22. Januar - Zuschauer der ARD saßen diesmal nicht in der ersten Reihe, und auf dem Zweiten sah man auch nicht besser. Bei der Live-Übertragung der Amtseinführung Barack Obamas hatten die beiden deutschen TV-Sender den Originalton so weit heruntergeregelt, dass von der Riesenstimmung vor dem Kapitol, von der die Moderatoren ständig schwärmten, akustisch so gut wie nichts in unseren Wohnzimmern ankam.

So erwies es sich als klug, auf CNN umzuschalten. Der US-Nachrichtensender brachte die unglaubliche Begeisterung der Millionen in Washington eins zu eins rüber, und nur hier erschloss sich geballt, warum Obama wie ein Messias gefeiert wurde.

In der Tat ist aus dem Hoffnungsträger nicht nur in Amerika, sondern weltweit der kommende Erlöser geworden, der die Menschheit aus dem tiefen Tal herausführen wird. Aus der Hoffnung auf Obama ist Vertrauen in Obama geworden – eine gewaltige Last, die da einem Einzelnen aufgebürdet wird. Zu gewaltig?

In seiner nicht nur von den Schwarzen begeistert aufgenommenen Antrittsrede zeichnete er seinen Kurs klar vor: Einigkeit statt Zwietracht, entschlossenes Handeln in der Wirtschaft, Unnachgiebigkeit gegenüber dem Terror, Versöhnung mit der muslimischen Welt, energischer Kampf gegen Hunger und Armut und für den Klima-schutz. Er beschwor „eine neue Ära der Verantwortung – die Erkenntnis jedes Amerikaners, dass wir Pflichten haben, uns selbst gegenüber, gegenüber unserer Nation und der Welt”.

Eine eindrucksvolle Antrittsrede; es lohnt sich, sie im Internet noch einmal nachzulesen. Denn sie macht auch klar: Da ist einer, der genau weiß, was er will. Da ist einer, der an seine Kraft, die seines Volkes und die seiner Freunde in der Welt glaubt. Da ist ein Politiker, von dessen Format und Talent es nicht viele auf dieser Welt gibt. (Kein Sarkozy, der gleich tönte, er wolle „mit Obama die Welt ändern”). Da ist einer, der es wirklich schaffen kann, der unser aller Vertrauen und unser aller Unterstützung verdient. mehr...

6. November - Im Oktober war ich zwei Wochen lang an der amerikanischen Ostküste. Zwei Urlaubswochen lang begegnete ich jeden Tag mehrfach Barack Obama – bei CBS und ABC, bei CNN und Fox. Ich verfolgte Dutzende von Ansprachen, und von Tag zu Tag wuchs meine Hochachtung vor diesem Mann. Diesem Ausnahmepolitiker.

Seine Wahlreden unterschieden sich von denen, die wir hierzulande kennen und fürchten. Er war sachlich, nannte die Probleme beim Namen, zeigte Wege auf, wie sie zu lösen seien, und verband dies stets mit seiner Vision von einem neuen, besseren Amerika. Bei keiner Rede las er vom Blatt oder vom Teleprompter ab. Stets zog diese charismatische Persönlichkeit die Zuhörer in ihren Bann, jung wie alt, schwarz wie weiß. Kein Wunder, dass gerade die zuvor politikverdrossene Jugend seine Wahlveranstaltungen stürmte.

Obama hat Amerika von einer Last befreit, hat ihm die Hoffnung auf eine bessere Zukunft zurückgegeben. Amerika will raus aus der Schuldenfalle, will raus aus dem Krieg, will eine allgemeine Krankenversicherung, will Wohlstand für möglichst alle, will zurück zum amerikanischen Traum. Das alles auf den Weg zu bringen, trauen die Amerikaner ihrem künftigen Präsidenten zu.

Und auch Europa setzt auf ihn. Es geht um die großen Aufgaben unserer Zeit: die Vermeidung der Klimakatastrophe, das Ende von Hunger und von Völkermord in der Welt, Ende der Finanz- und Wirtschaftskrise. Obamas Biografie und seine Ankündigungen lassen darauf schließen, dass er sich an die Spitze dieser Bewegung stellt.

Selten hat auf einem einzelnen Menschen so viel Hoffnung geruht. Der kann aber auch der Supermann Obama nur gerecht werden, wenn ihm von allen Seiten Unterstützung zuteil wird. Jetzt sind Europas Politiker gefordert, dem Beifall für den nächsten US-Präsidenten auch solidarische Taten folgen zu lassen.

Obamas Wahlkampf war nur der Auftakt. Ab Januar hat er viel größere Aufgaben zu stemmen. Helfen wir ihm dabei. Denn irgendwie sind wir jetzt alle Amerikaner. mehr...

2. Oktober - Darf man als Minister wichtige Mitstreiter feuern, wenn man mit deren Arbeit nicht zufrieden ist? Zum Beispiel einen Staatssekretär und den Chef einer wichtigen Kommission?

Darf man, meint der unbefangene Beobachter. Darf man eher nicht, weiß der politische Beobachter – wenn die gefeuerten Mitstreiter der eigenen Partei angehören. Darf man überhaupt nicht, weiß er weiter, wenn die Aktion sich auf Mallorca abspielt.

Genau das ist nämlich in der Partei Unió Mallorquina (UM) passiert. Sie stellt in der auf den Balearen regierenden Linkskoalition unter anderem den Tourismusminister. Der, der feuerte, Francesc Buils, wurde jetzt umgehend zurückgetreten. Und hurtig machte sich der düpierte, weil vorab nicht informierte UM-Parteichef Miquel Nadal, bislang stellvertretender Palma-OB, zum Nachfolger.

Diskutiert wurde in der Partei nicht lange, zwischen Rücktritt und Eintritt lagen nur ein paar Tage. Weil es eben einfach nicht geht, einen Parteifreund zu feuern, auch wenn er möglicherweise unfähig ist. Auf Mallorca zählen Parteifreundschaften noch mehr als anderswo.

Dem als Tourismusminister durchaus anerkannten und erfolgreichen Buils haben seine Verdienste nichts genützt – er hat sich eigentlich also selbst gefeuert. In falscher Einschätzung der eigenen Stärke? Oder hatte er nur keine Lust mehr? Denn einfach hat es kein Minister in der Regenbogenkoalition von bürgerlicher Mitte bis ganz links, in der sich ganz unterschiedliche Meinungen zusammenraufen müssen, nur um die Konservativen von der Regierung fernzuhalten.

Dieselben Hoteliers übrigens, die tags zuvor Buils noch ihrer Solidarität versichert hatten („ein sehr guter Tourismusminister”), jubelten tags darauf dem Nachfolger zu. Wie war das noch mit dem Wind und dem Mäntelchen?

Nadal hat nämlich Macht auf Mallorca. Ohne ihn läuft in der Balearen-Regierung wenig, und deshalb hat Ministerpräsident den neuen Kabinettskollegen auch sofort akzeptiert. Oder eine Kröte geschluckt? mehr...

26. Juni - Wir leben in der Zeit der Horrormeldungen. Jeden Tag neue Höchstpreise beim Rohöl und an den Tankstellen. Höhere Kerosinzuschläge und Streckenstreichungen bei Airlines. Der Aufschwung in Deutschland geht zu Ende, die Inflation frisst die Lohnsteigerungen auf, das Leben wird immer teurer. Und die letzte Nachricht vom Mittwoch lautet, dass Erz und damit Stahl drastisch teurer und in der Folge die Autopreise ,,rasant steigen” werden (,,Die Welt”).

Die Konsequenzen sind klar: Die Menschen haben viel weniger in der Tasche, können weniger ausgeben, müssen sparen. Auch am Urlaub. Womit wir bei Mallorca wären.

Der Flug nach Palma ist keine Langstrecke. Eine drastische Rücknahme der Verbindungen ist nicht zu befürchten. Ausnahme: Die Nachfrage sinkt deutlich.

Wird das der Fall sein? Eher nein. Denn am Urlaub haben die Deutschen auch in schlechteren Zeiten nie gespart. Angesichts der steigenden Benzin- und Autopreise ist zudem zu erwarten, dass Flugreisen an Attraktivität gewinnen. Wenn die mallorquinischen Hoteliers die Zeichen der Zeit erkennen und den Urlaubern keine Preishürden setzen, kann die Familienreise nach Mallorca günstiger sein als die mit dem Auto in die Sommerfrische in Österreich. Eine Entwicklung scheint aber auch sicher: Die Häufigkeit von Mallorca-Trips wird abnehmen; mancher wird das Wochenende eher zu Hause verbringen, als mal eben auf die Insel zu fliegen. Dafür dürfte die Aufenthaltsdauer tendenziell zunehmen, da die Reisenden den höheren Flugpreis schließlich ausnutzen wollen.

1990, als der Golfkrieg ausgebrochen war, titelte diese Zeitung: ,,Mallorca profitiert vom Krieg am Golf”. Sicherheitsbedenken führten damals zur Änderung der Reiseplanung: die Destinationen im östlichen Mittelmeer und in Nordafrika wurden gemieden, Mallorca legte zu.

