Einsam leben, einsam sterben

Gedenkfeier für anonym verstorbene Deutsche

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Gedenkfeier für anonym verstorbene Deutsche: Am Dienstag, 1. November, im Anschluss an die katholische Messe zu Allerheiligen um 12 Uhr in der Kirche Santa Cruz in Palma (c/ Sant Llorenç 1), findet um 13 Uhr eine nicht konfessionelle Gedenkfeier für anonym verstorbene und vergessene Deutsche statt.

Es sind die Zeichen unserer Zeit, sagt die deutsche Konsulin Regina Lochner, so präsent wie manch einer es auf Mallorca nicht für möglich halten würde: Eine beträchtliche Anzahl von Deutschen auf Mallorca sterben ebenso einsam, wie sie hier gelebt haben. Im Todesfall gibt es für viele weder Freunde noch Angehörige, niemanden, der sich um Grabstätte, Bestattung oder Andenken kümmern würde.

"Hier im Konsulat werden uns Monat für Monat Todesfälle von Deutschen gemeldet, die vollkommen vereinsamt auf der Insel gelebt haben. Oft ist es unmöglich, deren Angehörige zu ermitteln." Rund 20 solcher Fälle landen pro Jahr auf dem Schreibtisch der Konsulin, im Schnitt ein Fall pro Monat. Das seien 20 Prozent aller verstorbenen Deutschen auf Mallorca. "Die Gemeinden melden uns die Personen, und wir versuchen dann, über das Bundeskriminalamt in Deutschland Angehörige ausfindig zu machen." Gelingt das nicht, würden die Deutschen auf Kosten der jeweiligen Inselgemeinde eingeäschert und in einer anonymen Grabstätte, der sogenannten "fosa común", bestattet. Es komme auch vor, dass Familienangehörige aufgestöbert würden, sie aber weder mit den Kosten noch mit den Formalitäten der Bestattung etwas zu tun haben wollen.

Jeder fünfte Deutsche, der auf Mallorca stirbt, wird demnach nach seinem Tod von niemandem vermisst. Eine traurige Tatsache, die die Konsulin Lochner nun zusammen mit den beiden Pfarrern der deutschen Kirchengemeinden - Dr. Peter Wehr und Klaus-Peter Weinhold - veranlasst hat, am 1. November einen Gedenkgottesdienst zu Ehren der anonym Verblichenen zu organisieren (siehe Kasten). "Wir wollen eine nicht konfessionelle, weltlich religiöse Feier abhalten", erklärt Konsulin Lochner. Sie selbst werde ein paar einleitende Worte sagen, die Feier werde von Musik und Gebeten begleitet.

Der Gedanke an den eigenen Tod, so zeige sich immer wieder, sei für viele offensichtlich immer noch ein Tabuthema. Dabei sei es gar nicht so kompliziert, die eigene letzte Ruhestätte zu organisieren, vorausgesetzt, man ist bereit zu zahlen.

"Die günstigste Einäscherung kostet auf Mallorca rund 1200 Euro", weiß Ruth Albrecht, Vorstandsmitglied der deutschen evangelischen Kirchengemeinde auf den Balearen. Im Gegensatz zu Deutschland sei es hier aber anschließend erlaubt, die Urne mit nach Hause zu nehmen, die Asche zu verstreuen, oder eine Seebestattung ohne große Formalitäten abzuhalten. "Im letzteren Fall bestehen die Urnen aus Muschelkalk oder Salzteig, der sich innerhalb kurzer Zeit im Wasser auflöst", sagt Weinhold.

Rund 20 Trauerfeiern pro Jahr hält der evangelische Pfarrer auf den Balearen ab, dabei verteilten sich die Bestattungen zu je einem Drittel auf Urnenbegräbnisse, Särge in Grabkammern und Seebestattungen. Wer in einer klassischen Grabkammer seine letzte Ruhe finden will - im Sarg oder in der Urne - kann das Nutzungsrecht für eine solche Kammer auf dem Gemeindefriedhof erwerben, in der Regel mit einer Laufzeit von 20 Jahren, die verlängert werden kann. Erdbestattungen wie in Deutschland sind in Spanien nicht üblich.

Die klassischen Trauerfeiern, so beobachtet auch Pfarrer Wehr, gebe es kaum noch. "Die Bestattungskultur hat sich sehr verändert in den vergangenen Jahren. Ein klassisches Requiem will kaum noch jemand." Grabstein, Grabpflege und Beerdigungskosten scheuten viele. Das passe zu der steigenden Zahl der anonymen Sozialbegräbnisse.

Ganz anonym würden die einsamen Toten auf Mallorca übrigens doch nicht von der Bildfläche verschwinden. "Die Sozialgräber tragen zwar keine Namen, aber die Gemeinden führen ein paar Jahre lang Buch über die Verstorbenen, die in den 'fosas comunes' der Gemeindefriedhöfe beerdigt werden", erklärt die Konsulin. Sollte sich nach Jahren also doch noch jemand für einen Verstorbenen interessieren, sei es möglich, über die Friedhofsverwaltungen Informationen zu erhalten.

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