17. September - Die Vorbereitungen für Calviàs Einstand auf der internationalen Schachbühne laufen auf Hochtouren. „Gut 130 Länder haben ihre Teilnahme bereits zugesagt”, so Antonio Rami, Chef des Organisationskomitees der 36. Schach-Olympiade, „wir rechnen mit bis zu 150 Nationen.” Der Denkkampf um König und Bauern findet zwischen dem 14. und 31. Oktober an diversen Spielorten, insbesondere aber im Gran Casino Mallorca (Magaluf), statt.

Mit von der Partie werden die großen Namen der Schachwelt sein, darunter der russische Weltmeister Gary Kasparov, der in letzter Zeit bei Turnieren in erster Linie durch Abwesenheit glänzte. Weiter werden die Topspieler Viswanathan Anand (Indien, Weltranglistenplatz 2) und Vladimir Kramnik (Russland, 3) erwartet.

Im spanischen Team, das vor zwei Jahren im slowenischen Bled zwei Bronzemedaillen errang, treten unter anderem der 22-jährige Menorquiner Francisco Vallejo und die für den Bundesligisten SC Meerbauer Kiel spielende Monica Calzetta aus Palma an. Gegen Ende des Turniers entscheidet sich, ob Dresden die Schach-Olympiade 2008 ausrichten darf. Auf dem Kongress des Internationalen Schachverbands FIDE, der am 29. Oktober im Hotel Sol Antillas Barbados in Magaluf tagt, muss sich die Stadt gegen Tallin in Estland durchsetzen.

Die Gemeindeverwaltung Calvià als Veranstalter misst nicht nur dem sportlichen, sondern im Besonderen auch dem soziokulturellen Charakter der Schach-Olympiade hohen Stellenwert bei. Das unterstreicht zum einen der Auftritt der katalanischen Theatergruppe La Fura dels Baus bei der Eröffnungsveranstaltung am 14. Oktober am Strand von Santa Ponça. Zum anderen wird gemeindeweit rochiert und geschmissen, was das Zeug hält.

„In Schulen, Kulturzentren und sogar Seniorenheimen bieten wir seit Beginn des Jahres Schach-Kurse an”, sagt Rami, „und an jedem Samstag richten wir vor Einkaufszentren Hobbyturniere aus.” Auch nach der Olympiade soll Schach einen festen Platz im jährlichen Veranstalungskalender innehaben.

Dafür ersann man im Rathaus das Festival de Ajedrez, das in diesem Jahr erstmalig und parallel zur Olympiade stattfindet. Es bietet den Rahmen für diverse Turniere für Freizeitspieler und lockt mit Preisgeldern von mehreren zehntausend Euro. „Das Festival soll in Zukunft jedes Jahr Schachfans anziehen”, erhofft sich Organisator Rami.

Eigentlich hätte die Schach-Olympiade auf Menorca stattfinden sollen. Die Nachbarinsel bekam 2001 vom spanischen Schachverband die Aufgabe übertragen, für den wichtigsten Termin der Schachwelt ein würdiges Programm auf die Beine zu stellen.

„Als 2003 noch immer nicht mit den Vorbereitungen begonnen worden war, entschied sich der Verband für Calvià”, sagt Rami. Hoteliers zogen sofort mit und stellten quasi kostenfrei Unterkunft für Nationalspieler und Funktionäre zu Verfügung. Denn allen Beteiligten war klar: „Das ist für Calvià und Mallorca eine Riesenchance, sich weltweit einen Namen als Urlaubsort zu machen”. mehr...

27. August - Am Ortseingang begrüßt das Hinterlandnest Calvià den Besucher mit einer Tankstelle, der Dorfkneipe und dem Rathaus. Aber nicht irgendeinem Rathaus. Es musste schon eine Nummer größer sein, ein kantiger Block Beton, der so gar nicht in die sanfte Hügellandschaft passen mag. Immerhin liegt die Gemeinde mit ihren fast 45.000 Einwohnern im balearischen Bevölkerungsranking hinter der Regionalhauptstadt Palma auf Rang zwei. Da darf man ruhig ein wenig klotzen.

Doch der Schein trügt, die öffentliche Verwaltung sitzt auf Schulden in Höhe von etwa 120 Millionen Euro. Und das, obwohl die lokalen Abgaben und Steuern höchstes Niveau erreichen. Scheinbar bester Gesundheit erfreuen sich die Bankkonten der Bürger.

Eine Studie der Sparkasse La Caixa setzte die Tourismusgemeinde landesweit beim Pro-Kopf-Einkommen jüngst an die Spitze: Die zu passierende Hürde, im Jahr mindestens 13.500 Euro zu verdienen, nahmen die Calvianer mit links. Die Arbeitslosenquote liegt mit vier Prozent deutlich unter dem spanienweiten Mittel, und auf ein Auto kommen statistisch gesehen 1'2 Einwohner.

Stolze 72 Bankfililialen buhlen inzwischen um den Wohlstand der Bevölkerung, 20 mehr als noch vor sieben Jahren. Der Studie ist aber nicht zu entnehmen, welches Schicksal Oktober für Oktober die zahllosen Saisonarbeiter ereilt. Für sie, die an vorderster Front für das vom Tourismus abhängige Bruttoinlandsprodukt der Gemeinde arbeiten, stehen die Chancen bis zum folgenden Frühjahr schlecht.

Calvià – das sind 145 Quadratmeter Land zwischen Cas Català im Osten und Peguera im Westen. Im Norden umfasst es noch weitgehend unberührte Hügel und Täler der Tramuntana, im Süden streichelt türkisblaues Wasser das Cap de Cala Figuera. Im Yachthafen von Portals Nous trifft die Münchner Maximilianstraße auf die Düsseldorfer Kö: schnittige Boote neben noch schnittigeren Edelkarossen. Man stellt sich nur noch die Frage, was denn nun teuerer gewesen sein mag.

Das ist die eine Seite von Calvià. Den Neuankömmling in Santa Ponça erwartet die andere Wirklichkeit: einfallslose Betonbauten, so weit das Auge reicht. Hier verbringt der Urlauber die schönsten Wochen im Jahr nicht selten in einer 15 Quadratmeter kleinen Touristenzelle. Auch das ist Calvià, ein Synonym für Bausünden übelster Art.

Bis Anfang der 60er Jahre schlummerten Calvià und Capdellà noch weitgehend ahnunglos einer bewegten Zukunft entgegen. Die Gemeinde zählte knapp 2500 Einwohner, verteilt fast ausnahmslos auf die beiden Hinterlanddörfer. Mangels Arbeit verließen viele die Insel in Richtung Nordeuropa und Südamerika. Dann setzte der Massentourismus ein und schuf zur Beherbergung des hellhäutigen Ausländers Trabantensiedlungen an der Küste. Es entstanden Santa Ponça, Peguera, Palmanova und im Verlauf der folgenden 30 Jahre 15 weitere Küstensiedlungen. Calvià wuchs über sich selbst hinaus, ohne Rücksicht auf Verluste.

Anfang der 80-er Jahre begann die unkontrollierte Entwicklung und die fehlende Zukunftsplanung ihre negativen Folgen zu zeigen. Zunehmende Vermassung und das Fehlen eines attraktiven und innovativen Angebots, um Besucher anzusprechen, die etwas mehr suchten als Strand und Sonne, führten zu einem Stillstand bei der Nachfrage. Calvià war plötzlich out. Den Gemeindevorstehern war klar: so kann es nicht weitergehen, schließlich stammen 95 Prozent der Gesamteinnahmen direkt oder indirekt aus der Tourismusindustrie.

Nach Jahren des Nachdenkens begann man in Calvià 1995 mit der Ausarbeitung eines integralen und langfristigen Strategieplans, mit dem unter Berücksichtigung des Umweltfaktors eine Neuorientierung in der Entwicklung des Fremdenverkehrs und Stadtplanung angestrebt wurde. Außerdem sollte die Verwaltung bürgernäher und transparenter werden. Die selbst verordnete Frischzellenkur bekam den Namen Agenda 21 und fand auf der Insel schnell Nachahmer. Tatsächlich stellte sich bald eine kontinuierliche Besserung des einst totkranken Patienten Calvià ein. Überflüssige Hotels wurden gesprengt, die Strände erhielten Rettungswacht sowie sanitäre Einrichtmassung und das Fehlen eines attraktiven und innovativen Angebots, um Besucher anzusprechen, die etwas mehr suchten als Strand und Sonne, führten zu einem Stillstand bei der Nachfrage. Calvià war plötzlich out. Den Gemeindevorstehern war klar: so kann es nicht weitergehen, schließlich stammen 95 Prozent der Gesamteinnahmen direkt oder indirekt aus der Tourismusindustrie.

Nach Jahren des Nachdenkens begann man in Calvià 1995 mit der Ausarb mehr...

16. Juli - >Eine gehörige Portion Musik liegt in der Luft, der mallorquinische Open-Air-Konzertsommer erreicht in diesen Tagen und Wochen seinen Höhepunkt. Zwar machen die ganz großen Nummern der internationalen Szene in diesem Jahr einen Bogen um die Insel, man denke nur an den Aufritt von Oasis im Rahmen des inzwischen wieder eingestampften Isladencanta-Festivals vor zwei Jahren und an den Vater des Punk, Iggy Pop, im vergangenen Jahr. Die diesjährigen Auftritte dominieren die einheimischen Stars. Trotzdem hat sich so mancher klangvolle Name, vor allem aus der Jazz– und Bluesszene, angekündigt.

Einer davon ist Jazz-Bassist und Bandleader Charlie Haden. Der Amerikaner mit seinem Liberation Music Orchestra war schon in den Sechzigern ein kämpfendes Vorbild des politischen Jazz, Respekt und Anerkennung sind ihm heute noch sicher. Er tritt am Samstag, 17. Juli, um 22 Uhr im Gran Casino Mallorca (Magaluf) auf.

John Mayall, der zurecht als „Vater des britischen Blues” bezeichnet wird, betritt am Mittwoch, 21. Juli, die Bühne. In seiner legendären Begleitband Bluesbrakers, die er 1969 auflöste und 1982 wieder aufleben ließ, spielten Rocklegenden wie Mick Taylor, Eric Clapton und Mick Fleetwood. Das Konzert beginnt um 21.30 Uhr auf dem Sportgelände in Portocristo. Etwas softere Klänge schlägt zeitgleich in der Stierkampfarena in Palma die Familienband The Corrs an. Entdeckt wurden das irische Quartett 1990 beim Casting für den Film „The Commitments”. Die Rollen bekamen die Geschwister Andrea, Sharon, Caroline und Jim zwar nicht, doch der Grundstein für ihre weitere Karriere war gelegt.

Zu den immer weniger werdenden noch lebenden Hauptdarstellern des Wim-Wender-Films „Buena Vista Social Club” gehört die Kubanerin Omara Portuondo. Die Sängerin mit der großen Ausstrahlung gastiert am Freitag, 23. Juli, im Rahmen der Konzertreihe Noches Mediterráneas in Costa Nord in Valldemossa. Das Konzert, für das es nur noch wenige Karten gibt, beginnt um 22 Uhr.

Der 27. Juli gibt sich der spanischen Musik hin. In Palmas altem Fußballstadion Lluis Sitjar betritt um 22.30 Uhr die populäre Liedermacherin und Grande Dame des spanischen Chansons, Ana Belen, in Begleitung von Victor Manuel die Bühne. Dem Rock verschrieben hat sich die Band El Canto del Loco, die seit Jahren auf der Halbinsel regelmäßig für Furore sorgt. Die vier Musiker treten um 20.30 Uhr im Polideportivo Mateu Canyelles in Inca auf.

Ein überwiegend weibliches Publikum wird sich zum Konzert von Alejandro Sanz am 5. August im Palmesaner Stadion Lluis Sitjar einfinden. Der Superstar der spanischen Schmusemusik räumte bei diversen Verleihungen der MTV-Latino-Grammys bereits etliche Male ordentlich ab. Sein Auftritt in Palma startet um 22.30 Uhr.

Die sich in Deutschland rar machende Ute Lemper setzt am Mittwoch, 11. August, den Schlusspunkt des Festival Jazz Voyeur im Gran Casino Mallorca. Seit Jahren zählt die Sängerin zu den internationalen Topstars.

Nicht fehlen durfte im massenkompatiblen Sommerangebot ein Gastspiel der erfolgreichen OT-Pflanze Chenoa. Die auf Mallorca aufgewachsene Sängerin gehört neben ihrem Freund, dem neuen Superstar David Bisbal, zu wenigen Überlebenden der spanischen Version von „Deutschland sucht den Superstar”. Chenoa wird am Freitag, 20. August, in Felanitx erwartet.