Diesmal geht's ums Portemonnaie. Weil Reisen auf die Insel vergleichsweise preiswert bleiben werden, hat Mallorca erneut die Chance, zum Krisengewinnler zu werden - oder zumindest nicht sehr unter der Krise zu leiden. mehr...

12. Juni - Air Berlin verdoppelt zum kommenden Winterflugplan die Direktverbindungen nach Kopenhagen und Helsinki, teilte das Unternehmen mit. Wird es da nicht Zeit, die Fluggäste auch in dänischer oder finnischer Sprache zu verwöhnen? Und, im Fall Finnlands, auch auf Schwedisch, weil Schwedisch dort zweite Amtssprache ist? Oder, im Fall Dänemarks, auch in den Sprachen Grönlands oder der Faröer-Inseln?

Beispiele, die zeigen, wie absurd die Forderung der für Sprachpolitik zuständigen Abteilungsleiterin in der Balearen-Regierung ist.
Aus gutem Grund verzichten auch die spanischen Fluggesellschaften Iberia, Spanair und Air Europa auf den Einsatz der katalanischen Sprache im Flugbetrieb, wenn man von vereinzelten Durchsagen absieht. Denn Amtssprache in ganz Spanien, auch in Katalonien und auf den Balearen, ist und bleibt die Sprache, die die meisten Spanier und wir Spanisch und nur unsere katalanischsprechenden Mitmenschen Castellano, Kastilisch, nennen.

Von Katalanisch als der ,,offiziellen Sprache der Inseln” spricht die Abteilungsleiterin in ihrem Schreiben an Air Berlin: Stimmt, aber eben auch nur halb. Denn offizielle und gleichberechtigte Sprache der Insel ist eben auch Spanisch.

Seit Amtsantritt der linken Regenbogenkoalition vor gut einem Jahr wird die Weltsprache Spanisch auf den Inseln immer mehr zurückgedrängt. Hunold hat recht, wenn er beklagt, dass Spanisch an vielen Schulen längst wie eine Fremdsprache behandelt wird. Das kann auch nicht im Sinne der sozialistischen Madrider Regierung sein, die gleichwohl die Sprachenvielfalt Spaniens - um möglichst viele Wähler anzusprechen - als eines der kostbarsten Güter des Landes preist.

Die Balearen-Regierung macht die Rechnung möglicherweise ohne den Wirt. Sie vergisst gern, dass die Hälfte der Inselbewohner nicht auf dem Archipel geboren ist und kein Katalanisch spricht. Ob diese - meist schweigende - Mehrheit sich den scharfen Kurs gegen ihre Sprache auf Dauer gefallen lässt, scheint zweifelhaft. Eine Immigrantenpartei hätte auf den Inseln gute Chancen. mehr...

3. April - Mallorca - Dass das Nobelrestaurant Tristán in Puerto Portals Mallorcas Gourmet-Adresse Nummer eins ist, ist sicherlich das Verdienst des genialen Kochkünstlers Gerhard Schwaiger. Seit 19 Jahren verteidigt der Küchenchef aus Memmingen souverän zwei Michelin-Sterne, und der dritte scheint nicht mehr fern.

Seit 1987 steht Schwaiger im Tristán am Herd. Damals war er noch nicht Chef, sondern Sous-Chef - als rechte Hand von Heinz Winkler, den MM jetzt in seinem Drei-Sterne-Restaurant ,,Residenz Heinz Winkler" in Aschau im Chiemgau wiedertraf.

Winkler war damals im Hauptberuf Chef des bekanntesten deutschen Gourmettempels Tantris in München (ebenfalls drei Sterne). Im Auftrag der Eigentümer des Hafens, der Eheleute Graf, schuf er als ,,Mentor" (Margarita Graf) das Tristán, das dem Tantris nicht nur wegen der Umstellung einiger Buchstaben ähnelte: Zusammen mit Schwaiger, der rasch zum Küchenchef aufstieg, setzte er Qualität und Anspruch des Tantris auch im Tristán um.

Als sein Verdienst rechnet sich Winkler heute an, dass er ,,Mallorca vom Ruf der Putzfraueninsel rehabilitiert" habe. Sein guter Name habe Gourmets aus ganz Deutschland nach Mallorca gelockt; zudem habe sich das Tristán auch in der spanischen Gesellschaft etabliert, nachdem der spanische König Juan Carlos erstmals 1988 und dann immer wieder dem Restaurant die Ehre gegeben habe.

Der Name des Monarchen habe in jenen schwierigen Zeiten, als noch nicht alle Produkte jederzeit zu haben waren, Unmögliches möglich gemacht: ,,Mein Maître ging mit einem Foto von sich mit dem König zum Lieferanten und sagte: Heute kommt Juan Carlos zu uns, ich brauche das und das - und bekam es sofort." 1992 beendete Winkler seine Beratertätigkeit im Tristán. Er half bei der Etablierung des Restaurants Las Dunas in Marbella, das sich rasch auch einen Stern verdiente; 1991 hatte er seine ,,Residenz" in Aschau (das Hotel zur Post plus Nebengebäude) erworben. 14 Millionen Mark habe er damals aufnehmen müssen, erzählt Winkler, in zwei Jahren werde er schuldenfrei sein.

Was uns zu der Frage veranlasst, ob man mit einem Drei-Sterne-Restaurant denn noch Geld verdienen könne - schließlich geben zum Beispiel in Frankreich immer mehr Köche ihre Sterne zurück und betreiben die Restaurants auf niedrigerem Niveau, aber lohnender weiter.

Dass man mit drei Sternen kein Geld verdienen könne, sei ,,komplett falsch", sagt Winkler, ,,man darf nur nicht zu klein sein. Ein gut geführtes Restaurant verdient sein Geld." Auch auf Sponsoren habe er stets verzichtet: ,,Etwas Gutes lebt von sich allein."

Aus diesen Gründen gibt es in Aschau, wo Winkler 70 Angestellte beschäftigt, auch keinen Ruhetag. Der Küchenmeister offen: ,,Mit jedem Ruhetag verlöre ich mindestens 10.000 Euro Umsatz. Rechnen Sie das mal aufs Jahr um ... Da kann ich mir gut zusätzliches Personal leisten, um jeden Tag öffnen zu können." Nach Mallorca ist Winkler nur ein einziges Mal besuchsweise zurückgekehrt - als er das Angebot prüfte, aber dann nicht annahm, das Restaurant eines Luxushotels kulinarisch auf Vordermann zu bringen.

Auf seine Arbeit in Aschau hat er sich jedoch nie beschränkt, genauso wenig wie seinerzeit im Fall Tantris. Auf Tristán und Las Dunas folgte 2007 die Gründung des Nobelrestaurants Jeroboam im Ritz Carlton in Moskau, in diesem Jahr soll ein Gourmettempel in Istanbul folgen. ,,Sie glauben gar nicht, wie viel Esskultur es in Russland und in der Türkei gibt", sagt Winkler.

Privat liebt der Südtiroler, der nie richtig ausspannt (,,Urlaub - was ist das?") die thailändische Küche, weil sie so leicht und bekömmlich sei. Am besten für die Gesundheit sei jedoch, sagt der Mann, der mit dem Kochen sein Geld verdient, ,,man isst nichts".

Im Fernsehen ist Winkler grundsätzlich nicht zu sehen. Angesichts der Fülle von Kochsendungen, meint er, falle er mehr auf, wenn er nicht auf dem Bildschirm erscheine.

 

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31. Januar - Hat Angela Merkel, die ja in einer Gegend der DDR aufwuchs, in der Westfernsehen zu empfangen war, in den Jahren bis zum Fall der Mauer auch von Mallorca geträumt?

Vermutlich. Denn damals träumte praktisch jeder DDR–Bürger auch von dieser Insel, die für einen erheblichen Teil der westdeutschen Landsleute längst zum verwirklichten Lebensglück gehörte.

Vielleicht aber auch nicht. Denn es ist nicht bekannt, dass Merkel sich in den Jahren nach der Wiedervereinigung nach Mallorca aufgemacht hätte. Was wir ihr nicht übelnehmen: Die Welt, die sie zuvor nicht kennenlernen durfte, ist Erlebnisraum mehr als genug.

Spät kommt sie also, doch sie kommt. Im Rahmen politischer Routine zwar, aber immerhin. Wobei sie Feindesland betritt: Der spanische Regierungschef, der sie eingeladen hat, ist Sozi, der balearische Ministerpräsident ist Sozi, die Oberbürgermeisterin von Palma ist Sozi. Aber das ficht sie nicht an. Rot steht der Kanzlerin ja auch in Berlin gut.

Die Chance allerdings, Mallorca ein wenig besser kennenzulernen, nutzt Merkel nicht. Jeder weiß, dass die mächtigste Frau der Welt eine enge Agenda hat. Aber hätte es eine Insel, die Abermillionen Deutschen während der Lebenszeit ihrer heutigen Kanzlerin Urlaubsträume wahrmachte, nicht ein wenig mehr Aufmerksamkeit verdient?

Auch die Mallorca–Deutschen sind ein wenig traurig, dass ihre Kanzlerin keine Zeit für sie einplante. Wie gern und wie fröhlich hat Bundespräsident Johannes Rau, als er Mallorca 2002 besuchte, in der Lonja die deutsche Kolonie empfangen! Er nahm sich richtig Zeit für Hunderte von uns.

