales Urlaubsziel für ganz verschiedene Zielgruppen. Das weiß nicht nur der Chef des balearischen Fremdenverkehrsamtes Ibatur, Raimundo Alabern. Neben Familien, Sonnenbadern, Wanderern, Golfern und Radlern wissen das aber auch trinkfeste Partygänger. Obwohl die Zeiten von Ballermann 6 und Bierstraße erstens so schlimm nie waren und zweitens auch ein wenig vorbei sind, gibt es immer noch reichlich Party an der Playa.

Nicht immer ist der Spaß am Saufen, Schwofen und Sexeln ungetrübt. Mitunter purzeln alkoholisierte Nachtschwärmer von den Balkons ihrer Urlaubshotels, meist mit tödlichem Ausgang. Manchmal geht es in den einschlägigen Etablissements auch sehr handgreiflich zur Sache.

Normalerweise kommt jetzt der Ruf nach mehr Polizei. In diesem Fall steht aber zusätzlich der Vorwurf der Bestechlichkeit im Raum. Unabhängig davon, ob er sich bestätigen sollte oder nicht, die Politik täte gut daran, jeden Eindruck zu vermeiden, der dem Image der Urlaubsinsel schaden könnte, das gerade mit viel Mühe, Not und Geld gekittet worden ist.

Gegen Tote im Meer ist allerdings gar kein Kraut gewachsen. Jedes Jahr sterben Urlauber beim Baden; sie ertrinken jedoch nicht einfach, sondern haben meist ein akutes gesundheitliches Problem, weswegen sie es nicht mehr aus dem Wasser schaffen. Natürlich könnte man noch mehr Bademeister und Lebensretter anstellen, vor allem an den noch relativ „unberührten” Stränden und Buchten. Aber ganz vermeiden lassen sich solche Fälle nie.

Unter dem Strich muss festgehalten werden, dass die Zahl der Probleme relativ klein ist. Relativ heißt verhältnismäßig, gemeint ist die Zahl der negativen Ereignisse im Verhältnis zur Zahl der Besucher. Angesichts von deutlich mehr als acht Millionen Touristen auf Mallorca in diesem Jahr ist es rein statistisch „normal”, dass es die eine oder andere schlechte Nachricht gibt. Das bleibt auch so, wenn sich wie in dieser Woche die Nachrichten über tote Urlauber häufen.

Da dem einzelnen Opfer die Statistik egal ist, heißt es: Aufpassen (jeder) und Pflicht erfüllen (Polizei und Behörden). mehr...

5. August - So gut war die Stimmung bei der TUI schon lange nicht mehr. Bei der Präsentation der Kataloge für die Wintersaison am vergangenen Wochenende präsentierten sich Volker Böttcher, Bereichsvorstand und Leiter der Geschäftsführung von TUI Deutschland, und Sören Hartmann, Geschäftsführer Touristik, in prächtiger Laune. Das lag nicht an der schönen Lage des Tagungshotels am Schwielowsee in Brandenburg, auch nicht an der kubanischen Live-Musik am Abschlussabend – es waren die guten Buchungszahlen, die den versammelten Managern ein Lächeln ins Gesicht zauberten.

Allen voran sorgte das Reiseziel Mallorca für Laune. Sage und schreibe 21'8 Prozent Buchungs-Plus verzeichnet die TUI aus dem Markt Deutschland. Damit ist die Insel „bereits jetzt als Gewinner der Saison zu erkennen”, so Böttcher. Nach oben gehe es in allen Segmenten, sowohl im Bereich Pauschalreise mit All-inclusive und der Zielgruppe Familie als auch im Flugeinzelplatz-Verkauf (Charter und Low-Cost) und bei der Hotelbuchung.

Der Grund für den Erfolg laut Böttcher: „Das Produktangebot hat sich erheblich verbessert”, er hob Familienclubs, Wellness und All-inclusive hervor. Auch die Regional-Regierung ernte jetzt die Früchte einer geschickten Kommunikation und der Investitionen, rief er dem balearischen Minister für Tourismus, Joan Flaquer, zu.

Gerade der Bereich Baustein-Reisen, bei dem sich die Kunden die einzelnen Urlaubsteile (also Flug, Hotel, Mietwagen) nach Bedarf selbst zusammenstellen, laufe besonders gut. Denn Mallorca sei eine „reife Destination”, die Infrastruktur sei zuverlässig, die Urlauber kennten sich bestens aus. Böttchers Fazit: „Alte Liebe rostet nicht, Mallorca erlebt einen regelrechten Buchungsansturm”.