Fangoria, dessen Sängerin die iberische Variante von Nina Hagen ist, gibt am Mittwoch, 25. August, Kostproben ihres Repertoirs. Begleitet wird die Band von Pastora, die unlängst mit „Lola” einen Ohrwurm landete. Ort des Geschehens ist Felanitx. mehr...

4. Juni - Fast die Hälfte seines Lebens, 28 Jahre, verbrachte Martín Mir Perelló, 63, unter der Erde. Jetzt steht er neben dem Schacht, durch den er bis vor 17 Jahren sechsmal die Woche in die Tiefe unter Selva stieg, und blickt mit Wehmut zurück. „Es war ein Knochenjob, aber ich habe ihn gern gemacht.” Er würde heute den gleichen Weg wieder einschlagen.

Schreiben haben seine groben Hände nie gelernt, daraus macht Mir keinen Hehl. Und die Lunge reduzierten Ärzte vor sechs Jahren auf ein Mindestmaß: der Kohlestaub forderte seinen Tribut. Die Grube von Es Pou de Sa Central war nur einer von drei unterirdischen Arbeitsplätzen, in der Mir zwar gut verdiente, aber auch seine Gesundheit ruinierte.

Die Kohle-Ära ist auf Mallorca längst vorbei, 1992 wurde in Biniamar die letzte Abbaustätte geschlossen. Zu unrentabel war das Geschäft mit der qualitativ minderwertigen Braunkohle geworden. Dabei gelangte dieser heute vergessene Industriezweig durchaus zu bescheidener Tradition. In den Jahren des Kohlebooms, die mit dem Kuba-Krieg (1898) und dem spanischen Bürgerkrieg (1936-39) zusammenfielen, malochten auf der Insel mehrere hundert Kumpels. In Alaró, Lloseta und Selva bis zu 200 Meter unter der Erde, in Biniamar und Sineu im Tagebau.

Als Vater des Bergbaus gilt Rafel Coll Palou aus Selva. „Es gibt so gut wie keine schriftlichen Quellen über diesen Aspekt Mallorcas”, sagen Catalina Pericàs und Bartomeu Mateu, zwei Lehrer aus Selva, die sich seit Monaten mit diesem Thema beschäftigen und demnächst ein Buch darüber herausbringen. Sie sprachen mit ehemaligen Bergarbeitern und Stollenbesitzern, beziehungsweise deren Nachkommen.

Rafel Coll (1843-1924) gründete um 1870 die Firma San Cayetano S.A. und gab damit den Startschuss für den Kohleabbau. Abnehmer waren zunächst Ziegelbrennereien, Destillierfabriken und private Haushalte. Das Geschäft gewann an Schwung, als 1875 zwischen Palma und Inca die erste Bahnlinie Mallorcas eingeweiht wurde.

An die unmenschlichen Arbeitsbedingungen in den niedrigen Galerien kann sich der ehemalige Kumpel Mir noch bestens erinnern. Kaum Luft, bedrückende Enge und „immer die Angst im Nacken, hier unten mein Grab zu finden”. Der größte Gefahrenfaktor sei aber das Wasser gewesen. „Die Pumpen mussten Tag und Nacht in Betrieb sein, und fiel der Strom mal für eine Viertelstunde aus, stand uns dort unten das Wasser bis zur Hüfte.” Vier tote Kameraden habe er in seinen knapp drei Jahrzehnten Minenarbeit ans Tageslicht geholt.

Rekrutierungsprobleme kannten die Eigentümer der Bergwerke dennoch nicht. Die Arbeiter bekamen nicht nur einen außergewöhnlich hohen Lohn, sondern in Krisenzeiten auch Extrarationen bei Lebensmitteln. „In den achtziger Jahren verdiente ein Bergarbeiter netto bis zu 110.000 Pesetas im Monat”, so Catalina Pericàs, „zudem konnte er mit 50 Jahren in Rente gehen.” Das sind Bedingungen, von denen selbst 20 Jahre später noch so mancher Supermarktangestellte träumt.

Lange Zeit waren alle Beteiligten zufrieden, die Unternehmer fuhren satte Gewinne ein, und die Arbeiter legten so manche Peseta zur Seite. Die Krise im Sektor begann 1977. „Wurde bis dato der Preis für Kohle nach Gewicht berechnet, war nun der Heizwert entscheidend”, erklärt Bartomeu Mateu. Und der war bei der Mallorca-Kohle sehr niedrig, womit die Gewinne schlagartig zurückgingen.

Doch damit nicht genug. Der Energieversorger GESA, inzwischen Alleinkunde der Braunkohle, klagte mit Erfolg auf Schadensersatz. „Son Cayetano S.A. musste etwa 25 Millionen Pesetas zurückzahlen.” Und GESA importierte fortan Steinkohle aus Südafrika, die nicht nur günstiger war, sondern auch einen bedeutend höheren Heizwert aufwies.

Verarmt sind die Nachfahren von Gründungsvater Rafel Coll trotzdem nicht. Urenkel Josep Carles Amengual residiert heute mit Familie einen Steinwurf entfernt vom ehemaligen Bergwerk Es Pou de Sa Central auf einem gut 300 Jahre alten Anwesen. Als 1987 in den drei Gruben Son Cayetano I und II sowie Es Pou de Sa Central für immer die Lichter ausgingen, war es nach Ansicht des international angesehenen Mediziners „bereits fünf Jahre zu spät”. Zehn Jahre hätte seine Familie gebraucht, um die angehäuften Schulden zurückzuzahlen. In Familienbesitz befindet sich heute nur Son Cayetano I, die beiden anderen Minen wurden von Privatpersonen gekauft.

Als die Sozialisten 1982 in Spanien die Macht übernahmen, keimte in der Kohleindustrie letztmals Hoffnung auf. Im Wahlkampf hatten sie versprochen, den angeschlagenen Sektor stärker zu subventionieren. „Dem war aber nicht so, deshalb kamen die Minenbesitzer zunehmend in Geldnot”, sagt Catalina Pericàs und fügt die weiteren Konsequenzen gleich an: „Es kam zu Streiks, weil die Arbeitgeber den Lohnforderungen der Bergleute nicht nachkamen.” Ex-Kumpel Martín Mir geht mit seinen ehemaligen Kollegen deshalb hart ins Gericht. „Mit ihren überzogenen Forderungen sägten sie uns allen den Ast ab, auf dem wir saßen.”

Um die aufgebrachten Arbeiter zu besänftigen, machte Son Cayetano S.A. den Kumpels ein Angebot: Sie durften als Aktionäre einsteigen. Dass sie den Vorschlag ablehnten, konnte ihnen Grubenerbe Carles Amengual nicht verdenken. „Wir gestatteten ihnen Einblick in die Bücher, und als sie sahen, dass wir tief in den roten Zahlen steckten, war das Thema schnell vom Tisch.” Die Bergleute hatten geglaubt, das Unternehmen erhalte für jede Tonne Kohle – die Tagesproduktion lag bei durchschnittlich 300.000 Tonnen – von GESA 9000 Pesetas. „Aber es waren nur 3000 Pesetas”, sagt der Urenkel von Rafel Coll Palou.

Damit endete 1987 für Mallorca das Kapitel Untertagebau, obwohl, wie Martín Mir sagt, in den Stollen noch Kohle für mehrere Jahrzehnte lagert. Vier Jahre fehlten dem drahtigen Senior damals zum rettenden 50. Geburtstag, „die Rente fiel deshalb um einiges geringer aus”, ärgert er sich noch heute.

Ein paar Kilometer weiter, in Biniamar, ging die Produktion über Tage noch fünf Jahre weiter. Andres Beltrán Morro, 43, gehörte zu dem knappen Dutzend Bergleuten, die 1992 auf der Insel die letzten Aktiven ihrer Zunft waren. Beim Rundgang durch die Fre sie den Vorschlag ablehnten, konnte ihnen Grubenerbe Carles Amengual nicht verdenken. „Wir gestatteten ihnen Einblick in die Bücher, und als sie sahen, dass wir tief in den roten Zahlen steckten, war das Thema schnell vom Tisch.” Die Bergleute hatten geglaubt, das Unternehmen erhalte für jede Tonne Kohle – die Tagesproduktion lag bei durchschnittlich 300.000 Tonnen – von GESA 9000 Pesetas. „Aber es waren nur 3000 Pesetas”, sagt der Urenkel von Rafel Coll Palou.

Damit endete 1987 für Mallorca das Kapitel Untertagebau, obwohl, wie Martín Mir sagt, in den Stollen noch Kohle für mehrere Jahrzehnte lagert. Vier Jahre fehlten dem drahtigen Senior damals zum rettenden 50. Geburtstag, „die Rente fiel deshalb um einiges geringer aus”, ärgert er sich noch heute.

Ein paar Kilometer weiter, in Biniamar, ging die Produktion über Tage noch fünf Jahre weiter. Andres Beltrán Morro, 43, gehörte zu dem knappen Dutzend Bergleuten, die 1992 auf der Insel die letzten Aktiven ihrer Zunft waren. Beim Rundgang durch die Freiluftmine Son Odre wird der Barbesitzer plötzlich ganz still. „Das ist das erste Mal, dass ich seit Stilllegung der Mine hier bin.” Wie seine Kollegen aus dem benachbarten Selva trauert er seiner Kumpelzeit noch heute hinterher.

Energieriese GESA gründete in den siebziger Jahren das Tochterunternehmen Lignitos. S.A. als Antwort auf die damalige Energiekrise. Der Heizwert der über Tage abgebauten Braunkohle in Biniamar lag etwa zehn Prozent unter dem von Alaró oder Selva. Knapp zwanzig Jahre später war nicht nur die Ölkrise Vergangenheit, auch der Berg rückte an Kohle mehr...

14. Mai - Wer in Palma wohnt und nicht mit Übergepäck zum Flughafen muss, hat eine besonders günstige Variante des Transfers: Die Linie 1 der städtischen Verkehrsbetriebe EMT erledigt den Transport tagsüber im Viertelstundentakt für 1'80 Euro. Billiger kommt nur zum Flieger, wer gute Freunde mit Auto besitzt.

Zwei weitere Möglichkeiten belasten den Geldbeutel entschieden mehr.
Für die Fahrt mit dem Taxi ist mit knapp 15 Euro inklusive Zuschläge (Flughafen 2'40 Euro, Gepäckstück 0'45 Euro) zu rechnen. Und Selbstfahrer stehen vor der Frage, wo sie ihr Gefährt für die Zeit ihrer Abwesenheit unterstellen. Dabei hat der Autofahrer die Wahl zwischen dem Parkhaus am Flughafen und dem Parkplatz Park & Fly in Coll d'en Rabassa.

Das Parkhaus am Flughafen ist in zwei Bereiche gegliedert: Die Stockwerke zwei bis fünf sind für Kurzzeitparker gedacht, das sechste für Langzeitparker. Wo ist der Unterschied? Auf der obersten Etage wird nach Kalendertag abgerechnet, auf den darunter liegenden prinzipiell nach Stunden. Wer also nachmittags um 17 Uhr rein– und am darauf folgenden Tag um zehn Uhr wieder rausfährt, zahlt bei den Langzeitparkern für zwei volle Tage 13'50 Euro. Für denselben Zeitraum wäre er ein Stockwerk weiter unten, bei den Kurzzeitparkern mit 11'25 Euro zur Kasse gebeten worden.

Bei Park & Fly hinter dem Carrefour-Einkaufsmarkt wäre es noch günstiger geworden: sieben Euro. In der ersten Woche kostet das Parken auf den nicht überdachten Plätzen pro Tag 3'50 Euro, mit Wellblech darüber 20 Prozent mehr. „Diese Preise lassen sich nur über Masse halten”, sagt Inhaber Uwe Gast, „durchschnittlich sind etwa 70 Prozent unserer 2000 Stellplätze belegt.”

Der Preisvorteil zugunsten von Park & Fly zieht sich durch sämtliche Rechenspiele. Eine Woche Parken am Flughafen schlägt mit 43'70 Euro zu Buche, in Coll d'en Rabassa ist es für 24'50 zu haben. Bei einer Stelldauer von drei Wochen entscheidet Park & Fly den Preiskampf mit 54'60 Euro zu 88'50 Euro ebenfalls klar für sich. Allerdings muss sich der motorisierte Fluggast damit anfreunden, auf dem Weg zum Einchecken in dem Palmesaner Vorort umzusteigen. Unternehmer Gast sieht darin keinen Nachteil: „Wir liefern jeden Kunden mit unserem Shuttle-Service binnen weniger Minuten am Terminal ab.” Weiter soll der Park & Fly-Nutzer seine Ankunft mit einer Vorlaufzeit von einem Tag ankündigen. „Damit wir einen reibungslosen Ablauf gewährleisten können”, so Gast.

