Eine Mitarbeiterin in einer Bar in Palma stellt per Fernbedienung die Temperatur der Klimaanlage an der Wand ein. | Pilar Pellicer

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Um Gas und Energie einzusparen, plant die spanische Zentralregierung, die Klimaanlagen im Sommer auch auf Mallorca deutlich zu drosseln. So sollen dann Innenräume nicht unter 27 Grad gekühlt werden dürfen. Im Winter wiederum solle die Heiztemperatur die 19-Grad-Marke nicht übersteigen.

Das dürfte hart werden: Denn gerade während des langen Sommers im Lande lieben viele Spanier deutlich herabgekühlte Innenräume in Büros, Arbeitsbetrieben, Läden und öffentlichen Verkehrsmitteln. Nicht wenige Mitteleuropäer empfinden den Luftzug aus dem Klimaanlagen dann sogar als zu kühl und beginnen zu frösteln.

Das soll nun alles werden. Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez will am Montag im Kabinett ein Dekret zur Energieeinsparung auf den Weg bringen, das die Abhängigkeit von russischem Gas reduzieren soll. Ein weiterer Punkt in dem Vorhaben sieht vor, dass bei Behörden und Kaufhäusern die Türen der Einrichtungen so lange wie möglich geschlossen bleiben, um Wärme- und Kälteverluste zu vermeiden, wenn die Klimaanlage oder die Heizung eingeschaltet ist. Neben großen Warenhäusern sind davon auch andere Unternehmen wie Hotels und Bankfilialen betroffen.

27 Grad als obligatorische Zielvorgabe im Sommer: Darunter soll per Klimaanlage in Behörden und Büros nicht gekühlt werden.

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Das Dekret solle unmittelbar in Kraft treten, nachdem es vom Parlament innerhalb einer Frist von höchstens 30 Tagen bestätigt wird. Für Privathaushalte werde es vorerst keine obligatorischen Einschränkungen geben. Ihnen wird jedoch das gleiche Prozedere empfohlen, um zu einer Reduzierung des Energieverbrauchs beizutragen. „Energiesparen ist eine Aufgabe für alle und hat Priorität“, betonte Sánchez am Freitag und unterstrich, dass die Senkung der Energierechnung dazu beiträgt, „die Abhängigkeit vom Aggressor Putin zu verringern und die Inflationskurve zu beugen“.

Das Endziel sei eine Senkung des Gasverbrauchs um 7 Prozent. Ursprünglich hatte die Europäische Kommission eine Senkung um 15 Prozent in allen Mitgliedstaaten vorgeschlagen, doch Spanien und Portugal erreichten eine Ausnahme für die Iberische Halbinsel. „Wir müssen 7 Prozent einsparen, und wir alle müssen uns daran beteiligen“, sagte Sánchez.

Nach Angaben der Internationalen Energieagentur (IEA) lassen sich durch eine Senkung des Thermostats um ein Grad etwa 7 Prozent der für das Heizen verwendeten Energie einsparen. Ebenso könnte eine Anpassung der Klimaanlage um ein Grad den Stromverbrauch um fast 10 Prozent senken.

Kuriose Geste: Verzicht auf Krawatte

Sánchez war zur Präsentation seines Vorhabens ohne Krawatte erschienen, was bei ihm nicht die Regel ist. Er erklärte dazu „Sie sehen, ich trage keine Krawatte. Das bedeutet, dass jeder von uns zum Energie sparen beitragen kann.“ Er habe alle Minister und alle Funktionäre des öffentlichen Dienstes dazu aufgerufen, im Sommer auf die Krawatte zu verzichten. Auf diese Weise sollen die Beschäftigung auch ohne allzu intensive Raumkühlung nicht ins Schwitzen geraten. Der Privatwirtschaft empfahl Sánchez ebenfalls auf die Krawatte, wo immer möglich, zu verzichten.