In diesem Jahr bringt die TUI aus Deutschland insgesamt 1'2 Millionen Gäste auf die Insel, wie Sören Hartmann präzisierte. Damit habe man das Niveau vom Rekordjahr 1999 noch nicht ganz erreicht, werde das aber im nächsten Jahr schaffen – wenn nichts Unvorhergesehenes dazwischenkommt.

In der Wintersaison baut die TUI auf Mallorca die Anreize für Frühbucher aus. Neu: Der 50-Euro-Zusatz-Rabatt für die ersten 50.000 Bucher; außerdem stehen im Mallorca-Katalog mehr Hotels, die Zimmer zum „besten Preis” anbieten, jeweils in limitierter Anzahl.

Ebenfalls neu: Ein Club Elan für ältere Urlauber in Peguera; erstmals kann man im Vier-Sterne-Hotel Valentin Reina Peguera Langzeiturlaub mit entsprechender Betreuung machen.

Die TUI engagiert sich auch aktiv für den Umweltschutz auf den Balearen. Die Grüne Karte, eine Initiative der Regional-Regierung, lobte Böttcher ausdrücklich; Tourismusminister Flaquer bekam die Gelegenheit, den mehr als 100 Journalisten das Projekt zu erläutern (siehe auch Bericht auf der nächsten Seite). Die TUI wird 100.000 der Rabattkarten in Kommission verkaufen; Hartmann geht davon aus, dass es kein Jahr dauern wird, diese Anzahl bei den eigenen Kunden loszuwerden.

Die TUI-Gäste, die eines der acht balearischen Hotels buchen, die zu den 100 TUI-Umweltchamps gehören, bekommen die Tarjeta sogar gratis. Hartmann schätzt, dass insgeamt etwa 25.000 bis 30.000 Kunden pro Jahr in diesen Genuss kommen.

Darüber hinaus unternimmt der Veranstalter einiges, um die Kunden über das Projekt zu informieren. In allen Katalogen, in denen die Balearen vorkommen, gibt es Hinweise auf die Karte. Im Katalog „Ambiente & Flair” ist das eine halbe Seite, im „Stars” oder Mallorca-Katalog eine ganze. Die Abteilung Umweltmanagement des Konzerns widmet der Tarjeta Verde darüber hinaus ausführlich Raum im Internet. mehr...

29. Juli - Das Reiseziel Mallorca strahlt im neuen, alten Glanz. Deutsche Reiseveranstalter (Thomas Cook Reisen, Airtours) melden satte Zuwächse, nachdem schon 2004 viel vom verlorenen Terrain zurückgewonnen worden war. Die Gründe für den Boom: Mallorca ist vielfältig, die Preise sind (wieder) angemessen, die Urlauber fühlen sich sicher. Besonders beliebt: Kurztrips. mehr...

29. Juli - Wir Mallorca-Fans haben es schon immer gewusst: Unsere Insel ist die schönste der Welt. Jedenfalls in dem Teil der Welt, den man mit vertretbarem Aufwand erreichen kann.

Jetzt hat sich diese Erkenntnis auch bei vielen deutschen Urlaubern durchgesetzt. Wieder durchgesetzt, muss man sagen. Denn nach den Boom-Jahren Ende der 90er war das Eiland ein bisschen in Verruf geraten, die Besucherzahlen aus Alemania gingen entsprechend zurück.

Der wichtigste Grund für die neue, alte Herrlichkeit: Mallorca ist nicht nur schön, sondern hat eigentlich für alle Geschmäcker und Geldbeutel etwas zu bieten. Und zwar etwas außergewöhnlich Gutes. Sicher gibt es auch woanders Sonne, schöne Strände, freundliche Gastgeber, leckeres Essen, gute Hotels, schöne Landschaft, eine attraktive Großstadt, Kultur, Kunst, Geschichte. Aber auf Mallorca gibt es all das zusammen auf engem Raum; es ist die Kombination, die die Insel so einzigartig macht. Dazu kommt das Gefühl der Sicherheit: Auf der Insel haben es organisierte Banden schwer, weil ihr Operationsradius klein ist. Viele Ärzte sprechen deutsch, sogar in den „spanischen” Krankenhäusern. Und die große Mehrheit der Mallorquiner ist sich einig, dass sie Touristen wollen, weil erkannt wurde, dass sie Wohlstand bringen; der Preis dafür ist im Vergleich zu anderen Industrien klein.