Der Phantasie sind freilich keine Grenzen gesetzt. Es soll Leute geben, die lassen ihr Auto am Straßenrand in Can Pastilla und nehmen für den letzten Kilometer ein Taxi. mehr...

7. Mai - Der Biologie-Student Andrés weiß Deutschland von Österreich nicht so recht zu unterscheiden. Nach kurzem Überlegen schätzt er die Einwohnerzahl von Europas fleißigstem Nettozahler auf „um die acht Millionen”. Immerhin, die Hauptstadt ist auch für den Mallorquiner Berlin. Die geopolitische Bildungslücke wäre halb so schlimm, hätte Andrés dieser Tage auf dem Passeig des Born nicht eine besondere Mission zu erfüllen. Er steht dem Zelt vor, das anlässlich der EU-Erweiterung Wissenswertes über die beiden Länder im fernen Norden unters Inselvolk bringen soll.

Wer bislang Mühe hatte, die Eckdaten der 15 Mitglieder zu speichern, tendiert seit 1. Mai vermutlich zur Resignation. In ihrer fünften Erweiterung schwoll die Europäische Union um zehn mittel– und osteuropäische Staaten an: Polen, Ungarn, Tschechien, Slowakei, Estland, Lettland, Slowenien, Zypern und Malta. Die jahrzehntelange Trennung des Kontinents in West und Ost wurde damit endgültig überwunden. Der politische Nutzen in Form von Stabilität, Demokratie und Marktwirtschaft im Osten Europas war für die EU das überragende Motiv für die Erweiterung.

Doch längst nicht alle stimmen in den von oben verordneten Jubel ein. Es steht viel Geld auf dem Spiel, und die Zauberworte heißen Kohäsions– und Strukturfonds. Weil als einzige Region der neuen Beitrittsländer Prag die durchschnittliche Wirtschaftsleistung der EU erreiche, werde es zu einer Konzentration der Fördermittel auf die MOE-Staaten kommen, erläutert eine Studie der HypoVereinsbank. In der Haushaltsperiode 2002 bis 2006 stellt die EU für die Regionalförderung rund 213 Milliarden Euro zur Verfügung.

Die Balearen bekommen davon nicht allzu viel zu sehen. „Daher hat die Erweiterung für uns kaum finanzielle Nachteile”, sagt der Präsident der Handelskammer für Mallorca, Ibiza und Formentera, Miquel Lladó. Aus gutem Grund: Das Pro-Kopf-Inlandsprodukt liegt mit 101 Prozent über dem EU-Durchschnitt (100), womit sich der Archipel als Zielgebiet-1-Region – deren Pro-Kopf-BIP darf höchstens 75 Prozent des EU-Durchschnitts betragen – klar disqualifiziert. In diese Regionen überweist die EU 70 Prozent ihrer gesamten Strukturfonds. Damit sollen unter anderem Defizite bei der Basisinfrastruktur und auf dem Arbeitsmarkt behoben werden.

Ganz leer gehen die Balearen trotzdem nicht aus. Der EU-Fond für Regionale Entwicklung (EFRE) spült zwischen 2000 und 2006 90'4 Millionen Euro zur Bewerkstelligung wirtschaftlicher und sozialer Umstellungen in den Insel-Haushalt. Damit sind die Balearen Zielgebiet 2, wofür elf Prozent der Mittel aus den Strukturfonds (22'5 Milliarden Euro) aufgewendet werden.

Und dank Zielgebiet-3-Förderung erhalten die Inseln für Investitionen in Bildungssysteme und Beschäftigung weitere 31'6 Millionen Euro. Vergleichsweise lächerliche Summen, wenn man bedenkt, dass der Kohäsionsfonds ärmeren spanischen Regionen im gleichen Zeitraum mit insgsamt 11'2 Milliarden Euro unter die Arme greift.

In der nächsten Strukturperiode (2007 bis 2013) wird die EU der HypoVereinsbank-Studie zufolge die Strukturförderung in nur noch zwei Zielgebiete einteilen. Die Verfasser gehen davon aus, dass die MOE-Staaten dann ungleich mehr Gelder aus den EU-Töpfen bekommen als bis 2006.

Wie Spanien und die Balearen aus dem bereits begonnenen Verteilungskampf hervorgehen, muss abgewartet werden. Derzeit herrscht angesichts der Erweiterung noch Optimismus. Handelskammer-Chef Lladó sieht „große Investitionsmöglichkeiten in den neuen Ländern”. Die Arbeitskosten seien dort niedrig – nach einer Studie der spanischen Handelskammer 4'2 Euro/Stunde gegenüber 13'3 Euro/Stunde auf den Balearen – und das Ausbildungsniveau hoch. Die balearischen Unternehmen fordert er auf, sich baldmöglichst einen Marktanteil im Osten zu sichern.

„Bislang exportieren wir nur 1'3 Prozent unserer Waren in diese Länder”, so Lladó, „doch mit steigender Kaufkraft wird der Handel zunehmen.” In einem an Wettbewerb ständig zunehmenden Markt bricht der Präsident des balearischen Arbeitgeberverbands CAEB, Josep Oliver, eine Lanze für Qualität. „Das ist langfristig die einzige Strategie, unsere Produkte in der EU erfolgreich zu positionieren.”

Beim Tourismus ruhen die Hoffnungen der hiesigen Unternehmen auf Polen, der Tschechischen Republik und Ungarn. „Das Reisen für Urlauber wird einfacher, und wir sind überzeugt, dass diese Branche am meisten von der Erweiterung profitiert”, gibt sich Lladó optimistisch. Dem Beitritt der Sonneninseln Zypern und Malta misst er keine Bedeutung bei: „Diese Konkurrenz gab es bisher auch schon.” CAEB-Boss Oliver stimmt den Prognosen Lladós zu, erwartet eine spürbare Auswirkung auf die Besucherzahlen aus den MOE-Staaten, aber „frühestens mittelfristig”.

Student Andrés vom deutsch-österreichischen Gemeinschaftsstand ficht das alles vermutlich wenig an. Mit einem Anflug schlechten Gewissens kramt er ein paar DIN-A-4-Blätter hervor, „über Deutschland, aber Zeit, sie zu lesen, hatte ich bisher nicht”. mehr...

30. April - Ab Juni werden Umweltsünder in Palma unbarmherzig zur Kasse gebeten. Spucken, Pinkeln sowie Wegwerfen von Papier oder Zigarettenkippen auf der Straße: 300 Euro Buße; Benutzen der Müllcontainer außerhalb der vorgeschriebenen Zeit (19-23 Uhr): 900 Euro; Müllentsorgung am Strand oder im Meer: 1800 Euro. 21 Ordnungshüter in Zivil passen genau auf. mehr...

30. April - >Als Superminister Wolfgang Clement vor wenigen Tagen eine Ausweitung der Ladenöffnungszeiten anregte, schlugen quer durch die Parteien die Wellen hoch. Die Gewerkschaften rüsteten sich umgehend zum harten Gefecht und versprachen dem Wirtschaftsminister einen heißen Tanz. Ginge es nach dem Rheinländer, dürfte der Einzelhandel in Zukunft werktags rund um die Uhr öffnen. Die Sonn– und Feiertagsregelung will er den Bundesländern überlassen. Zwölf Bundesländer kündigten bereits ihren Widerstand an.

Vermutlich hatten sich Clements Berater im Vorfeld in den europäischen Nachbarländern umgesehen. Dort ist beispielsweise gängige Praxis, an Sonn– und Feiertagen zumindest vormittags zu öffnen. Wobei im katholischen Spanien der Ruhetag weitgehend eingehalten wird. Handelt es sich nicht um einen der gesetzlich festgelegten verkaufsoffenen Sonntage, beschränken sich die Einkaufsmöglichkeiten im Allgemeinen auf Brot, Blumen und Zeitung.

Doch das Beispiel Balearen zeigt, dass es eine landesweit einheitliche Regelung nicht gibt. Schreibt das spanische Ladenschlussgesetz für dieses Jahr zwölf verkaufsoffene Sonn– und Feiertage vor, geben sich die Inseln mit fünf zufrieden. „Jeder weitere Tag wäre wirtschaftlich gesehen sinnlos”, sagt der Präsident des mallorquinischen Einzelhandelsverbands AFEDECO, Pau Bellinfante. Zusammen mit dem Verband der mittelständischen Unternehmen, PINEM, überredeten die Händler das hiesige Wirtschaftsministerium zum Verzicht auf die restlichen sieben Tage. Denn in Sachen Feiertagsregelung hat die Region das letzte Wort. Bellinfantes PINEM-Mitstreiter Ángel Pujol nennt den Vorgang einen „Deal unter Freunden”.

Keine Freunde machten sich die beiden Verbände bei den großen Kaufhäusern und Verbrauchermärkten wie El Corte Inglés, Carrefour oder Alcampo. Die sind im Verband ANGED zusammengeschlossen und verstehen sich als Anwalt des modernen Verbrauchers. „Die Einkaufsgewohnheiten der Menschen haben sich in den vergangenen Jahren geändert”, sagt deren Sprecher Bartolomé Sitgar. Wegen Zeitmangels bliebe vielen Berufstätigen nichts anderes übrig, als in den Abendstunden oder am Wochenende ihre Einkäufe zu erledigen. Die im ANGED zusammengeschlossenen Unternehmen drohten unlängst, an den zwölf verkaufsoffenen Sonn– und Feiertagen festzuhalten. Die Mittelständler hingegen fürchten um ihre Existenz. Aus Kostengründen könnten sich längere Öffnungszeiten die wenigsten leisten, klagt Verbandsfunktionär Pujol.

Entspannter gestaltet sich das Geldverdienen zwischen Montag und Samstag. Dabei ist sich ganz Spanien einig, dass hierfür 72 Wochenstunden ausreichen müssen. Der Gesetzgeber schreibt nur eine maximale Öffnungszeit von zwölf Stunden pro Tag vor. „Der Händler kann sich diese Stunden nach Belieben einteilen”, so Pujol vom PINEM. Und in Tourismuszentren wird von Mitte März bis Ende Oktober zwischen Werk– und Feiertagen nicht mehr unterschieden. „Dann können die Geschäfte sieben Tage die Wochen bis zu zwölf Stunden täglich öffnen.”

Dass der Konsumwille mit längeren Öffnungszeiten steige, glaubt AFEDECO-Chef Bellinfante keinesfalls. „Es gibt tagsüber schon jetzt Stunden, in denen kaum Umsatz gemacht wird.” Ángel Pujol von den Mittelständlern pflichtet ihm bei, gesetzlich geändert werden sollte nur der Einfluss der Zentralregierung. „Aber nach dem Regierungswechsel sind wir optimistisch, dass die Kompetenzen zu Öffnungszeiten bald ausschließlich bei den Regionen liegen.”

In Deutschland scheinen die Bundesländer den Vorstoß Clements verhindern zu können. Und auch dort verweisen die Mittelständler auf den Wettbewerbsnachteil gegenüber den Großen der Branche. Derweil ist Clements Ziel durchaus lobenswert: der Abbau vielfach überflüssiger Bürokratie. mehr...

16. April - Wenn es um Einwanderer geht, müssen die Balearen in Europa nur die holländische Region Flevoland „fürchten”. Denn nur in dieser kleinen Küstenregion, so fanden Statistiker von Eurostat unlängst heraus, liegt die Quote pro tausend Einwohner noch höher als auf der Inselgruppe: 24'6 zu 23'2 für Holland. Insgesamt zählten die Balearen zu Jahresbeginn rund 126.000 gemeldete Ausländer.

Ob beim Durchschnittsbalearen die Spitzenposition Stolz oder vielmehr Schweißausbrüche auslöst, sei dahingestellt. Ohne Zweifel aber ist das Thema Einwanderung inzwischen ein gesellschaftlicher Dauerbrenner. Davon zeugt auch die Publikationsfreude, mit der sich Wissenschaftler sowie öffentliche und private Institutionen dem neuen Phänomen widmen. Kürzlich war es wieder soweit: Der mallorquinische Professor für zeitgenössische Geschichte, Sebastiá Serra (52), stellte ein Gemeinschaftswerk verschiedener Experten mit dem Titel „La Immigració, Països Emissors i Les Illes Balears” (Verlag Edicions Cort) vor.

