Von Zwiebeln, Feigen und Felsen

| Mallorca |
Verständigung ist leicht: Man muss nur wissen, wie es geht.

Verständigung ist leicht: Man muss nur wissen, wie es geht.

Foto: Istock/Karolina Madej

Wer in der kleinen Bäckerei in Santa Margalida wirklich mitreden will oder am Dorfklatsch in der Bar in Sa Pobla teilhaben möchte, der kommt auf Mallorca mit Spanisch nicht weit. Wenn ein Ausländer Mallorquí spricht – und seien es auch nur ein paar Brocken – dann öffnen sich die Herzen der Einheimischen. Dabei gibt es Ausdrücke und Redewendungen, die immer wieder vorkommen, und sich gut in Gespräche einstreuen lassen. Dabei braucht es natürlich, wie in jeder Sprache, ein wenig Übung, diese richtig anzuwenden.

Das Mallorquí als Variante der katalanischen Sprache ist geprägt von seiner Insellage und der Agrargesellschaft, die hierzulande lange Jahre dominierte.Viele Redewendungen drehen sich deshalb um die Landwirtschaft im weitesten Sinne.

Deutlich wird dies beispielsweise im Ausdruck „Anar como el rei porc“, (herumlaufen wie der Schweinekönig). Was das bedeuten soll? Dass sich jemand schlecht und nachlässig gekleidet hat. Das Gegenteil wäre „Fer-me ses piules“. Piules sind Vögelchen. Die deutsche Entsprechung lautet am ehesten „sich herausputzen“ oder „sich in Schale werfen“. Wer auf Neudeutsch allerdings overdressed ist, der „anar de vint-i-un botons” (geht mit 21 Knöpfen).

Obst und Gemüse muss oft für mallorquinischen Redensarten herhalten. „Ses cames em fan figa” (Die Beine machen die Feige) beziehungsweise „Me facin figa“ (die Feige machen) wollen ausdrücken, dass jemand sehr müde ist. Wenn eine Person einen Anschubser braucht, bietet sich der Ausdruck „da-li cebes“ (jemandem Zwiebeln geben) an. Wenn mallorquinische Freunde allerdings sagen „No siguis poma“ (Sei kein Apfel!), wollen sie ausdrücken, man solle nicht so schamhaft sein. Bekommt man zu hören „Que pareixes bleda!“ (Du wirkst wie Mangold), möchte das Gegenüber einem sagen, dass man sich zu viele Sorgen wegen Nichtigkeiten macht. Weniger geläufig ist „De ses herbes molles se’n torquen es cul” (mit weichen Kräutern wischt man sich den Hintern ab), was ausdrücken will, dass es sich eine Person in einer Situation sehr einfach macht.

Die Verbundenheit der Mallorquiner zu ihrer Insel kommt besonders gut zum Ausdruck in „Com sa roqueta no hi ha res.“ Soll heißen, „so wie Mallorca gibt es nichts mehr“. Sa roqueta, der Fels im Mittelmeer, nennen die Mallorquiner ihre Insel. Die Redewendung wird gern benutzt, wenn ein Insulaner nach einer Reise zurückkehrt. Dieser Ausdruck ist typisch mallorquinisch. Speziell auf Mallorca sagt man auch: „Qui dia passa, any empeny“ (Wem ein Tag vergeht, den drückt ein Jahr). Er bezieht sich darauf, dass die Mallorquiner die Zeit mit Ruhe und Schwerfälligkeit, ohne Hektik betrachten. Beliebter Insel-Spruch ist zudem: „Tal faràs, tal trobaràs“ (Wie du es machst, wirst du es vorfinden). Die Redewendung entspricht: Man erntet, was man sät – im Guten wie im Schlechten.

Dass sowohl Einheimische als auch Residenten auf der Insel eine andere Empfindung für Entfernungen bekommen, drückt diese Redensart aus: „Anar a la Platja d‘es Trenc“ (zum Strand von Es Trenc gehen). Der Strand, der im Pflichtprogramm vieler Urlauber ist, steht dabei symbolisch für große Entfernungen. Wenn man einen Mallorquiner nach dem Weg fragt, bekomme man manchmal von diesem zu hören, „està molt enfora“ (das ist sehr weit weg), obwohl sich das Ziel nur wenige Straßen weiter befindet.

Zu-spät-Kommer werden von Mallorquinern gern mit einem „arribar a misses dites“ begrüßt. Was übersetzt bedeutet: Ankommen, wenn die Messe bereits gelesen ist. Ankommen, wenn etwas bereits vorbei ist. Es ist ein sehr gebräuchlicher und umgangssprachlicher Ausdruck. Er findet in den verschiedensten Situationen Anwendung, wenn jemand zu spät zur Arbeit, zu einer konkreten Verabredung oder zu einem Essen erscheint. „Arribar a misses dites“ stammt aus einem religiösen Kontext, da Mallorca nach wie vor katholisch geprägt ist. Es war und ist während eines Gottesdienst sehr schlecht angesehen, die Kirche zu betreten.

Entfernt einen religiösen Bezug hat „Qui fa feina en diumenge, el dimoni el sa menja” (Wer am Sonntag arbeitet, wird vom Teufel gefressen). Das spanische Equivalent wäre „La que en la fiesta trabaja, siembra grano y coge paja” (Wer am Feiertag arbeitet, sät Getreide und erntet Stroh). Was beide sagen wollen, Sonntag ist Ruhetag, wer dann arbeitet, dem blüht nichts Gutes.

Für Einsteiger in den mallorquinischen Dialekt bietet sich ein „Uep!” an. Die Begrüßung wird gern von hochgezogenen Augenbrauen begleitet. Wer mag, der fügt dem Uep ein „Com anam?” an, so wird daraus „Hallo! Wie gehts?” Ein netter Einstieg ins Gespräch. Wird man allerdings begrüßt mit: „Uep no t‘havia vist!“ (Hi, ich habe dich gar nicht gesehen), kann man davon ausgehen, dass der andere einen bereits vor einer halben Stunde gesehen hat und einfach keine Lust oder keine Zeit zum Hallo sagen hatte.

Was für Neu-Insulaner oft schwer verständlich ist, sind bestimmte Eigenheiten der Einheimischen. „Contar-te rondaies“ (er erzählt dir Märchen). Aus Höflichkeit wird nicht einfach nein gesagt, sondern man bekommt einen vom Pferd erzählt. Das kann beispielsweise auf eine Einladung oder die Frage nach einem Gefallen passieren.

Es ist wohl einer der meistgehörten Ausdrücke: „Ja et diré coses.“ Er entspricht dem Spanischen „Te digo cosas“. Wörtlich: „Ich werde dir Sachen sagen.“ Ja, was denn für Sachen? Die Redewendung bedeutet so viel wie „Ich gebe dir Bescheid.“ Allerdings ist sie keine Garantie dafür, auch Bescheid zu bekommen. Die Redewendung wird auch in einem anderen Kontext gebraucht: Wenn ein Thema lange und ausführlich, aber ohne abschließendes Ergebnis diskutiert wurde, sagt der Mallorquiner auch „Ja et diré coses.” Damit drückt er seinem Gesprächspartner allerdings aus, dass er nicht wieder über dieses Thema sprechen möchte. Dann kommt man auch mit den besten Mallorquí-Kenntnissen nicht weiter ...

(aus MM 35/2019)

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