Die drängendsten Probleme hat man in den Griff bekommen: Die Preise sind zumindest nicht weiter gestiegen; damit ist Mallorca im Konkurrenzkampf der Destinationen wieder wettbewerbsfähig. Das Image ist bereinigt, bis auf kleine Ausrutscher sind es jetzt die anderen, die in den deutschen Medien abgewatscht werden.

Doch es gibt noch reichlich zu tun. Auch wenn es an dieser Stelle schon mehrfach stand: Die Anbieter müssen weiter hart daran arbeiten, die Preise unten zu halten. Die Urlauber wollen ständig neue Reize, also müssen Anbieter ständig neue Angebote schaffen: in Hotels, in Restaurants, bei Ausflügen, überall. Wer sich ausruht, verliert. Nicht, weil er schlechter wird, sondern weil die anderen besser werden und ihn überholen. mehr...

22. Juli - MM-Leser Christian Schmitz hat sich über einen Autovermieter geärgert, weil er bei der Übernahme des Wagens am Flughafen einen vollen Tank bezahlen musste, „zu einem überhöhten Preis”, wie er moniert. Dass er das Auto mit leerem Tank zurückgeben soll, „ist auch nicht realistisch”. Er fragt: „Kann dies statthaft sein?”

Über die Methode mit dem vollen Tank mag man geteilter Meinung sein, statthaft ist sie auf jeden Fall. Schließlich weist der Vermittler Car del Mar in den Geschäftsbedingungen bei Vermietungen mit Partner Europa-Rent-a-Car auf seiner Website ausdrücklich auf diesen Sachverhalt hin. Der Kunde ist nur dann überrascht, wenn er sich den Klick auf die Geschäftsbedingungen spart – was freilich oft vorkommt.

So wie Schmitz sehen sich viele Urlauber beim Mieten eines fahrbaren Untersatzes in den Ferien mit Kosten konfrontiert, die sie nicht eingeplant hatten. Aus Unwissenheit, aus Unüberlegtheit oder weil sie nicht vorgebaut haben. Nicht immer beschränkt sich der Ärger auf eine zweistellige Euro-Summe, im schlimmsten Fall können die zusätzlichen Aufwendungen sogar in die Millionen gehen.

Nämlich dann, wenn man als Fahrer eines Mietwagens einen Unfall verursacht, bei dem schwere Personenschäden entstehen. Schnell kommen durch die Versorgung von Verletzten, etwaige Pensions– und Entschädigungsansprüche sowie das Schmerzensgeld Kosten zusammen, die von der spanischen Haftpflichtversicherung nicht mehr abgedeckt werden.

Um diese Risiken auszuschließen, empfiehlt der ADAC, eine sogenannte Mallorca-Police abzuschließen. Für lediglich 17 Euro Prämie können bei dem Automobilclub auch Nichtmitglieder die Haftpflichtsumme bei Personen– und Sachschäden im Falle eines Unfalls mit dem Mietwagen auf 10 Millionen Euro erhöhen. Wem die Laufzeit von einem Monat nicht genügt oder die Gültigkeit auf Europa außerhalb der EU erweitern will, kann für drei Monate bis zu 36'50 Euro ausgeben.

Ruhigen Gewissens fährt man mit einer Vollkasko-Versicherung. Schließlich ist alles versichert, auch Schäden am eigenen Fahrzeug. Doch sollte man genau hingucken, was wirklich versichert ist. Häufig sind Reifen, Innenausstattung, Glas, Dach oder Unterboden von der Kasko ausgenommen. Bekommt man etwa einen Platten, muss man den neuen Reifen selber zahlen. Auch bei Einbruch gehen die neuen Scheiben auf eigene Rechnung.

So oder so sollte man sich an die Mietbedingungen halten. In denen steht unter anderem, dass man mit dem Wagen nicht auf unbefestigten Straßen fahren darf. Das gilt, etwa bei TUI-Cars, auch wenn man einen Jeep Wrangler mietet. Wer Ölwannen oder den Unterboden bei einer Off-Road-Tour aufreißt, muss sich schon gut überlegen, wie er das erklärt.