Darin beleuchten 19 Mitverfasser das zunehmend an Brisanz gewinnende Thema aus drei verschiedenen Perspektiven. „Zunächst analysieren wir den internationalen Kontext und dann die länderspezifischen Gruppen. Abschließend nähern wir uns der sozialen Lage in den jeweiligen Herkunftsländern”, fasst Serra, der an der Balearen-Universität UIB lehrt, zusammen. So detailverliebt die Texte oft sind, die Zahlen sind leider veraltet. Der Ausländeranteil an der hiesigen Bevölkerung beträgt beispielsweise längst nicht mehr 5'65 Prozent, wie den Leser eine Grafik glauben machen will, sondern 13'35 Prozent.

Die einzige ausländische Mitarbeiterin bei dem Werk über Einwanderung auf den Balearen ist Verena Kuhnen de Roca (59). „Es ist eben ein Thema, das mich auch persönlich interessierte”, sagt die vormalige Psychologie-Dozentin der Freien Universität Berlin. Bei den Mallorquinern herrsche noch immer die Meinung vor, bei den Deutschen handele es sich nur um Wohlhabende, hat Kuhnen de Roca in ihren 16 Jahren Mallorca beobachtet. „Doch in den letzten Jahren hat sich das Profil des Mallorca-Deutschen erheblich verändert.” Immer jünger seien die Menschen, die auf die Insel kommen, „und immer mehr kommen auch zum Arbeiten”. Dass der Zustrom in den nächsten Jahren abreiße, glaubt sie nicht. Denn viele Deutsche täten es ihren Verwandten und Bekannten gleich und zögen in den Süden nach.

Wer sich ohne gesicherte Pension auf das Abenteuer Mallorca einlässt, sollte nach Ansicht von Serra mit einer guten Ausbildung aufwarten können. „Der große Wirtschaftsboom ist erstmal vorbei. Wenn Arbeitskräfte gesucht werden, dann in erster Linie Fachkräfte”, prognostiziert der Wissenschaftler. Jüngst veröffentlichte Zahlen des balearischen Wirtschaftsministeriums geben ihm Recht. Danach fiel die Zahl der geschaffenen Jobs von 21.163 im Jahr 2000 auf zuletzt 1884 (2003). Die logische Folge ungebremster Zuwanderung ist eine kontinuierlich steigende Arbeitslosenquote.

Der massive Zustrom von Ausländern habe aber nicht nur ökonomische Folgen für die Balearen, sondern auch gesellschaftliche, sagt Serra. „Die Menschen hier erlitten einen regelrechten Schock”, hat er festgestellt, „die waren auf eine solche Situation nicht vorbereitet.” Damit sei auch die Angst um den Verlust ihrer Identität zu erklären. Womit das hoch emotionale Thema Sprache erreicht wäre. Serra ist der Meinung, dass Zuwanderer sowohl Castellano als auch Catalán erlernen sollten, „es sind hier nun mal die beiden offiziellen Sprachen”.

Kritisch geht Serra mit den Behörden ins Gericht. Die seien auf die Bedürfnisse der Einwanderer nur unzureichend eingestellt. „Es fehlt an allen Ecken und Enden”, bemängelt der Experte die öffentliche Verwaltung, „vor allem in den Bereichen Gesundheitswesen und Schule.” Er wirft den Regierenden schlicht ein Mangel an Weitsicht vor, „da besteht noch viel Nachholbedarf”. Das gelte auch für die Dialogbereitschaft zwischen Neuankömmlingen und Insulanern. „Man muss miteinander reden.” Wie die balearische Gesellschaft in 20 Jahren zusammengesetzt sein wird, hängt für Serra davon ab, wie die internationale Gemeinschaft auf die zunehmende Bedrohung durch islamische Terroristen reagiert. „Die Welt verlangt nach einem grundlegenden Kurswechsel. Wenn es den Industrieländern nicht gelingt, die Lebensbedingungen in vielen Staaten zu verbessern, wird der Zustrom nach Europa andauern.”

Auf die Frage, ob Deutsche und Mallorquiner von der Mentalität zusammenpassen, antwortet Psychologin Kuhnen de Roca mit einem spontanen Nein. „Tagsüber regen sie sich auf, dass der Wagen aus der Werkstatt nicht pünktlich fertig ist, und abends lieben sie das süße Inselleben.” Die Berlinerin wünscht sich von ihren Landsleuten mehr Gelassenheit, „nicht immer nur meckern und versuchen, die Mallorquiner zu erziehen”. mehr...

7. April - >Der Immobilienmarkt auf den Balearen ist ein ganz spezieller Fall. Eigentlich gibt es derer nämlich zwei – einen für die Spanier und einen für die Ausländer, die meist aus dem kühlen Nordeuropa kommen, um hier den Golfschläger zu schwingen oder um sich langsam aus dem Arbeitsleben zurückzuziehen.

Nach ein paar Krisenjahren macht sich in diesem Frühling wieder Hoffnung breit in der Branche. Den einheimischen Markt stützen niedrige Zinsen, Steuervergünstigungen und der anhaltende Zustrom von Einwanderern. Die deutschen Interessenten bauen auf die lang ersehnte Erholung ihrer Binnenwirtschaft. Von psychologischer Bedeutung dürfte auch die Vorhersage sein, die Immobilienpreise 2004 würden seit vielen Jahren erstmals weniger als 15 Prozent steigen. Josep Oliver, Präsident des balearischen Verbands der Immobilienhändler API, erwartet zum Jahresende „einen Anstieg von zehn bis zwölf Prozent”. Die Preise seien zwar durchaus hoch, gibt der Experte zu, aber dies sei auf die entsprechende Nachfrage zurückzuführen. Auf dem heimischen Markt, also bei den Spaniern, die einen Erstwohnsitz erwerben wollen, rechnet Oliver aber mit einem baldigen Rückgang an Kaufnachfragen. „Der Boomzyklus geht allmählich zu Ende.”

Den ausländischen Markt im Raum Calvià beobachtet Olivers Vize Sebastián Martínez. „Was ganz gut läuft, sind Objekte zwischen 750.000 und 900.000 Euro”, sagt er, „die Luxusobjekte verkaufen sich nur schleppend.” Trotzdem gibt sich der API-Funktionär optimistisch. Der britische Markt sei weiterhin stabil, trotz hohen Pfunds, und die Deutschen zeigten auch wieder mehr Interesse. „Außerdem registrieren wir zunehmend Nachfragen aus anderen Ländern, sogar aus Andorra und Osteuropa.”

Dem Gerücht, bei den irrwitzig gestiegenen Immobilienpreisen auf Mallorca (in den vergangenen sechs Jahren haben sich nach Berechnungen des spanischen Statistikamts die Preise verdoppelt) handele es sich um eine Blase, die bald zu platzen drohe, treten die beiden Experten entschieden entgegen. „Der Markt ist sehr solide, zudem darf man nicht vergessen, dass die Insellage entschieden zur Preisstabilität beiträgt.” Nach Einschätzung Olivers liegt die Zukunft der Baubranche in großem Maße in der Wiederinstandsetzung von Altbauten.

Ob alt oder neu, in Zeiten eines Überangebots ist der Preis immer öfter Verhandlungssache. Der Käufer akzeptiere längst nicht mehr die Ausgangspreise, hat Calvià-Insider Martínez beobachtet, „da sind Nachlässe zwischen zwei und 20 Prozent drin”. Oft liege das aber nicht ausschließlich am Verhandlungsgeschick als vielmehr an völlig überzogenen Anfangspreisen. Den aktuellen Durchschnitts-Quadratmeterpreis für eine 100-Quadratmeter-Wohnung taxiert Martínez auf 2500 Euro, das frei stehende Chalet in Portals Nous schlage mit 800.000 Euro zu Buche.

Beim Käuferverhalten will Martínez Unterschiede zwischen Deutschen und Briten festgestellt haben. Während die Angelsachsen auch ein spanisches Maklerbüro nicht scheuten, ziehe es den Deutschen zu seinem Landsmann. Dass die sich gerade erholende Nachfrage unter dem Eindruck der Madrider Attentate vom 11. März leiden könnte, glaubt der API-Vize nicht, „es sei denn, da kommt noch einiges nach”.

Unterdessen gab das spanische Bauministerium das neue Preis-Ranking, aufgeschlüsselt nach Regionen, heraus: Die Balearen behaupten darin ihren vierten Platz, nach Madrid, Baskenland und Katalonien. Der Durchschnittspreis für den bebauten Quadratmeter lag demnach auf dem Archipel zu Jahresbeginn bei 1724 Euro. Zum Vergleich: 1998 gab es für das gleiche Geld noch gut zwei Quadratmeter. mehr...

26. März - >Seit Montag ist das Feuchtgebiet Es Salobrar bei Campos Teil des weltweiten Netzwerkes „Living Lakes”, das die internationale Stiftung für Umwelt und Natur (GNF) 1998 ins Leben rief.

Ziel der Aufnahme von Es Salobrar ist nach Aussage von GNF-Vorstand Udo Gattenlöhner, durch „Öffentlichkeitsarbeit eine Balance zwischen umweltpolitischen und wirtschaftlich-touristischen Interessen” zu erreichen. Der Balearen-Regierung liegt derzeit ein Projekt für eine Bäderklinik in unmittelbarer Nachbarschaft des Schutzgebietes vor. „Wir sind grundsätzlich nicht gegen dieses Vorhaben”, sagen Gattenlöhner und der Präsident der balearischen Umweltschutzorganisation GOB, Macià Blázquez, „aber nur in gebührendem Abstand zu Es Salobrar”. Nach Auffassung der Umweltschützer ist es nach S'Albufera das zweitwichtigste Feuchtgebiet auf Mallorca.

Mit ihrer Zusammenarbeit wollen GNF und GOB die deutsche Öffentlichkeit für eine nachhaltige Tourismusentwicklung sensibilisieren und zu Spenden aufrufen. „Ich denke schon, dass Rad– oder Wandertouristen der Erhalt der Inselnatur 50 Euro im Jahr wert ist”, glaubt Gattenlöhner. Weiter schwebt den beiden Vereinen ein effizientes Parkmanagement mit eigener Verwaltung vor.

Die grenzüberschreitende Kooperation von Umweltschützern machte bereits auf der Berliner Tourismusmesse ITB von sich reden. Der deutsche GOB-Mitarbeiter Gerald Hau kritisierte auf einer Pressekonferenz die Umweltpolitik der Balearen-Regierung. mehr...

27. Februar - Die Stadt Palma ist auf dem besten Weg, das Babylon des Mittelmeerraums zu werden. Wem diese Entwicklung beim täglichen Streifzug durch die Balearenmetropole noch nicht auffiel, bekam es vor wenigen Tagen schwarz auf weiß: „Die Zahl der Ausländer stieg innerhalb eines Jahres um 20 Prozent”, titelten die regionalen Tageszeitungen. Das Einwohnermeldeamt hatte seine Zahlen veröffentlicht und am 1. Januar des Jahres insgesamt 52.455 gemeldete Nicht-Spanier gezählt. Damit ist etwa jeder Siebte von den 380.000 Einwohnern Palmas Ausländer.

Spanienweit wird der Zustrom aus dem Ausland weiter anhalten, glauben die Verfasser einer Einwanderungsstudie, die der spanische Sparkassenverband FUNCAS kürzlich veröffentlichte. Danach werden 15 Prozent der Bevölkerung im Jahre 2010 einen ausländischen Pass haben, gut doppelt so viele wie derzeit. Auf den Balearen ist dieser Wert vermutlich schon erreicht, wenn auch nicht durch offizielle Zahlen bestätigt. Nach der Erhebung des spanischen Statistikamts INE betrug der ausländische Bevölkerungsanteil zum 1. Januar 2003 13'37 Prozent. Über die Dunkelziffer schweigen sich die Statistiker freilich aus.

Nicht so Marlen Perea und auch nicht Catalina Terrassa. Erstere ist Präsidentin des balearischen Verbands diverser Immigrantenvereinigungen (FAIB) und glaubt, dass bürokratische Hürden so manchen Zuwanderer vom Gang zum Einwohnermeldeamt abhalten. „Ohne Mietvertrag ist oft nichts zu machen”, erklärt die 47-jährige peruanische Sozialarbeiterin, „aber den hat nur der Hauptmieter.” Vor allem Zuwanderer aus Entwicklungsländern teilten sich die hohen Mietkosten in Palma aber mit mehreren Mitbewohnern. „Und die bleiben dann auf der Strecke.”