Wir wissen nicht, verehrte Frau Bundeskanzlerin, um die Wichtigkeit Ihrer Termine am Donnerstagabend oder am Freitag. Hätten Sie einen Tag länger bleiben können? Oder hätten Sie zwei Stunden später aus Palma abfliegen können, Ihren Landsleuten zuliebe? Die freuen sich trotzdem, dass Sie gekommen sind. Und hoffen, ddass Sie bald mit mehr Zeit wiederkommen. Um Mallorca, das sogenannte 17. Bundesland, einmal so richtig zu geniessen. mehr...

3. Januar - Weihnachten und den Jahreswechsel verbrachte Sabine Christiansen in ihrem Haus in Port d'Andratx. Aber Urlaub war es nur tageweise: Zusammen mit einem Teil ihres Teams bereitete die Talklady ihre Rückkehr auf den Bildschirm vor. mehr...

20. Dezember - Das Mardavall Hotel & Spa ist seit seiner Eröffnung 2002 Mallorcas erstes Haus am Platze. In keinem anderen Hotel der Insel wird der betuchte Gast dermaßen verwöhnt. Nun soll die Luxusherberge noch feiner und edler werden – und dies durch einen neuen Namen signalisieren.

Seit Anfang November ist das noble Haus in Costa d'en Blanes, das dem Münchner Schörghuber-Konzern gehört, wegen Renovierung geschlossen. Carsten K. Rath, der Vorsitzende der Geschäftsführung der Arabella Hotel Holding International, spricht lieber von „Feinschliff”. Am 28. Dezember soll es wiedereröffnet werden - als „St. Regis Resort Mardavall”, als erstes St. Regis-Resort in Europa.

Der Name St. Regis, den nur allererste Häuser tragen, ist Programm und Verpflichtung zugleich. Das betrifft Einrichtung wie Service gleichermaßen. Rath gegenüber dem Mallorca Magazin: „Neues Mobiliar, edle Wandfarben sowie hochwertige Stoffe und Dekorationen werden das Haus in noch größerem Glanz erstrahlen lassen. Mit dem Butler-Service rund um die Uhr lesen unsere Hoteliers des Mardavall ihren Gästen jeden Wunsch von den Lippen ab.”

Auch außen zeigt sich die Exklusivität des Luxusdomizils: „Palmen säumen die neugestaltete herrschaftliche Hoteleinfahrt und heißen den Gast willkommen”, so Rath, der auch den Termin der offiziellen Eröffnung nennt: „Um die neue Epoche als St. Regis Resort einzuläuten, findet Ende Februar 2008 eine glamouröse Galafeier statt.”

Die Preise werden steigen. „Aber nicht aufgrund der neuen Marke”, betont der Chef der Arabella Holding, „sondern aufgrund des nochmals verbesserten Hotelprodukts. Das St. Regis Mardavall ist bereits heute der Markt- und Qualitätsführer auf der Insel und wird diese Position durch die Neuerungen nachhaltig ausbauen.”

Noch nichts verraten will Rath über Neuerungen im Arabella Sheraton Golf Hotel Son Vida. Wie die Holding schon vor Monaten angekündigt hatte, soll das Fünf-Sterne-Haus den Namen Le Meridien erhalten. Der Zeitpunkt wird noch nicht genannt, auch nicht der Umfang der beschlossenen Umbauarbeiten. Wie verlautet, sollen die Zimmer größer werden.

Bedeckt hält sich das Unternehmen auch hinsichtlich des neuesten Hotelprojekts im Bereich des Golfplatzes Son Muntaner. Nach MM-Informationen sind die Ausschreibungen jedoch in vollem Gange. Auch Erdarbeiten waren schon zu beobachten.

Das dritte Hotel der Holding auf Mallorca, das Castillo Hotel Son Vida, musste sich vor einiger Zeit herbe Kritik des „Air Berlin Magazins” am Service ge fallen lassen. Rath nahm dazu gegenüber MM wie folgt Stellung: „Wertet man in der Hotellerie das Produkt so enorm auf, wie es beim Castillo Hotel Son Vida der Fall war, inklusive der vorübergehenden Schließung, so kommt es direkt nach dem Opening zur Herausforderung, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter möglichst konkret und schnell auf die neuen Serviceleistungen und die Hardware zu schulen. Hier haben wir nach der Wiedereröffnung des Hotels mit einigen Defiziten zu kämpfen gehabt, die aber allesamt analysiert und optimiert wurden. So präsentieren wir uns heute mit einer hervorragenden Serviceleistung. Es sind schließlich immer die Kritiker, die dazu beitragen, dass das Hotel nun mit der Herzlichkeit und Professionalität auftritt, die die Gäste begeistert. Wichtig ist, dass wir aus den Fehlern gelernt haben und diese nicht wiederholen. Der Gast erwartet heute die Leistung und Herzlichkeit, an die er in unseren Arabella Hotels gewohnt ist.”

Zum Arabella Resort Mallorca zählen auch die Golfplätze Son Vida, Son Muntaner und Son Quint; Letzterer wurde im September eröffnet. Wie war der Start? Rath: „Sehr gut. Son Quint ist ein perfekter Resort-Course. Nicht zu schwer, sehr abwechslungsreich mit tollen Greens und beeindruckenden Ausblicken. Durch diesen dritten Platz bieten wir unseren Gästen noch mehr Abwechslung in ihrem Golfurlaub. Die Gäste honorieren dies. Wir haben viele neue golfinteressierte Gäste ansprechen können.”

Das Clubhaus ist schon teilweise in Betrieb (Proshop, Caddymaster-Breich). Im März wird laut Rath „die feierliche Eröffnung” stattfinden. Die Restauration wird das Frankfurter Lifestyle-Unternehmen King Kamehameha betreiben, das in Palma bereits einen renommierten Club unterhält. Rath zufolge wird „unser Wunschkandidat” ein „neues, innovatives Restaurantkonzept” verwirklichen, „das durch eine lounge-artige Atmosphäre überzeugt”. Dieses besondere Konzept „ergänzt unsere hervorragende Hotelgastronomie vortrefflich. Ebenfalls ist es das perfekte Pendant zum Clubhaus von Arabella Golf Son Vida, wo die klassische Küche im Fokus steht”. mehr...

13. Dezember - Es sind nicht mehr so sehr viele, die sich an die gute alte Zeit erinnern, in der Eselskarren noch zum Straßenbild gehörten, als der Seat 600 das Traumauto war, als die Fahrt zum Beispiel von Peguera nach Palma eine Stunde dauerte, weil die Landstraße eng und kurvig war.

Die gute alte Zeit waren die 60er und 70er Jahre, die Zeit vor der Asphaltierung der Insel. Für den Massentourismus musste das jahrhundertealte Straßennetz erweitert und verbessert werden; die Buskolonnen wären in den engen Carreteras und Caminos stecken geblieben. So sehr dies, etwa im Fall der Küstenstraße längs der Sierra de Tramuntana, bekämpft und bedauert wurde – es gab keine Alternative, sollte Mallorca am weltweiten Urlauberboom teilhaben.

Mit den Millionen Touristen und den Tourismusmillionen kam rasante Motorisierung. Palma hat heute die größte Verkehrsdichte aller spanischen Städte, auf jeden Insulaner kommt mehr als ein Fahrzeug.

Die Folge des Autobooms: Ein Netz breiter Straßen und Schnellstraßen überzieht inzwischen die Insel, monatlich macht eine Stück alter Landstraße einer neuen Trasse Platz.

Je mehr Autos, desto mehr Verkehr und Verkehrssünder. Tausende fahren viel zu schnell oder unter Alkohol- und Drogeneinfluss. Verkehrsrowdys sind alltägliche Plage.

Um die braven Autofahrer zu schützen, verschärft die Polizei die Kontrollen immer mehr. Radarwagen und Alkoholkontrollen gehören zum Straßenbild; jetzt wurden erstmals auch fixe Geschwindkeitskontrollen an den Autobahnen eingeführt .

So nützlich Starenkasten & Co. für Verkehrsdisziplin und Staatssäckel auch sein mögen – es gibt dringlichere Aufgaben. Zum Beispiel, alle Autobahnen durchgehend mit Leitplanken zu bestücken. Viele Menschen sind schon gestorben, weil ein anderes Fahrzeug über den Mittelstreifen gerauscht kam. Gewiss wird der Verkehr durch Kontrollen und breitere Wege sicherer, aber auch durch optimalen Schutz für alle. An den Autobahnen mahnen viel zu viele mit Blumen und Trauerflor geschmückte Kreuze. mehr...