Auch die günstigste Vollkasko-Versicherung hat wenig Sinn, wenn die Selbstbeteiligung bei 1000 Euro liegt. Man sollte also darauf achten, bis zu welcher Summe man sich selbst an etwaigen Schäden beteiligen muss.

Unvorhergesehene Ausgaben kommen immer dann auf einen zu, wenn man Sonderwünsche hat. Oft kostet ein zusätzlicher Fahrer einige Euro am Tag extra; für Kindersitze, Dachgepäckträger, Übernahme am Airport kommen weitere Gebühren hinzu. Besonders teuer ist es, den Wagen nicht an der Station abzugeben, wo man ihn übernommen hatte.

Entscheidend ist also nicht der Preis, mit dem ein Autovermieter wirbt. Der ist oft nämlich nur scheinbar günstig. Entscheidend ist die Summe, die unter dem Strich herauskommt. Nachrechnen lohnt sich also auf jeden Fall.

Bei den vielen Punkten, die man beachten muss, bietet es sich für einen Urlauber an, den Wagen bereits von zu Hause aus zu buchen. Das empfehlen Verbraucherschützer, der ADAC und der Deutsche Reisebüro Verband. Einmal im Lande, muss man sich mit den lokalen Anbietern, und seien sie von einer internationalen Kette, häufig in der Landessprache unterhalten, was automatisch zu Verständigungsproblemen führt.

Allerdings sollte man wissen, dass der Vertragspartner immer der Anbieter im Urlaubsland ist, im Zweifelsfall ist der Gerichtsstand in dem Land, in dem dieses Unternehmen ansässig ist. Das gilt auch, wenn man bei international bekannten Marken bucht. Die Verträge sind üblicherweise ebenfalls in der Landessprache abgefasst, ein Grund mehr, die Buchung bereits in der Heimat vorzunehmen, damit man wenigstens die Buchungsinformationen in der eigenen Sprache erhält.

Wer sich erst mitten im Urlaub für einen Mietwagen entscheidet, sollte vorzugsweise zu einem bekannten Unternehmen gehen. Dort sind die Chancen auf deutschsprachiges Personal, neuwertige Fahrzeuge und seriöse Abwicklung am größten. Nicht, das kleine, lokale Anbieter grundsätzlich schlecht wären. Aber wie will man als Ausländer die schwarzen Schafe erkennen?

Wer die Prozedur der Buchung erfolgreich hinter sich gebracht hat, darf die Vorsicht noch lange nicht fahren lassen. Die nächste Falle wartet bei der Übernahme des Wagens. Überprüfen Sie das Fahrzeug unbedingt auf etwaige Schäden, jede Delle und jeder Kratzer sollten in einem Protokoll (ist üblicherweise Teil des Mietvertrages) vermerkt werden. Sonst könnte es passieren, dass der Vermieter davon ausgeht, dass Sie den Schaden verursacht haben, und stellt ihn Ihnen in Rechnung.

Checken Sie auch, ob die Reifen noch ausreichend Profil haben. Und sind überhaupt auf jeder Achse zwei gleiche Reifen montiert? Oftmals kommt bei einer Panne nur ein neuer Reifen an den Wagen, nicht selten hört man von Mietautos, die mit vier verschiedenen Gummis bereift sind.

Nach dem Einsteigen sollte man sich mit der Bedienung des Fahrzeuges vertraut machen. Wo ist der Blinker? Wie gehen das Licht oder der Scheibenwischer an? Wer sich damit erst während der Fahrt beschäftigt, ist zwangsläufig unaufmerksam. Nach dem Anlassen sollte der erste Blick auf die Tankuhr fallen: Zeigt sie den Stand an, den man erwartet?

Wenn man nach hoffentlich unfall– und pannenfreien Tagen den Mietwagen zurückbringt, sollte man wiederum darauf achten, dass der Tank korrekt gefüllt ist. Muss der Vermieter nachtanken, stellt er oft weit mehr als den ortsüblichen Preis in Rechnung.

Wer zuvor einen vollen Tank gekauft hat, wird – wie Leser Christian Schmitz – vergeblich versuchen, mit leergefahrenem Tank wieder zur Übergabe zu erscheinen. Darüber braucht man sich jetzt auch nicht mehr zu ärgern. Besser: Vorher alles richtig machen und das wirklich günstigste Angebot auswählen. mehr...