Catalina Terrassa sieht das anders. Sie ist Stadträtin für Infrastruktur und nach ihrer Version ist das Gros der Einwanderer im Rathaus gemeldet, „schon deshalb, weil sie damit Zugang zu Gesundheitssystem und Schulwesen haben”. Die Zahl der Nichtgemeldeten hält sie daher für sehr gering.

Einig sind sich die beiden Frauen, dass insbesondere in den vergangenen drei Jahren „der Zuzug spektakuläre Ausmaße annahm”. Terrassa erkennt in dem für Spanien noch jungen Phänomen in erster Linie eine Gefahr für die Haushaltskasse. So lange es für alle Neuankömmlinge Arbeit gibt, sei alles kein Problem, ja, dann erführe die Gesellschaft gar eine „kulturelle Bereicherung”. Fehlten aber Jobs, dann „fallen sie der Gesellschaft zur Last”. Noch sei das nur bedingt der Fall. Allerdings, so die Kommunalpolitikerin, stehe die Stadtverwaltung vor allem bei Wohnraum, Schule und Gesundheitswesen vor großen Herausforderungen. Für April hat Palma eine Mietoffensive für Einkommensschwache angekündigt. „Dabei übernehmen wir gegenüber dem Vermieter die Garantie des Mietzinses”, sagt Terrassa.

Nach Auffassung von Sozialarbeiterin Perea beginnen Politik und Gesellschaft erst jetzt allmählich, sich mit dem Phänomen Zuwanderung zu befassen. „Dabei zeichnete sich diese Entwicklung seit Jahren ab.” Was noch immer fehle, sagt die FAIB-Präsidentin, seien Antworten. Beispielsweise auf die triviale Frage, wo die Ausländer ihre Freizeit verbringen sollen. „Den Spanier zieht es in die Bar, der Südamerikaner lädt seine Freunde gerne nach Hause ein”, gibt Perea einen Einblick in das unterschiedliche Sozialverhalten, „doch da gibt es wegen der Wohnungsnot kaum Platz.” Mit der Folge, dass sich ganze Kollektive auf öffentlichen Plätzen versammeln. „Und das führt wiederum zu Spannungen mit den Anwohnern.”

Bei der Integration von Ausländern „gibt es keine großen Probleme”, sagt die Infrastruktur-Beauftragte Terrassa, und will dafür ein untrügliches Zeichen erkannt haben: „Die Zahl der Mischehen nimmt ständig zu.” Nur mit der Eingliederung von Menschen aus islamischen Ländern gebe es bisweilen Schwierigkeiten. Die Peruanerin Perea glaubt bei nicht wenigen Einheimischen eine ablehnende Haltung ausgemacht zu haben. Da werde um Schulplätze und Jobs gebangt. „Doch ohne Immigrantinnen bei der privaten Altenbetreuung wären die spanischen Frauen heute nicht im Job, sondern zu Hause bei der kranken Mutter”. mehr...

16. Januar - >Mallorca entwickelt sich in Sachen Abfallmanagement zum Wunderland. Die gute Nachricht darf natürlich kein Geheimnis bleiben. Was liegt also näher, als in den nagelneuen Umwelttechnologie-Park Besucher zu locken und sie mit einer Mischung aus Information, Hightech und Kulinarischem zu versorgen? Das alles gratis, versteht sich. Damit gar nicht erst Zweifel aufkommen, sorgt im Besucherzug eine Off-Stimme: „Diese Einrichtung bedeutet die endgültige Lösung des Abfallproblems.”

Die müllpolitische Zeitenwende läutete das Who is Who der mallorquinischen Politik bereits im Juni ein. Bei der Einweihung des seit Jahren angekündigten Recycling-Zentrums vor den Toren Palmas sprach man nicht von Müll, sondern gehaltvoll von „wichtigen Ausgangsstoffen im 21. Jahrhundert”. Im November startete der Inselrat in Zusammenarbeit mit dem Betreiber der Anlage, dem Konzessionär für Abfallwirtschaft Tirme, Informationsveranstaltungen für die Öffentlichkeit. Zunächst durften sich allerdings nur Schulklassen und Rentnergruppen ein persönliches Bild von Mallorcas Abfallzukunft machen. Im Februar soll diese Einschränkung aber fallen, sagt Tirme-Pressesprecher Joan Vidal. Interessierte haben dann jeden Samstagvormittag Gelegenheit, sich den 90 Millionen teuren Umwelttechnologie-Park aus der Nähe anzusehen.

Die rund 40 Oberstufenschüler, die im Konferenzraum den Erklärungen von Vidal lauschen, hätten vermutlich freiwillig nicht den Weg nach Son Reus gefunden. Bei Themen wie Energiegewinnung aus Methangas, Kompostierung und Recycling lässt die Aufmerksamkeit schnell nach. Die älteren Jahrgänge seien ihm da schon lieber, gibt Vidal offen zu, „die Fragen mich danach Löcher in den Bauch”. Heute bleiben die Arme unten, die Jugend konzentriert sich lieber auf die Sandwiches, die nebenan auf Silbertabletts auf Abnehmer warten. Müllexperte Vidal gibt sich trotzdem optimistisch. „Sie verlassen die Anlage mit einem ganz anderen Bewußtsein für die Abfallproblematik”, glaubt er.

Dabei ist der Vortrag durchaus interessant und abwechslungsreich, wenn auch mit fast einer Stunde nicht gerade knapp bemessen. Was auf einen inhaltlich zukommt, erkennt der Besucher bereits vor Betreten des futuristischen Stahl– und Glaswürfels. Gepresste Platten aus Recycling-Material, mal Holz, mal Kunststoff, zieren weite Teile der Fassade.

Der Trend zum Selbstversuch („was sich nicht eignet, wird wieder abmontiert”) setzt sich im Inneren fort. Wände und Schränke strahlen einen offensichtlichen Wiederverwertungs-Charme aus. Im Vortrag selbst dreht sich allerdings alles um das große Abfallmanagement. Und natürlich die Rolle, welche dem Umwelttechnologie-Park zufällt.

Der Beamer wirft reihenweise bunte Bilder, verziert mit langen Zahlen, an die Wand: Zum Beispiel die Mülltrennungsanlage, vom Feinsten, aber „leider noch völlig unterversorgt, weil die wenigen gelben Tonnen auf Mallorca kaum Nachschub bringen”, klagt Vidal.

Theoretisch könnte die Anlage in der Anfangsphase jährlich 10.000 Tonnen Kunststoffabfall nach verschiedensten Kriterien trennen. „Aber wir laufen gerade mal auf 25 Prozent unserer Kapazität.” Immerhin ist die Anlage – übrigens „einzigartig in Europa” – in Betrieb. Das trifft nicht auf alle zu. Noch gänzlich still ist es in der Halle zur Herstellung von Methangas und im Trakt für Kompostierung. In beiden Anlagen soll aber in Kürze mit der Umwandlung von organischem Abfall in saubere Energie begonnen werden, sagt Vidal. In ferner Zukunft, so die Planer des Parks, soll hier Endstation sein für bis zu 130.000 Tonnen organischen Abfalls im Jahr. Bereits seit längerem funktioniert aber das Sammeln und Trennen von Altglas und Papier.

Herzstück der Führung ist zweifelsohne die zehnminütige Fahrt mit dem gläsernen Einschienenzug. Weil das die wieder erwachten und gestärkten Oberschüler ähnlich sehen, schlägt Überdruss in Sekundenschnelle in Begeisterung um. In sieben Meter Höhe schwebt der Besucher lautlos einen Kilometer durch den Technologie-Park. Rechts Mallorcas prächtige Landschaft, links der Müll-Hightech. Eine Stimme aus dem Off gibt Erläuterungen in Catalán, Spanisch und Englisch zum Besten.

Eigentlich sind drei Haltestellen geplant. Weil die Methanisierung und die Kompostierung noch auf sich warten lassen, stoppt der Glaszug nur im Trennungsteil für Kunststoffe. Dem Optimismus der Off-Stimme tut das freilich keinen Abbruch. mehr...

24. Dezember - Ganz Capdepera war aus dem Häuschen: Die Weihnachtslotterie bescherte Mitspielern aus der Gemeinde insgesamt 30 Millionen Euro. Unter den Gewinnern auch die Dortmunderin Sabine Staegemeir (200.000 Euro; Foto: mit Verlobtem Antoni), und Balearen-Tourismusminister Flaquer (18.000 Euro). In Port d'Andratx gewann eine 74-Jährige 200.000 Euro – ihr vierter hoher Lotteriegewinn seit 1991. mehr...

12. Dezember - In weiten Teilen Europas grassiert die Grippe, auch in Spanien. Mallorca blieb bisher weitgehend verschont: Eine Grippewelle wird erst ab Januar erwartet. Impfstoff gibt es allerdings nicht mehr. mehr...

5. Dezember - Mit der Jagd verhält es sich wie mit dem Stierkampf – gleichgültig lässt sie niemanden, dafür ist der Emotionsfaktor zu hoch. Auf den Balearen ist das Jagen tief in der Gesellschaft verankert, Tierschützer stehen trotz mancher Rückendeckung aus Brüssel oft auf verlorenem Posten. Andererseits unterliegt die Aktivität einem dicken Regelwerk von Vorschriften.

Das Angebot vor der Flinte ist auf dem Archipel, verglichen mit dem Festland, eher dürftig. Grundsätzlich wird unter Hochjagd (caza mayor) und Niederjagd (caza menor) unterschieden. Letztere fasst so ziemlich alles zusammen, was im Unterholz lebt oder am balearischen Himmel auszumachen ist: Wachteln, Feldhasen, Rebhühner, Turteltauben, Drosseln und weniges mehr.

In die Kategorie Hochwild fällt des Fehlens von Rotwild wegen nur die Ziege. Das Mallorcaexemplar haben unlängst Tourismusstrategen als Alternative zum Golf– und Yachturlaub entdeckt. In einem Gemeinschaftsprojekt setzten der Inselrat und die Stiftung Natura Parc im Frühjahr vier Ziegen und drei Böcke in der Tramuntana aus. Hat der Bestand einmal eine gewisse Größe erreicht, so die Idee dahinter, dürfen auch Urlauber zum Gewehr greifen.

Geschossen werden darf freilich nicht überall. Da gibt es einmal die privaten Jagdreviere (cotos privados de caza), die an den allgegenwärtigen Schildern auszumachen sind. Und da sind die öffentlichen Reviere, zu denen jeder Zutritt hat, der im Besitz der entsprechenden Genehmigungen (Jagdausweis, Waffenschein, Versicherung) ist.

Jaime Ripoll, Präsident des balearischen Jagdverbands, schätzt die Zahl der Aktiven auf etwa 28.000, zehn Prozent davon Frauen. „Besitzer von großen Landflächen vermieten ihre Jagdgründe privat weiter”, so Oberjäger Ripoll, „während die Eigner von kleinen Grundstücken sich zusammentun und ihre Reviere unentgeltlich dem örtlichen Jagdverein überlassen.” Nicht selten lassen sich Jagdgemeinschaften die Nutzung eines coto privado 30.000 Euro im Jahr kosten.

Die vom balearischen Umweltministerium festgelegten Jagdzeiten richten sich nach Tier und Disziplin. Drosseln dürfen in dieser Saison zwischen 12. Oktober und Anfang Januar erlegt werden, Rebhühner nur von Anfang Januar bis Anfang Februar und Kaninchen von Ende Juni bis Ende Juli. Die Disziplin entscheidet in der Regel über die Wochentage. Mit der Flinte dürfen Kaninchen samstags und sonntags gejagt werden, mit ibizenkischen Hunden an Dienstagen und Samstagen. Bewohnten Häusern dürfen sich Jäger mit Schusswaffen auf 100 Meter nähern.

Eine Besonderheit auf Mallorca ist die Drosseljagd mit Netzen, die so genannte „Caça amb filats”. EU-weit längst verboten, fanden findige Politiker dennoch einen Weg. Sie deklarierten die angeblich über 1000 Jahre alte Tradition zum kulturellen und somit zu pflegenden Kulturgut.

Regelmäßig Kritik kommt von Umweltschützern. So auch dieses Jahr anlässlich des vorgezogenen Jagdbeginns auf Drosseln. Sie argumentieren, dass den Zugvögeln die Chance genommen werde, sich ohne Bedrohung auf die Insel einzustellen. mehr...

14. November - Über Tennis spricht man auf den Balearen mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Da ist der 17-jährigen Rafael Nadal aus Manacor, der in dieser Saison erstmals, zumindest zeitweise, den Sprung unter die ersten 50 der ATP-Weltrangliste schaffte. Nicht wenige sehen in dem Youngster den Nachfolger des balearischen Aushängeschilds Carlos Moyà, derzeit die Nummer sieben in der Welt. Aber da ist auch das gescheiterte ATP-Turnier Mallorca Open, das 2002 nach fünf Ausgaben letztmals stattfand.