6. Dezember - Spanien ist nicht Italien, und Palma ist nicht Milano. Deshalb glich unsere Fahrt mit dem ersten auf Mallorca zugelassenen Exemplar des neuen Fiat 500 durch Palma und Umgebung nicht einem Siegeszug, wie es im Frühjahr bei der Vorstellung des Nachfolgers des legendären Cinquecento in Italien der Fall gewesen war. Vielleicht lag es aber auch an dem unauffälligen Blau, in dem der Testwagen lackiert war, dass der kleinen Knutschkugel nicht jedermanns Aufmerksamkeit gewiss war. Aber die, die guckten, guckten genau. Sie erfreuten sich an den rundlichen Reizen des kleinen Autos, am schmucken Design des Innenraums.
Unser Testwagen mit dem 100-PS-Benziner war gut, wenn auch nicht üppig motorisiert; schließlich wiegt der Zwerg fast eine Tonne. Den Wert für die Beschleunigung 0 auf 100 km/h gibt das Werk mit 10'5 Sekunden an, die Spitze mit 182 km/h.

Den meisten werden die schwächeren Versionen (siehe Kasten) genügen, denn der 500er ist ein Auto im Wesentlichen für die Stadt. Weil er wendig und mit seiner Länge von nur 3'55 Metern bestens zu parken ist. Die ideale rollende Einkaufstasche.

Man kann mit dem Auto natürlich auf der ganzen Insel unterwegs sein. Aber weil sein Fahrwerk mit leisem Hoppeln stets Auskunft über den Straßenzustand gibt, werden längere Fahrten nicht zum ungetrübten Vergnügen. Und überhaupt nicht zu empfehlen ist beispielsweise die Fahrt von Deutschland nach Spanien. Nicht nur wegen der Hoppelei über eineinhalbtausend Kilometer oder des kleinen Kofferraums: Da das Auto dort wie hier exakt das Gleiche kostet, lohnen sich Überführung oder Import nicht. Den freundlichen Fiat-Händler in Palma freut's.

Der erklärt auch gern die Ausstattung des Flohs. Sieben Airbags sind an Bord; das ist selbst in den höheren Klassen nicht üblich. Dafür kostet die Schleuderbremse ESP Aufpreis. Der Innenraum wirkt keineswegs kleinwagenmäßig; die verarbeiteten Materialien sind deutlich hochwertiger als bei den meisten vergleichbaren Modellen. Der Qualitätseindruck ist deshalb ausgezeichnet, die Sitze sind ausreichend bequem, die Grundausstattung ist erfreulich üppig (ABS, elektrische Fensterheber, Zentralverriegelung, Servolenkung, Radio, komplette Sicherheitsausstattung).

Der Platz ist vorn ordentlich und hinten knapp; das Krabbeln auf die hinteren Sitze ist nur Kindern zuzumuten. Wird die hintere Sitzlehne vorgeklappt, wächst das Ladevolumen auf das Dreifache des Kofferraums.

Den Verbrauch gibt das Werk je nach Motorisierung zwischen 4'2 und 6'3 Litern pro 100 km an, den CO2-Ausstoß mit erfreulich bescheidenen 119 bis 149 Gramm pro Kilometer.

Was braucht man an Extras? Pflicht ist ESP (350 Euro), empfehlenswert vor allem das feste Glasdach (500 Euro), das den Innenraum wunderbar hell macht. Ledersitze (1000 Euro) sind verzichtbar.

Erinnerungen an den alten Cinquecento werden nur bei Form und Farben wach. Ansonsten ist der Nachfolger ein sehr erwachsenes, praktisches, gut ausgestattetes und sicheres Fahrzeug, das sich als Zweitund Stadtwagen bestens eignet. Und nicht nur die Damenwelt wird sich in den süßen Fratz verlieben. Ciao, bello. Vorsicht, Mini. mehr...

9. August - Mallorca - Eine Oase mitten auf Mallorca. Grün, still, lauschig. Genau das, was Körper und Seele am Wochenende brauchen: Hier kann der eine entspannen und die andere baumeln.

Die Rede ist von Pula, einem weitläufigen Anwesen im Insel-Nordosten zwischen Son Servera und Capdepera, mit drei Glanzlichtern:
- einem kleinen, feinen Hotel mit allem Komfort, vor zehn Jahren im ehemaligen Herrenhaus der Finca aus dem Jahre 1581 eingerichtet;
- zwei empfehlenswerten Restaurants mit modern-mediterraner (S'Era de Pula) und mit italienischer Küche (Pasta Pula); und
- einem 18-Loch-Golfplatz, auf dem alljährlich die PGA-Mallorca Classics ausgetragen werden.

Was nicht heißen soll, dass sich hier nur die Professionals wohl fühlen. Was aber bedeutet, dass die Anlage, um den Ansprüchen der Großen gerecht zu bleiben, peu à peu verbessert wird – und so auch den Kleinen immer mehr Freude und Probleme bereitet. Derzeit ist Loch sechs gesperrt – es wird aufwendig restauriert und neu modelliert. (Drum erhält der Golfer aufs Greenfee 50 Prozent Rabatt, weil er nur 17 Löcher spielen kann.)

Pula Golf macht Spaß. Der Platz ist gut gepflegt, auch jetzt im Hochsommer wunderschön grün. Viel mallorquinische Landschaft wurde erhalten und ins Golfgeschehen einbezogen, und der Blick geht oft in die Weite und bis übers Meer. Das Auge golft mit.

Und wer sich den Platz und Plan genau anschaut und außer dem Schläger auch sein Hirn trefflich einsetzt, kann gut sein Handicap spielen oder besser. Pula Golf macht Freude.

Auch wenn die Runde geschafft ist. Das Klubhaus, Teil des erwähnten Hotels, das angesichts seiner 10 Zimmer zu Recht Petit Hotel getauft wurde, verfügt über eine hübsche Terrasse; dort lässt sich's bei Loch-19-üblichen Getränken und freundlicher Bedienung wohl sein. Wer doch ein wenig mit sich und seinen Golfkünsten hadert, tritt wenige Meter weiter in die alte Kapelle des Herrenhauses, um Gnade für das nächste Mal zu erbitten. Der Boden ist recht ausgetreten.

Nicht ganz so die Stufen, die in den Wohnbereich des höchst charmanten Hotels führen. Hübsche, in mallorquinischen Stil eingerichtete Zimmer laden nicht nur zur Siesta nach dem Golfspiel, sondern auch zu ausgiebigem, ungestörtem Schlummer in der Nacht. Pula ist, wie gesagt, eine Oase.

Wobei die Nacht schon einmal spät beginnen kann. Das liegt an Küche und Keller des Restaurants S'Era de Pula, wie Pasta Pula nur wenige Schritte vom Hotel entfernt.

Pasta Pula (empfehlenswert, gute italienische Küche, aber von der spanischen Star-Designerin Agatha Ruiz de la Prada für Erwachsene gewöhnungsbedürftig, für Kids herrlich bunt gestaltet) lassen wir diesmal außen vor und konzentrieren uns ganz auf das Nachbarlokal.

Denn das ist eine echte Überraschung. Beim letzten Besuch auf der hübschen Terrasse von S'Era de Pula vor Jahresfrist noch waren wir wenig begeistert: lieblose Küche, schwacher Service. Jetzt aber: Donnerwetter.

Pula-Inhaber Romeo Sala hat mit Barbara Bresser eine höchst engagierte und versierte Restaurant-Chefin gewonnen; diese wiederum holte sich einen kongenialen Koch: den Deutsch-Algerier Frank Karim Abdat, zuletzt drei Jahre Küchenchef in der Alten Post in St. Anton am Arlberg. Beide haben aus S'Era de Pula ein bemerkenswertes, ein richtig gutes Restaurant gemacht.

Bresser beschreibt die Küchenphilosophie so: „Wir machen eine junge, moderne, zeitgemäße Küche, sehr leicht, sehr mediterran. Wir verzichten auf kräftige Saucen, Sahne oder Butter, arbeiten sparsam mit bestem Olivenöl. Alles kommt absolut frisch auf den Tisch.” Spezialität ist Fisch, der vor allem direkt vom Fischer im Hafen von Cala Rajada gekauft wird.

Es macht Freude, im S'Era de Pula zu essen; wie viel Freude dem Küchenchef seine Arbeit macht, sieht man daran, dass er die Karte jede Woche komplett wechselt. Dazu passt ein sehr ordentliches Angebot vor allem mallorquinischer Weine; die Chefin gibt angenehm fachliche Empfehlungen, welcher Wein zu welchem Gericht passt.

Die Preise sind nicht zu hoch, das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt. Der Gast kommt gern wieder. Wie überhaupt nach Pula, ins Hotel, auf den Golfplatz, in die Restaurants. Auch der lange, durch die neuen Straßen aber auch kurze Weg aus Palma lohnt sich. Der Körper freut sich, der Gaumen lacht und die Seele jauchzt. Wir kommen gern wieder – auf ein perfektes Wochenende. mehr...

21. Juni - >Ihr Entschluss stand längst vor der Wahl fest: Wenn irgend möglich, sollten die Konservativen auf den Balearen nicht weiterregieren.
Zum einen hat Maria Antònia Munar, als Chefin der nationalistischen Unió Mallorquina Zünglein an der Waage der Regierungsbildung, links schon immer geliebt. Zum anderen hat sie nie verwunden, dass sie einst von einem konservativen Regierungschef als Ministerin geschasst wurde.

Ihr ausgeprägter Machtinstinkt hat sie die letzten vier Jahre zwar mit den Konservativen kooperieren lassen; aber mit den Wahlergebnissen vom 27. Mai kam die große Stunde der neuen „Königin von Mallorca”.