22. Juli - Der Flughafen von Mallorca ist das erste und das letzte, was ein Mallorca-Reisender sieht. Entsprechend eindrucksvoll ist dieses Erlebnis auf einem der größten Airports des Landes. In diesen Tagen könnte es schlechter kaum sein: Berge von Müll, überall Schmutz, vor allem in den Toiletten ein unsagbarer Zustand.

Denn das Putzpersonal streikt, kämpft um mehr Freizeit. Da der Ausstand trotz der unschönen Äußerlichkeiten das Wichtigste, nämlich den Flugbetrieb, nicht behindert und keine Verspätungen oder gar Ausfälle verursacht, ist dagegen nichts einzuwenden. Arbeiter haben nun mal das Recht auf Arbeitskampf.

Etwas völlig anderes ist es, wenn die Streikposten glauben, man müsste von dem Ausstand schon nach einer Stunde etwas sehen, und fleißig Müll verteilen. Außerdem ist es illegal, wenn sie nicht den Minimal-Service ableisten, der von der spanischen Regierung festgelegt worden ist.

Wenn durch dieses ungesetzliche Vorgehen Urlauber davon überzeugt werden, nicht wieder nach Mallorca zu reisen, könnte es sein, dass das Putzpersonal (und viele andere Arbeitnehmer auf Mallorca) bald viel mehr Freizeit haben, als ihnen lieb ist. Statt Lohn oder Gehalt beziehen sie dann Arbeitslosengeld.

Nachvollziehbar, wenn Josep Oliver, der Präsident des balearischen Unternehmerverbandes CAEB den Einsatz der Sicherheitskräfte fordert, wenn sich so etwas bei den nächsten Streiktagen wiederholen sollte. Doch da eine weitere Eskalation niemandem nützt, tut der für die Polizei zuständige Delegierte der spanischen Zentralregierung Ramón Socias gut daran, die Uniformierten in der Kaserne zu lassen.

Über kurz oder lang wird nichts anderes übrig bleiben, als sich auf einen Kompromiss zu verständigen. Sonst ist alle Arbeit, Mallorca ein „sauberes” Image zu verpassen, in den vergangenen Monaten umsonst gewesen.

Grundsätzlich sollten Arbeitgeber und Gewerkschaften endlich mal lernen, ohne Streiks und Streikdrohungen auszukommen. Touristen, da sie über die Details nichts wissen, werden nämlich nur verärgert. mehr...

22. Juli - Der Preis, der Preis, und nochmals der Preis” ist den Deutschen im Urlaub am wichtigsten. Das hat das BAT Freizeit-Forschungsinstitut in einer Umfrage herausgefunden. Fazit: „Der Urlaub ist uns Deutschen lieb und teuer. Das war einmal.” Also schlechte Nachrichten für Mallorca. Schließlich kann das EU-Mitglied Spanien aufgrund höherer Löhne und besserer sozialer Absicherung nicht im Preiskampf mit Billig-Ländern wie Tunesien, Bulgarien oder Ägypten mithalten.

Oder doch? Schließlich erlebt das angeblich so hochpreisige Mallorca seit 2004 gerade im angeblich so preissensiblen deutschen Markt eine große Renaissance. Die Reiseveranstalter melden durch die Bank Zuwächse, bei den Fluggesellschaften sind die Wachstumsraten sogar zweistellig.

Man muss die Fragen und Antworten des Instituts eben genau lesen, um den scheinbaren Widerspruch aufzulösen. „Was ist für Sie persönlich bei der Auswahl eines Urlaubsziels entscheidend”, hieß die Frage, und auf einer Liste sollten die 3000 Befragten die Punkte ankreuzen, die auf sie zutrafen. 68 Prozent machten bei „Gutem Preis-Leistungs-Verhältnis” eine Markierung.

Wohlgemerkt: Preis-Leistung. Gäbe es keine Geiz-ist-Geil-Diskussion in Deutschland, hätte man genausogut auch die Überschrift „Leistung, Leistung, und nochmals Leistung” wählen können. Denn sowohl der Urlauber mit schmalem Portemonnaie als auch der Luxustourist wollen für ihr Geld einen entsprechenden Gegenwert. Je höher der Gegenwert, desto besser. Der Preis ist also nicht das einzige Kriterium.

