Wer von der Ferienwohnsiedlung Betlem bei Colonia San Pere weiter Richtung Norden läuft, findet zahlreiche, wunderschöne Badebuchten. | Andreas John

Wer im Hochsommer auf Mallorca keine Lust auf überfüllte Playas hat, sollte in den Nordosten Mallorcas fahren. Am östlichen Rand der Bucht von Alcudia finden sich mehrere Buchten und Calas, die selbst im August relativ menschenleer sind.

Dort reckt sich das Cap de Ferrutx in den Himmel. Hier kommen Freunde abgeschiedener, weitgehend naturbelassener Badebuchten aus Stein und Fels auf ihre Kosten. Zum Beispiel an der Küste unterhalb der Ferienhaussiedlung Betlem, etwa zwei Kilometer außerhalb der Ortschaft Colónia Sant Pere. Von hier führt ein Fußweg entlang am Meer nach Betlem. Auf dem Weg dorthin erreicht man verschiedene Kies- und Steinbuchten wie Cala Sa Macada, Cala des Camp Vells, Cala Fonda oder Cala Mata.

Unterwegs trifft man immer wieder auf seltsam anmutende Bauten. Ob Leuchttürme aus der römischen Besatzungszeit, Beobachtungsposten von Ornithologen oder Unterkünfte für die Rettungsschwimmer am Strand: An phantasievollen Erklärungen für die seltsamen Beton-Türme hat es nie gemangelt. Tatsächlich handelt es sich bei den rund zwölf Meter hohen und etwa drei Meter breiten, nach oben hin schmal zulaufenden Obelisken um Peiltürme, sogenannte torres d´enfilaciò, die zwischen 1940 und 1945 von der spanischen Marine zwischen Colònia de Sant Pere und Alcúdia errichtet wurden – und zwar aus maritim-mathematischen Gründen immer gleich paarweise, wobei einer der beiden Türme stets 200 Meter weiter landeinwärts stand. Noch bis 1970 dienten diese, im Abstand von jeweils 1.240 Metern aufgestellten Naviga­tionspunkte vor allem U-Boot-Kapitänen zur Kreuzpeilung bei Torpedo-Übungen in der Bucht. Heute sind von ihnen weniger als zwei Dutzend übrig, die Mehrzahl davon findet sich zwischen den beiden Urlaubsenklaven von Can Picafort und Port d‘Alcúdia.

Auf den Spuren von Schmugglern und Piraten

Von der Ferienhaussiedlung Betlem weiter Richtung Norden führt der Weg zu zwei echten Paradies-Stränden: Die Playa Na Clara sowie die Playa von Es Vells Marins. Der Strand von Es Vells Marins hat seine Bezeichnung allerdings durch eine traurige Begebenheit: Hier wurde 1958 die letzte Mönchsrobbe (auf Katalanisch Vell Mari) von der Guardia Civil erlegt. Grund waren die jahrelangen Proteste ortsansässige Fischer, die Robben als „Bestien“ ansahen, die nichts anderes im Sinn hatten, als Netze zu zerreissen und ihren Fang zu fressen. Rund zwei Kilometer weiter gelangt man zum Strand von Es Caló. Es ist gleichzeitig die nördlichste Spitze des Cap Ferrutx. Bei Nordwind peitschen hier meterhohe Wellen gegen die ehemalige, längst brüchige Mole des gleichnamigen Hafens. Insbesondere Tabak- und Schnapsschmuggler gingen hier noch bis Anfang der 1970er Jahre an Land, Piraten wählten im 13. und 14. Jahrhundert diesen unwegsamen Ort, um ungesehen auf die Halbsinsel zu kommen. Bei schönem Wetter ist dieser Ort ein echtes Paradies, scheinbar vollkommen vergessen vom Rest der Welt.

Info: Die Felsenstrände erreicht man von Colonia Sant Pere und der darüber liegenden Wohnsiedlung Betlem aus. Anfahrt von Palma nach Artà und von dort Richtung Can Picafort. Dann links der Abfahrt "Colonia San Pere" folgen.

Alle Strände sind "naturbelassen", sprich es gibt hier keinerlei Serviceeinrichtungen wie Rettungsschwimmer, Toiletten,etc. Bars und Restaurants finden sich in Betlem oder Colonia San Pere.