Mit dem konservativen Noch-Ministerpräsidenten Jaume Matas hat sie bis Redaktionsschluss am Mittwochabend, dreieinhalb Wochen nach dem Wahltag, ernsthafte Koalitionsverhandlungen nicht geführt. (Wobei der sich fragen lassen muss, warum er Munar nicht frühzeitig mit Koalitionsangeboten in die Pflicht zu nehmen versuchte. Schon kurz nach der Wahl hatte die Presse über Angebote, „die Munar nicht ablehnen kann”, spekuliert.)
Von Anfang an war links für Munar Programm, der (ahnungslose?) Matas hatte keine Chance. Dazu kommt, dass sich Linke und Nationalisten auf dem Lieblingsgebiet der geborenen Katalanin einig sind: die fortschreitende, durchaus aggressive Pflege des katalanisch/mallorquinischen Idioms.

Erst schob Munar dem sozialistischen Partner PSOE das Rathaus von Palma zu, nun folgen auch die Ämter des Minister- und des Inselratspräsidenten. Sich selbst macht sie zur Parlamentspräsidentin; von diesem Sessel aus lassen sich trefflich Strippen ziehen.

Den Posten erhält sie, obwohl ihre Partei mit gerade mal 6'75 Prozent der Stimmen nur drei von 59 Mandaten errang. 93'25 Prozent der Insulaner votierten vielleicht nicht gegen Munar, aber auch nicht für sie. Folge des Wahlentscheids: Auf den Balearen, auf Mallorca und in Palma regieren künftig Koalitionen der Verlierer. Aber auch das ist Demokratie. mehr...

30. November - >
In der letzten Ausgabe betitelte MM einen Artikel aus der Feder des dpa-Korrespondenten in Madrid, Hubert Kahl, über Korruption in Spanien mit den Worten: „Marbella ist überall”. Kein Journalist ahnte zu jenem Zeitpunkt, dass dies in erschreckender Weise und in gewaltigem Ausmaß auch auf Mallorca zutrifft.

Außer den Beteiligten am Korruptionsskandal von Andratx natürlich. Und außer Joan Mesquida, dem mallorquinischen Ex-Finanzminister, jetzt oberster Chef von Guardia Civil und Nationalpolizei, der längst seine besten Spezialisten, gestählt im Austrocknen des Immobilien-Sumpfs an der Costa del Sol, auf die Insel entsandt hatte.

Auf Mallorca wussten natürlich viele, dass im Rathaus von Andratx nicht alles mit rechten Dingen zugehen konnte, weil zum Beispiel in ausgewiesenen Grünzonen gebaut werden durfte, dass Baugenehmigungen illegal erteilt, dass Hände aufgehalten wurden. Aber das ganze Ausmaß des Skandals brutaler Bereicherung hat doch alle überrascht.

Korruption gab und gibt es auch in anderen Gemeinden. Verschämt, im Verborgenen wurden und werden Dinge möglich gemacht. Aber der Fall Andratx mit seiner geballten kriminellen Energie ist einmalig.

Anderswo wird es gern aber auch anders gehandhabt. Da wird ein Antragsteller zum Beispiel gefragt, ob er nicht einen hübschen Betrag für den neuen Sportplatz spenden wolle: Helfe, so wird dir geholfen. Persönlich bereichert sich dabei aber niemand.

Der Andratx-Skandal hat natürlich Auswirkungen auf dem gesamten mallorquinischen Immobilienmarkt. Das Vertrauen der Investoren wird zumindest zeitweise leiden, Nachfrage und Preise könnten zurückgehen.

Aber nicht längerfristig, wenn Mallorca den Skandal als Chance begreift, überall auszumisten, wo es etwas auszumisten gibt, um schließlich als Phoenix aus der Asche wieder aufzufliegen. Denn das (Immobilien-)Paradies Mallorca hat bekanntlich Grenzen und ist nicht vermehrbar. Für ein Domizil im sonnigen Süden in einem Paradies ohne schwarze Schatten darf es dann bald auch wieder ein bisschen mehr sein. mehr...

20. Juli - Mindestens einen Monat lang wird sich der spanische König mit seiner Familie auf Mallorca aufhalten. Wie immer in fast 40 Jahren wird es aber nur zur Hälfte Sommerurlaub sein: Juan Carlos wird Staatsgäste empfangen, er wird sich vom spanischen Ministerpräsidenten über dessen Einschätzung der Weltlage unterrichten lassen, und er wird die „Ferien” bei wichtigen Anlässen unterbrechen.

Das alles macht Schlagzeilen. Sie und die dazugehörigen Fotos in der nationalen und internationalen Presse sind es, die den Monarchen und seine Familie für Mallorca so wertvoll machen.

Einen billigeren Werbeträger für die Insel gibt es nicht. In keinem Monat des Jahres erscheint der Name Mallorca so häufig in der Weltpresse wie im August; manche spanische Klatschpostille lebt nur von Mallorca.

Die Gratisreklame des Königs hat messbare Auswirkungen. Der spanische Tourismus nach Mallorca nimmt stetig zu, und auch im Ausland sagt sich mancher, dass ein Platz so schlecht nicht sein kann, an dem ein König seit Jahrzehnten Urlaub macht. Juan Carlos und seine Gäste korrigieren damit das Image, das der Insel noch immer anhaftet.

Kein Wunder, dass die Inseloberen auch den Mann dauerhaft an Mallorca binden wollen, der dem König dereinst nachfolgen wird: den Kronprinzen Felipe. Schon vor Jahren wurde ihm mit Son Vent ein repräsentatives Anwesen zur Verfügung gestellt. (Das nutzt er allerdings seltener als erhofft, weil er mit seiner Frau Letizia gern auch in deren Heimat Asturien reist.)

Das Tourismusministerium in Palma mit seinem chronisch dün– nen Werbeetat hat in der Königsfamilie seine besten Verbündeten. Dies mag auch ein Grund dafür sein, dass Madrid die Tourismuswerbung für die Insel finanziell so wenig unterstützt: Keine spanische Urlaubsregion verfügt über so attraktive Zugpferde wie Mallorca.

P.S. Natürlich nicht nur königliche. Nehmen wir nur zwei Namen aus dieser Ausgabe: Michael Douglas und Paris Hilton. Die Äußerung des Weltstars zum Beispiel ist auch nicht mit Gold aufzuwiegen. mehr...

10. März - Zwei gute Nachrichten gibt es, aus mallorquinischer Sicht, von der ITB. Die eine: Mallorca wird die beste Saison aller Zeiten erleben. Die andere: Mallorca wird, dank Air Berlin, noch besser an Europa angebunden. Dass Mallorca auch in diesem Jahr wieder gut gebucht sein würde, wussten wir schon vor der ITB; die Reiseveranstalter hatten deutliche Zuwächse signalisiert (MM 09/06). Aber das das Plus gegenüber dem Vorjahr so satt ausfallen würde, hat doch überrrascht: Buchungszunahmen zwischen 20 und 30 Prozent hat niemand erwartet. Mallorca hat wieder einmal profitiert.: Vor allem Angst vieler Urlauber vor Terrorismus und politische Instabilität in den Ländern am südlichen und östlichen Mittelmeer. Aber auch von seinem guten Ruf: Mallorca, da weiss man, was man hat.

Mallorca ist für die deutschen Urlauber nach wie vor eine sichere Bank. Mallorcas Attraktivität beruht auch auf seiner raschen Erreichbarkeit, auf der Vielzahl von Flügen nach Palma. Die meisten Deutschen reisen inzwischen mit Air Berlin an. Nach ihrem Börsengang wird die Airline noch mehr Verbindungen nach Mallorc anbieten. Vielleicht auch aus Deutschland, sicher aber aus anderen europäischen Städten. Denn mit dem neuen Kapital wir Air Berlin sein Netz über Europa enger knüpfen. Mallorca ist ein wichtiger Knotenpunkt darin. Um so wichtiger es für Mallorca, angesichts wachsender Zahlen (neuer) Gäste sein Angebot stetig zu verbessern, sich kontinuierlich aufzuwerten. Wer rastet, der rostet.

Leider kann Mallorca nicht den gleichen Weg wählen wie Air Berlin: nämlich an die Börse gehen, um sich genügend Kapital für den Neuaufbau zum Beispiel der Playa de Palma zu besorgen. Braucht es auch nicht. Kapital, von jedem einzelnen Urlauber mitgebracht, ist ausreichend vorhanden. Auf Unternehmerkonten und im Steuersäckel. Man muss dieser Gelder nur sinnvoll und gewinnbringend investieren. Für alle Seiten. Für Mallorcas Zukunft. mehr...

3. März - Wir sind alle kleine Sünderlein. Wir Deutsche, Österreicher und Schweizer auf Mallorca erfreuen uns, wie unsere Freunde in Deutschland, Österreich oder der Schweiz, ebenfalls an Gottschalk, Tagesschau oder Eurosport. Wir erfreuen uns an Sendungen, die uns eigentlich nicht erfreuen dürfen. Zumindest nicht offiziell. Weil wir nichts bezahlen. Für uns Schwarzseher fallen keine Gebühren an. Wir auf Mallorca sind alle Bösewichte, weil uns nichts anderes übrigbleibt. Wir gucken ARD, ZDF, RTL, Sat.1, ProSieben und so weiter. Per Satellit, weil wir diese Programme über Normalantenne oder Kabel nicht empfangen und für sie, ehrlich leider, nichts bezahlen können (sofern sie gebührenpflichtig sind).