Hier hat es das höherpreisige Mallorca offensichtlich geschafft, den höheren Preis mit der entsprechenden höheren Leistung zu rechtfertigen. Anders sind die guten Buchungszahlen nicht zu erklären.

Ach ja: 61 Prozent suchen „Schöne Landschaft”, 57 Prozent Gastfreundschaft, 56 Prozent Bademöglichkeiten im Meer. Noch mehr Gründe für Mallorcas aktuellen Erfolg. mehr...

8. Juli - Auch auf Mallorca haben die Terrorakte von London Trauer, Entsetzen und Wut ausgelöst. Besonders betroffen zeigten sich die englischen Staatsbürger; Touristen und Residenten zusammengenommen, halten sich in diesen Tagen 150.000 Briten auf der Urlaubsinsel auf. Vor allem bangten sie um Angehörige; viele waren nicht zu erreichen, weil die britischen Telefonnetze am Donnerstag völlig überlastet waren oder ausfielen. mehr...

8. Juli - Eigentlich wollten wir an dieser Stelle unserer Enttäuschung Ausdruck verleihen, dass Palma nicht mit Madrid Olympia-Gastgeber 2012 geworden ist. London hatte es nicht verdient, finden wir.

In der Tat: Das, was am Donnerstag in London passierte, hat die Stadt nicht verdient. Das weiß keiner besser als die Spanier, die mit ihrem 11. März die Erfahrung von koordinierten Terror-Anschlägen auf unbeteiligte Nutzer der U-Bahn bereits gemacht haben. Madrid ärgert sich daher nicht über London. Madrid fühlt mit London. Dabeisein ist eben nicht alles, wenn es darum geht, dass man sich dort aufhält, wo Bomben hochgehen. Grausam hat sich die Redensart bestätigt, wie nah Freud' und Leid sind.

Dabeisein ist aber doch alles, wenn es darum geht, europäische Grundwerte zu verteidigen. Da sitzen Menschen in London, Madrid und Mallorca im selben Boot. Das können auch Radikale nicht ändern. MM-Redakteurin Gabriele Kunze, zur Zeit in London auf Urlaub, berichtet von einem seltsamen Gefühl der Solidarität. Davon zehren Madrileños und New Yorker bis heute. Die vergangenen Anschläge zeigen aber auch: Das Leben geht weiter. Nichts kann die Attentäter mehr ärgern als die offensichtliche Erfolglosigkeit ihrer Bemühungen, unseren Lebensstil zu verändern.

Auch die Zeitung, die Sie gerade in Händen halten, ist dafür Ausdruck. Als am 11. September 2001 die Anschläge in den USA die Welt erschütterten, haben wir uns noch dafür entschuldigt, dass wir auch über etwas anderes als den Terror berichten. Als am 11. März 2004 die Bomben in Madrid die Welt erschütterten, standen in MM viele „ganz normale” Geschichten und Nachrichten. So ist es auch jetzt. Sicher, wir hätten gerne ausführlicher berichtet.

Bis zum Redaktionsschluss war die Nachrichtenlage allerdings noch so unübersichtlich, die Telefonverbindungen in die britische Hauptstadt so schlecht, dass man als wöchentlich erscheinende Lokalzeitung nur wenig zur Aktualität beitragen kann. Aber wir wollen auch zeigen, dass wir uns von Terroristen nicht die Tagesordnung vorschreiben lassen. mehr...

24. Juni - Schlechte Nachrichten für Mallorca-Fans: Die Airlines erhöhen wegen der steigenden Ölpreise den Kerosinzuschlag. Marktführer Air Berlin erhebt bereits seit Donnerstag für neue Einzelplatzbuchungen 14 statt zehn Euro pro Flug, damit werden Hin– und Rückflug acht Euro teurer. Condor und Hapagfly planen eine Erhöhung des Zuschlags zum 1. November. mehr...

24. Juni - Ein Flug nach Mallorca für 19 Euro. Wie soll das gehen, haben sich alle gefragt, als die Billigflieger auch die Palma in den Flugplan aufgenommen haben. Die Antwort: Es geht eben nicht. Zumindest nicht für alle. Die preiswerten Tickets sind subventioniert. Entweder vom Steuerzahler über den Umweg von Rabatten, die Flughäfen im Besitz der öffentlichen Hand an Airlines wie Easyjet geben, oder durch die Passagiere, die mehr für ihr Ticket zahlen.