Freizeitspieler haben freilich mit den Verbandswirren wenig zu tun. Und seitdem Golf so manchen älteren Jahrgang vom roten Untergrund auf den grünen lockte, gibt es auch kein Schlangestehen mehr. Bei Urlaubern sei Tennis nach wie vor gefragt, sagt Joan Fuster vom mallorquinischen Hoteliersverband, da komme auch der stärker beworbene Golfsport nicht mit. „Viele praktizieren inzwischen auch beide Sportarten.” Ohne konkret Zahlen bieten zu können, schätzt Fuster, dass das Gros der Hotels mit drei und mehr Sternen über Tennisplätze verfüge.

Etwas genauer wird da Luciano Gutiérrez vom balearischen Tennisverband. Rund 1100 kontrollierte Plätze gebe es auf dem Archipel, genutzt von etwa 40.000 Aktiven in verschiedenen Vereinen. Dem Verband gehören über 50 an, „weiter gibt es rund 40 private Anlagen”.

Klubstrukturen wie in Deutschland sind auf Mallorca kaum vorzufinden. In 90 Prozent der Fälle, erklärt Gutiérrez den Unterschied, müsse der Platz pro Spiel bezahlt werden. „Jahresbeiträge, die unbeschränkte Platzmieten einschließen, sind hier nahezu unbekannt.” Dass Tennis dennoch in Spanien ein Breitensport ist, liegt vermutlich an den bezahlbaren Preisen. Für eine Stunde Spiel werden kaum mehr als zehn Euro Platzgebühr fällig, die private Trainerstunde gibt es ab 20 Euro.

Leicht hat es der Tennissport dennoch nicht, wobei man zwischen Residenten und Urlaubern unterscheiden muss. Fuster sieht die Konkurrenz vor allem bei den Funsportarten wie Surfen, Wakeboarden und Skaten, die sich zunehmender Beliebtheit erfreuen. „Das gesamte Freizeitangebot hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen.” Dennoch weiter steigende Mitgliederzahlen meldet Verbandsfunktionär Gutiérrez. Etwas lichter seien die Reihen nur bei den Älteren geworden, „da hat uns der Golfsport Spieler gekostet”. Sorgen mache er sich aber keine, weil der Nachwuchs unverändert stark besetzt sei.

Stark besetzt waren auch die ATP-Turniere der Mallorca Open. Trotzdem ging den Veranstaltern 2002 nach nur fünf Jahren die Luft, oder vielmehr das Geld aus. Der ehemalige Tourdirektor Alberto Tous vermisste „einen stärkeren Beitrag der öffentlichen Hand und des Privatsektors”. Es sei für den balearischen Tennissport sehr bedauerlich, auf dieses Turnier in Zukunft verzichten zu müssen. Freuen durfte sich letztendlich die Stadt Valencia, der die ATP den Zuschlag für die künftigen Austragungen erteilte.

Entmutigen lässt sich Mallorca davon offenbar nicht. Der Regionalregierung schwebt in Zusammenarbeit mit dem balearischen Tennisverband ein Leistungszentrum ersten Ranges vor. Vor wenigen Tagen trafen sich Ministerpräsident Jaume Matas und die beiden Präsidenten des spanischen und balearischen Verbandes zu ersten Gesprächen. Neben einer Vielzahl von Plätzen soll auch ein Center Court für Großveranstaltungen gebaut werden, so die Pressestelle der Balearenregierung. „Bislang ist es noch eine gemeinsame Idee, aber die Zeichen stehen gut.” mehr...

7. November - Der Gastronomieverband Mallorcas will in Restaurants und anderen Lokalen eine Art Preiskontrolle einführen und preisbewusste Wirte mit Plaketten belohnen. Auf diese Weise solle wieder zu einem vernünftigen Preis-Leistungs-Verhältnis zurückgefunden werden, sagte ein Sprecher gegenüber MM. Den Vorwurf allgemeiner Preistreiberei ließ er aber nicht gelten. mehr...

31. Oktober - >Während sich über dem Kulturhaus Santa Margalida dunkle Wolken türmten, holte der scheidende AAM-Präsident Horst Abel zum finalen Donnerschlag aus. Seine Bilanz der ersten zwei Jahre Associació Alemanya i Mallorquina kürte der scheidende Chef mit einer Abrechnung mit der mallorquinischen Politik und Gesellschaft. Als sein Nachfolger wurde erwartungsgemäß Josep Moll Marquès gewählt, bislang Abels Stellvertreter.

Die große Überraschung blieb bei der Jahreshauptversammlung am vergangenen Samstag aus. Abel hatte bereits vor Wochen gegenüber MM seinen Rücktritt vom Vorsitz angekündigt. So konzentrierte sich das Interesse in erster Linie auf die Wahl seines Nachfolgers. Letztendlich bestätigten sich die Gerüchte, wonach der gebürtige Menorquiner Moll nachrücken würde. Seine Wahl erwies sich denn als bloße Formalität, einen Gegenkandidaten gab es nicht.

Reibungslos ging auch die Wahl des stellvertretenden Vorsitzenden (Rolf Siegert), der Schatzmeisterin (Willi Mewes) und des Protokollführers (Rene Bouwman) über die Bühne. Den Vorschlag aus dem Publikum, Abel möge die Verwaltung der Finanzen übernehmen, lehnte dieser aus Zeitgründen ab. Allerdings akzeptierte er das Amt eines Beisitzers.

Für Gesprächsstoff beim anschließenden Buffet sorgte Abels Rundumschlag zu Beginn der Versammlung. Nach einer Einleitung über die Anfänge des AAM schoss sich der Wurstfabrikant auf die mallorquinischen Politiker und Medien ein. Abel sprach von „nationalistischen Scharfmachern”, denen er gezielte Stimmungsmache gegen die Deutschen vorwarf. Seine hitzige Ausführung rund um das Thema Residencia schloss der AAM-Gründungsvater mit einem vorwurfsvollen Vergleich: „Wie werden behandelt wie Menschen zweiter Klasse.” Seinen Vorsitz gab Abel mit einer gemischten Bilanz ab. Man habe in den zwei Jahren mehr erreicht, als bekannt geworden sei. Als Beispiele nannte er die Partnerschaft zwischen Palma und Düsseldorf, den regelmäßigen Austausch mit deutschen Institutionen und das Eintreten für deutschen Interessen auf der Insel. Ausdrücklich enttäuscht zeigte sich Abel von dem mangelnden Interesse, das seine Arbeit unter den Deutschen und Mallorquinern weckte. Für seinen Nachfolger wünschte sich der scheidende Vorsitzende eine „aktivere Zusammenarbeit” von beiden Seiten.

Jeder Chance der aktiven Teilnahme beraubt wurde das Schwein, das die Bar Galmes anlässlich eines Schlachtfestes spendierte. Ordnungsgemäß fand der längst verzehrte Vierbeiner Eintrag in die Vereinsfinanzen. Auf der Einnahmenseite natürlich. mehr...

17. Oktober - Angesichts steigender Immobilienpreise und leer stehenden Wohnraums wird die Mietwohnung zunehmend attraktiver. MM sah sich auf dem Markt um und befragte Experten. mehr...

10. Oktober - Bernat Escanellas sieht dem Ende der Saison mit einem lachenden und weinendem Auge entgegen. Lachend deshalb, weil er sich nach neun Monaten an der Rezeption des Hotels RIU Sofía an der Playa de Palma endlich wieder seiner „großen Leidenschaft Marathon” hingeben kann. Und weinend deshalb, weil während der dreimonatigen Auszeit das Geld knapp wird.

Der Mallorquiner hat einen Arbeitsvertrag, der in Spanien zum Alltag gehört, in Deutschland aber unbekannt ist: Hinter „fijo discontinuo” verbirgt sich eine Flexibilität, die vor allem Arbeitgeber seit vielen Jahren schätzen. In der Regel, so Joan Fuster vom mallorquinischen Hoteliersverband, gehören diese Angestellten fest zur Belegschaft, arbeiten allerdings nur zwischen April und Oktober. Danach nehmen sie ihren Jahresurlaub, die restlichen Monate hilft Geld vom Arbeitsamt über die Runden. „Die Mehrheit der Hotelbediensteten arbeitet in diesem Rhythmus”, sagt Fuster.

Die Gewerkschaften fordern in regelmäßigen Abständen, Arbeitnehmern mit Festverträgen mehr Sicherheit zu garantieren. Nur 10'1 Prozent aller 2002 abgeschlossenen Arbeitsverträge auf den Balearen waren so genannte „fijos”, zeitlich unbegrenzt. Im RIU Sofía haben von insgesamt 83 Mitarbeitern „rund 30 einen Festangestellten-Vertrag”, sagt Direktorin Xisca Sitjar. Auch sie nehmen nach Saisonende Urlaub, werden aber anschließend auf ganzjährig geöffnete Häuser der Kette verteilt.

Die meisten Festangestellten bleiben in den vier Monaten, die die Saisonherbergen geschlossen bleiben, auf der Insel. So auch Escanellas' Kollegin und Rezeptionschefin Tina Ferrer. Kein Wechsel ins tropische Cancun oder auf das Reggae beschwingte Jamaica, „die Familie hat Vorrang”, sagt die junge Frau. Trotzdem täte ein Wechsel mal ganz gut, schließlich treffe man dadurch die Kollegen anderer Hotels wieder. Wo sie den Winter über aushelfen wird, steht noch nicht fest. „Verschiedene Hotels reißen sich um Tina”, spaßt Direktorin Sitjar.

Eine noch flexiblere Vertragsform stellen die kurzfristigen Beschäftigungsverhältnisse dar. Die so genannten „temporales”, sagt Fuster, kommen vor allem bei außerplanmäßigen Ereignissen wie Hochzeiten und Feste zum Einsatz. „Das sind mal zwei Tage, mal eine Woche.” Der spanische Wanderarbeiter, der in der Saison auf den Balearen das Geld für den Winter in der andalusischen Heimat verdient, ist eine aussterbende Spezies. „Das war vor 30 Jahren so, inzwischen haben Südamerikaner die Gelegenheitsjobs übernommen”, sagt Fuster vom Hoteliersverband. Die aufstrebende Tourismusbranche in Südspanien mache zudem das Abwandern überflüssig.

Im Fall der Hotelkette RIU machen zwei der insgesamt acht Hotels an der Playa de Palma für die nächsten vier Monate dicht. Ehe der Letzte die Tür hinter sich zumacht, so Direktorin Sitjar, müsse über drei bis vier Tage gewissenhaft eine Checkliste abgearbeitet werden: „Wasserhähne und Küche werden mit Vaseline eingefettet, auf den Zimmern sämtliches Mobiliar auf die Betten gehievt, die Poolscheinwerfer ausgebaut, elektrisches Gerät eingesammelt und zum Schluss die Vorhänge zugezogen.” Und das sei noch längst nicht alles. Zurück bleibt lediglich ein Hausmeister, der jeden Tag nach dem Rechten sieht.

Umgekehrt dauert alles gar noch länger. „Zwölf Tage lang wird das Hotel vor Saisonöffnung auf Vordermann gebracht”, beschreibt Sitjar, „jede Putzfrau schafft pro Tag anderthalb Zimmer.” mehr...

26. September - Die Zahl der auf den Balearen lebenden Ausländer aus Nord und Süd nimmt immer schneller zu. Bevölkerungswissenschaftler verweisen auf zunehmende Integrationsprobleme: Es gebe zwischen den verschiedenen Gruppen „kaum Querverbindungen” und „keinen gemeinsamen Weg”. Politiker und Soziologen hätten auf die wachsenden Probleme „keine Antwort”. mehr...

26. September - Der Wandel ist längst vollzogen. Aus dem Spanien, das seine Arbeiter zu Hunderttausenden im Ausland verteilte, ist ein Spanien geworden, das seine Grenzen vor dem Ansturm williger Neubürger zu schützen versucht. In keiner anderen Region machen das die Zahlen derart deutlich wie auf den Balearen: 2002 schloss mit fast 25 Prozent mehr Zuwanderern als das Vorjahr.

Politik und Gesellschaft vermitteln den Eindruck, auf dieses Phänomen nicht vorbereitet zu sein. Auf Mallorca spricht man beispielsweise seit geraumer Zeit davon, den Zuzug mit politischen Mitteln begrenzen zu wollen. Doch wie soll das geschehen? EU-Bürger haben das verbriefte Recht, ihren Wohnort frei wählen zu dürfen; und im Falle der Nicht-EU-Ausländer ist das alleinige Sache der Zentralregierung. Viel Rauch um nichts also.