Wir brauchen nur einen Fernseher, eine Satellitenschüssel nebst Zubehör, und Strom. Und sehen, falls die Programme nicht verschlüsselt sind, 700 Astra-Programme.

Bei entsprechender Installation sehen wir sogar Bezahlsender wie Premiere schwarz. Wir können natürlich die Smart Card zum Beispiel aus Deutschland mitbringen und die Gebühren vom dortigen Konto abbuchen lassen. Was aus dortiger Sicht rechtens sein mag, aus hiesiger so ganz legal gewiss nicht ist.

Wo kein Kläger, auch kein Richter. Alle deutschen TV–Sender akzeptieren bisher uns schmarotzende Zuschauer ergeben bis gern, was sowohl mit der vergleichsweise geringen Zahl als auch mit der Werbung für Persil bis Porsche zu tun hat.

Noch. Während sich ZDF und ARD nebst dritten Programmen auslandspolitisch zurückhalten, wittert Satellitenbetreiber SES Astra neue Einnahmequellen. Sendergruppen wie ProSieben– Sat.1 und RTL sollen ihre bisher gratis zu empfangenden Sendungen ab Ende des Jahres verschlüsseln, was der Zuschauer dann nicht nur mit der Anschaffung von Smartcard und Decoder wie bei Premiere, sondern auch mit Gebühren bis zu fünf Euro pro Monat büssen soll.

Wir auf Mallorca würden mit Vergnügen zahlen, für ARD, ZDF & Co. Kaum aber für Programme, die sich mit Werbung goldene Nasen verdienen. Die hätten wir dann doch gern weiter schwarz. mehr...

10. Februar - Auf dem Paseo Mallorca, einer der emblematischsten Straßen Palmas, regt sich Verdruss. Die Toldos (Markisen), die die dortigen Gastwirte aufgespannt haben, um ihre Terrassengäste vor Sonne und Regen zu schützen, müssen verschwinden. Außerdem wird die Zahl der Tische und Stühle reduziert. Die Stadtverwaltung ordnete dies auf Verlangen der Anwohner an, die sich belästigt und behindert fühlen: Mal lacht ein Gast laut, mal ist für den Weg vom am Bordstein geparkten Auto zur Haustür ein Umweg erforderlich.

Auf dem Paseo Mallorca setzt sich damit eine traurige Entwicklung fort, die der historischen Altstadt längst geschadet hat, die sie nachts zunehmend veröden lässt: Auch dort, vor allem im Lonja-Viertel, sind in den Gassen vor den Restaurants gestellte Tische längst verschwunden, weil die Anwohner sich beschwerten, angeblich über zuviel Lärm.

Obwohl die Terrassen nur bis 24 Uhr geöffnet sein durften, und obwohl sich bekanntlich kaum ein Spanier vor Mitternacht zur Ruhe begibt.

Mallorquinische Politiker, die ausgesprochen gern nach Paris oder Rom fliegen, schwärmen nach der Heimkehr stets von dem regen nächtlichen Leben auf den dortigen Straßen und Plätzen, erzählen begeistert, dass sie den größten Teil der Nacht im Freien speisen konnten.

Sie wissen sehr wohl, dass das nächtliche Leben in Paris oder Rom großstädtischer Großzügigkeit, unbürokratischen Gepflogenheiten und zugedrückten Augen zu verdanken ist. Diese Einsichten aber setzten sie zu Hause nicht um, im Gegenteil. Sonst wäre der herrliche Paseo Borne, die Flaniermeile im Herzen der Stadt, längst zum nächtlichen Treffpunkt geworden: auf eine Copa, zum Dinieren, zum Sehen und Gesehen werden.

Niemand erwartet, dass Palma Weltstädte wie Paris oder Rom kopiert oder an sie heranreicht; dafür ist die sogenannte „Balearen-Metropole” ein paar Nummern zu klein. Aber gute Seiten darf sie sich getrost abgucken. Und die eigenen guten Seiten auch bei Nacht präsentieren. Nur eines darf sie nicht: im provinziellen Mief verharren. mehr...

10. Juni - Er ist einer der größten Kämpfer, die ich je gesehen habe. Für sein Alter ist er körperlich sehr weit und mental extrem stark. Er spielt mit gleicher Intensität um jeden Punkt und hat eine vorbildliche professionelle Einstellung. Show auf dem Platz interessiert ihn nicht, er präsentiert Sport pur.”

So beschreibt Charly Steeb, der deutsche Ex-Profi und ehemalige Daviscup-Kapitän, in Halle gegenüber MM den König der Mallorquiner: Rafael Nadal, der sich bei den Gerry Weber Open auch auf Rasen durchzusetzen versuchte.

Was ihm nicht gelang. Ihm fehle eben noch viel, in vielen Bereichen, sagt Steeb nicht nur mit Hinweis auf den Rasen. Zum Beispiel müsse er noch intensiv an seinem vergleichsweise schwachen Aufschlag arbeiten. Der Experte ist jedoch sicher: „Er wird zusammen mit Roger Federer in den nächsten Jahren das Welttennis dominieren.”

Charly Steeb ist aus seiner Wahlheimat Mallorca nach Halle in Westfalen gereist, um die Spiele der Gerry Weber Open für das ZDF zu kommentieren. Nadal und Steeb wohnen im gleichen Hotel, das Gerry Weber Stadion ist nur wenige Meter entfernt. Auf einem Nebenplatz trainiert „Rafa” am Dienstag das erste Mal in diesem Jahr auf Rasen.

Unter Ausschluss der Öffentlichkeit, obwohl „Bild” am Mittwoch berichtet, bei seinem ersten Training in Halle habe „Riesenandrang” geherrscht. Pustekuchen: Weil Sicherheitskräfte das Publikum gar nicht durchlassen, ist in Wahrheit nur eine Handvoll Leute dabei, darunter der Mann von MM.

Nach dem Training gibt sich die Nummer zwei der Welt wortkarg. „Diferente” und vor allem „sehr schnell” sei das Spiel auf Rasen im Vergleich zu dem auf Sand, sagt Rafael gegenüber dieser Zeitung. Fast wortgleich äußert er sich nach der Niederlage gegen Alexander Waske im DSF-Interview mit Boris Becker: Das Spiel auf Rasen sei völlig anderes Tennis, das er noch lernen müsse.

Schüchtern wirkt dieser Mann in Halle, eher ein zurückhaltendes Bürschchen; von einem Star hat er nichts. Wäre er nicht durch seine sechs Turniersiege in diesem Jahr in der Tenniswelt berühmt geworden, niemand würde sich nach ihm umdrehen.

Der 19jährige aus Manacor übt noch, mit dem Ruhm umzugehen. Autogramme gibt er bereitwillig-pflichtgemäß, scheint aber jedesmal froh, wenn er den Filzstift wieder abgeben kann.

Auch Interviews gewährt er, aber wortkarg und ungeübt: In Halle herrsche eine tolle Atmosphäre, die Menschen seien freundlich und die Konkurrenz groß.
Dabei fällt auf, dass Nadal des Englischen nicht übermäßig mächtig ist, kaum einer der deutschen Reporter spricht jedoch Spanisch. So kommt ein Kauderwelsch zustande, das das Gerry-Weber-Open-Magazin „Matchpoint” als „Spanglisch” bezeichnet.

Immerhin: Nadal will in diesem Jahr kräftig Englisch lernen. Wenn er das mit gleicher Intensität angeht wie seinen Sport, sind Interviews mit ihm bald ein Kinderspiel.

In Halle erzählt er MM noch auf spanisch, wie sehr er seinen „Tio Toni”, seinen Mentor und Trainer, vermisse: Der ist nicht mit nach Halle gekommen, sondern auf Mallorca geblieben.

Onkel Toni verdankt Rafael, was Tennis betrifft, fast alles. Zum Beispiel die Erkenntnis, dass „der Erfolg von gestern heute nicht mehr zählt”. Dass er er selbst bleiben und sich jeden Tag weiterentwickeln müsse.

Onkel Toni hat ihn stark gemacht: sowohl mental als auch konditionell, durch unglaublich viel Training im Winter. Muskelprotz Nadal: „Ich kann in jedes Match mit dem Gefühl gehen, körperlich topfit zu sein, vier oder fünf Stunden voll Power durchhalten zu können. Das macht mich auf dem Platz ganz gelassen.”

Noch ein Onkel aus der Sippe der Nadals in Manacor hat den jungen Rafael beeinflusst: Miguel Angel Nadal, der zigfache spanische Nationalspieler, der vor allem beim FC Barcelona und bei Real Mallorca kickte. Onkel Miguel Angel hat Rafael nämlich – wohl eher unfreiwillig – davon abgehalten, Fußballer zu werden: „Ich wollte lieber Tennis spielen, um nicht immer mit ihm verglichen zu werden.”