Wer beispielsweise versucht, in dieser Woche nach Deutschland zu kommen, wird nur ganz ausnahmsweise für einen Hin– und Rückflug weniger als 200 Euro zahlen, oft sogar noch einiges mehr. Die, die mit Tickets unterwegs sind, die das Attribut billig wirklich verdienen, haben dieses schon vor vielen Monaten gebucht. Wer etwa jetzt einen Flugschein für den November kauft, hat gute Chancen auf billig.

Die Preise für Rohöl und damit für Flugbenzin sorgen jedoch dafür, dass es so oder so etwas weniger billig wird. Condor und Hapagfly erhöhen für Buchungen ab 1. November ihre Kerosinzuschläge, die Air Berlin hat schon an diesem Donnerstag pro Flug den Aufschlag von zehn auf 14 Euro angehoben.

Darüber mag man sich als Konsument ärgern. Aber eine Airline ist nun mal nicht die Heilsarmee. Sie will nicht nur keine Verluste, sondern einen ordentlichen Gewinn machen. Die hohen Spritpreise verschärfen den ohnehin harten Wettbewerb am Himmel; es steht zu befürchten, dass es bald die eine oder andere Pleite zu bejammern gibt. Wenn die Auswahl der Fluggesellschaften kleiner wird, ist das erst recht schlecht für den Verbraucher.

Wirtschaft ist eben ein streng logisches Geschäft. Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis, wer nicht mithält, verliert den Konkurrenzkampf. Diese Logik versteht jeder. Die Low-Cost-Logik, dass ein kurzfristig gebuchtet Ticket beim Billigflieger auch richtig teuer sein kann, ist dagegen für den einfachen Passagier nicht so leicht zu durchschauen. Ändern wird sich an diesem für Mallorca noch ziemlich neuen Gechäftsmodell aber nichts. mehr...

17. Juni - Das Projekt des Architekten Patxi Mangado für den Kongresspalast von Palma hat auf den ersten Blick viele enttäuscht. Es ist nicht spektakulär genug, „die trauen sich nicht, etwas Herausragendes zu machen”, monieren Kritiker. Das Guggenheim-Museum in Bilbao hat die Latte sehr hoch gelegt; seit der Eröffnung des in der Tat sehr spektakulären Gehry-Baus gilt es allerorten, etwas gleichsam Bedeutsames zu machen.

In Palma war das aber nie geplant, weil laut Vorgabe das Stadtbild, geprägt von Kathedrale, Schloss Bellver und Lonja, nicht überlagert werden soll von einer despektierlich sogenannten Zirkusarchitektur. Das haben Stararchitekten wie Rafael Moneo schon 1999 postuliert.

Doch der Bauplatz ist prominent, und die schiere Größe des Geplanten wird es zu einem optischen Anziehungspunkt machen. Mangados Entwurf ist von einer gewissen Leichtigkeit und Transparenz, man kann sich gut vorstellen, wie er sich sowohl gut einpasst als auch einen eigenständigen Charakter haben wird.

Vor allem aber, und das ist das wichtigste, wird es ein Kongresspalast sein, der den Namen verdient. Die mallorquinischen Architekten, die in der Jury saßen, loben die Funktionalität in den höchsten Tönen. Es können Mega-Tagungen mit 3000 Teilnehmern beherbergt werden oder sechs oder sieben mittelgroße Kongresse mit je 200 bis 400 Besuchern gleichzeitig.

Die Nutzer des Palastes werden von der Durchlässigkeit des Gebäudes viel haben. In den Gängen außerhalb der eigentlichen Säle geben Fenster den Blick frei auf Stadt und Meer. Eine Cafeteria auf der großen Dachterrasse bietet bis zu 650 Menschen gleichzeitig Platz.

Viel von dem, was in den nächsten Jahren entstehen wird, hängt jedoch davon ab, dass die Ausführungsplanung nicht von Politikern kleingeredet wird. Außerdem muss die Stadt das Viertel um den Kongresspalast umgestalten – inklusive Boulevard am Meer.

Das alles ist eine große Aufgabe. Längst überfällig, aber nicht zu spät. Dann kann Mallorca auch auf dem Gebiet der Kongresse auf Weltniveau mitspielen. mehr...