Ängste werden insbesondere durch den drohenden Verlust der Identität – gemeint ist damit vor allem die mallorquinische Sprache – geschürt. Das ist durchaus verständlich, schon deshalb, weil die Menschen hier eine völlige neue Entwicklung hautnah miterleben. Andererseits laufen die selbsternannten Sprachhüter langfristig Gefahr, sich selbst ins Bein zu schießen.

Bevölkerungsexperten sind sich einig, dass nur ein Bruchteil der Zuwanderer sich ernsthaft mit Catalán beschäftigen wird. Gelernt oder (von den immer zahlreicheren Südamerikanern eh schon) gesprochen wird Hochspanisch. Durch stures Festhalten am Catalán werden Einwanderer bewusst am Rande der Gesellschaft gehalten. Auf der anderen Seite beklagt man sich gerne über die mangelnde Integrationsbereitschaft der Neumitbürger. Demographen und Soziologen warnen bereits vor einer Gesellschaft, in der mehrere Kulturkreise aneinander vorbeileben.

Die Inseln werden sich in den kommenden Jahren ihr neues Gewand schneidern. Die Frage ist nicht mehr „Wie viele lassen wir noch rein?”, sondern „Wie lässt sich am besten zusammenleben?” Dabei sollten sich alle Beteiligten öffnen, nicht nur die Balearen, sondern auch all die Deutschen, die immer noch meinen, ohne Sprachkenntnisse hier leben zu können. Diese Einstellung zeugt einzig von Ignoranz und mangelndem Respekt gegenüber der neuen Heimat.

Das Multi-Kulti-Projekt Balearen bedarf aber trotzdem der Politik: Nicht existenter bezahlbarer Wohnraum und trübe Jobaussichten treiben die Begeisterung gen Nullpunkt. mehr...

19. September - Trotz sich häufender Einbrüche hat sich das Verhalten vieler Eigenheimbesitzer in den vergangenen Jahren kaum geändert. „Es herrscht immer noch das Prinzip Hoffnung – es wird mich schon nicht treffen”, sagt Jürgen Baum von der Sicherheitsfirma WSSB. Der Mann muss es wissen, seit Jahren rüstet er inselweit Wohnungen und Häuser mit Alarmanlagen auf. „Gehandelt wird zumeist erst, wenn es zu spät ist.” Dabei kann sich der Eigenheimbesitzer über einen Mangel an Angebot wahrlich nicht beklagen. Wer nicht eine der zahlreichen privaten Sicherheitsfirmen in Anspruch nehmen will, findet die technische Ausstattung in jedem besser sortierten Baumarkt. Anlagen in der unteren Preisklasse sind meist schon um die 400 Euro zu haben. Experte Baum rät von solchen Billig-Geräten aus verschiedenen Gründen allerdings ab. „Die Bedienungsanleitung ist nicht auf Deutsch verfasst und es kommt relativ häufig zu Fehlalarmen”, will er beobachtet haben. Mit der fatalen Folge, dass die Anlage immer seltener aktiviert werde.

Sinn macht in Baums Augen eine Alarmanlage sowieso nur, wenn sie an ein Sicherheitsunternehmen aufgeschaltet ist. Oder zumindest an eine Vertrauensperson in der Nachbarschaft. „Denn was bringt mir das Wissen, dass jemand mein Haus ausräumt, wenn niemand zu Hilfe kommt?” Unternehmen wie Trablisa, Prosegur und Securitas bieten den Rundum-Service. Sie installieren die Anlagen, übernehmen deren Wartung und rücken nach Alarmauslösung mit eigenem Sicherheitspersonal an. Entscheidender Nachteil, so Baum, sei deren relativ einfache Technik und – für viele Deutsche – das Sprachproblem.

José Bayon lässt sich von dieser Argumentation nicht beeindrucken. Der Verkaufsdirektor von Trablisa verweist auf die stetig steigende Nachfrage und sagt: „Unsere Kunden sind zufrieden.” Inzwischen verfüge auf Mallorca fast jedes zweite frei stehende Haus über eine Alarmanlage, „vor fünf Jahren waren es nicht einmal halb so viele”. In manchen Regionen, wie beispielsweise Calvià und im Inselnorden, sei die Zahl seiner spanischen und ausländischen Kunden nahezu identisch. Sprachlich geschultes Personal sei daher selbstverständlich, so Bayon.

In Sachen Technik gehen die Sicherheitsleute Baum und Bayon getrennte Wege. Der Rheinländer arbeitet auf Mallorca bevorzugt mit Funktechnik aus namhafter deutscher und französischer Herstellung. Die ist zwar unter 2500 Euro nicht zu haben, garantiere aber eine höhere Sicherheit. „Sie ist absolut stromunabhängig und damit gegen äußerere Einflüsse wie längeren Stromausfall und Blitzeinschlag resistent.” Zudem wache die Anlage nicht nur über die Innenräume, sondern auch über das Grundstück.

Allerdings haben auch die spanischen Firmen längst die Funktechnik entdeckt, und zwar zu einem wesentlich geringeren Preis. Ein Basis-Kit mit Bedienungszentrale, wenigen Bewegungsmeldern, Sirene und Funkempfang bauen sie bereits ab 150 Euro ein. Hinzu kommt eine monatliche Grundgebühr von rund 20 Euro für den direkten Draht zur Einsatzzentrale. Ein Plus an Ausstattung, wie der Einbau von Kameras und Brandmeldern sowie zusätzliche Bewegungsmelder, treibt die Kosten jedoch schnell in die Höhe. „Auch 6000 Euro sind schnell investiert”, sagt Bayon. Für dieses Geld wird dann auch der Garten überwacht.

Was Markengeräte letztendlich teuer mache, sei der Zwei-Frequenz-Betrieb. „Das ist wie beim Auto”, sagt Baum, „der eine begnügt sich mit der Golf-Klasse, der andere schwört auf die Oberklasse.” Auch technisch versierte Einbrecher, glaubt Baum, stoßen bei Doppelfrequenzgeräten an ihre Grenzen. „Und selbst wenn eine Frequenz erfolgreich manipuliert wird, schlägt die zweite an.” Zudem verfüge diese Technik über ein Antikodiersystem. High-Tech-Anlagen der Hersteller Daitem, ABB und Secal kosten im Allgemeinen zwischen 2500 und 10.000 Euro.

Neben funkgesteuerten gibt es nach wie vor drahtgebundene Alarmanlagen. Gegenüber den Funkanlagen sind sie aber weniger flexibel einsetzbar und erfordern einen höheren Wartungsaufwand. Kurzzeitige Stromausfälle überbrückt ein Pufferakku. Die Kosten, so Baum, liegen unwesentlich unter denen einer Funkanlage.

Doch selbst das modernste Gerät bleibt ohne menschliche Unterstützung im Notfall wirkungslos. „Bis Sicherheitsdienste ihre Leute vorbeischicken, können oft Stunden vergehen”, will Baum die Erfahrung gemacht haben. Trablisas Verkaufsdirektor Bayon will sich zwar nicht auf genaue Zeitangaben festlegen lassen, schließt derartige Verspätungen aber aus. Seriöse Unternehmen hätten ihr Personal an mehreren Punkten stationiert. Ein schnelles Eingreifen, so Bayon, sei dadurch gewährleistet. Übrigens müssen die Firmen zusätzlich die Polizei alarmieren, sobald in einem Objekt zwei oder mehr Bewegungsmelder Alarm auslösen.

Aus Kostengründen bislang noch kaum gefragt ist die häusliche Aufrüstung mit Kameras. Im Fall eines Einbruchs können Hausbesitzern mit WAP-fähigem Handy Live-Bilder des Einbruchs übermittelt werden. Einen Vorteil hat die Sache für Sicherheitsmann Baum: „Damit entfällt die Vorprüfung, ob es sich um einen Notfall oder nur um einen Fehlalarm handelt.” Ansonsten tut Baum die Kameras als Spielerei ab, „mit dem sich Putzfrauen überwachen lassen”. In die gleiche Richtung geht die automatische SMS-Benachrichtigung, wenn im Haus über die Bedienungszentrale Änderungen vorgenommen werden. Meist kostet dieser Service nur einen geringen Aufpreis.

Nur in Futter muss für die vierbeinige Sicherheitsgarantie investiert werden. Einen Hund, egal ob Dackel oder Dobermann, hält Baum für ratsam. „Die meisten Täter suchen das geringste Risiko. Hören sie einen Hund, ziehen sie drei Häuser weiter.” Der Haken an der tierischen Variante: „Das Gebelle wird oft nicht ernst genommen.” Wer es gern etwas exotisch hat, dem empfiehlt Sicherheitsexperte Baum das Nebelsystem. Nach Auslösen des Alarms „sieht der Eindringling innerhalb von Sekunden seine Hand nicht mehr vor Augen”. Der Sicherheitsdienst muss den Täter nur noch auflesen. Die Technik sei aber recht teuer und eigne sich hauptsächlich für gewerbliche Objekte. mehr...

22. August - Bei einem schweren Verkehrsunfall nahe Manacor hat sich der CSU- Bundestagsabgeordnete Christian Schmidt, wehrpolitischer Sprecher seiner Fraktion, mehrere Rippen und das Brustbein gebrochen. Sein Schwiegervater erlag später im Krankenhaus seinen Verletzungen. Ein Pärchen (beide 18) im entgegenkommenden Auto starb noch an der Unfallstelle. mehr...

27. Juni - Alle Sommer wieder treffen Musiker jeglicher Couleur zur Open-Air-Saison auf Mallorca ein. So auch dieses Jahr, wenn auch die ganz großen Knüller ausbleiben. Vorab eine Anmerkung zu den Anfangszeiten: In der Regel beginnen die Konzerte zwischen 21 und 22 Uhr.

Das letzte Juni-Wochenende gehört den etwas rustikaleren Tönen. Am heutigen Freitag, 27. Juni, spielen die spanischen Spaßrocker Mojinos Escozíos im Castell de Son Mas in Andratx. Einen Tag später gibt der mallorquinische Liedermacher Tomeu Penya an der Plaça de San Marçal in Marratxí einen Einblick in sein Country-Repertoire. Eine weitaus größere Fangemeinde dürfte die mexikanische Rockband Maná haben. Sie tritt am Sonntag, 29. Juni, auf dem Parkplatz des Aquapark in Magaluf auf.

Der Juli beginnt mit dem Konzert-Höhepunkt in diesem Sommer, dem zweitägigen (4. und 5. Juli) Festival Isladencanta. Am Freitag kann man sich im Polideportivo Sant Ferran (Palma) davon überzeugen, dass der Großvater des Punk, Iggy Pop, noch keineswegs zu den Leisen gehört. Daneben spielen an diesem ersten Festivaltag diverse spanische Bands. Der Samstag steht im Zeichen der britischen Independent-Gruppen Primal Scream und Supergrass. Freunde elektronischer Musik werden sich eher der Bühne der Franzosen Rinocerose zuwenden. Karten (ein Tag 35 Euro, zwei Tage 55 Euro) gibt es beispielsweise im Corte Inglés.

In Port de Pollença greifen am Samstag, 12. Juli, die beiden Punkbands Boicot und Escorzo in die Saiten. Gemäßigter wird es bei Terence Trent D'Arby am Donnerstag, 17. Juli, in der Sala Assaig in Palma zugehen. Von seiner soulig-poppigen Platte „Introducing the Hardline According to T.T.D'Arby” verkaufte der Amerikaner Mitte der Achziger acht Millionen Stück. Wer es gerne ruhiger mag, sollte am gleichen Abend ins Fußballstadion Son Moix fahren. Dort treten der Tenor José Carreras und der Liedermacher Lluís Llach auf.

Zu den Großen der spanischen Rockszene gehören M-Clan aus Murcia. Was sie draufhaben, davon kann man sich am Donnerstag, 24. Juli, in Santanyí überzeugen. Dort teilen sie sich den Abend mit der Lokalband Mineralwater.

Der August beginnt mit dem Autofanatiker und Modern-Funk-Guru Jamiroquai. Die Engländer werden die Stierkampfarena in Palma (Samstag, 2. August) mit Sicherheit zum Beben bringen.

Richtig interessant wird es dann erst wieder am 26. und 29. August in Felanitx. Am Dienstag kommt die spanische Erfolgsband La Oreja de van Gogh, drei Tage später die beiden Rockklassiker Celtas Cortos und La Cabra Mecánica. mehr...