In der Tenniswelt werden andere an ihm gemessen. Tommy Haas in Halle gegenüber MM: „Hut ab. Rafael ist der Mann der Zukunft.” Wird er die Nummer eins: „Sehr wahrscheinlich.” Bald? „Ziemlich bald, wenn er auf Rasen zurechtkommt.”

Gegen Waske kommt er noch nicht zurecht. Rafael Nadal fliegt erst nach Hause und dann nach England, um sich auf Rasenplätzen auf Wimbledon vorzubereiten. Mit der Intensität, die man von ihm kennt. Der frühe Abschied in Halle gegen die Nummer 195 der Welt wurmt ihn ganz gewiss.

Charly Steeb denkt derweil an einen anderen jungen Spieler: an seinen neunjährigen Sohn Luke, der am Donnerstag (nach Redaktionsschluss dieser Ausgabe) in Santa Ponça sein erstes großes Endspiel bestritt, gegen den besten Mallorquiner seiner Altersklasse. Lukes Vorbilder sind Papa Charly – und Rafael Nadal. Für Tennisspieler ist Mallorca fruchtbarer Boden. mehr...

27. Mai - Die Parteien denken darüber nach, ihre Kampagnen für die Bundestagswahl im Herbst auch auf die großen Ferienziele der Deutschen auszudehnen. Hauptkampfgebiet wäre Mallorca: Von Juni bis September werden mindestens zwei Millionen Wahlberechtigte auf der „Bundeshauptinsel” Urlaub machen. Auch etliche Mitglieder der „Mallorca-Koalition” (Politiker aller Parteien, die Mallorca häufig besuchen) werden kommen und im (Kurz-)Urlaub auf der Insel Entscheidungen für Berlin fällen. mehr...

1. April - Matthias Kühn lud MM exklusiv in seine Villa bei Palma ein – um zusammen mit Sarah Kern Medien-Berichte über die Beziehung der beiden richtigzustellen: „Wir verstehen uns immer besser. Wir haben eine große gemeinsame Basis, und die Zukunft wird bestimmt sehr spannend”. mehr...

11. Februar - Ich habe immer aufgehört, wenn es am Schönsten war, und anderen das Abnagen des Knochens überlassen. Meine Unternehmen habe ich immer am Höhepunkt verkauft.”

Selbstbewusste Worte eines der erfolgreichsten österreichischen Geschäftsleute: Josef G. Egger, der Wiener mit der neuen Heimat Mallorca, wird an diesem Freitag 80 Jahre alt.

Fast hätte er diesen Geburtstag, auf den er sich so freute, nicht mehr erlebt. Im November gab es nach einer Gallenoperation Komplikationen, das Herz blieb zehnmal stehen; Egger lag tagelang auf der Intensivstation – und sprang dem Tod von der Schippe.

„Die Ärzte waren unglaublich gut”, sagt Egger, „heutzutage ist man auf Mallorca medizinisch perfekt aufgehoben.” Sein eiserner Wille, der sein ganzes Leben kennzeichnet, half ihm dabei, in sein zweites Leben, das auf Mallorca, zurückzukehren.

Zurück zu den Anfängen. Eigentlich hatte der dritte Sohn des damals sehr berühmten Schauspielers Josef Egger wie seine Brüder Musiker werden sollen. (Der Vater machte 60 Filme, vor allem Operettenfilme mit Musik von Lehar, Stoltz und Kalman, spielte aber auch in Western mit: In „Eine Handvoll Dollar” mit Clint Eastwood zum Beispiel verkörperte er den Totengräber).

Doch 1945, nach der Rückkehr aus Russland, lernte Egger eine Schweizerin kennen, Hauptaktionärin von Suchard, die offenbar sein wahres Talent erkannte, ihm dringend riet, „einen anständigen Beruf” zu erlernen und ihm einen Job als Schokoladenvertreter bei Suchard besorgte.

Egger kam langsam zu Geld. Doch richtig ans Verdienen ging es, als er auf den Verkauf von Kaffeemaschinen umstieg: Bald war er Generalvertreter Österreich für die damalige Nummer-Eins-Maschine in der Gastronomie „Faema”, fünf Jahre später hatte er 30.000 davon verkauft.

Dann wechselte er zu Westinghouse Electric, dem neben General Electric damals größten Elektrokonzern der Welt. Rasch wurde Egger Generalvertreter nicht nur für Österreich, sondern für den gesamten Comecon, das Ostblock-Gegenstück zur EWG.

Der Österreicher verkaufte nun Stromverbraucher und -lieferanten jeder Art – von der Glühbirne zum Atomkraftwerk. Mit immer größerem Erfolg, der ihn finanziell unabhängig machen sollte. Einen Teil der Gewinne investierte Egger in Hotels und Apartementanlagen auf Teneriffa: Er zählt zu den Entdeckern der heutigen Touristenhochburg Playa de las Americas. Bis auf ein Haus, das sein Sohn führt, hat er alle Hotels jedoch längst wieder verkauft.

Mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion, dem Ende des Comecon und der Öffnung des Ostens zum Westen war es vorbei mit der Sonderstellung von Westinghouse. Egger, damals 60, zog sich zurück – und begann sein zweites Leben.

Das auf Mallorca. Die Insel hatte er auf einer Segeltour kennengelernt. 1985 kaufte er ein Haus in Cala Vinyas, später eine große Finca mit viel Land zwischen Esporlas und Puigpunyent. Er begann Leben und Werk seines großen österreichischen Landsmanns Erzherzog Ludwig Salvator zu studieren, der Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrunderts viele Spuren auf Mallorca hinterließ, und beschloss, ihn und Mallorca in Österreich bekannter zu machen.

Dabei begann Egger selbst auch kräftig Spuren zu hinterlassen, wobei seine reizende Frau Elfi (77, seit 50 Jahren mit ihm verheiratet) anzumerken pflegt, diese seien am ehesten in ihrem Gesicht zu sehen.

Egger gründete 1993 den Österreichischen Verein der Freunde Mallorcas, der etwa 100 Mitglieder hat, von dem der Gründer aber nicht zu Unrecht sagt: „Der Verein bin ich.” Der Ein-Mann-Exekutivausschuss widmet sich fast ausschließlich dem Kulturaustausch zwischen Österreich und Mallorca. „Hier manifestiert sich meine künstlerische Herkunft”, sagt Egger, „ich habe große Freude daran, mich mit Musik und Kunst zu beschäftigen und andere daran teilhaben zu lassen.”

Große Konzerte hat Egger in Palma und in Wien veranstaltet (siehe rechts), große Künstler auftreten lassen. Stars und Publikum kommen gern, wenn „Sepp”, wie ihn seine Freunde nennen, ruft. Jede seiner Veranstaltungen ist ausverkauft.

Josef Egger hat viele Facetten. Er ist ein Philosoph und Philantrop, ein Charmeur und Schwerenöter, ein liebevoller Großvater, guter Freund und großwe Tiewefreund. Er ist der beste Botschafter Österreichs auf Mallorca und der beste Anwalt Mallorcas in Wien.

Er kennt Hinz und Kunz und bringt deshalb Dinge zuwege, die anderen unmöglich wären. Und: „Ich habe mir nie etwas zu Schulden kommen lassen und nie jemanden betrogen. Deshalb kommen auch nur Freunde zu meiner Geburtstagsfeier.”

Sein Haus bei Wien sieht ihn nur noch selten. „Elfi und ich gehören nach Mallorca”, sagt Sepp. Hier baut er Wein an und züchtet Schafe, hier plant er Konzerte und entwirft Programme. Hier feiert er auch seinen 80. Geburtstag, mit der Familie und mit vielen Freunden. Alle, die ihn kennen, schätzen und lieben, Österreicher, Mallorquiner, Deutsche, Schweizer, wünschen Elfi und ihm ein langes gemeinsames, weiterhin erfülltes Leben in bester Gesundheit. Von Herzen Glück und Gesundheit, Herr Kommerzialrat, lieber Sepp. mehr...

11. Februar - Nein, nein, meine Damen (und Herren), auf absehbare Zukunft wird Tchibo keine Dependance auf Mallorca einrichten – zum Leidwesen zahlreicher auf Mallorca lebender Hausfrauen.

Für sie nämlich zählt der Einkauf in einer der fast 1000 Tchibo-Filialen zum Pflichtprogramm beim Deutschland-Besuch. Renner sind Haushaltswaren und Mode: Ob Thermokannen, Unterwäsche, Fahrradkleidung oder Radiowecker – alles ist bei Tchibo besonders günstig und wird begeistert nach Mallorca mitgeschleppt.

Die schlechte Nachricht brachte Michael Meyer auf die Insel mit: Dem ansonsten freundlichen Tchibo-Manager, auf dessen Visitenkarte „Leiter Produktmarketing Non Food und Einkauf” steht, begegnete MM während eines Mallorca-Kurztrips in Camp de Mar.

„Non Food” ist bei Tchibo alles außer Lebensmittel inklusive Kaffee. Meyer ist also, zusammen mit einem Co-Direktor, für all das zuständig, was die Kundschaft in den Filialen nach Passieren der Kaffeetheke verführt, und auch für den Verkauf von Reisen. Die werden im Auftrag vom Veranstalter Berge & Meer vermittelt.

