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Mit seinen drei Monaten und 15 Kilo hat "Manito" schon ein echtes Tiger-Kampfgewicht – während "Tita", gerade zwei Monate alt, noch dreimal pro Tag die Flasche kriegt. Der Spieltrieb hat sie beide voll im Griff: Der platt-rot-weiße Fußball in ihrem Gehege hat schon einiges mitgemacht, und wenn ihr Pfleger, Mariano Mas, sich den beiden anschließt, schlägt zumindest Manito vor Freude buchstäblich Purzelbäume.

Von hinten stürmt er auf seinen am Boden sitzenden Menschenfreund zu, legt ihm beide Pranken auf die Schultern, bis er in einer Art Rolle vorwärts vor ihm wieder auf dem Boden landet – rücklings, alle vier Pfoten in die Höhe gestreckt.

Hinter dem Spiel, so Mariano, steckt indes schon Training für später, wenn der ausgewachsene Tiger ein Gewicht von rund 250 Kilo erreichen kann: "Diese Spielart zeigt bereits das typische Beuteverhalten: In freier Natur drückt der Tiger sein Opfer mit den kräftigen Vorderpfoten nach unten und tötet es mit einem Biss in den Nacken."

Dass Manitos Spiel schon jetzt mit einer "Unterwerfungsgeste" vor seinem Pfleger endet, ist wichtig: "Chef im Ring" muss Mariano sein – und es vor allem auch bleiben.

Die beiden Bengal- oder Königstiger (Panthera tirgris tigris; Ursprungsland: Indien/Bangladesch) sind Neuzugang und Stolz zugleich des "Natura Parc" bei Santa Eugènia. Sie stammen aus einem zoologischen Park in Belgien. Ihre Mütter, erläutert Mariano Mas, haben nicht alle Jungtiere ihres ersten Wurfes angenommen, daher seien sie so frühzeitig an den Tierpark auf Mallorca verkauft worden.

Während "Tita" noch die Flasche reicht, kriegt Manito schon dreimal pro Tag Fleisch: vor allem weißes, das sei leichter verdaulich, auch rotes mit Knochen, damit die Kalziumzufuhr von Anfang an stimmt. Demnächst sollen sie ihr Freigehege bekommen: 250 Quadratmeter mit Höhlen, Anhöhen, Tümpeln und vielfältiger Vegetation.

"Wie alle Tiere hier sollen die Tiger in einer artgerechten Umgebung leben, die stimulierend wirkt und ihre natürlichen Instinkte aktiviert", so Mariano, der bereits Erfahrung mit Tigern hat.

Um die beiden an sich zu gewöhnen, verbringe er zurzeit sieben, acht Stunden täglich mit ihnen – wie alle Katzenarten seien sie sehr "unabhängig", man dürfe nie vergessen, dass sie Wildtiere seien. Das Gute: "Bei Tigern merkt man Veränderungen recht deutlich – sie greifen nicht unvermutet an, sondern zeigen vorher, wenn etwas nicht stimmt."