24. April - Der Februar-Ausflug von Balearen-Präsident Francesc Antich und einigen seiner Minister ins winterliche Nordrhein-Westfalen trägt seine ersten Früchte. Kurt Bodewig, ehemaliger Bundesminister für Verkehr, Bau– und Wohnungswesen und Vorsitzender der niederrheinischen SPD, konferierte am Donnerstag in Palma über die Wirtschaftslage in Deutschland und deren Perspektiven. Damit folgte der Politiker einer Einladung der balearischen Regionalregierung.

Beide Seiten vereinbarten im Februar, die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen ihren Regionen zu vertiefen. Nach Ansicht Bodewigs werden diese Beziehungen in deutschen Wirtschaftskreisen „positiv bewertet”. Schon die Reise der Balearen-Delegation sei mit „großer Aufmerksamkeit” verfolgt worden. Der mallorquinische Markt, glaubt der Sozialdemokrat, sei insbesondere für kleinere und mittlere Betriebe nach wie vor attraktiv.

Die konjunkturelle Flaute sieht der Bundestagsabgeordnete eher als Chance denn als Nachteil. „In Boom-Zeiten mit einem attraktiven Angebot auf den Markt zu kommen, ist schwieriger.” Die bilateralen Wirtschaftsbeziehungen, so Bodewig, sollen vor allem als Kontaktforum dienen. Anfragen gebe es beispielsweise aus den Sektoren Aufzüge– und Verkehrstechnologie.

Wie unterschiedlich die Wirtschaftsstruktur beider Regionen ist, zeigte sich auf der Pressekonferenz. Die spanischen Journalisten konzentrierten sich in ihren Fragen fast ausnahmslos auf den Tourismus. Darin drehte sich alles um die fallenden Urlauberzahlen und die damit ausbleibenden Investitionen aus Deutschland.

Bodewig, zudem stellvertretendes Mitlied im Wirtschaftsauschuss des Bundestags, zeichnete den Himmel über der Insel in rosa Farben. Kein Bange, wenn die angekündigten Strukturreformen erstmal greifen, dann gewinne der Deutsche auch wieder an Kaufkraft, welche er auch auf Mallorca ausleben werde. Außerdem, relativierte er Mallorcas Problem, sei wegen der Irak-Krise der Tourismus in der Türkei ungleich stärker eingebrochen.

Damit nicht genug mit der Optimismus-Offensive. Mallorca brauche auch keine Angst zu haben, die Deutschen würden ihrer vermeintlich liebsten Insel den Rücken kehren, diktierte Bodewig der Presse in die Notizblöcke. Schließlich gebe es hier nicht nur Massen–, sondern auch Qualitätstourismus, kurzum eine „schöne Landschaft mit sehr differenziertem Angebot”. Gerade hierin sieht der Ex-Minister Mallorcas große Chance und Vorteil gegenüber der zunehmenden Konkurrenz: „die unterschiedlichen touristischen Angebote zu vereinen.”

Ein besonderes Lob hatte Bodewig für die neue Balearen-Vertretung in Berlin übrig. „Sie ist nicht nur ein wichtiges Symbol, sondern auch Ansprechpartner für die Wirtschaft.”

Für Urlaub blieb dem Noch-47-Jährigen (Geburtstag 26. April) diesmal keine Zeit. Allerdings konnte er sich noch gut an seinen letzten – und bisher auch einzigen – Aufenthalt vor zwei Jahren mit Familie noch gut erinnern. „Ich war von der Landschaft beeindruckt”, sagt er heute, und gibt zu, dass auch er klischeebelastet die Reise angetreten hatte. Eine Wiederholung sei geplant.

Entspannter konnte sich da schon Martin Dörmann geben. Das Bundestagsmitglied aus Köln weilte gerade zum achten Mal auf der Insel und mochte sich den Auftritt seines Parteikollegen Bodewig nicht entgehen lassen. mehr...

24. April - Europa ist schwanger und steht vor einer schweren Geburt. In ziemlich genau einem Jahr, am 1. Mai 2004, wird die EU um zehn Länder aufgestockt. Was längst abgemachte Sache war, unterzeichneten die 25 Staats– und Regierungschefs jüngst auf einem Treffen des Europäischen Rats in Athen.

Doch längst nicht alle sind über den Nachwuchs erfreut. Balearen-Präsident Francesc Antich reiste vor wenigen Tagen zu Gesprächen mit dem EU-Kommissar für Regionalpolitik, Michel Barnier, nach Brüssel. Im Gepäck hatte der Oberbaleare so manche Sorge. Er fürchtet, dass die Inselgruppe in einer erweiterten EU vollständig an Gewicht verliert.

Die besorgten Töne aus Palma sind keineswegs neu. Unabhängig von der politischen Couleur feilschten die Regionalregierungen seit jeher um mehr Mittel und Wertschätzung aus Madrid. Ihr Argument: Das Inseldasein bringe wirtschaftliche, soziale und territoriale Probleme mit sich.

Zwölf der derzeit 15 Mitgliedsstaaten besitzen solche Inselregionen. Mit 13'5 Millionen Einwohnern stellen sie knapp vier Prozent der EU-Bevölkerung. Eine von der EU in Auftrag gegebene Studie (Eurisles) brachte Licht in die Problematik. So liegt das Bruttoinlandsprodukt BIP pro Kopf in 93 Prozent der Inselregionen unter dem EU-Durchschnitt. Freilich, die Balearen gehören zu jenen sieben Prozent, die überdurchschnittlich gut abschneiden.

Klagen gibt es dennoch zuhauf. „Die Balearen haben die höchsten Flug– und Fährpreise in Europa”, kommt Joan Mesquida, balearischer Finanzminister, auf das Thema Transport zu sprechen. Das treffe nicht nur den Personen–, sondern auch den Warenverkehr. Während für Residenten ein Nachlass von 33 Prozent (für Flüge aufs spanische Festland sowie Ibiza und Menorca) eingeführt wurde, fühlen sich Firmen weiterhin benachteiligt.

Einer Studie der balearischen Handelskammer zufolge führt die Insellage in dreierlei Hinsicht zu Wettbewerbsnachteilen: hohe Transport– und folglich entsprechende Herstellungskosten sowie die Notwendigkeit, außergewöhnlich hohe Lagerkapazitäten zu schaffen. Kunden lassen schlechtes Wetter oder Streik nicht als Entschuldigung gelten.

Mit der Einführung des Régimen Especial Balear (REB) vor fünf Jahren sollte sich vieles ändern. Die Zentralregierung schuf damit den Rahmen für einen finanziellen Ausgleich der durch die Insellage benachteiligten Sektoren. Die Frachtkosten werden seitdem mit bis zu 35 Prozent subventioniert. 2000 stellte die Zentralregierung hierfür rund 2'7 Millionen Euro zur Verfügung. Handelskammer und Unternehmer beklagen jedoch den umständlichen Papieraufwand, viele verzichten ganz auf das Procedere.

Überhaupt ist das Thema REB ein politischer Dauerläufer. Zwar wurde das Gesetz von der konservativen PP-Regierung ins Leben gerufen. Tatsächlich leidet es aber seit der Verabschiedung 1998 unter Blutarmut. Den auf den Balearen seit 1999 regierenden Fortschrittspakt lässt Madrid immer wieder auflaufen. Beispielsweise versucht Palma seit langem, die Flüge innerhalb des Archipels und zum Festland zum „Öffentlichen Interesse” (Servicio Público) erklären zu lassen. Das hieße kontrollierte Verbindungen und Tarife.

Laut Spaniens Verkehrsminister Francisco Álvarez-Casco soll es in den nächsten zwei Monaten soweit sein. Eine Anhebung des Residentenrabattes von 33 auf 50 Prozent, wie es die Balearen-Regierung fordert, lehnt Madrid aber weiterhin ab.

Grundgedanke des REB war auch, Kommissionen aus Vertretern der Zentral– und Balearen-Regierung zu bilden. Was aus solchen hervorgehen kann, zeigt der Gesundheitsbereich. Anfang 2002 gingen die bis dahin landesweiten Kompetenzen auf die Balearen über – und mit ihnen ein Budget von 613 Millionen Euro.

Derartige Kommissionen, wünscht sich Minister Mesquida, sollten auch für andere Bereiche, etwa Energie und Technologie, gegründet werden. Bisher sei allerdings nicht viel passiert, kritisiert er. „90 Prozent der Ankündigungen sind bislang nicht umgesetzt worden.” Wobei die Balearen vor allem in der Energiefrage benachteiligt sind.

Seit Beginn des Jahres können die Spanier ihren Energieversorger frei wählen. Auf den Balearen aber kommt der Strom zwangsläufig weiter von GESA Endesa. Konkurrenz ist am Markt auf den Inseln nicht sonderlich interessiert, weiß Mesquida. „Die Investitionen für eine vergleichbar geringe Bevölkerung sind zu hoch.” Nach der Eurisles-Studie liegen die Kosten für Energieerzeugung auf dem Archipel um 40 Prozent über denen auf dem Festland. Und die Nachfrage steigt.

Während in den vergangenen fünf Jahren die Nachfrage nach Strom landesweit um 24 Prozent stieg, verzeichneten die Inseln mit 46 Prozent nahezu eine doppelte Zuwachsrate. Ins Bild passt, dass sich Palma und Madrid derzeit über das Wie der künftigen Stromversorgung in den Haaren liegen. Die hiesige Regierung pocht auf eine Gasleitung vom Festland, Madrid favorisiert Stromkabel und Gastransport per Schiff. Als vor wenigen Wochen Spaniens Wirtschaftsminister Rodrigo Rato das Projekt REB als quasi beendet betrachtete, war der Aufschrei groß. Erst nachdem selbst Parteikollegen Kritik anstimmten, ruderte der Getadelte zurück.

Letztlich, das unterstreicht die Eurisles-Studie, haben Sonne und Schatten auf dem Archipel einen Namen: Tourismus. Sonne, weil mit den Fremden ein gewisser Wohlstand erreicht wurde. Schatten, weil damit gleichzeitig bewusst wurde, dass Inseln ein fragiles Ökosystem darstellen und nur begrenzte Ressourcen haben.

Beispiel Wasser: Fällt der Regen über längere Zeit aus, müssen wie schon zwischen 1995 und 1999 Tankschiffe aushelfen. In ähnlich trockenen Regionen auf dem Festland, etwa im Süden Valencias und in Murcia, hat man es einfacher. Wasser aus dem Fluss Ebro soll in Zukunft über ein Kanalnetz umgeleitet werden. Im Fall Balearen greift das spanische Umweltministerium dagegen zur Entsalzungsanlage. Die sind allerdings nicht nur in der Anschaffung teuer, sondern verbrauchen viel Strom. Womit man wieder beim Energieproblem wäre.

Wie sehr sich die Inseln dem Tourismus verschrieben haben, macht ein Blick auf den Wandel in den Wirtschaftbereichen deutlich. In der Landwirtschaft arbeiteten 2000 54 Prozent weniger Menschen als noch zehn Jahre vorher. Und zwischen 1996 und 1998 ging die landwirtschaftliche Nutzfläche um 16 Prozent zurück. Als Grund für die Abkehr von der Landwirtschaft sieht die Eurisles-Studie aber nicht ausschließlich den Tourimus.

Vielmehr seien die zur Verfügung stehenden Grundstücke zu klein, um in Zeiten von Massenanbau rentabel arbeiten zu können. Das begrenzte Territorium schlägt daher direkt auf die Arbeitsmarktstruktur durch. Knapp 84 Prozent des BIP werden heute direkt oder indirekt mit dem Urlauber erwirtschaftet. Doch Monokulturen leiden in Krisenzeiten mehr als Mischkulturen. Zudem haben die Balearen eine relativ kurze Saison, was sich in einem hohen Anteil von zeitlich begrenzten Arbeitsverträgen niederschlägt. All das sind Faktoren, die nicht nur nach Meinung von Minister Mesquida bei der Weiterentwicklung des REB berücksichtigt werden müssen.

Allerdings geht es dem durchschnittlichen Balearen-Bewohner nicht so schlecht, wie es manchmal dargestellt wird. Erstens gehören die Inseln zu den Regionen, die ein BIP erwirtschaften, das über dem europäischen Mittel liegt. Und zweitens gelangen sie mit dem Flugzeug günstiger (Ticket kostet etwa zehn Prozent des Einkommens) nach Madrid als die Korsen nach Paris (23 Prozent). Zum Luxus wird der London-Besuch für die Bewohner der Shetland-Inseln: Sie müssen gar 68 Prozent eines Einkommens für den Flieger hinlegen. mehr...