Kaffee, der inzwischen bei Tchibo nur noch knapp die Hälfte des Umsatzes ausmacht, ist auf Mallorca längst zu haben. Warum nicht das übrige Sortiment?

Meyer: „Spanien und Mallorca stehen bei unseren Expansionsplänen zwar auf dem Zettel, aber bei den Prioritäten weiter hinten. Wichtigster Grund sind die gegenüber Deutschland, Großbritannien oder Holland völlig anderen klimatischen Verhältnisse.”

Will sagen: „Ein Teil des TCM-Angebots - vor allem die winterlastige Mode oder alles rund ums Skifahren – wären auf der Insel unverkäuflich.” „Jede Woche eine neue Welt” heißt der Tchibo-Slogan: Im Laufe des Jahres werden unter dem Label TCM Produkte aus praktisch allen Konsumgüter-Branchen angeboten, die Produkte speziell für das Unternehmen in aller Welt gefertigt.

Spürnasen von Tchibo sind ständig rund um den Globus unterwegs, um neue oder interessante, in jedem Fall aber preisgünstig produzierbare Artikel zu finden; diese werden dann unter strengen Qualitätsauflagen zu einem großen Teil in Asien oder Übersee gefertigt: „Jedes Produkt wird von uns definiert und produziert und bekommt dann die Veredelung TCM.”

Das Wichtigste aber ist Meyer zufolge „das sehr gute Preis-Leistungs-Verhältnis, um bei der Kundschaft Spontankäufe generieren zu können”.

Nur auf den Reisen steht nicht TCM drauf. Wie kam Tchibo dazu, auch Reisen zu verkaufen? Meyers Erklärung: „Im physischen Warenbereich hatten wir fast alles abgedeckt. So kamen wir 1997 darauf, die Marke Tchibo auch in den Dienstleistungsbereich zu überführen. Die Reise als hochemotionales Produkt war dabei besonders interessant.”

Denn: „Wenn wir es schaffen, sagten wir uns, bei den ,schönsten Wochen des Jahres' besonders gute Qualität abzuliefern, dann ist das exzellente Kundenbindung und strahlt zusätzlich in die anderen Sortimente ab. Diese Rechnung ist aufgegangen.”

Mallorca als „Mainstream-Destination” habe dabei von Anfang an im Blickpunkt gestanden: „Man kommt an Mallorca gar nicht vorbei, wenn man wachsen will. Und ganz wichtig war für uns, die Insel sowohl im Sommer als auch im Winter anzubieten.”

Für den übrigen Non-Food-Bereich gilt das Hohelied auf Mallorca – noch – nicht. Aber vielleicht wird da ja bald etwas spontan generiert. mehr...

7. Januar - „Am liebsten würde er der ganzen Welt helfen”, sagt Manager Willi Weber im MM-Interview über Michael Schumacher, der 10 Millionen Dollar für die Flutopfer in Asien spendete. Und Weber greift die Pharmabranche an: Von Spenden dieses Industriezweigs habe er nichts gehört: „Dabei sind dies die Unternehmen, die an solchen Unglücken am meisten verdienen”. mehr...

3. September - Im Nobelort Port d' Andratx hat sich eine Unternehmer-Initiative gebildet, die Leben in die Bude bringen will: Erster Streich ist ein Musikfestival am Wochenende (10. bis 12. September), bei dem unter anderen Star Chris Thompson (Manfred Mann's Earth Band auftritt. mehr...

23. April - Erinnern Sie sich noch an die Zeiten, als man beim Besuch der Zugtoilette das Gleis unter dem Abfluss entlanghuschen sah? Als man sich auf dem Gleiskörper verewigte? Als in Bahnhöfen die Benutzung der Aborte gottlob verboten war?

Die Zeiten, als Deutschlands Bahnstrecken für Anwohner und Bahnpersonal noch gesundheitsgefährdend waren, sind zum Glück vorbei. An Mallorcas Küsten jedoch lauern noch immer ähnliche Bedrohungen.

Ein früher Sommermorgen in der Bucht von Sóller. Dutzende von Booten ankern. Die Skipper wachen langsam auf, verrichten das, was Menschen am Morgen zu verrichten pflegen, und betätigen die Spülung.

Nur in wenigen Fällen wandert das Produkt der Notdurft in Fäkalientanks; meist wird es direkt ins Meer gepumpt. Wer zwischen den Schiffen sein Morgenbad nimmt, schwimmt buchstäblich in Scheiße, und ein Gutteil davon schwappt zielstrebig an den nahe gelegenen Badestrand.

Was auf offenem Meer zu Recht niemanden aufregt, wird vor Stränden, vor allem aber in Buchten und Häfen zum Ärgernis. Hier findet oft kaum Wasseraustausch statt, hier reicht die viel gepriesene Selbstreinigungskraft des Meeres nicht aus. Das Wasser bleibt lange verunreinigt, erst sichtbar und dann unsichtbar, Krankheitskeime lauern.

Den Gesundheitsgefahren für die Badegäste soll jetzt mittels einer Verordnung begegnet werden, die der Freizeitflotte die Installation von Fäkalientanks für Toiletten sowie deren Entsorgung in den Häfen vorschreibt.
Ein löbliches Vorhaben, das vielen Skippern nicht, der Umwelt und den Badegästen sehr und gewissen Schiffsausrüstern noch viel mehr gefallen wird.
Aber es ist nur ein Schritt, das Meer – Mallorcas wichtigstes Kapital – rein zu halten. Noch immer pinkeln Tausende nur deshalb hinein, kacken Hunderte nur deshalb in die Dünen, weil an den Stränden Toiletten fehlen.

Die Behörden dürfen sich nicht davon einlullen lassen, dass Mallorcas Badewasser regelmässig Test-Bestnoten erhält. Kein schöner Urlaubsgedanke, dass der Bade-Nachbar sich gerade erleichtert. mehr...

30. Januar - Bei Pere A. Serra herrschte Chaos. Wo immer man ihn besuchte, im Büro oder zu Hause – weil die Fläche der Wände längst nicht mehr ausreichte, war alles vollgestellt mit Bildern. Dazwischen wimmelte es von Keramiken und Skulpturen.

Nun kommt Ordnung in das Chaos. Der MM-Verleger, balearischer Medienmogul und einer der größten Kunstsammler Spaniens, übergibt einen gewaltigen Teil seiner außergewöhnlichen Sammlung aus Jahrzehnten dem Museum Es Baluard und damit der Öffentlichkeit.

Unverständlicherweise weckt dies nicht ungeteilte Freude. Was hat die konkurrierende Presse in Palma, aus Eifersucht auf den Marktführer, in den letzten Monaten gegeifert! Sie protestierte dagegen, dass das Museum aus Steuermitteln errichtet wurde, dass Serra die Werke „nur” für 30 Jahre zur Verfügung stellt, und sie behauptete, er wolle nur seine Eitelkeit befriedigen.

What shalls. Wenn Serra gewollt hätte, trüge das Museum heute seinen Namen. Und: Überall auf der Welt werden Museen mit dem Geld der Steuerzahler finanziert - in aller Regel aber auch die Ausstellungsstücke; Serras Kunstwerke jedoch kosten sie keinen Cent. Und: 30 Jahre sind eine lange Zeit. 30 Jahre, in denen wir, unsere Kinder und unsere Enkel Serras Sammlung bestaunen können. Und schließlich: Warum sollte sie nicht in Es Baluard bleiben oder von seinen Erben ausgetauscht werden, gegen andere Objekte aus seinem Fundus? Wer will heute vorschreiben, was in drei Jahrzehnten geschieht?

Miró, Picasso, Magritte, Moore, Hartung, Kiefer, Baselitz, Lüpertz, Masson - welche Stadt kann so etwas schon vorweisen? Serras Sammlung ist sein Lebenswerk. Er wollte sie der Allgemeinheit zugänglich machen, und seine Idee war es, den vergammelten Rest der Stadtmauer von Palma, die Festung Es Baluard, zu einem der schönsten Museen Europas auszubauen.

Nun haben wir den Salat, wettern die Kritiker. Gott sei dank haben wir den Salat! Auch weil Mallorca mit seinem ohnehin erstaunlichen Kunstangebot (siehe Artikel unten) nun ein Highlight für Menschen vorzuweisen hat, die mit Sonne und Meer eher weniger am Hut haben: Bildungsreisende, Kunstliebhaber nämlich. Mallorca wird für noch mehr Menschen noch reizvoller.

Spaniens König eröffnet den Kunsttempel nicht umsonst persönlich. Und die Karawane zieht weiter. mehr...

9. Januar - TV-Moderatorin Sabine Christiansen denkt ernsthaft darüber nach, Mallorca als Urlaubsdomizil aufzugeben. „Ich habe keine Lust mehr, ich habe die Nase voll”, sagte sie gegenüber MM, nachdem Fotos von ihrem Haus im Südwesten in deutschen Boulevardzeitungen erschienen waren. Gegen die Paparazzi habe sie Anzeige wegen Hausfriedensbruchs erstattet. mehr...